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hersfelöerTagebl att Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 2S6 (Erstes Blatt» Sonnabend, den 31. Oktober 1931 81. Jahrgang

: Anzeigenpreis: Die einspaltige Petltzelle 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus).

: Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- ; Nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant-

:: wörtlich: Kranz Kunk in yersfeld. Kernsprecher Nr.

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: Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1^0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgelo, für Kersfeld 1*20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Ludwig : Kunks Vuchdruckerei in Hersfeld, Mitglied desvdZV.

Dunkle Pläne Denefchs

Prag schlägt Wien mit französischem Einverständnis weitgehende wirtschaftliche Zusammenarbeit vor

Generaldebatte im Wirtschasts- beirat beendet

Die Ausschüsse beginnen ihre Arbeit.

Berlin, 31. Oktober.

Die Generalaussprache des Wirtschaftsbeirates wurde gestern nachmittag unter Vorsitz des Reichspräsidenten zu Ende geführt. Es wurde ein erfter Ausschuß eingesetzt, der sich zuerst mit den St illhaltep roble- m e n befassen soll und unter Vorsitz des Reichskanzlers heute früh feine Beratungen auf Grund der Vorschläge der Reichs- regierung beginnen wird. Diesem Ausschuß werden die Mit­glieder des Wirtschaftsbeirates Dr. Pferdemenges, Dr. Schmitt, Dr. Schmitz und Dr. Silverberg angehören, zu denen noch einige weitere Sachverständige treten werden.

Die übrigen dem Wirtschaftsbeirat zur Begutachtung vorzulegenden Punkte werden in zwei weiteren Ausschüssen behandelt, die die Reichsregierung im Laufe der nächsten Woche einberufen wird. Nach Abschluß der Ausschußarbeiten ist eine Sch l u ß a u s s p r a ch e unter Vorsitz des Reichs­präsidenten in Aussicht genommen.

Deutsch-franzöfische

GewerKschastsbesprechungen

Paris, 31. Oktober.

Die Vertreter der deutschen und der französischen Ge­werkschaften, die dem deutsch-französischen Wirtschafts­ausschuß angehören, also deutscherseits Tarnow, Scheitzer und Arons und fraklzösischerseits Jouhaux und Chevalier, sind gestern in Paris zu einer gemeinsamen Besprechung zusam- mengetreten. ^»^''qch^st-^hr^r^ppüf^» hu Lage Hub die Bcoglichkeiten einer

Zusammenarbeit zwischen der französischen und der deutschen Wirtschaft zwecks Minderung der gegenwärti­gen Arbeitslosenkrise.

Sie erklärten, unter den gegenwärtigen Umständen müßte jede wirksame Bemühung auf die Hebung der K a u f k r a f t, die Herabsetzung der Zahl der Arbeitslosen und die Sanie­rung der Beziehungen zwischen den Völkern im allgemeinen und zwischen Deutschland und Frankreich im besonderen ein­gestellt werden. Dies sei durch eine Politik friedlicher Zu- sammenarbeit zu erstreben, die das für jede Wiederbelebung der Wirtschaft notwendige Vertrauen wieder herstelle.

Holland will Einfuhrkontingentierung

Haag, 31. Oktober.

Die Regierung hat bei der zweiten Kammer einen Ge­setzentwurf eingereicht, der zeitlich begrenzte Maßnahmen zu einer Kontingentierung der Einfuhr für bestimmte Waren vorsieht. Die betreffenden Einfuhrbeschränkungen sollen gleichermaßen für alleLänder gelten. Die Ausarbeitung der Ausführungsbestimmung zu dem Gesetzentwurf soll der Regierung obliegen.

Amerika, Italien, Schweden, Norwegen für Nüstungspaufe

Washington, 31. Oktober.

Die amerikanische Regierung nimmt in einer an das Se­kretariat des Völkerbundes gerichteten Note den Vorschlag eines Rüstungsfeierjahres an unter der Voraussetzung, daß auch die anderen Mächte zustimmen und daß bereits begonnene oder an Privatfirmen in Auftrag gegebene- ftungsarbeiten hiervon nicht berührt werden.

Rom, 31. Oktober.

Nach einer Meldung der Agenzia Stefani hat die ita­lienische Regierung dem Generalsekretär des Völkerbundes mitgeteilt, daß Italien den Vorschlag des Rüstungsfeierjah­res annimt, wie er von der Völkerbundsversammlung am 29. September beschlossen worden ist, und daß Italien sich verpflichtet, diese Entschließung auf ein Jahr bei seinen- stungen zu berücksichtigen. Am Schlüsse der Mitteilung an den Generalsekretär in Genf heißt es, bei dem Zugestärmnis Italiens werde vorausgesetzt, daß dieanderenStaaten sich in der gleichen Weise verpflichten.

Stockholm, 31. Oktober.

Auch das schwedische Außenministerium hat dem Generalsekretariat des Völkerbundes mitgeteilt, daß Schwe­den dem Vorschlag auf Abhaltung eines Rüstungsfeier­jahres zustimmt.

Oslo, 81. Oktober.

Norwegen hat den Völkerbund davon in Kenntnis gefetzt, daß es dem Vorschlag. auf Abhaltung eines R ü stungsfeierjahres zufümmt.

Ein bedenklicher Vorschlag

Wirtschaftliche Zusammenarbeit Prag Wien?

Wien, 31. Oktober

Der tschechische Außenminister Benesch hat, wie gemeldet wird, durch den österreichischen Gesandten in Prag und den tschechischen Gesandten in Wien der österreichischen Regie­rung einen Vorschlag unterbreitet, der eine weitgehende enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei erzielen soll. Der Vorschlag des tschechischen Außenministers sieht, ähnlich den Plänen für eine deutsch­französischeWirkschaftsverständigung" die Bildung einer österreichisch-tschechischen gemischten Wirtschaftskommission vor und weiterhin Abmachungen zwischen den Jndustriekartellen der beiden Nachbarländer. Dieser Vorschlag Beneschs scheint mit Zustimmung Briands und bestimmter pariser Groß­banken gemacht worden zu sein.

Vom österreichischen Außenamt ist bisher noch keine Antwort auf diesen Vorschlag erteilt worden. Dies wird in unterrichteten politischen Kreisen dahin gedeutet, daß Scho­ber diesem Projekt nicht von vornherein unbedingt ableh­nend gegenüberstehe. Es wird darauf verwiesen, daß ein dem Außenminister recht nahestehendes Blatt dieser Tage mitzuteilen in der Lage war, daß die grundsätzliche Bewilli­gung des Devisenkredites von 60 Millionen Schilling an Oesterreich durch Frankreich erst ermöglicht werden konnte durch eine Unterredung, die Außenminister Schober mit dem französischen Gesandten in Wien, dem Grafen Clauzel, hatte. Da Graf Clauzel als ein Verfechter der alten Briand- schen Politik in Mitteleuropa gelte, so sei es nicht ausge­schlossen, daß der österreichische Außenminister durch eine nicht unbedingt ablehnende Stellungnahme zu jenem Prä­ger Vorschlag die französische Geneigtheit für eine Kredit­gewährung an Oesterreich verhältnismäßig leicht habe er­reichen können. -------------------------

Die Verwirklichung dieses Planes würde gleichbedeu­tend sein mit einer Vernichtung der österreichischen Indu­strie, die einfach erschlagen werden würde durch die tsche­chische Industrie, die wahrend der letzten zehn Jahre im Gegensatz zu der österreichischen unter sehr günstigen Ar- beits- und Kreditbedingungen sich entwickeln konnte und da­her jetzt der österreichischen überlegen ist. Andererseits wür­den die Nutznießer einer solchen Entwicklung die tschechischen Banken sein, von denen die tschechische Industrie in starkem Maße abhängig ist, mittelbar also auch das französische Ka­pital, das ja auf dem tschechischen Finanzmarkt stark enga­giert ist.

Auf jeden Fall erscheint die Angelegenheit des tschechi­schen Angebots dringend aufklärungsbedürfkig, da hier die große Gefahr besteht, daß Oesterreich unter brutaler Aus­nutzung feiner augenblicklichen wirtschaftlichen Notlage in eine politische Verbindung hineingezwungen wird, die den gesamtdeutschen Interessen im mitteleuropäischen Raum entgegengesetzt ist.

Pole» unh Deutschland

Zaleski vor dem Außen-Ausschuß des Sejms.

Warschau, 31. Oktober.

Außenminister Zaleski hielt im Außen-Ausschuß des Sejms eine Rede, in der er über die letzte Genfer Tagung und im Zusammenhang damit auch über die allgemeinen Richtlinien der polnischen Außenpolitik Bericht erstattete. Nach Meinung des Ministers seien die politischen Verwick­lungen und Schwierigkeiten mit die größte Ursache der an­dauernden Wirtschaftskrise. Außer der Wirtschaftskrise gebe es auch noch eine Krise des Vertrauens, die darin bestehe, daß gewisse Leute die Wirtschaftskrise dazu ausnützen möchten, um politische Vorteile zu erzielen. Sie wollten der Welt einreden, daß durch Revision der bestehenden Friedens- verträge und durch gewisse territoriale Aenderungen die Wirtschaftskrise beseitigt werden könne. Dies sei jeooch der Weg, der noch zu größeren Katastrophen führen würde als der, von der die Welt bereits heimgesucht worden sei und deren Folgen sie jetzt zu tragen habe. Weder üppige impe- rialistischeBestrebungen noch politischeNutznießung zum Scha­den anderer könnten der Well Gutes bringen. Allgemeine Solidarität der Völker sei hier das höchste Gebot der Stunde. Das sei auch der Grundsatz Polens bei sämtlichen bisherigen Arbeiten in Genf gewesen.

Zaleski hob sodann mit Nachdruck die Uebereinstim­mung zwischen Polen und Frankreich in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht hervor und erklärte, daß das französisch- polni che Bündnis sich immer enger gestalte.

Die Beziehungen Polens zu Deutschland seien von dem gleichen Gebot einer europäischen Solidarität diktiert, wie dies die Ratifizierung des deutsch-polnischen Handelsvertra­ges beweise. Er sei der Meinung, so betonte Zaleski mit gro­ßem Nachdruck, daß dieser Handelsvertrag die äußerste Grenze der polnischen Zugeständnisse Deutschland gegenüber darstelle. In einer rhetorischen Frage hat Zaleski zu ver­stehen gegeben, daß Deutschland, das den Vertrag nicht rati­fiziert hätte, diesen guten Willen zur Zusammenarbeit nicht bewiesen habe.

Zunächst Aoungpian-Revision

Berlin, 31. Oktober.

Zu den umlaufenden Nachrichten über die kommende Regelung des Reparationsproblems wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß der deutsche Botschafter in Paris von Hoesch nicht den Auftrag erhalten hat, die Einberufung des beratenden Sonderausschusses der BJZ. zu beantragen. Botschafter von Hoesch hat gegenwärtig in Berlin mit dem Reparationspolitischen Ausschuß des Reichskabinetts Be­sprechungen.

Im übrigen ist man in politischen Kreisen der Auffas­sung, daß, wenn tatsächlich der beratende Sonderausschuß der BJZ. zusammenberufen werden sollte, er zu keinerlei anderen Ergebnissen kommen könnte als die bisherigen Sachverständigengutachten.

So hat zum Beispiel der Bericht der Wigginskom- mission das Problem, das jetzt erneut zur Diskussion steht, bereits im August klar und deutlich umrissen, indem er von der untrennbaren Verbundenheit der deutschen Wirtschaft mit der We twirtschaft ausgeht und eine Sanierung der Welt­wirtschaft ohne eine vorherige Sanierung Deutschlands für undurchführbar bezeichnet und zu diesem Zweck den Abbau der äußeren Schuldenlast Deutschlands fordert.

Es verdient, in diesem Augenblick weiter daran erin­nert zu werden, daß der Digginsbericht als Voraussetzung für die notwendige Umwandlung der kurzfristigen in lang­fristige Schulden einmal die Schaffung einer Basis gegen­seitigen Vertrauens zwischen Deutschland und seiner Um­welt und zweitens die Regelung l ,r äußeren Verpflichtun­gen Deutschlands nennt.

Französische Zurückhaltung

---Mtt^ückftchk auf Ar- t^ruuieudeu' -Saytric.---

London, 31. Oktober.

Der Pariser Korrespondent derTimes" berichtet über die Stimmung der führenden französischen Regierungskreise: Die im Mai stattfindenden französischen Wahlen werfen einen immer tieferen Schatten auf die politischen Anschauun­gen der Regierung Laval, die zur Erlangung einer Mehr­heit auf die am wenigsten stabilen Elemente der Kammer angewiesen ist.

Unter diesen Umständen ist kaum zu erwarten, daß die Regierung irgendwelche Begeisterung dafür zeigen wird, die Initiative zu internationalen Konferenzen zu er­greifen oder an solchen Konferenzen teilzunehmen. Allenthalben ist ein neuer Ton der Vorsicht wahrzunehmen, die Neigung, Frankreich als nach wie vor gesichert gegen die schlimmsten Folgen der Weltwirtschaftskrise hinzustellen, und der Glaube, daß Zurückhaltung in politischen und wirt­schaftlichen Fragen bis nach den Wahlen notwendig ist."

Ein französischer Gegenvorschlag Rist gegen den plan Francquis.

Paris, 31. Oktober

Ministerpräsident Laval hatte an Bord derJsle de France" eine lange Unterredung mit dem französischen Finanzsachverständigen Rudolf Rist über den Vorschlag des belgischen Ministers Francqui zur Schaffung einer internationalen Kreditbank. Rist zeigte für diesen Plan wenig Neigung, sondern unterbreitete dem Ministerpräsiden­ten einen anderen Plan, der seiner Auffassung nach viel einfacher sei und zum gleichen, wenn nicht noch besseren Ziel führe.

Der plan bestehe darin, daß die ausländischen Gläubi­gerbanken Wechsel auf Deutschland zögen, die von der Reichsbank gegengezeichnek, und die zum gewöhnlichen Dis- kontsatz der Gläubigerstaaten auf dem Markt untergebracht würden.

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Die Berhandlnngen mit der Schweiz

Ablehnende Haltung des Bundesrates.

Bafel, 31. Oktober.

Der schweizerische Bundesrat beschäftigt sich eingehend mit den deutsch-schweizerischen Handelsvertragsoerhandlun- gen. Am Schlüsse der Sitzung wurde eine Mitteilung aus­gegeben, in der zunächst die gegenseitige Ein- und Aus­fuhr beziffert und die darauf gegründete schweizerische For­derung nach Zollkontingenten erwähnt wird. Man habe einen entsprechenden Entwurf eines Vorabkommens aufge­stellt, den Deutschland jedoch abgelehnt habe aus der grund­legenden Erwägung heraus, daß Deutschland zur Bezah­lung seiner privaten und politischen Auslandsverpflichtungen auf einen Ausfuhrüberschuß unbedingt angewiesen sei, und daher einer allgemein einseitigen Beschränkung der deutschen Ausfuhr nicht zustimmen könne. Es heißt dann weiter:

Die Gefahr einer übermäßigen Einfuhr ist für unser Land in der gegenwärtigen Lage so groß, daß der Bundes­rat die Verantwortlichkeit für die Fortdauer dieser Verhält­nisse nicht übernehmen kann. Er wartet noch die Ant- work auf eine an Deutschland gestellte Anfrage ab, um in seiner ySchslep Sitzung definitiv Beschluß zu fassen."