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Hersfel-erTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld S

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Nr. 237

Freitag, den 9. Oktober 1931

81. Jahrgang

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Krise in der Schwebe

Das zweite Kabnitt Brüning ist bisher noch nicht zustande gekommen

Ergebnis der Woche

Die Flut steigt.

R. P. Die Dämme sind gebrochen. Mit unwidersteh­licher Gewalt ergießen sich die entfesselten Fluten der Weltkrise durch die Länder, alles niederreihend, was sich ihnen in den Weg stellt. Währungsbollwerke, die für die Ewigkeit geschaffen schienen, sinken in sich zusammen. Als damals der Wall in Deutschland immer schwächer wurde, und sich die Notwendigkeit ergab, ihn zu verstär­ken, hat man die Gefahr nicht erkennen wollen, Die sich bei einem Dammbruch ergeben mußte. Man hat wohl ver­schiedentlich geglaubt, die Ueberflutung würde sich auf das Gebiet der Bruchstelle beschränken lassen. Und als dann der Bruch kam und man feststellen mußte, daß die Kata­strophe sich nicht abgrenzen oder eindämmen ließ, da war es zu spät. Es blieb nicht bei der einen Bruchstelle. Heute steht die Welt vor der Tatsache, daß die Eindämmung der Krisenflut nur möglich ist, wenn man mit vereinten Kräf­ten völlig neue Dämme errichtet, denn flicken läßt sich nichts mehr. Man wird manches Kulturland dabei opfern müssen. Das sind die Folgen einer zu späten Ein­sicht. Man möchte jetzt schon neue Damme ziehen. Aber vorläufig weiß man nicht, wo man wieder festen Boden unter den Füßen findet. Zaudern und Egoismus, Sonder- w: sche und Machtstreben haben ein internationales Un« glück verschuldet, dessen Ausmaß überhaupt nicht überseh­bar ist. Nur in Frankreich scheffelt man vorerst auf schein­bar gesicherter Höhe Gold und immer wieder Gold.... Noch keinen sah ich glücklich enden, auf den mit immer« vollen Händen die Götter ihre Gaben streun, . ."

England im Strudel.

Als die englische Regierung vor knapp 14 Tagen die Golddeckung des Pfundes aufhob, da tat sie es in der siche­ren Erwartung, daß sich dadurch nicht nur die Kassenlage des Reiches bessern, sondern daß sich daraus auch eine we­sentliche Erleichterung für seine Ausfuhr und damit eine starke Belebung der englischen Wirtschaft entwickeln würde. Anfänglich schien es auch so; vor allem wurde der Gold­abfluß gehemmt. Aber wer bestimmt den Punkt, von dem es wieder aufwärtsgehen soll? Schon machen sich in Eng­land alle Erschütterungen einer Inflation geltend. Man mußte ein Gesetz gegen den Lebensmittel- wucher erlassen. Wer dagegen verstößt, wird mit 500 Pfund Sterling in Strafe genommen. Aber die Arbeitslosigkeit zeigt keinen Rückgang; die Erregung innerhalb der breiten Masse steigt. Verschiedentlich ist es zu blutigen Zusammen­stößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. In zwischen ist das englische Parlament a u f g e l ö st, die Neuwahlen sind auf den 27. Oktober festgesetzt worden Das Ziel ist Die Zusammenfassung aller nationalen und r-er- antwortungsbewußten Kräfte. Man geht auf Konzentra- tionswahlen aus, die den Beweis erbringen sollen, ob Mac- Donald sich auf dem richtigen Weg zur Ueberwindung der nationalen und internationalen Krise befindet. Es ist zwei­fellos ein gewagtes Experiment, da die Radikalisierung der englischen Arbeiterschaft durch die Zuspitzung der Krisenlage fast täglich zunimmt. Inzwischen versucht man, mit Frank­reich in ein vertrauensvolleres Verhältnis in der Frage der internationalen Zusammenarbeit zu kommen. Der britische Außenminister Lord Reading wäre sicherlich nicht nach Paris gereist, wenn man in London nicht die leise Hoffnung hätte, daß eine politische Aussprache Schulden- und Re- parationsfragen, Abrüstungskonferenz eine finanz elle Erleichterung im Gefolge haben könnte. Nicht rein zu­fällig begleitete ihn der Leiter des Schatzamtes. Immer­hin bleibt beachtlich, daß der von MacDonald veröffentlichte Wahlaufruf internationale Vereinbarungen vorsieht,die einige der wichtigsten Gründe des ökonomischen Unglücks beseitigen, die Kriegsschulden und Reparatio­nen, unter denen die ganze Welt heute so schwer leidet."

Auch Amerika baut Dämme.

Amerika, du hast es besser". Das vielgebrauchte Wort stimmt nicht mehr. Amerika hat Sorgen, und trotz- dem keinen Likör. Die Hoffnung vieler Länder, daß Amerika alles Elend beseitigen könnte, ist langst begraben. Der Hoover-Plan vom Frühjahr, durch Frankreich sa­botiert, sollte Europa Erleichterungen bringen und Amerika wieder das wirtschaftliche Gleichgewicht. Aber mathematische Berechnungen kommen oft zu spät, wenn die Katastrophe mit elementarer Kraft hereinbricht. Der Währungssturz in Europa, der Rückgang der Kaufkraft in aller Welt haben nicht nur Amerikas Wirtschaft schwer getroffen. Sie wirken sich jetzt auch für die amerikanischen Banken ruinös aus. Ge­heimnisvolle Beratungen im Weißen Hause sollten angeb­lich eine neue Initiative zur Entlastung Europas bringen Das bald darauf veröffentlichte Aktionsprogramm Hoovers sah aber in erster Linie eine Hilfsaktion für die Banken des eigenen Landes vor. Die Ankündigung einer Verlän­gerung des Hoover-Moratoriums dagegen ist ausgeblieben Nur eine umschriebene Andeutung läßt darauf schließen, daß er diese Angelegenheit mit dem französischen Minister­präsidenten Laval zu besprechen gedenkt, wenn dieser ihn demnächst in Washington besucht. Aber man weiß ja in Deutschland, daß solche Besprechungen nicht immer hundert- pxozentig den Erwartungen entsprechen. Laval soll auch

in Washington bereits bekanntgegeben haben, daß er nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen einer Mo­ratoriumsverlängerung zustimmen könnte. Mit Frankreich ist jetzt schwer zu verhandeln, da es alle machtpolitischen Trümpfe in der Hand hat. Und der große Goldstrom nach Paris macht sich auch in New York bemerkbar.

Und Deutschland?

In Deutschland versucht man, der Krise weiterhin durch Notverordnungen beizukommen. Die neueste Notverordnungssammlung brächte nicht weniger denn 26 Einzelgesetze. Es ist für den deutschen Staatsbürger nicht leicht, festzustellen, wozu er heute noch berechtigt ist. In der Presse ist die Frage aufgeworfen worden, ob durch die zahlreichen Notverordnungsbestimmungen der letzten Mo­nate überhaupt eines der in der Reichsverfassung aufge­stellten Grundrechte des deutschen Staatsbürgers noch unberührt geblieben ist. Das bedenklichste jedenfalls ist der Eingriff in das Eigentumsrecht des einzelnen wie des Ganzen. Ueberall haben der Staat oder die Gemeinde die Möglichkeit des Eingriffs. Und dabei ist die Grenze der Rechtseinschränkungen offenbar noch nicht erreicht. Die letzte Notverordnung soll gewissermaßen nur das vorberei- ten, was noch kommen soll,. Mit der dritten Notverord­nung hat das erste Kabinett Brüning seine Tätig­keit abgeschlossen. Durch den Gesamtrücktritt der Regierung sollte der Weg frei gemacht werden für ein neues Ka­binett, das von jeder parteipolitischen Bindung frei sein soll. Ob es so etwas in Deutschland noch gibt? Man sehe sich einmal die Parteiblätter an, die aller Voraussicht nach hinter dem neuen Kabinett Brüning stehen werden. Kann man darin auch nur eine Andeutung davon erkennen, daß man der Regierung eine eigene WallLnsbildnng zuzubilU- gen bereit wäre? Da werden genaue Programmpunkte er­wähnt, die dem neuen Kabinett die Bewegungsfreiheit nach links und rechts vorschreiben. Ob man wirklich glaubt, so das deutsche Volk aus seiner wirtschaftlichen und politischen Zerrissenheit herauszuheben? Wie oft ist von Hindenburg die dringende Mahnung an das deutsche Volk gerichtet wor­den, sich zu gemeinsamer Arbeit, zur Rettung des Vater­landes zusammenzufinden!

Es gibt kaum noch jemand im deutschen Vaterland, der nicht begriffen hatte, daß nur durch neue Opfer der Auf­stieg möglich ist. Wie es da einige unserer großstädtischen Volksgenossen glauben verantworten zu können, in dem Augenblick zunehmender Krisennot durch Heraufsetzung des Brotpreises der Erregung in dem großen Heer der lohngekürzten Massen neuen Auftrieb zu geben, ist ein psychologisches Rätsel, das sich nur dadurch erklären läßt, daß man dort offenbar noch nicht begriffen hat, daß das deutsche Volk jetzt um sein Leben ringt. Durch Notverord­nung hat man in die Grundrechte des Staatsbürgers ein« gegriffen. Nur an die Preisgestaltung hat sich bis­her keine Regierung und keine Notverordnung herange­wagt. Es ist allerhöchste Zeit, daß man auch in den groß­städtischen Bäckerkreisen begreift, daß die Schicksalsuhr des deutschen Volkes 5 Minuten vor 12 zeigt!

Mehrheitsoerhöllaiffe im Reichstag

In politischen Kreisen ist man eifrig dabei, die Aus­sichten eines neuen Kabinetts Brüning im Reichstag abzu- schätzen. Hinter der Regierung stehen eigentlich nur noch vier Parteien mit insgesamt 105 Stimmen, nämlich das Zentrum mit 68, die Bayerische Volkspartei mit 19. die etaatspartei mit 14 und die Volkskonservativen mit vier Stimmen. Die Regierungsparteien rechnen aber noch auf die Unterstützung der kleineren und kleinsten Gruppen, nämlich der Christlich-Sozialen mit 14, der Volksnationalen mit 6, der Deutschen Bauernpartei mit 6 und der Hanno­veraner mit 3 Stimmen. Das wären insgesamt 134 Stim- men. Freie Hand haben sich vorbehalten die Deutsche Volks- partei mit 30, die Wirtschaftspartei mit 23 und die Land- oolkpartei mit 19 Mandaten. In scharfer Opposition zur Regierung stehen 234 Abgeordnete, nämlich 107 National­sozialisten, 41 Deutschnationale, 77 Kommunisten, 6 Mit­glieder der Sozialistischen Arbeiter-Partei und 3 Landvolk- Abgeordnete, die sich der nationalen Opposition angeschlossen haben. Demgegenüber köynen die Regierungsparteien im günstigsten Falle, wenn sich auch die Mittelparteien, d. h. Deutsche Volkspartei, Landvolk und Wirtschaftspartei, ihnen anschließen, im ganzen nur 206 Stimmen aufbringen.

Die Entscheidung über das neue Kabinett Brüning liegt also bei den Sozialdemokraten, die nach der Absplitterung noch über 137 Mandate von den 577 des Reichstages ver­fügen. Es genügt nicht, wenn die Sozialdemokraten sich der Stimme enthalten, sondern sie müßten gegen die Mißtrau- ensanträge stimmen, um das neue Kabinett Brüning ' retten.

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Wieder eine Pariser Bank pleite

Paris, 9. Oktober.

Die Banque Syndikale de Paris (ehemals Claude La­fontaine & Co.) hat ihre Schalter geschloffen. Ihr Kapital wird mit 50 Millionen Franken angegeben. Die Gläubiger­forderungen sollen sich auf 132 Millionen Franken belaufen.

Schwierige Verhandlungen Vriinings

Roch keine Klärung der personellen Frage.

Berlin, 8. Oktober.

Der Reichspräsident empfing am Donnerstag den Reichskanzler Dr. Brüning zwecks Berichterstattung über den Stand der Kabinettsbildung.

Die Verhandlungen des Kanzlers über die Regjerungs- neubildung haben nach der personellen Seite hin noch nichl zu einem positiven und abschließenden Ergebnis geführt.

Abgesehen von den Ministern, die ohnehin wieder­kommen, herrschte am Donnerstagabend nur über die Be­setzung von drei Ministerien Klarheit: Das ist die des Reichs- wirtschaftsministeriums mit Prof. W a r m b o l d , des Reichsjustizministeriums mit Staatssekretär I o e l und die Uebernahme des Auswärtigen Amtes durch Dk. Brü­ning. Diese letzte Tatsache muß deshalb festgestellt wer­den, weil in den letzten zwölf Stunden immer wieder be­hauptet wurde, daß nun doch Botschafter von Neurath Außenminister werden solle.

Tatsächlich wird Dr. von Neurath erst heute nach Ber­lin fahren, um den Kanzler'für Sonnabend zu Besprechun­gen zur Verfügung zu stehen. Sie dürften sich darauf be­ziehen, daß Dr. von Neurath vielleicht später m n m a I däs Auswärtige Amt übernimmt. Für die bevorstehende Reichstagskampagne ist jedoch mit ihm als Außenminister unter keinen Umständen zu rechnen. Der Hauptgrund dafür ist darin zu suchen, daß durch die Uebernahme des Auswärtigen Amtes durch Dr., Brüning auch der leiseste Anschein vermieden werden soll, daß in der deutschen Außenpolitik eine Aenderung eintreten könnte._____------------- -------

Die Verhandlungen mit Dr. Geßler wegen des Reichs­innenministeriums sind abgeschlossen.

Es scheint nicht, daß sich die Aussichten, ihn zu gewin­nen, wesentlich verbessert haben. Ganz abgesehen von der ablehnenden Stellungnahme der Sozialdemokraten gegen Dr. Geßler, scheint das auch daraus hervorzugehen, daß in Berlin bereits mit dem Essener Oberbürgermeister Dr. Bracht verhandelt wurde. Dr. Bracht hak endgültig abge­lehnt. In unterrichteten Kreisen nennt man außer Dr. Geßler setzt auch den früheren Führer der Deutschen Volks- partei Dr. Scholz für das Amt des Reichsinnenministers.

Ebensowenig sind heute die Verhandlungen wegen der Besetzung des Verkehrsministeriums vorwärts gekommen. Wahrscheinlich hängt hiermit auch zusammen, daß der Kanzler nun mit Dr. Vogler und Dr. Silverberg Fühlung genommen hat, ohne daß freilich ein positives Er­gebnis dabei herausgekommen wäre.

Neben den personellen Fragen scheint jetzt auch das Problem der Vollmachten aktuell zu werden, die der Reichs­präsident dem Reichskanzler Brüning zu geben bereit ist. Bisher hat Dr. Brüning noch nicht die Vollmacht, im Falle einer parlamentarischen Niederlage des neu zu bildenden Kabinetts den Reichstag aufzulösen. Die Entscheidung dieser Frage dürfte wesentlich von dem weiteren Gange der Kanz­lerverhandlungen abhängen.

Luther zur Reichsresorm Erneutes Bekenntnis zur Währungssiabilität.

Berlin, 9. Oktober

In der Hauptausschußsitzung des Deutschen Industrie- und Handelstages ergriff Reichsbankpräsident Dr. Luther das Wort zu dem ThemaReichsreform und Wirtschaft". An die Spitze seiner Ausführungen stellte Dr. Luther ein erneutes nachdrückliches Bekenntnis zur stabilen Währung und unterstrich ihre Bedeutung für das gesamte Schicksal des Reiches, da Währungsfragen und politische Fragen eng miteinander verbunden seien. Der Hauptton der Darlegun­gen zur Reichsreform lag auf der

Notwendigkeit einer einheitlichen, kraftvollen Führung des Reiches durch Herstellung einer Realunion zwischen Reich und Preußen oder richtiger durch Wiederherstel­lung in neuer Form, und zwar in Reichshand, jener Reichs- und preußischen Gewalteneinheit, die der tra­gende Pfeiler des Bismarckreiches gewesen sei.

Dabei sei es richtig, diejenigen Länder, deren Eigenleben noch von innerer -----' ' *

Kraft getragen sei, in ihrer bisherigen staatsrechtlichen Stellung zum Reich zu erhalten. Der Ein- wand, die jetzige Notzeit wäre zur Reichsreform ungeeignet, sei durchaus unrichtig. Höchste Aktionsfähigkeit der Reichsre­gierung, die nur durch Reichsreform erreicht werden könne,

sei von entscheidender Bedeutung für die Möglichkeit zweck­mäßiger und fester Durchführung und Durchhaltung der jetzt io brennenden wichtigen Maßnahmen auf wirtschaftspoli- tischem Gebiet. Nur eine das deutsche staatliche Gesamtpro- blem lösende Reichsreform würde das deutsche Volk von der Gefahr eines Rückfalles in den schweren finanzpolitischen Fehler einer unüberlegten Ausnützung besserer Wirtschafts- oerhältnisse in der Zukunft behüten.

Diskonterhöhung in Rew Dock. Die New Porter Bun­desreservebank hat ihren Diskontsatz von um 1 % aus 2% % berausgosetzt. Der Satz von 1% % war seit dem 7.