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Allerlei Neuigkeiten

Mord. Die 19jährige Wirtstochter Minna Striebel wurde in Stöckendorf bei Waiblingen ermordet aufgefun­den. Der Täter konnte unerkannt entkommen. Die Po­lizei verfolgt jedoch bereits eine bestimmte Spur.

Zwei Tote bei einem Motorradunfall. Abends stieß bei Blieskastel (Saargebiet) ein Motorrad in einer Kurve gegen einen Randstein. Die beiden Fahrer wurden getötet

Kraftdroschkenführer erschaffen aufgefunden. Ein 26= jähriger Kraftdroschkenführer wurde in Köln-Merheim er­schossen am Stadtrande aufgefunden. Sein Wagen stand in Köln-Pfingst und war stark mit Blut beschmutzt. Der Er­mordete hatte drei junge Burschen von Köln aus nach Mer- Heim gefahren, wo es wahrscheinlich zu Auseinandersetzun­gen gekommen ist. Von den Tätern hat man bisher noch keine Spur. Bisher liegt noch kein Anhaltspunkt dafür vor, daß ein Raubmord in Frage kommt.

'Landrat tödlich verunglückt. Der Landrat des Kreises Rudolstadt, Schneider, ist durch Sturz von einer Treppe schwer verunglückt und, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, verschieden. Landrat Schneider stand im 47. Le­bensjahr und war seit Mitte vorigen Jahres im Landkreis Rudolstadt tätig.

Zwei Arbeitslose ertrunken. Vier Arbeitslose fuhren mit zwei Booten die Peene hinauf, um auf den abgeern- teten Feldern Kartoffeln zu sammeln. Als die vier Män­ner nicht wieder nach Wolgast zurückgekommen waren, und auf der Peene ein kieloben treibendes Boot gefunden wurde, wurden sofort Nachstellungen nach den Vermißten angestellt. Die Besatzung des einen Bootes wurde wohlbehalten in Liepe angetroffen. Sie hatte sich aus einem Sturm glück­lich an Land retten können. Ueber das Schicksal des zwei­ten Bootes konnte sie nichts näheres aussagen. Wie fest­gestellt wurde, gehört das aufgefundene Boot den beiden Verschollenen. Fischer hatten an diesem Abend auch Hilfe­rufe gehört. Die Ertrunkenen sind der 60 Jahre alte Ar­beiter Lerch und der 35 Jahre alte Arbeiter Wegener.

Zwei Bergleute durch ausskrömende Gase getötet. Auf der GrubeMaria Hauptschacht" bei Mariadorf ereignete sich ein Unglücksfall, dem zwei Bergarbeiter zum Opfer fie­len. Die beiden Bergleute waren mit dem Abdichten eines Bläsers beschäftigt, als plötzlich Gase ausströmten. Ehe den beiden Hilfe gebracht werden konnte, hatten sie bereits das Bewußtsein verloren. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Der Tod war durch Ersticken eingetreten.

Der Alkohol beim Marineminister. Auf dem Landsitz des amerikanischen Marineministers, Adams, in der Nähe von Boston, beschlagnahmte die Polizei 600 Kisten mit alko­holischen Getränken im Werte von über 200 000 Mark. Drei Mann, die sich in der Garage des Marineministers aufhiel- ten, wurden verhaftet, zwei weitere entkamen. Der Ma­rineminister erklärte, daß die Alkoholmengen ihm nicht ge­hören, und daß er von ihrem Vorhandensein auf seinem Landsitz nichts wisse.

Für eine halbe Million Juwelen geraubt

New Zork, 7. Oktober. Unbewaffnele Banditen dran­gen am hellichten Tage in die Verkaufsräume des Dia- manten-Einfuhrhändlers Topliti und rissen ihm drei Be­hälter aus der Hand, die Juwelen im Gesamtwert von über 100 000 Dollar (eine halbe Million Mark) enthielten. Die Räuber entkamen im dichten Menschengedränge des Broad- way unerkannt.

Katapultflugzeug derBremen" explodiert?

New Jork, 7. Oktober.

Von dem Katapultflugzeug des LloyddampfersBre­men" fehlt nach wie vor jede Spur. Nach Meldungen aus Halifax soll das Flugzeug nach dem angeblichen Absturz in der Gegend Cobequid Bay explodiert sein. Man will Rufe gehört haben, jedoch verliefen die Nachforschungen nach dem Flugzeug und seinen Insassen erfolglos. Ein kanadisches Verkehrsflugzeug ist von Sidney (Neuschottland) abgeflogen, um an der Suche nach den Vermißten teilzunehmen.

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Nach einer Meldung aus Halifax wurden in der Nähe von Tennycape (Neuschottland) Teile eines Flugzeuges auf dem Wasser gefunden. Man nimmt an, daß es sich um Teile des vermißten Katapultflugzeuges derBremen" handelt. Die Flugzeugteile wurden zur Identifizierung nach Tenny- cap gebracht.

Melenfeuer in einem Kownoer Borort

Kowno, 7. Oktober. In dem Kownoer Vorort Schanzen gerieten fünf Fabriken in Brand. Das Feuer hat trotz aller Bemühungen sämtlicher Feuerwehren und mehrerer Mili- tärableilungen die Wattefabrik Vatolit, die Strumpffabrik Lotkon, die neue, kaum in Betrieb genommene größere Tex- kilfabrik Gebr. Hohenberg, die Spitzenfabrik Nerelik bis auf die Grundmauern und die chemische Fabrik Union Standard zum größten Teil zerstört.

Das Feuer soll durch eine Motorenexplosion in der Wat­tefabrik ausgebrochen sein und von dort aus mit unglaub­licher Schnelligkeit auf die anderen Fabriken, die in dem gleich Gebäudeblock der ehemaligen Schmidtschen Fabrik untergebracht find, übergegriffen haben. Der Schaden ist einstweilen nicht zu übersehen. Man rechnet aber, daß er mindestens vier Millionen Mark betragen wird. Es ist auffallend, daß in den letzten Tagen wiederholt große Fabribrände in Kowno und der Provinz sich ereignet haben.

Aus dem Gerichts faul

Gattenmordprozeß. Versicherungsbetrug? Vor den Geschworenen in Eger begann der Prozeß gegen den 40jäh- rigen Distriktsarzt Dr. Josef Mayer aus Tschernoschin, der angeklagt ist, am 28. Oktober 1930 feine Frau durch Revol­verschüsse meuchlings ermordet zu haben, nachdem er ihr Leben trotz ihres Widerspruchs auf den Betrag von 200 000 Kronen versichert hatte. Der Angeklagte beteuert seine Un­schuld. Der Prozeß dürfte vier Tage dauern.

Turnen und Sport

Bei den Europameisterschaften im Gewichtheben in Luxemburg gab es noch zwei Weltrekorde. Deutschland stellte in Jsmayr-München den neuen Titelträger im Mittelgewicht, der mit 685 Pfund seinen eigenen Weltrekord im Olympi­schen Dreikampf um 5 Pfund verbesserte. Im Schwergewicht verteidigte der Aegypter Nosseir seinen Titel mit Erfolg und erzielte mit 790 Pfund ebenfalls eine Welthöchstleistung. Die neuen Meister in den fünf Gewichtsklassen sind: Mohained- Aegypten, Haas-Oesterreich, Jsmayr-Deutschland, Hussein- Aegypten und Nosseir-Aegypten.

Weltmeister Max Schmeling, der vor einigen Tagen für die Speisung armer Sckulkinder der Berliner Winterhilfe

einen Betrag von 10 000 Mark überwies, hat sich jetzt auch mit seinem Entdecker Arthur Bülow wieder ausgesöhnt und wird seinem früheren Manager 7 Prozent seiner Kampf­börsen auszahlen. Man kann Schmeling in seinem Inter­esse nur zu diesem Schritt beglückwünschen.

Der Gleiwitzer Koska, einer unserer besten Halbschwer­gewichtler, wird sich nach Wien in die Klinik eines Augen-, spezialisten begeben, um sich einer Operation seines an Netz-, Hautablösung erkrankten Auges zu unterziehen. Es handelst sich bei Koska um die gefährliche Krankheit, die bei Boxern häufig auftritt und wie bei Helmuth Schulz zur Erblindung führen kann.

Georg Demmler, der große Berliner Pionier des Fuß­ballsports und der Leichtathletik, wurde in Berlin zur letz­ten Ruhe getragen. Die riesige Anteilnahme der Vertreter aller Sports und ihrer Behörden legte Zeugnis von der großen Beliebtheit des so plötzlich Verstorbenen ab.

Der Europa-Rundflug 1932, der wieder vom Aero-Club von Deutschland organisiert wird und in Berlin seinen An­fang nimmt, wurde jetzt ausgeschrieben. Die endgültige Streckenführung des 6000 bis 7500 Kilometer langen Wett­bewerbs steht noch nicht fest, da die einzelnen Nationen noch bis zum Dezember Gelegenheit haben, sich über eine Be­teiligung zu entscheiden. Die Teilnehmer müssen die Strecke in 6 Tagen bei nur einem Ruhetag durchstiegen, also eine starke Nerven- und Maschinenprobe zugleich.

Volkswirtschaft

Berliner Produktenbörse.

An der Berliner Produktenbörse ist am Dienstag das Ange- bot an promptem Weizen etwas größer geworden. Auch Roggen stand in größeren Mengen zur Verfügung.

Notierungen:

Weizen, mark. Roggen, mark. Futtergerste Neue Wintergerste Hafer, mark.

Mais loko Berlin Weizenmehl Roggenmehl

215-218

187-189

151158

140148

27,00- 32,00

26,60 -29,00

Futtererbsen Äckerbohnen Wicken Lupinen, blaue Lupinen, gelbe Serradella Rapskuchen Leinkuchen

13.2013.40

Aus der Landwirtschaft

Stand der Hackfrüchte und Futterpflanzen. Das vor­wiegend kühle und regnerische Septemberwetter hat nicht nur die Beendigung der Getreideernte allgemein verzögert sondern auch bei den noch auf dem Felde befindlichen rest­lichen Getreidemengen eine weitere Ertragsminderung be­wirkt. Mit der Kartoffelernte ist inzwischen allgemein be­gonnen worden. Auf schweren und undurchlässigen Böden läßt die Beschaffenheit der Knollen infolge Fäulnis mitunter zu wünschen übrig. Auf leichten Böden sind die Erträge durchweg besser, z. T. sogar recht gut. Zucker- und Run­kelrüben haben sich im allgemeinen befriedigend entwickelt Ueber die Ernteerträge an Kartoffeln und Rüben werden die in wenigen Tagen zu erwartenden Vorschätzungsergeb- nisse Auskunft geben. Der zweite Heuschnitt konnte nur mit großen Schwierigkeiten eingebracht werden. Der Menge nach ist das Ergebnis durchweg zufriedenstellend, doch hat die Beschaffenheit unter- den häufigen Regenfällen gelitten. Die Herbstbestellung hat überall eingesetzt, geht aber auf den nassemBöden nur langsam vonstatten. Unter Zugrunde­legung der Zahlennote 2 gleich gut, 3 gleich Mittel, 4 gleich gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutach­tung: Spätkartoffeln 2,7 (Vormonat 2,6), Zuckerrüben 2,6 (2,6), Runkelrüben 2,5 (2,5), Klee 2,6 (2,7), Luzerne 2,6 (2,5), Bewässerungswiesen 2,5 (2,3), andere Wiesen 2,8 (2,6).

Amtliche Bekanntmachungen.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister, mir die blinden, taubstummen, oder ihnen gleichgestellten sehr schwachsichtigen oder sehr schwerhörigen sowie der nur stummen oder ertaubten Kinder bis zum 20. d. Mts. zur Beschulung anzumelden. Ich mache hierbei darauf aufmerksam, daß blinde und sehr schwachsichtige Kinder schon anzumelden sind, wenn sie 4Vs Jahre alt sind und taubstumme, sehr schwerhörige, oder nur stumme, oder nur ertaubte Kinder schon mit 572 Jahren. Etwaige Meldungen sind durch die Hand des Herr Schulrats zu leiten. Fehlanznge ist erforderlich, die aber direkt an mich zu richten ist.

Hersfeld, den 5. Oktober 1931. Der Landrat.

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