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KompromißvorWagtzoooersanLaval?

Kürzung der Alililärbudgeks. — Korridorbereinigung.

Paris, 4. Oktober.

Der Chefredakteur der Zeitung „La Republique" schreibt: Wenn ich gut unterrichtet bin, soll Präsident Hoover wünschen, den Ministerpräsidenten Laval für folgendes Kompromiß zu gewinnen:

Frankreich, England und Deulsckland sollen ihre litärausgaben um etwa 25 Prozent herabsehen. Die Ver­einigten Staaten würden im Austausch hierfür in eine fünfzigprozenkige Herabsetzung ihrer Gläubigeransprüch« gegenüber den einstigen Alliierten einwilligen.

Natürlich liegt kein präziser Vorschlag vor. Offiziell ist die französische Regierung mit einem derartigen Plane nicht befaßt worden; aber wir würden doch sehr überrascht sein, wollte man behaupten, daß seit zwei Tagen gewisse private Besprechungen es unseren Regierungsmitgliedern nicht er­möglicht hätten, die amerikanische Ansicht über derartige Fragen kennenzulernen.

„Baltimore Sun" erfährt aus angeblich guter Quelle, daß man im Staatsdepartement in Vorbereitung des Be­suches Lavals den Entwurf eines Sicherheitspaktes ausge­arbeitet habe, der entsprechend den französischen Wünschen weitergehe als ein bloßer Konsulativpakt.

Dieser Plan solle es Frankreich und Polen ermög­lichen, Abstriche bei ihren Landheeren vorzunehmen und einer der deutschen Wünschen entgegenkommenden Re­gelung der polnischen Korridorfrage zuzustimmen, damit diese „offene Wunde" endlich geheilt und im Osten Euro­pas das Gefühl stabiler Verhältnisse hergestellt werde.

Von amtlicher Seite wird diese Nachricht kategorisch de­mentiert. Es wird erklärt, bei der fraglichen Besprechung zwischen Hoover und Stimson habe es sich um die übliche Freitagbesprechung gehandelt!

Arbeitsiofenverficherung in Amerika?

New York, 4. Oktober.

Die hiesigen Blätter bringen in großer Ausführlichkeit eine Ansprache, die Thomas Lamont, der Teilhaber des Bankhauses I. P. Morgan u. Co., vor einer Versammlung von 250 führenden Geschäftsleuten New Parks hielt.

Lamont führte aus, daß der Ernst der Gegenwart nur mit der Kriegszeit vergleichbar sei. Es sei möglich, daß die amerikanische Regierung gezwungen sein werde, in diesem Winker eine Art Arbeitslosenversicherung ins Leben zu rufen.

Hierfür müßten die begüterten Klassen entsprechende Opfer bringen, falls sie nicht wollten, daß die Lasten der Arbeitslosenunterstützung dauernd auf den Staat abgeroälzt würden. Der Pessimismus, der gegenwärtig herrsche, ver­liere sich in phantastische und unvernünftige Befürchtungen besonders bei einem Teil der Bankwelt. Man dürfe nicht übersetzen, daß die Grundlagen der amerikanischen Wirtschaft gesund und daß immerhin gewisse Anzeichen einer Besse­rung bemerkbar seien.

Die Krise ergreift Frankreich

Fünf.Mlliarden-Defizit im französischen Haushalt.

Paris, 4. Oktober.

Die Schwierigkeiten, die die Aufstellung des neuen Haushaltsplanes der französischen Regierung bereitet, gehen darauf zurück, daß ein Fehlbetrag von nicht weniger als fünf Milliarden Francs zu decken ist.

Die Regierung hatte mehrfach erklären lassen, daß sie keine neuen Steuern schaffen wolle, sondern beabsichtige, durch budgetäre Einschränkungen diesen Fehlbetrag auszu- gleichen.

MacDonald kandidiert für den Wahlkreis Seaham. Die Bergarbeitergruppe Seaham hat zusammen mit den Murtoner Vertretern der Arbeiterpartei die Aufstellung Mac Donalds als Kandidaten der Arbeiterpartei für den Wahl­kreis Seaham beschlossen.

Protest des Städtetages gegen die preußische Notverordnung.

Die Vorstände des Deutschen und des Preußischen Städtetages berieten in München wichtige Fragen der Kom­munalpolitik. Dabei wurde einstimmig folgende Entschlie­ßung als Beschluß des Preußischen Städtetages angenom- m-en:

Der Preußische Städtetag legt nachdrücklichst Verwah­rung ein gegen die schweren Eingriffe in die Selbstver­waltung, die in den letzten Notverordnungen und noch ver­schärft in den dazu erlassenen Ausführungsvorschriften ent­halten sind.

hinsichtlich der Verfassungswidrigkeit der getroffenen Anordnungen deckt sich die Auffassung des Städtetages mit der Entschließung des preußischen Staatsrates. Der Stadte- tag legt schon heule ausdrücklich Rechlsverwahrung gegen die Rechtsfolgen ein, die den Verwaltungsorganen der Städte aus der Durchführung der Verordnung erwachsen können.

Der Städtetag erkennt nach wie vor die Notwendig­keit äußerster Sparsamkeit an, wobei selbstverständlich an den Gehältern der leitenden Beamten in allen öffentlichen Körperschaften in einheitlicher Regelung nicht oorbeigegan- gen werden darf. Der Zusammenbruch der Gemelndefman- zen muß verhindert und die Zahlung der Wohlfahrtsunter- tützungen sicyergestellt werden. Der Städtetag wendet sich aber auf das entschiedenste dagegen, daß über die von ihm elbst seit langem mit größtem Nachdruck betriebenen Sparmaßnahmen und über die durch die Notze>» bedingten Notwendigkeiten hinaus dre gesetzlichen kommunalen Vertretungskörperschaften durch ausdruck- ücke Bestimmung der Ausführungsanweisung ausge- sch^ltst sind und in die Verfassung und Verwaltung )er deutschen Gemeinden in einer Weise eingegriffen wird, Die jede wirkliche Selbstverantwortung ausschließt.

Gerade in den jetzigen Notzeiten ist eine ungefährdete rechtlich und simmziell gesicherte Selbstverwaltung uiier- äßlich. Der Städtetag verlangt deshalb, daß diejenigen Be- timmungen dir den Grundgedanken der Selbstverwaltung und den Grur^ätzen der Verfassung widersprechen, besei- >igt und ausr- vnhe finanzielle Grundlagen für die Er- Mun? der lebenswichtigen Aufgaben der Städte geschaffen werden

Kolonien find notwendig

( Kolonialkriegerappell des Kolonialkriegerdankes.

Berlin, 4. Oktober.

Zum sechstenmal veranstaltete der Kolonialkriegerdank seinen großen Berliner Killonialappell. Trotz der Schwere der Zeit war der „Clou" bis auf den letzten Platz besetzt. Mit dem bayerischen Defiliermarsch wurde der offizielle Teil eröffnet, worauf vier Pfadfinder des Deutschen Kolonial- jugendkorps einen Vorspruch vortrugen. Die Begrüßungs­ansprache hielt der Vorsitzende des Kolonialkriegerdanks, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, in der er u. a. aus- führte: Je härter die Zeiten werden, um so schwerer wird die Erfüllung der von uns vor mehr als zwei Jahrzehnten freiwillig übernommenen charitativen Pflicht. Die ersten Zuschriften, die wir erhielten, waren dringende Bittgesuche.

Vor allem geht aus den meisten Gesuchen der alten Kolonial- soldaten immer wieder der Wunsch hervor: „Zurück nach Afrika oder Uebersee!"

Die koloniale Frage ist keine parteipolitische, sie ist eine Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes. Es sind ja nicht nur die großen materiellen Werte, die auf dem Spiel stehen. Kolonien sind für ein Volk so notwendig wie der Turnplatz für die Schule.

„Der Zapfenstreich vor dem Reichspräsidenten", ein Ufa-Tonfilm, beschloß den offiziellen Teil der Feier.

Die Kohlenkrise in Frankreich. Eine Delegation der Bergarbeiter-Gewerkschaften in den Kohlengruben ldes Anzin- Beckens, des Pas de Calais und des Norddepartements wird am 7. Oktober vom Ministerpräsidenten Laval in Paris empfangen werden, um geeignete Mittel zur Beilegung der Kohlenkrise zu besprechen, da trotz der von der Regierung er­griffenen Kontigentierungsmaßnahmen im August 236 000 Tonnen durch ungerechtfertigte Ausnahmeverfügungen mehr eingeführt wurden.

Sohenzollern-AbsindWg endgültig

Revision der Abfindungsverträge ausgeschlossen.

Berlin, 4. Oktober.

Die Deutsche Staatspartei hatte im Preußischen Land­tag in einem Antrag die Revision der Abfindungs-Verträge mit den Hohenzollern und den Standesherren verlangt. Diese Verträge sicherten den Hohenzollern und den Stan­desherren außer Barabfindungen von mehr als 30 Millio­nen RM. noch erheblichen Grundbesitz zu.

An gulunlerrichteter Stelle wird erklärt, daß die For­derung der Staaksvartei zwar Gegenstand einer kabinells- beratung bilden konnte, daß aber eine Revision der Ab- findungs-Verträge als ausgeschlossen betrachtet werden müsse, weil diese Abkommen seinerzeit mit verfassungs- ändernder Mehrheit rechtsgültig durch das Parlament ver­abschiedet wurden.

In der Frage der Aufwertung des etwa 40 Millionen umfassenden Welfen-Fonds findet im Laufe der Woche Termin vor dem Reichsgericht statt. Nutznießer der Zinsen aus dem Welfenfonds ist das frühere Braunschweigische Herzogshaus, das in seiner Aufwertungsklage dem Preu­ßischen Staat vorwirft, er habe den Fonds besonders wäh­rend der Inflationszeit nachlässig verwaltet.

Aachener Schiedsspruch verbindlich

Aachen, 4. Oktober.

Der Reichsarbeitsminister hat den für den Aachener Steinkohlenbergbau gefällten Schiedsspruch, der einen Ab­bau der Schichtlöhne von 7 Prozent vorsah, für verbindlich erklärt.

Schiedsspruch für sächsischen Steinkohlenbergbau

Der Landesausschuß sächsischer Arbeitgeberverbände teilt mit:

Im sächsischen Steinkohlenbergbau fanden Schlichtungs- verhandlungen vor dem stellvertretenden Landesschlichter in Dresden statt, die zu einem Schiedsspruch führten. Hier­nach werden.

die Löhne mit Wirkung vom 8. d. M. um 7 Prozent gesenkt.

Die Arbeitgeber haben sofort die Annahme des Schieds­spruches, die Bergarbeiterverbände dessen Ablehnung erklärt. Der Bergbauliche Verein in Zwickau hat hierauf die Ver- bindlichkeitserklärung beim Reichsarbeitsministerium „bean­tragt. Die Nachverhandlungen werden Anfang nächster Woche stattfinden.

Hindenburgs Geburtstag.

Aus Anlaß des Geburtstages des Reichspräsidenten hatten sich vor seinem Palais in der Wilhelmstraße zahlreiche Per- fönen eingefunden, die den Reichspräsidenten zu sehen Hoff- ten. — Unser Bild zeigt den Aufmarsch der Wache vor dem Palais.

Aber die Liebe ist die größte unter ihnen...

Roman von Helma von Hellermann

Copyright by Martin Feuditwanger, Halle 1031

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Menschenleer lag die sonnige, schlecht gepflasterte Land­straße da, die Rosemarie nun verließ, um auf schmalem Feldwege einem kleinen, abseits stehenden Gehöft zuzu- streben, das das Ziel ihrer Wanderung barg: hier im Hofe hauste ihr vierbeiniger Freund Wodan, mit dem sie nach dem nahen, schon jenseits der Felder beginnenden Wäld­chen zu gehen hoffte.

Trotzdem sie noch ein gut Stück vom Hofe entfernt war, witterte das treue Tier ihr Nahen und sandte ihr ein Gebell entgegen, das sich in heulenden, japsenden Freuden- tönen schier überschlug. Rosemarie beschleunigte ihre Schritte. Nun hörte sie schon das wütende Zerren an der Kette, deren klirrende Eisenglieder das fortstrebende Tier immer wieder zurückrissen an die Hütte, an die es tagsüber gefesselt war, hörte eine grobe Männerstimme schelten: „Willst du wohl Ruhe geben, verdammtes Biest!" Lief noch schneller, um dem Hunde die Schläge zu ersparen, die ihm drohten — und erstarrte mitten im flüchtigen Lauf.

Von einem Bretterhaufen, der an einer Seite des Holz­zaunes aufgestapelt lag, hatte sich eine hohe, schlanke Männergestalt erhoben und schwenkte grüßend den Hut. Weiße Zähne blitzten im sonnengebräunten Gesicht, graue Augen lachten sie an. „Grüß Gott, Baronesse, melde mich gehorsamst zur Stelle!"

„Herr Hardt —" Noch ganz benommen von der un­erwarteten Begegnung, reichte Nosemarie ihm die Hand, die er ein wenig länger als üblich in der seinen hielt, während er forschend auf sie herniedersah.

„Zürnen Sie mir wegen meines Kommens, Baronesse? Dann entferne ich mich sofort wieder, dankbar für den freundlichen Zufall, der mir dies kurze Wiedersehen be­scherte."

„Nein, nein!" entfuhr es ihr wider Willen hastig. Dann flammte eine jähe Lohe der Verlegenheit auf ihren Wangen. „Warum sollte ich zürnen, wenn ein Zufall freundliche Begegnung schenkt!" fügte sie gefaßter hinzu, ein heimlich schalkhaftes Aufblitzen in den Augen, das er entzückt und befriedigt wahrnahm. Zweifelte sie auch an dem „Zufall", so zürnte sie ihm doch nicht. „Da Sie nun einmal den Weg hierher gefunden haben, so möchte ich Ihnen gern meinen Wodan zeigen, der sich dort im Hofe schon heiser zu bellen droht. Wollen Sie mich zu ihm be­gleiten?"

„Gern!" Dankend schritt Hardt an des Mädchens Seite durch das Holztor in den Hof des Gehöfts, dessen Besitzer, ein breitschultriger Bauer im blauen Leinwandkittel und hohen Stiefeln, pfeiferauchend vor der Haustür stand und anscheinend aus Fertigstellung des Essens wartete, mit der sich seine Frau beschäftigte. Durchs offen stehende Fenster sah man sie am Herd hantieren. Lautes Brotzeln und ein schwacher Geruch von Fett und Zwiebeln drang ihnen mit einer Welle bläulichen Dunstes entgegen.

Kurz nickte der Bauer auf den Gruß des jungen Mäd­chens, streifte mürrisch und mißtrauisch ihren Begleiter und wies dann mit dem Pfeifenstummel nach dem Hof­winkel, wo die große, graue Dogge, halb erwürgt vom letzten Luftsprung, mit gespitzten Ohren auf der Erde kauerte und leise winselte.

„Konnt' mir's ja denken, daß Sie's waren; der hat mal wieder zum Verrücktwerden getobt, der graue Deubel! Ja, meinetwegen nehmen Sie ihn ’n bissel mit, aber wieder ordentlich anketten! Und Sie — passen Se uff, mit dem Vieh is nich zu spaßen, das beißt!"

Mit angenehm gruseliger Spannung verfolgte er den hochgewachsenen schlanken Fremden, der trotz der Warnung mit dem jungen Mädchen auf den Hund zutrat und furcht­los stehenblieb, als der plötzlich knurrend zwischen ihn und seine junge Herrin fuhr, als fürchte er Gefahr für jene.

„Gut Freund, Wodan, gut Freund", sagte Nosemarie leise, aber eindringlich, legte eine Hand auf des Tieres Kopf und berührte mit der anderen leicht den Arm des

Mannes, der, ohne sich zu regen, auf das ihn drohend am starrende Tier herabsah.

Etwas in der ruhigen, freundlichen Stimme, den Geruch des Fremden, ließ den Hund verstummen. Der du war kein Feind. Er kam heran, beschnupperte ihn. Das Resultat schien befriedigend zu sein.

Er hielt still, als der Fremde auf Rosemaries Bitt« die verhaßte Kette löste — und raste dann, laut bellend, in mächtigen Sätzen einige Male rund um den Hof, ohn« sich um die entsetzt gackernde Hühnerschar nebenan zv kümmern, bis Rosemaries „Ruhig, Wodan, ruhig!" ihn av ihre Seite rief.

Gehorsam trabte er neben ihr und Hardt den Felder« zu. Dann siegte wieder die Freiheitslust. Wie wild rast« vas Tier voraus und zurück, umkreiste Mädchen und Mann, sprang an der geliebten Herrin hoch, versuchte sie in täppischer Liebkosung zu lecken, raste wieder davon, und wußte sich vor Freude kaum zu fassen, bis ein erneute, Ruf ihn zu sittsamerem Benehmen mahnte.

„Zuerst lasse ich ihn sich immer ein wenig austoben", meinte Nosemarie entschuldigend; „es ist doch eine Grau­samkeit, Hunde an die Kette zu legen. Aber nun zeige, daß du ein Kavalier bist, Wodan!"

Wie auf Verabredung hatten sie den Weg nach dem Wäldchen eingeschlagen, das sie alsbald mit seinem kühlen Schatten umfing. Ein Zitronenfalter schwebte vor ihnen her, wie goldgelber Samt leuchteten seine zarten Flügel in der grünen Dämmerung Die Blicke der beiden Menschen verfolgten ihn in halber Gedankenlosigkeit, denn jeder spürte die Nähe des andern im aufschnellenden Herzschlag heimlicher Beglückung. Endlich brach Rosemarie das Schweigen. Die Neugier der echten Evastochter hatte sich geregt.

„Wie fanden Sie eigentlich den Weg zu Wodan, Herr Hardt, den doch niemand kennt?"

Er zwinkerte sie listig an: „Durch das Adreßbuch, Baronesse! — So nennt die Frau meines Freundes ihre alte Köchin", fügte er erklärend hinzu, „die weiß nämlich alles von allen! (Fortsetzung folgt.)