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yersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfeld

Nr. 221

Montag, den 21. September 1931

81. Jahrgang

Goldwähmg in ßnglonii nutzer Kraft!

Die Börse geschlossen

London, 21. September.

Die englische Regierung ist sich nach Zurakeziehung der Bank von England darüber klar geworden, daß es notwen­dig ist, ab Sonntag, dem 20. September, Mitternacht, die Goldwährung außer Kraft zu sehen. Ein Gesetzent­wurf, der die Bank von England ermächtigt, die Einlösung der Banknoten in Gold einzustellen, wird dem Parlament heute zugeleitet und sofort in allen Lesungen erledigt werden.

Die Börse ist heule nicht geöffnet, da morgen das Parlament die Annahme der notwendigen Gesetzentwürfe er­ledigen muß.

Eine Unterbrechung des gewöhnlichen Bankgeschäf­tes wird heute nicht eintreten, und es besteht kein Grund, daß solche Transaktionen, die sich in Sterling vollziehen, durch die neuen Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Durch die oben angeführten Beschlüsse werden Ver­pflichtungen der englischen Regierung oder der Bank von England, die in fremden Währungen zahlbar sind, nicht berührt.

*

Regierungsbeamte bezeichnen die Aufhebung der Gold­währung nur als eine vorübergehende Maß­nahme und betonen, daß es ein Unterschied sei, ob ein Land mit ausgeglichenem Haushalt seine Goldwährung außer Kraft setze, oder ob dies ein Land mit unausgeglichenem Haus­halt tue. Snowden habe alle Ausgaben einge­schränkt, um den Haushalt auszugleichen.

Die Gründe

Die englische Regierung ist der Ansicht, daß die augen­blicklichen Schwierigkeiten nicht auf Kapitalexport durch eng­lische Staatsangehörige zurückzuführen seien, da

die große Masse der Kapikalzurücknehungen (mehr als 200 Millionen Pfund)

auf fremde Rechnung erfolgte. Die Banken haben sich verpflichtet, ihre Mitwirkung. bei der Einschränkung der Käufe von fremden Devisen durch englische Staatsbürger zur Verfügung zu stellen. Ausgenommen sind nur solche De- visenanforderungen, die zur Erfüllung bestehender Verpflich­tungen oder durch die tatsächlichen Bedürfnisse des Handels­verkehrs sich ergeben. Die Regierung wird, wenn es rätlich erscheint, nicht zögern, noch weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Ein Fünfjahresplan?

Nationale Einigungsbefkrebungen.

London, 21. September.

Eine Abordnung führender Bankiers sprach beim Pre­mierminister vor, um die Finanzlage zu erörtern. Mac- Donald pflegte gestern weitere Beratungen über die Lage. Die Konferenz mit den Bankiers wurde notwendig durch die Bedrohung des Pfundes infolge der zunehmenden Wirtschaftsschwierigkeiten auch in Holland, Deutschland, den Vereinigten Staaten, und dadurch, daß die Spekulation in Wallstreet und Amsterdam englische Papiere in größerem Ausmaß verkaufte. MacDonald und die Bankiers stimmten darin überein, daß sofort Maßnahmen getroffen werden müssen, um der neuen Gefahr zu begegnen. Es soll

ein Fünfjahresplan zur Rettung der britischen Wirtschaft in Vorbereitung sein, dessen wichtigster Bestandteil die

Schaffung von Einfuhrzöllen sein dürfte.

Die Männer, die das gegenwärtige Kabinett bilden, beab­sichtigen, wenn sie ihren Plan etwa Ende Oktober der Na­tion vorlegen sollten, als die Führer einer neuenPartei der nationalen Einigung vor das Volk zu treten. An erster Stelle der neuen Partei soll MacDonald figurieren, während Baldwin ihm als wichtigste Stütze zur Seite stehen würde. Auch über die Zollsätze laufen schon Ge­rüchte um, angeblich soll dem neuen Einfuhrzolltarif ein Durchschnittszollsatz von 33,33 Prozent des Wertes zu­grunde gelegt werden.

Börsenschluß auch in Deutschland?

Verschärfte Devisenvorschriften und Erhöhung des Reichs- bankdiskonts angekündigt.

London, 21. September.

InVerlin liefen seit gestern Nachmittag Gerüchte von ungewöhnlichen Maßnahmen der englischen Regierung und der Bank von England auf finanziellem Gebiete um. Als Abends die Beschlüsse der englischen Regierung, deren wesent­lichster die Außerkraftsetzung der Goldwährung ist, bekannt wurden, waren die interessierten kreise schon zu Beratungen über die deutscherseits erforderlichen Maßnahmen versam­melt. Zu diesen gehört in erster Lin'? wie un- von maß­gebender Seite erklärt wird, eine erneute Sck -ung auaj der deutschen Börsen. Sie dürfte unmittelbar bevorsteben. Auch eine Verschärfung der Devisenvorschriften wird sich voraussichtlich als notwendig erweisen. Inwieweit die Diskonterhöhung der Bank von England eine D i s - koLterhöbuna auch der Reichsbank tut Folae haben

wird, bleibt abzuwarken.' Jedenfalls liegt die Erhöhung des Reichsbankdiskontes durchaus im Bereiche der Möglichkeit.

Berlin, 21. September.

Der Berliner Börfenvorstand ist heute zusammengetre­ten, um die durch die Notmaßnahmen der englischen Regie­rung und der Bank von England geschaffene Lage zu beraten.

Internationale

Wirtschaftskonferenz?

London, 21. September.

People" betont in einem Leitartikel, daß ein großer Teil der britischen Probleme internationale Probleme sind, die nur durch internationale Aktion auf einer Konferenz der führenden Nationen geregelt werden können. Das Blatt dringt in die Regierung, sofortige Schritte zur Einberufung einer solchen Konferenz zu unternehmen.

Mehr Aktivität in der

Abrüstungsfrage?

Genf, 21. September.

Die Arbeiten des Abrüstungsausschusses der Völker- bundsoerscrmmlung werden in den ersten Tagen dieser Woche in ein aktiveres Stadium eintreten, da die am Sonnabend aufgetretenen geschäftsordnungsmäßigen Schwierigkeiten sinsichtlich der Einladung der Nichtmitglieder des Völkerbun­des zu den Beratungen über Sie Rüstungspause bis dahin >ehoben sein dürften. Auf Grund des grundsätzlichen Be- chlusses des Abrüstungsausschusses hat sich das Präsidial- mro der Versammlung noch in später Nachtstunde mit der Frage beschäftigt und entgegen dem Beschluß des Ausschusses nicht den Völkerbundsrat, sondern den Präsidenten der Völ- kexüundsoersnmmb.^ .zus^tudi^. tuUm, die Ei n 1 a - du n gen ergehen zu lassen. Demgemäß sind k Vereinig­ten Staaten, die Sowjetunion, die Türkei, Aegr ten, Afgha­nistan, Argentinien, Brasilien, Ecuador und ( istarica tele­graphisch ersucht worden, einen Vertreter zu k senden. Wie verlautet, handelt es sich dabei um die Init.utive der Ver­einigten Staaten, die offenbar die

Erörterung über den italienischen Ve schlag vor ein größeres und dem Abrüftungsproblem positiver gegen- überstehendes Forum

geben möchte. Deshalb wird auch erwartet, daß die Arbeit des Abrüstungsausschusses, an denen -die Vertreter der ein- geladenen Staaten vorläufig ohne Stimmrecht teilnchmen, das Ende der gegenwärtigen Völkerbundsversammlung über­dauern wird. Es wird damit gerechnet, daß dieser erweiterte Ausschuß sich dann als S o n ü e r k o m i t e e konstituieren wird, auf dem der gesamte Fragenkomplex erörtert werden soll. Irgendwelche festen Pläne liegen jedoch nicht vor.

Laval reist nicht nach Amerika

Paris, 21. September.

Aus französischen Regierungskreisen verlautet, daß man sich dort über die Entstehung der Gerüchte einer Reise Lavals nach den Vereinigten Staaten wundere, und daß eine Ein­ladung der amerikanischen Regierung nicht vorliege. (Das Gerücht ist vom Weißen Haus auch schon dementiert worden. D. Red.) Wenn, was wenig wahrscheinlich sei, eine derartig« Reise überhaupt in Frage kommen sollte, dann frühestens im Sommer nächsten Jahres.

Japanischer Einmarsch in China

Scharfes Vorgehen Japans gegen China.

Tokio, 20. September

Laut Mitteilungen der japanischen Militärstellen haben die Japaner den Gürtel der Stadt Mukden angegriffen und sind in den Platz eingedrungen, nachdem sie das chinesische Lager nördlich der Stadt besetzt hatten. Es kam im Innern Mukdens zu Scharmützeln zwischen einzelnen Abteilungen japanischer und mandschurischer Truppen.

Japanische Truppen sind in Tsingkau gelandet. Die chi­nesischen Behörden haben Maßnahmen zur Aufrechterhal- fung der Ordnung ergriffen.

Ein neuer Zusammenstoß erfolgte bei Kwan'glschangtse nördlich Tschangtschun. Dort nahmen die Japaner die Stadt ein, die sie vorher beschossen halten. Eine unbestätigte Nach­richt aus Mukden besagt, daß das japanische Geschützfeuer die Stadt Peitajing zerstört und mehrere hundert Todesopfer gefordert habe.

Japanisch« Flugzeuge sind nach Mukden entsandt wor­den, um die Verbindungen mit der Armee zu sichern. Die japanischen Militärbehörden haben nach der Besetzung der Stadt eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, die Auf­rechterhaltung der Ordnung werde durch das japanische Mi­litär gewährleistet.

Die chinesischen Behörden haben einen Sonderzug mit chinesischen und ausländischen Berichterstattern an den Schauplatz- der Zusammenstöße entsandt, um von den wirk­lichen Vorkommnissen und der Lage in Kenntnis gesetzt au

werden. Die telegraphische Verbindung zwischen Mukden und Peking ist unterbrochen. Die Mannschaft des in der Mündung des Palu-Flusses ankernden chinesischen Kanonen­bootesTschinghai" hat auf höheren Befehl ihre Waffen ge­streckt. Unter dem von den Japanern an sich genommenen Kriegsgerät befinden sich neben großen Munitionsvorräten auch zwölf Kanonen.

Maßgebende chinesische Kreise betrachten das Vorgehen der Japaner als die Endwirkung einer heftigen, vom japa­nischen Militär betriebenen Propaganda zugunsten einer festeren Politik gegenüber China. Die Japaner sollen die Absicht haben, die ganze Mandschurei zu besetzen.

Stellungnahme in Gens

Zu dem militärischen Zusammenstoß zwischen den japa­nischen und chinesischen Truppen in der Mandschurei wird von zuständiger Stelle der japanischen Abordnung in Genf erklärt, daß strenge Anordnung erteilt worden ist, alle Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Verschärfung des Zwischenfalles zu verhüten. Die japanischen Truppen hätten ausschließlich in rechtmäßiger Verteidigung gehandelt. Die Nankingregierung erwäge eine sofortige Anrufung des Völkerbundsrates. Im Falle einer weiteren Verschärfung des militärischen Konfliktes zwischen Japan und China be­stehe die Möglichkeit, die Frage sofort vor den Völkerbunds­rat zu bringen.

Nach den letzten Meldungen besetzten die Japaner einige weitere wichtige militärische Stützpunkte und entwaffneten [die chinesischen Besatzungen in Antung, hinkow, Hopeh, Fushum und anderen Plätzen.

Der Eindruck in Berlin

In Berliner politischen Kreisen wird der neue bewaff­nete Konflikt zwischen China und Japan abwartend und mit einer gewissen Reserve beurteilt. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß sich die Meldungen über die Gründe des Konflikts je nach Herkunft widersprechen. Während von ja­panischer Seite behauptet wird, daß die Ursachen zu dem Zusammenstoß darin zu suchen seien, daß chinesische Truppen eine Brücke der mandschurischen Eisenbahn zu sprengen ver­suchten, wird von den Chinesen der Konflikt auf die Ermor­dung des japanischen Hauptmanns Nakamura zurückgeführt.

tiasti w den chinesisch-japanischen Kämpfen.

Nanking, 21. September.

Die Besetzung chinesischer Städte durch Japan erregt in der Presse großes Aufsehen. Sowohl aus Peking als auch Tokio wird ungeheure Eregung gemeldet. Die ja- panische Presse fuhrt eine Sprache, die nur mit der verglichen werden kann, die bei der Beschreibung der Schlachten in den letzten Kriegen gebraucht wurde. Die Japaner haben etwa 12 000 Mann Truppen in der Mandschurei und weit mehr jenseits der Grenze in Korea stehen, die bereit fund, im Not­all unverzüglich nach Norden zu marschieren.

Der chinesische Minister des Auswärtigen hat bei dem japanischen Gesandten energische Vorstellungen wegen dieser Vorfälle erhoben. Weiter hat er sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und den umgehenden Rückzug der japani­schen Streitkräfte gefordert. Gleichzeitig wurde der chine­sische Geschäftsträger in Tokio beauftragt, bei der japanischen Regierung gegen das Vorgehen der japanischen Truppen in der Mandschurei Protest einzulegen. .

Bei der Einnahme von Nanking haben die japanischen Truppen 30 Tote und 80 Verwundete verloren.

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Zu Beginn der 65. Tagung des Völkerbundsrates ging der Vertreter Japans auf die Zwischenfälle in der Mand­schurei ein und erklärte, daß die japanische Regierung alles tun würde, um weitere Verwicklungen zu vermeiden. Der chinesische Vertreter teilte mit, daß er dem Rat über alle Nachrichten, die er von seiner Regierung erhalten wird. iRib teilung machen will. Der Präsident gab der Hoffnung Aus­druck, daß die Angelegenheit einen friedlichen Verlauf neh­men werde.

Graf Zeppelin" über dem Äquator

Friedrichshafen, 21. September. Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat Sonntag 12 Uhr MEZ. den Aequator bei 31,6 Grad West passiert und mitgeteilt, daß die Landung in Per- nambuco voraussichtlich um 23 Uhr MEZ. erfolgen wird.

Zeppelin über Brasilien

Hamburg, 21. September. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet, daß das LuftschiffGraf Zeppelin" um 21.30 Uhr MEZ. die brsilianisrye Wst« hei Olinda überflogen hat. ,