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aus Spanien

In Andalusien herrscht Bürgerkrieg.

Madrid. 21. August.

Barcelona war in der letzten Nacht infolge eines neuen Sabotageaktes im Hauptfernjprechamt vom Fernsprechver­kehr mit dem übrigen Spanien völlig abgeschnitten. Da man ein Attentat auf das Hauptgebäude befürchtete, wurde die gesamte Polizei alarmiert. Zu dem befürchteten Ueber- fall ist es aber nicht gekommen.

Ein Bericht des Gouverneurs von Sevilla an die Re­gierung, wonach in ganz Andalusien der Bürgerkrieg herrsche, die Syndikalisten mit allen Mitteln versuchten, den Staat zu zertrümmern und die soziale Revolution zur Anarchie führe, so daß eine Rettung nur noch auf diktatorischem Wege möglich erschiene, hat in ganz Spanien großen Eindruck ge­macht. Scharfe Regierungsmatznahmen.sind zu erwarten.

Riffkabyle Abd el Krim entwiche«?

Madrid, 21. August.

Nach hier aufgetauchten Gerüchten, soll der berühmte Führer des Aufstandes, Abd el Krim, von der Insel R£- union, wo er interniert war. entkommen sein und einen neuen Aufsland gegen die Spanier in Marokko vorbereiten.

Der Reuterkorrespondent in Madrid weiß hierüber zu berichten, daß das Gerücht in Madrid große Sorge verur­sacht habe, besonders deshalb, weil die spanische Besatzungs- armee in Marokko völlig demoralisiert sein soll. Es heiße sogar, daß einzelne Soldaten Waffen an die Eingeborenen verkauften, und es sei allgemein bekannt, daß Marokko von kommunistischen Agenten überschwemmt sei. In spani­schen konservativen Blättern werde die Politik der Regie­rung,die Heeresstärke herabzusetzen, abfällig kritisiert und ein führendes Mitglied der Cortes, Garcia, erklärte eine Wiederholung des Gemetzels von Anoual im Jahre 1921, wo 10 000 Spanier ums Leben kamen, liege im Bereiche der Möglichkeit.

Blutige Klimpse in Kuba

Mehrere hundert Tote bei Gibara.

Havanna, 20. August.

Einer amtlichen Meldung zufolge sind starke Abteilun- ( gen kubanischer Aufständischer bei Gibara von den Regie- rungstruppen mit Unterstützung von Flugzeugen und unter Beteiligung des Kanonenbootes „Patria" vertrieben wor­den. 57 Maschinengewehre und viele Gewehre sowie eine Million Patronen wurden erbeutet.

Ein amerikanischer Sonderkorrespondent nennt den Kampf, bei dem 3000 Regierungstruppen und Insurgenten den ganzen Tag bei Gibara gegenüberslanden, ein wahres Blutbad. Die Insurgenten, die geschlagen wurden, sind jetzt in einem Tunnel in der Rahe des Ortes eingeschlosien worden, um welchen die Schlacht weiterlobt. Ueber die Zahl der Toten schwanken die Angaben zwischen 200 und 600. Man glaubt, daß die größte Gefahr für die Regie­rung beseitigt ist.

.Gras Zeppelin' wieder im Heimathafen

Friedrichshafen, 21. August

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist von seiner England- fahrt heimkommend, bei strömendem Regen gelandet. Reich­licher Wasserballast, im entscheidenden Augenblick gegeben, verbürgte eine glatte Landung.

Der Rückweg des Luftschiffes von England führte über Ostende, Brüssel und Aachen nach Köln. Es ist das erst« Mal, daß „Graf Zeppelin" Belgien überflogen hat.

Die im Anschluß an die Englandfahrt geplante Schwei­zer Fahrt des „Graf Zeppelin" mußte wegen des ungün­stigen Wetters — über dem Bodensee herrscht Föhnstim­mung, und es regnet in Strömen — verschoben werden.

Amerika hilft dem chinesischen Unwetter- Gebiet

Washington, 21. August.

Auf die Anfrage der chinesischen Regierung, ob es mög­lich sei, Getreide für die Opfer der Ueberschwemmunoskata- strophe im Pangtsetal zur Verfügung zu stellen, hat der Farmboard zustimmend geantwortet. Man ist bereit, in Verhandlungen über den Verkauf von 15 Millionen Bushels einzutreten. Ueber die Zahlungsmodalitäten verlautet einst­weilen allerdings noch nichts. Diese Seite der Frage ist noch nicht erörtert worden.

Londoner Börse auch Sonnabends geöffnet

London, 21. August.

Der Vorstand der Londoner Börse hat beschlossen, die Börse vom 19. September ab auch an den Sonnabenden zu öffnen. Diese Maßnahme ist „mit Rücksicht auf die gegen­wärtige Lage des Landes und zur Erleichterung des Han­dels" erfolgt. Man hofft, daß die Provinzbörsen diesem Beispiel der Londoner Börse, das von der Presse günstig aus­genommen wird, folgen werden. Bereits in der Vorkriegs­zeit war die Börse an den Sonnabenden für einen halben Tage geöffnet; diese Bestimmung wurde jedoch im April 1917 suspendiert und ist bis jetzt nicht wieder in Kraft ge­setzt worden.

Merkur-Bank öffnet die Schalter

Wien, 21. August.

wie die „wiener Allgemeine Zeitung" erfährt, ist mit der Wiedereröffnung der Schalter der Alerkur-Bank für Sonnabend zu rechnen.

Graf Bethlen wieder Außenminister?

Die Regierungsbildung in Ungarn.

Budapest, 21. August.

Die bisherigen Besprechungen Graf Karo l y i s schei­nen darauf abzuzielen, die Ressorts solchen Persönlichkeiten anzuvertrauen, die über ihre Parteistellung hinaus im Lande bekannt sind. In diesem Zusammenhang werden auch G ö m b ö s und wiederum B e t h l e n genannt, wie es heißt, soll Gömbös abermals Honvedminister werden, Graf Bethlen soll wiederum das Außenministerium übernehmen.

Francois Poncet Botschafter in Berlin

Paris, 21. August.

Der vom Ministerrat zum französischen Botschafter in Berlin ernannte Unterstaatssekretär Francois Poncet hat dem Ministerpräsidenten seine Demission als Unterstaats­sekretär überreicht, die angenommen wurde. Das Ernen- nungsdekret erwähnt, daß die Ernennung von Francois Poncet zum Botschafter in Berlin eine zeitlich befristete ist, denn nach der französischen Verfassung können Abgeordnete nur für die Dauer von sechs Monaten mit einer auswärtigen Mission betraut werden. Man glaubt jedoch, daß Poncet sich endgültig der diplomatischen Laufbahn widmen wird und daß er binnen kurzem sein Abgeordnetenmandat zur Ver­fügung stellen wird.

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Lippstadt, 21. August.

Nationalsozialsten hatten in Anröchte (Westfalen) zu einer Versammlung eingeladen, zu der auch etwa 100 Kom­munisten erschienen waren. Nach kurzer Zeit entstanden Streitigkeiten, die bald in eine Schlägerei ausarteten. Mit Tischen, Stühlen, Biergläsern und Messern gingen die Geg­ner aufeinander los. Fensterscheiben und Türen wurden zertrümmert.

Die alarmierte Polizei mußte zur blanken Waffe grei­fen, um die Streikenden zu trennen. Acht Kommunisten, zwei Nationalsozialisten und ein Polizeiveamker wurden schwer verletzt. Die Zahl der Leichtverletzten konnte nicht festgestellt werden.

Die Polizei mußte die ganze Nacht auf dem Posten sein, um neue Zusammenstöße zwischen den politischen Gegnern zu vermeiden.

Englands Zollplöne

Widersprechen dem Gedanken freier Gülerbewegung.

Berlin, 21. August.

Die in England augenbllckli^ erörterten Pläne, aus Lebensrnittel und Fertigwaren einen zehnprozentigen Zoll zu legen, werden in hiesigen politischen Kreisen mil Auf­merksamkeit verfolgt. Man ist der Auffassung, daß die Durch­führung dieser Pläne einen grundlegenden Umschwung der Handelspolitik der letzten Jahre bedeuten und den Richt- inien der großen Wirtschaftskonferenzen völlig widersprechen würde. Auch der Layton-Bericht wendet sich ja gegen eine Schranke für die freie Güterbewegung.

MacDonald und Snowden empfingen die Führer der Opposition, um ihnen die Vorschläge zur Ausgleichung des Budgets zu unterbreiten, auf die sich der Ministerrat geei­nigt hat. Wie verlautet, soll hierbei wieder von dem zehn­prozentigen Einfuhrzoll gesprochen worden sein, gegen dessen Einführung die Führer der Liberalen protestieren.

Bolens erstes U-Boot

Warschau, 21. August.

In Gdingen ist, aus Frankreich kommend, das erste polnische Unterseeboot „Rus" (Luchs) einaelaufen. Es ist von polnischen Torpedofahrzeugen feierlichst in den Gdin- ger Kriegshafen eingeholt worden.

Schliebung einer lvarländischen Bank

Saarbrücken, 21. August

Die Commerzbank des Saarlandes A. G. hat Jid) ge­zwungen gesehen, ihre Schalter zu schließen. Die Ursachen der Schwierigkeiten des Instituts liegen zum Teil länger zurück, da die Bank im Zusammenhang mit den Vorkomm­nissen im saarländischen Bankgewerbe vor zwei Jahren grö­ßere Abzüge von Einlagen erlitten hatte. Die Auswirkungen dieser Zahlungseinstellung werden auf einen kleineren Kreis von Gläubigern und Kunden beschränkt sein, da das Unter­nehmen seit Jahren in einem engeren Rahmen betrieben wurde. Die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten beläuft sich auf etwa 6 Millionen Franken.

Ein deutscher Triumph vor 15 Jahren. 1 J ^™ 2? August 1916 lief im Hafen von Wesermünde das erste Handels-U-Boot der Welt, „U-Deutschland" von der "°ch Amerika ein. Kapitän König, der Führer des U-Bootes, hatte mit feinem Schiff die lange Strecke von Bremen bis nach Baltimore unangefochten zurück­legen können, obwohl ihm der Weg durch Minenfelder, Sperrketten, Schlachtschiffe und U-Boot-Suchschiffe versperrt gewesen war.. „U-Deutschland" hatte eine Wasserverdrän­gung von 1900 Tonnen. Nach einer zweiten Amerikafahrt wr^de es 1917 in ein Kriegsschiff umgebaut und 1918 nach England ausgeliefert, wo man es schließlich zerstörte.

Her Hern des Omens

Alpen-Roman von Friedrich Lange

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 1930.

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Das kleine Intermezzo wurde vergessen. Mia sprühte vor Uebermut und steckte die ganze Gesellschaft an. Der Abend verlief in glänzender Stimmung. Musik, Tanz, Wein...

Plötzlich breitete sich Erschrecken über Liselottes Gesicht. Ihr Blick hing fasziniert an der kleinen Uhr, die sie um das Handgelenk trug.

„Mein Gott" — es war wie ein Erwachen aus schwerem Traum —, „nun ist das letzte Postauto fort, und wir sitzen noch hier! Was soll mein Mann denken?"

Völlige Ratlosigkeit überschattete das junge Weib. Die Tränen saßen mit einem Male sehr locker und alarmbereit in den Augenwinkeln.

„Fehlt bloß noch, daß unser Lämmchen losheult!" sagte Mia witzig, der Situation die Spitze umbiegend.

Da griff Zeller helfend ein. Die Hand sehr weich, sehr zärtlich auf den Arm der jungen verängstigten Frau legend, tröstete er: „Das ist nicht schlimm. Ich bringe Sie mit meinem Wagen heim." Und da Liselotte nicht sofort auf dieses Angebot einging, wiederholte er: „Gnädige Frau, ich bitte darum, Sie in meinem Wagen heimfahren zu dürfen!"

Sehr angenehm war Liselotte Neudeck diese Lösung nicht; aber schließlich blieb ihr nichts anderes übrig, als einzuwilligen. Sie wußte, daß sie selbst die Verantwortung für diese Verspätung trug. Warum kümmerte sie sich nicht besser um die enteilende Zeit?! Und heißes Mitleid mit Hans glomm in ihr zu lohender Flamme auf. Sie sah ihn plastisch vor sich, wie er auf dem Sofa saß und nach draußen horchte. Der Omnibus rollte vorüber — seine Liselotte kam nicht! Mußte den einsam Wartenden nicht Unruhe über den Verbleib seiner Frau packen?

„Ich bitte, mich sogleich nach Hause zu fahren!"

Doch damit stieß sie auf den Widerstand sämtlicher Tischgenossen.

„Es ist noch so zeitig. -^ Sie werden uns doch den Abend nicht verderben wollen?" protestierte Simson.

Auch Zeller legte sich ins Mittel.

„Falls Sie wünschen, gnädige Frau, werde ich die Ver­antwortung Ihrem Gatten gegenüber —"

Sie hob heftig abwehrend beide Hände.

Nein, das sei es nicht. Sie habe völlige Bewegungs­freiheit, log Liselotte, ihre Bedenken niederwürgend. Hans sollte nicht als eifersüchtiger Tyrann angesehen werden. Wie er sich tatsächlich zu dieser Eigenmächtigkeit seiner Frau stellen würde, blieb allerdings abzuwarten, denn diese Angelegenheit war ein Novum in ihrer Ehe.

Mia klatschte enthusiastisch in die Hände.

„Hurra, die Vernunft siegt!"

Der Tanz ging weiter. Simson ließ Sekt bringen. Und wirklich gelang es den vereinten Bemühungen der Men­schen um Liselotte, sie in einen Taumel, einen gelinden Rausch zu versetzen, daß die Wirklichkeit ihre harten Kon­turen verlor und einer wundervollen Gelöstheit wich. Die Musik erklang immer feuriger und wilder. Und der Sekt, dieser heimliche Kuppler, ging seltsam prickelnd ins Blut.

Erst gegen drei Uhr früh, als der Wagen Zellers schon eine Stunde lang gewartet hatte, wurde die Heimfahrt an­getreten. Mia schmiegte sich dicht an Simson. Sie war noch ziemlich nüchtern, immer darauf bedacht, nach dem verheißungsvollen Auftakt dieses ersten Abends eine Fort­setzung des neuen Lebenskapitels zu erwirken. Doch merk­würdig, der Großindustrielle mit dem goldenen Glorien­schein blieb spröde wie Hartkristall.

Liselotte riß sich zusammen, um munter zu bleiben. Durch die Scheiben der Limousine fiel der fahle Schein erster Morgendämmerung. Ueber den Gipfeln brüteten Nebel.

Und nebelhaft erschien Liselotte auch ihre Zukunft. Fröstelnd schauderte sie zusammen. Zeller bemerkte es und

legte ihr seinen Mantel um die Schultern. Gesprochen wurde auf der ganzen Fahrt fast gar nicht.

Als die Gamser Spitze in Sicht kam, mußte Liselotte fast zwangsläufig wieder an ihren Taum denken... Wie sie von dem Wilderer verfolgt wurde und hernach in die Arme Georg Zellers sank...

Erschrocken fuhr sie aus ihrem Dahindämmern auf. Die visionär geschauten Bilder zerstoben. Nur der Berg blieb — die Gamser Spitze stand als finster drohende Sil­houette greifbar nahe im Fenster des Wagens.

Liselotte war es unerklärlich, woher ihr der Eindruck kam; aber sie konnte sich des Gedankens nicht erwehren, daß ihr von diesem Berge Gefahr drohte.

Sie schloß die Augen, um das aus dem Nichts geborene Grauen zu bannen. Vergebens!

Der Berg war stärker als sie.

* * *

Nach einer schlaflos verbrachten Nacht erhob sich Neu­deck gegen zwei Uhr, schulterte die Büchse und stieg zu so ungewohnter Stunde hinauf ins Revier. Im Walde war es noch finster. Nur zwischen den Baumwipfeln hing die Dämmerung als bleigrauer Fetzen. Das Licht des jungen Tages rang noch mit der Finsternis. Aus dem Tal der Ache woben Nebel aufwärts. Diese Bergsymphonie in Grau paßte gut zu der Mißmutsstimmung des Jägers.

„Mia muß heute noch aus dem Hause!" rang es sich ihm beim langsamen Auswärtssteigen aus der keuchenden Lunge. Und dies war gleichzeitig die Quintessenz seines Denkens während der dunklen Nacht.

Verschnaufend hielt er in seiner Wanderung inne. Trotz, harter, unbeugsamer Trotz schnitt sich scharf in sein wetter- braunes Gesicht.

„Liselotte soll wählen — zwischen ihrer Freundin und mir! Jedenfalls werde ich nicht eher wieder aus meiner Jagdhütte niedersteigen, bis die Balkanhexe abgereist ist!"

In ihm kochte die Wut über das hinterhältige, alle Ehcharmonie störende Benehmen dieses Luxusgeschöpfs; immer wieder fragte er sich in seiner geradlinigen Art: Was will Mia von mir? (Fortsetzung folgt.)

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