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Bankraub in Berlin

Berlin, 19. August. Auf die Reichsbanknebenstelle in Berlin-Schöneberg wurde mittags ein Raubüberfall verübt. Drei Männer drangen mit Revolvern in die Bank ein. ver­letzten einen Obergeldzähler und flüchteten mit einer grö­ßeren Summe Geldes.

Ueber den Hergang des Raubüberfalls wird berichtet: Gegen 12.15 Uhr fuhren zwei Männer mit Fahrrädern bei der Reichsbankfiliale in der Jnnsbrucker Straße 35 vor. Beim Betreten der Schalterräume legte einer der Männer eine Maske an, und beide eröffneten sofort das F e u e r a u | d i e Kassierer. Der Unmaskierte sprang über die Bar- riere die den Schalterraum von dem Publikumsraum trennt und versuchte, das herumliegende Geld zusammenzuraffen.

Ihm stellte sich ein Kassierer entgegen, der inzwischen zur Pistole gegriffen hatte, und es kam zu einem Ringkamps bei dem dem Kassierer die Pistole aus der Hand geschlagen wurde. Der Räuber raffle zirka 20 000 Mark in Geld­scheinen zusammen, stopfte sie in eine daliegende Tasche und versuchte, den Rückzug anzukreten. Dabei wurde er nochmals von dem Kassierer und einen Obergeldzahler Karl Kreys an­gegriffen, die versuchten, ihm den Rückzug abzuschneiden. Der Begleiter schoß daraufhin nochmals scharf und verletzte den Obergeldzähler durch einen Bauchschuß schwer. Es ge­lang darauf den beiden Räubern, die Filiale zu verlassen.

Sie schwangen sich auf die Räder und ergriffen in Rich­tung der Straße Am Park die Flucht. Passanten, die durch die Schießerei aufmerksam wurden, nahmen sofort die Ver­folgung auf, konnten jedoch nichts ausrichten, da auch noch bei der Verfolgung die Räuber mehrere Schüsse abgaben, wobei ein Chauffeur durch einen Arm-Steck­schuß verletzt wurde. Auch Am Park hielten sich die Flüchtlinge die Verfolger durch mehrere Schüsse vom Leibe und konnten auf diese Weise entkommen.

Für die Ergreifung der Täter, die den Raubüberfall auf die Reichsbanknebenstelle Schöneberg verübten, ist von der Reichsbank eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt worden. Der Zustand des verlebten Obergeldzählers Kreye, der mehrere Bauchschüsse erhalten hat und sich sofort einer Operation unterziehe mußte, ist ernst. Von den Tätern wurden insgesamt in dem Kasienraum 12 Schüsse und von dem Kassierer bei der Verfolgung zwei Schüsse abgegeben. Die Beute der Räuber betrug 22 000 Mark.

Allerlei Neuigkeiten

Schändung einer Synagoge in Hamburg. Die Syna­goge der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in der Marcus- straße in Hamburg ist in der Nacht von unbekannten Tätern heimgesucht worden. Nach Zertrümmerung einer Scheibe im Obergeschoß der Synagoge sind die Täter in das Innere eingedrungen und haben dort sämtliche Behälter, Wand­schränke usw. aufgebrochen. Das in den Schränken aufbe­wahrte Altargerät wurde herausgerissen und schwer beschä­digt. Da nichts gestohlen wurde, muß angenommen wer­den, daß man lediglich mit der Absicht der Schändung in die Synagoge eingedrungen ist.

Schwere Gewitter über der schleswig-holsteinischen Westküste. Ueber der Westküste Schleswig-Holsteins sind nachts wieder schwere Gewitter niedergegangen, die an meh­reren Orten Brände durch Blitzschlag und bedeutende Schä­den verursacht haben. In Husum schlug ein kalter Blitz in

ein Haus. Die Frau des Besitzers tbufbe für längere Zeit betäubt und der Sprache beraubt. Bei Osterode brannte ein großes Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Möbeln, gro­ßen Erntevorräten, 50 Enten und fünf Kälbern völlig nieder. Die Bewohner konnten sich mit Mühe aus dem bereits zu­sammengestürztem Hause retten. Im Nordseebad Büsum setzte ein Blitz eine Gastwirtschaft in Flammen. Das Haus brannte vollständig aus.

Das Sturmwekker in England. Vierzehn Personen ver­loren ihr Leben infolge der Stürme, die mit nur wenig ver­minderter Gewalt andauern und in vielen Teilen des Lan­des riesigen Schaden anrichten. Im Seendistrikt wurde eine Familie vom Blitz getroffen; ein Mädchen wurde getötet, sein Vater und eine Schwester des Mädchens wurden schwer verletzt.

Neuer holländischer Pavillon für die Pariser Ausstel­lung. Am 28. Juni dieses Jahres war der holländische Pa­villon in der Internationalen Kolonialausstellung durch Feuer vernichtet worden. Innerhalb von 51 Tagen hat die holländische Regierung einen neuen Pavillon errichten lassen, der jetzt eröffnet wurde. Die Königin der Niederlande hat aus ihrer eigenen Sammlung von Kunstschätzen der hollän­dischen Kolonien wertvolle Gegenstände für den neuen Pa­villon zur Verfügung gestellt.

Liebesdrama. Eine 32jährige geschiedene Frau gab in Aarau auf ihren jüngeren Liebhaber, bei dem sie als Haus­hälterin lebte, fünf Schüsse ab, die den Mann schwer ver­letzten. Die Frau, die die Tat verübte, weil der Mann sich von ihr trennen wollte, beging dann Selbstmord.

Tragödie eines Theaterdirekkors. Der 78jährige ehe­malige Theaterdirektor und Kommissionsrat Oskar Lange, der wegen seiner Verdienste um das Theaterwesen Ehrenmit­glied des Deutschen Bühnenvereins ist, wurde in seiner Woh­nung in Berlin mit seiner Frau gasvergiftet aufgefunden. Es gelang, den Mann ins Leben zurückzurufen, während die Frau bereits tot war. Aus einem Briefe geht hervor, daß beide gemeinsam aus dem Leben scheiden wollten, da die 71jährige Frau Lange seit etwa zehn Jahren schwer ge­lähmt und bettlägerig war und schon immer die Befürch­tung geäußert hatte ihren Mann zu überleben und dann hilflos in der Welt dazustehen.

Autounglück fordert Todesopfer. Bei einem Genossen­schaftsfest in Bahnheim bei Kaiserslautern ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein Personenwagen fuhr auf einen während eines Feuerwerks an der Straße stehenden Liefer­wagen derart auf, daß der Wagen in den Graben geschleu­dert wurde und vier dort stehende Personen mit sich riß. Dem 55jährigen Helfrich aus Kaiserslautern wurden die Rippen eingedrückt, so daß er bald darauf im Krankenhaus verstarb. Zwei Frauen trugen schwere Verletzungen davon, während ein weiterer Mann leichtere Verletzungen erlitt.

Gräßlicher Selbstmord einer Frau. Die in Reckling- Hausen-Süd wohnende 30jährige Frau Filipp beging auf furchtbare Weise Selbstmord. Sie begoß ihre Kleider mit Petroleum und zündete diese dann an. Ohne einen Laut von stch zu geben, lief sie wie eine lebende Fackel auf den Boden, wo sie kurze Zeit darauf von Hausbewohnern, die auf den Brandgeruch aufmerksam geworden waren, aufgefunden wurde. Man wickelte die Bedauernswerte in Tücher und sorgte für die UeberführuNg ins Krankenhaus. Die Frau, die noch mehrere Stunden bei vollem Bewußtsein war, ist dann unter den schrecklichsten Qualen gestorben.

Großfeuer in einer polnischen Ortschaft. In der polni­schen Ortschaft Morawin bei Kalisch brach ein Feuer aus, dem gegen 500 Gebäude zum Opfer gefallen sein sollen. Die bisher eingebrachte Ernte und große Mengen lebenden und toten Inventars wurden ein Raub der Flammen.

Volkswirtschaft

Berliner Produktenbörse.

An der Berliner Produktenbörse vom Dienstag waren die Eröffnungsnotierungen am Markt der Zeitgeschäfte leicht rückläu- Das Angebot an promptem Weizen und Roggen blieb weiter r knapp, jo daß sich auch hier größeres Geschäft nicht entwickeln inte. Die Mühlen zeigten gute Kauflust. Das aus den Markt gebrachte Material konnte zu unveränderten Preisen glatte Auf­nahme finden. Im Mehlgeschäft zeigten sich keine Preisverände­rungen. Hafer hatte stetige Tendenz.

Notierung:

Weizen, märk.

219221

Futtererbsen

18,0020,00

Roggen, märk.

165167

Ackerbohnen

Futtergerste

150160

Wicken

Neue Wintergerste

Lupinen, blaue

Hafer, märk.

146154

Lupinen, gelbe

>

Mais loko Berlin

Serradella

Weizenmehl

27,0033,50

Rapskuchen

Roggenmehl

23,7526,25

Leinkuchen

13,2013,30

Weizenkleie

11,2511,75

Trockenfchnitzel

7,007,10

Roggenkl. fr. Bln.

9,7510,25

Soyaschrot

11,9012,60

Viktoriaerbsen

24,00-31,00

Kartoffelflocken

Lombardlatz 12 Prozent

Die Reichsbank hat angesichts des günstigen letzten Reichsbankausweifes mit Wirkung vom heutigen Mittwoch, den 19. August, ab den Lombardzinsfatz auf 12 Prozent ermäßigt.

Die neuen StMollvreife

Wie das Stickstoffsyndikat mitteilt, hak sich die deutsch« Stickstoffindustrie entschlossen, für das Düngejahr 1931/32 die Preise für ihre Erzeugnisse zu seuken, und zwar beson- ders erheblich für diejenigen, die den Hauptanteil am deut­schen Verbrauch ausmachen.

Maßgebend für diesen Entschluß des Syndikats war die Rücksicht auf die ernste Lage der deutschen Landwirt­schaft sowie die Hoffnung, daß durch eine erneute Preis­senkung der Verbrauch und damit auch die Erzeugung wie­der gesteigert und Arbeiterentlassungen vermieden werden können. Die neuen Preise konnten selbstverständlich nicht auf den Stand gesenkt werden, der sich in den offenen Ex­portmärkten als Folge eines wilden Konkurrenzkampfes zeitweilig darbietet. Sie sind aber für den Landwirt vor­teilhafter als in irgendeinem Lande, dessen Heimatmarkt gestützt ist.

Die Preise sind gesenkt je Kilogramm Stickstoff um 2 bis 6 Pfennig und für Ritrophoska um 25 Pfg. je 100 Kg. Ware.

...... i

Nordwolle-Tochterwerke

bleiben erhalten?

Das Ergebnis der Donnerstag-Verhandlungen,

Berlin, 19, August,

Die Verhandlungen zwischen dem Konkursverwalter und den Hauptgläubigern der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, Bremen, haben zu einer grundsätz­lichen Uebereinstimmung geführt hinsichtlich der Gründung einer neuen Gesellschaft, in die die Hauptwerke der Nord­wolle eingebracht werden. Die Beratungen über die Einzel­heiten dieses Projektes werden fortgeführt. Der Gläubiger­versammlung am 21. August wird näherer Bericht erstattet werden.

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