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HersfelöerTageblaN

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Inzelger für den kreis hersfelü

Nr. 18T Mittwoch, den 12. August 1931 81 Jahrgang

Die Durchführung des Hooverplans

Abschluß der Londoner SachverftSndigenkonserenz Ausgeschobene Zahlungen mit 3 Proz. verzinslich Regelung der Sachllesernngen

Regelung der Sachlieierungen

Die Ergebnisse der Londoner Konferenz.

London,' 12. August.

Die Londoner Sachverständigenverhandlungen über die praktische Durchführung des Hooverplanes sind nun durch Unterzeichnung eines Berichtes und eines Protokolles ab­geschlossen worden. Das Protokoll wurde von allen beteilig­ten Regierungen mit Ausnahme Jugoslawiens unterzeich­net. Das praktische Ergebnis der Vereinbarungen ist eine Entlastung Deutschlands während des Hooverjahres von: 1 593 678 276 RM. Dieser Betrag wird bis zum 1. Juli 1933 Zinslos aufgeschoben und von diesem Zeitpunkt ab in zehn gleichmäßigen Jahresraten unter Zugrundelegung eines Zinssatzes von 3 Prozent zurückgezahlt.

Während des Hooverjahres werden unverändert wei­tergezahlt: der Dienst der Dawes- und der Pounganleihe sowie die Zahlungen an die Bereinigten Staaten hinsichtlich der Urteile der Mixed Claims-Commission für die amerika­nischen Entschädigungsberechtigten und die Zahlungen aus dem deutsch-belgischen Markäbkommen, zusammen etwa 200 Millionen RM Bei den Beratungen des Komitees ist die französisch-amerikanische Abmachung vom 6. Juli 1931 über die Anwendung des Hooverplanes als Ausgangspunkt angenommen worden. Diese Abmachung sieht vor, daß an Stelle der effektiven, wenn auch formal weiterlaufenden Zahlung des unaufschiebbaren Teiles der Annuität während des Hooverjahres an die Deutsche Reichsbahn Schuldscheine in Höhe von 45 Millionen RM monatlich ausgestellt und eine Rückzahlung und Verzinsungsverpflichtung unter den gleichen Bedingungen wie im Falle der aufgeschobenen An­nuität übernommen wird.

Die von Deutschland vom 1. Juli 1932 ab zu leistenden Nachzahlungen sind einem Aufschub nicht unterworfen. Die deutsche Regierung hat aber allgemein zum Ausdruck ge- fofw^^y-jjj^^ . ^ ^ ua^...: ^tiübsRS"^6@m®itniv künftig leisten könne, nicht Stellung nehme, zumal, da die Frage der Zahlungsfähigkeit nicht zur Zuständigkeit des Komitees gehört habe. Die Erörterung dieser Frage für spätere Verhandlungen über die Reparationsfrage bleibt demnach offen.

Die schwierige Lage der Sachleistungen hat ihre Rege­lung in der Festlegung gewisser Grundsätze gefunden, deren praktische Anwendung von den Sachleistungskommissaren in Paris geregelt werden soll. Hierbei ist vor allem unter­strichen worden, daß die Durchführung der Sachleistungsoer- träge keine Haushaltsbelastung Deutschlands und keine Be­einträchtigung der deutschen Wirtschaft während des Hoo verjahres mit sich bringen darf Die bei der BJZ zur Zeit verfügbaren Sachlieferungskredite müssen zunächst, soweit sie reichen, für die Durchführung bereits genehmigter Ver­träge verwendet werden, und die Gläubigermächte haben sich verpflichtet, soweit möglich, Mittel zu finden, um den Auf­schub laufender Verträge zu verhindern.

Nachdem die vorhandenen Kreditmittel aufgebraucht und sofern keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten gege ben sind, können die Gläubigerregierungen die Ausführung genehmigter Verträge bis zum 30. Juni 1932 aufschieben Immerhin werden die vorhandenen Mittel zunächst ausrei­chen, um einen Teil der bereits genehmigten Verträge durch zuführen, und es steht zu erwarten, daß die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten dahin führen werden, die schweren Rachleile plötzlicher Eingriffe abzuwehren.

Das Protokoll soll sofort nach der Zeichnung in Kraft treten. Die BJZ. ist ersucht worden, die praktische Ausfüh­rung sicherzustellen.

Lptimismus in Basel Fortsetzung der Skillhalteverhandlungen in erweitertem Rahmen.

Bafel, 12. August.

Der Studienausschuß für die Kreditlage in Deutschland hat, da es ihm zur Zeit nicht möglich erscheint, einen ge­nauen Ueberblick über das, was Deutschland an kurzfristigen Krediten schuldet, zu gewinnen, besonders wegen der schwe­benden Verhandlungen zwischen deutschen Bankenvertre- tern und dem sogenannten Stillhaltekomitee beschlossen, seine Verhandlungen für den Augenblick zu unterbrechen und die verschiedenen interessierten Bankenvertreter und Mitglieder des Skillhaltekomitees telegraphisch nach Bafel einzuladen, um die Verhandlungen im Beisein des Studienausschusses weiterzuführen. Der Ausschust wird im Falle von Mei­nungsverschiedenheiten die Rolle eines Schiedsrichters aus­üben.

Gleichzeitig werden diese Verhandlungen es dem Aus­schuß ermöglichen, ein exaktes Bild vom Stande der kurz­fristigen Verschuldung Deutschlands zu gewinnen. Es ist vorgesehen, daß für die amerikanischen Gläubiger der Lon­doner Vertreter der Chase National Bank von New Park Gannon, d' Wahrung der Interessen übernimmt, der übri­gens bereits in Basel weilt. Annähernd dürften 98 Pro­zent der Gläubiger Deutschlands in Basel vertreten werden. Von den englischen Banken wird Bankier Tiarks delegiert. Die schweizerischen, schwedische-» unh holländischen Interessen werden durch die bereits im

Studienausschuß sitzenden Delegierten gewahrt werden. Die deutsche Reichsbank wird wahrscheinlich Geheimrat Vocke entsenden.

In der letzten Sitzung des Studienausschusses hat der deutsche Bankier Dr. Melchior sein umfangreiches und ein­drucksvolles Expose über die deutsche Fianznot zu Ende ge­führt.

Interessant war die Feststellung, die Aeußerungen von Teilnehmern an der Sitzung entnommen werden konnte, laß Großbritannien und die Vereinigten Staaten fest ent- chlossen scheinen, unbedingt zu einem praktischen Resultat u gelangen, wobei sie in ihren Bemühungen von franzö- ischer Seite wohlwollende Unterstützung fanden.

Wenn auch der Studienausschuß keine ihm etwa von den verschiedenen Regierungen gegebenen klar umschriebe­nen Kompetenzen chat, so ist doch seine Stellung so, daß er auf etwaige widerstrebende Gläubiger einen starken mora­lischen Druck auszuüben in der Lage ist. Im Bewußtsein dieser Stärke setzt der Ausschuß deshalb seine Arbeiten mit großem Eifer und unverkennbarem Optimismus fort.

Die in London seit einigen Wochen tagende Konferenz von Schahamtssachverständigen ist zu einer völligen Eini­gung über die technischen Fragen der Durchführung des Hoover-Planes gelangt. Die offiziellen Protokolle werden heute nachmittag im Außenministeriu unterzeichnet.

Eine internationale Sanfiersfonferens ?

London, 12. August.

Nach demDaily Herald" hat zwischen den Londoner Clearinghäusern und führenden internationalen Bankiers eine wichtige Zusammenkunft stattgefunden, die zu einer Vereinbarung über die Einberufung einer internationalen Konferenz der Bankiers von London, Rew Dock, Paris, Holland und der Schweiz zur Srorferuna einer Abmachung -tut ute uiueqiugutig L-eur,c Mnüs-v»»*^ ^'- -!.--7^-8 , triftiger Anleihen für einen weiteren Zeitraum geführt haben soll. Diese Zusammenkunft werde wahrscheinlich in wenigen Tagen einberufen werden und werde entweder in London oder Paris stattfinden.

Das Blatt berichtet weiter, die Bankiers und Finanz­leute in London und New Park seien bereits bei den Vor­besprechungen über die Bedingungen des neuen Angebots an Deutschland so gut wie übereingekommen. Die Bankiers verfolgten das Ziel, die Anempfehlungen der Londoner Kon­ferenz durch Fortsetzung der kurzfristigen Anleihen an Deutschland für eine weitere endgültige Periode durchzu- führen. Eine solche Entscheidung würde Deutschland eine Atempause gewähren. Die Regelung des Kreditproblems, die zuversichtlich von der Bankierskonferenz erwartet werde, werde daher den Weg für einen großen Plan, um Deutsch­land auf die Beine zu stellen, ebnen. Aehnlich berichtet Daily Telegraph". Danach sind die Erörterungen über einen bestimmten Vorschlag zwischen den Bankiers in den verschiedenen interessierten Mittelpunkten befriedigend ver­laufen. Aehnliche Beschlüsse sollen in anderen Finanzzen­tren erzielt worden sein, und man erwartet, daß die end­gültigen Verhandlungen bald beendet und die Bankenver- heter der verschiedenen Länder bald zusammentreten wer­den, um ein übereinstimmendes Verfahren zu vereinbaren und so die Durchführung des Planes zu vereinfachen.

Reichsbantdiskont 10 Prozent

Berlin, 12. August.

Die Reichsbank hat ab 12. August den Diskontsatz von 15 Prozent auf 10 Prozent und den Lombardsah von 20 auf 15 Prozent herabgesetzt.

In der Sitzung begründete Reichsbankpräsident Dr Luther die Herabsetzung des Reichsbankdiskontes von 15 auf 10 Prozent und des Lombardsatzes von 20 auf 15 Pro­zent wie folgt:

Die scharfe Diskontmaßnahme vom 1. August hatte den ausgesprochenen Zweck, die Wiederaufnahme des vollen Zah­lungsverkehrs vorzubereiten und feine Durchführung zu er­leichtern. Die an die Erhöhung geknüpften Erwartungen haben sich in vollem Umfange erfüllt. Der Uebergang zum normalen Bankverkehr hat sich ohne nennenswerte Auswei­tung des Kreditstandes der Reichsbank und des Umlaufes an Zahlungsmitteln vollzogen.

Räch dem Status vom 7. dieses Monats ist bis zu die­sem Tage bereits wieder eine Rückbildung der Anlagen der Reichsbank um 122 Millionen Reichsmark und des Gesamkumlaufes an Zahlungsmitteln um 107 Millio­nen Reichsmark eingetreten.

Auch die Wiedereröffnung der Sparkassen ist durchaus be­friedigend verlaufen. Da auch sonst im Wirtschaftsleben deutliche Entspannungsmerkmale unverkennbar sind, glaubt die Reichsbank, nicht länger zögern zu sollen, den Notdis­kont von seiner gegenwärtigen Höhe wieder auf 10 Pro­zent und zugleich den Lombardsatz auf 15 Prozent herab- zusetzen; sie ist sich dabei bewußt, daß auch die neuen Zins­sätze der Wirtschaft noch auße,ordentliche Lasten auferlegen, und sieht es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, ihrer­seits alles zu versuchen, was geeignet ist, weitere Diskont­ermäßigungen zu ermöglichen.

Wiedereröffnung der Börse«?

Das preußische Handelsministerium hat die sämtlichen Vorstände der deutschen Wertpapierbörsen nach Berlin be­rufen, um gemeinsam mit ihnen über die Frage einer Wie­dereröffnung der Effektenmärkte zu beraten.

Ob es schon bei dieser Sitzung zu einer endgültigen Ent­scheidung kommen wird, erscheint fraglich, da man zunächst die weitere Entwicklung des Geldmarktes, besonders nach der Diskontsenkung, abwarten will. Wenn man sich für eine Börseneröffnung entscheiden sollte, so würde als frühe­ster Termin voraussichtlich der Mittwoch nächster W«he in Frage kommen.

BertragsreniBon bedeutet Sanerfrieien

Frankreich leidet an einem Jnvasionskomplex."

Rew Park, 12. August.

Das Williamstown-Jnstitut erörterte den Versailler Friedensvertrag. Die Diskussion kam zu dem Ergebnis, daß eine dauernde Befriedung Europas nicht eher möglich fein könne, bevor nicht die als notwendig erkannte Revision des Vertrages vorgenommen sein werde.

Professor von Beckerath-Bonn erklärte u. a.: Deutschland sei bereit, die freiwillig übernommenen Ver- ; pflichtungen des Locarno-Paktes zu erfüllen, Versailles jedoch bedeute für Deutschland jene Häufung von Demüti­gungen, an deren Stelle es gelte, eine freiwillige Verstän­digung zu setzen. Charles Leneveu, der Präsident des französischen Kolonialverbandes in Paris, erwiderte, daß Frankreich infolge seiner Erfahrungen im 19. Jahrhun-' dert an einem, wie er sich ausdrückte, Jnvajionskom- p l e x leide und alle Bestrebungen für eine Revision des Friedens von 1919 als Versuche betrachte, die Vorteile, hie Frankreich durch diesen Frieden' errate. zu Heschranksn, ------ ...III, V. LI.UP'U) e n im I.U.HIHIIIU "'->>

erklärte, England betrachte den Friedensvertrag von Ver­sailles nicht als etwas Definitives sondern als einen Pakt, der sogar wesentlich geändert werden könne, wenngleich nur mit Zustimmung aller Beteiligten.

England sei der Ansicht, daß die Rationen, welche die Revisionsbestrebuugen aufhalten, damit auch der wirtschaft­lichen Erholung der Welt und dem Dellfrieden im Wege stehen, und es hält dieses Urteil auch dann aufrecht, wenn es sich dabei um frühere Alliierte handelt.

Kein englischer Staatsmann könne gegen die Strei­chung der Kriegsschulden opponieren, obwohl man der An­sicht sei, daß in Deutschland diesem Problem eine über­triebene Bedeutung beigelegt würde.

Englands innert Sage gespannt

-Die bisher größte Krisis der Arbeiterregierung."

London, 12. August.

Macdonald hat seinen Aufenthalt in Schottland unter­brochen und ist zu bedeutsamen Besprechungen mit den Re- gierungsmikgliedern nach London zurückgekehrt, wohin sich auch Snowden von seinem Landsitz begeben hak.

Zwischen Macdonald und Snowden fanden Besprechun­gen statt, die derallgemeinen politischen und wirtschaft- lichen Lage" galten und an denen auch der PLivatsekretär des Königs, Sir Clive Wigram, teilgenommen hat

Die Besprechungen behanoeln nicht etwa die Verhand­lungen mit Stimson, sondern gelten, wieDaily Expreß" erfährt, der bishergrößten Krisis der Regierung". Das Blatt weiß zu berichten, das Kabinett sei über die Spar- frage verschiedener Ansicht. Die Regierung stehe der For­derung des Sparausfchusses nach einschneidender Verminde­rung des Sozial-Etats zur Vermeidung einer Budgetkäta- strophe im nächsten Jahre gegenüber.

Henderson führte die Opposition im Kabinett gegen jede Verminderung in der sozialen Fürsorge an. Er ver­trete damit den Gewerkschaftsstandpunkt, daß alle Zuge- i ständnisse in sozialer Hinsicht das Vorspiel zu einer allge- j meinen Herabsetzung des Lebensstandards für die Arbei- ter sein würden.

Macdonald hofft, binnen zweier Tage wieder nach Schottland reifen zu können.

Der Kanzler vor dem Reichsrat

Berlin, 12. August.

Für Donnerstag ist eine Sitzung der Vereinigten Reichs­ratsausschüsse einberufen worden, in der Reichskanzler Dr. Brüning einen längeren Bericht über die Fragen der Reichs-, Staats- und Gemeindefinanzen und auch über Die internationalen Verhandlungen zu diesen Fragen geben will.

An den Bericht wird sich eine Aussprache knüpfen, in der der Reichskanzler auch auf Fragen der Reichsratsmit- glieder eingehen will. Die Vereinigten Reichsratsausschusse tagen auch diesmal, wie immer, unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit. Sämtliche Mitglieder des Reichsrats ge­hören den Vereinigten Ausschüssen an, so daß die Donners- tagsitzung gleichsam als eine nichtöffentliche Vollsitzung des Reichsrats angesehen werden kann. j