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HersfelöerTageblatt

Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld

Nr. 184 (gift« Stell)

Sonnabend, den 8. August 1931

81. Jahrgang

Brüning bei Mussolini

Feierlicher Empfang der deutschen Minister - Beginn der politischen Aussprache

Der Empfang in Rom

Herzliche Begrüßung durch Mussolini.

Rom, 7. August.

Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius trafen in Begleitung des deutschen Botschafters in Rom, Dr. von Schubert, um 8.15 Uhr hier ein. Zum Empfang hatten sich der italienische Ministerpräsident Mus­solini, Außenminister Grandi, Unterslaatssekrelär Giunta, das gesamte Personal der deutschen Botschaften und andere Persönlichkeiten eingesunden.

Den deutschen Ministern wurde bei ihrer Ankunft in Rom, die pünktlich um 8.15 Uhr erfolgte, ein sehr würdiger Empfang bereitet. Schon eine Viertelstunde vor Ankunft des Zuges war der Chef der italienischen Regierung, Musso­lini, in Begleitung des Außenministers Grandi und zahlrei­cher Beamter des italienischen Außenministeriums auf dem Bahnhof erschienen. Bis zum Eintreffen des Zuges unterhielt sich Mussolini angelegentlich mit dem italienischen Botschafter in Berlin, Orsini Baroni. Nach Einlaufen des Zuges ging Mussolini sofort auf die Gäste zu, um sie in deutscher Sprache freundschaftlich zu bewillkommnen. Nach der offiziellen Vor­stellung durch den Botschafter Dr. von Schubert begaben sich die Herren durch den König-Salon zu den bereitstehenden Automobilen. Auf dem Bahnhofsplatz hatte sich hinter den in Gala-Uniform aufgestellten Karabinieri eine stattliche Menschenmenge eingefunden, die durch wiederholtes Hände­klatschen und Zurufe den deutschen Staatsmännern ihren Gruß entbot. Zahlreiche Photographen und Filmopera­teure haben den Empfang im Lichtbild festgehalten. Die deutschen Regierungsvörtreter verabschiedeten sich hieraus von ihren Gastgebern und begabe^sich ins Grand-Hotel, von Wftrltrtj nach einer kurzen" Pause gegen tO tthr zumBe- such Mussolinis in den Palazzo Venezia begaben.

Brüning: Gemeinsame friedliche Arbeit

Reichskanzler Dr. Brüning hat der Agenzia Stefani folgende Erklärung übergeben: Die Tatsache, daß mein Kollege Curtius und ich die Reise nach Rom in einer Zeit angetreten haben, in der Deutschland unter Aufbietung aller Kraft um Sicherung seiner wirtschaftlichen und politischen Existenz ringt, zeigt, wie ungemein wichtig uns die persön­liche Berührung und der vertrauensvolle Gedankenaustausch mit den leitenden Männern des heutigen Italiens, insbeson­dere dem hervorragenden Chef der italienischen Regierung, erscheinen, und ich möchte schon hier meinen Dank dafür zum Ausdruck bringen, daß die Einsicht der italienischen Regie­rung unserem Wunsch nach diesem persönlichen Gedanken­austausch in so besonders freundlicher und gastfreier Weise entgegengekommen ist.

Das deutsche Volk hat in seiner schweren wirtschaft­lichen und politischen Lage die italienische Anteilnahme warm empfunden, die sich in der schnellen und bedingungslosen Annahme und praktischen Durchführung des Hoover-Gedan- kens gezeigt hak. 3m Zuge der freundschaftlichen internatio­nalen Aussprachen, die in Chequers begonnen und ja auch bereits zu einem Zusammentreffen mit dem Herrn Außen­minister Grandi geführt haben, wollen wir sowohl die Fra­gen besprechen, die Deutschland und Italien gemeinsam in­teressieren, als auch alle jene Probleme erörtern, die zu lösen sind, um nicht Deutschland allein, sondern ganz Europa die Möglichkeit zu gemeinsamer, friedlicher Arbeit, zu wirtschaft­lichem Gedeihen und zur Heilung der Wunden zu geben, die die schweren Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte hinter­lassen haben. In diesem Sinne hoffe ich auf einen glücklichen Verlauf der Aussprache zwischen italienischen und deutschen Staatsmännern.

Die ersten Besprechungen

Der Besuch des Reichskanzlers und des Reichsaußen- ministers beim Chef der italienischen Regierung im Palazzo Venezia dauerte fast anderthalb Stunden. Diese erste Aus­sprache, an der auch der italienische Außenminister und der deutsche Botschafter beim Quirinal teilnahmen, trug sehr offenen und freundschaftlichen Charakter.

Nach dem Besuch im Palazzo Venezia empfingen Dr. Brüning und Dr. Curtius die deutschen Pressevertreter. Sie gaben ihrer besonderen Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Gedankenaustausch jetzt mit dem Chef der italienischen Regierung, Mussolini, fortgesetzt werden könne, der den Gedanken der europäischen Kooperation ganz besonders stark und seit Jahren in den Vordergrund gestellt Haoe. Auch die römischen Besprechungen werden dazu beitragen, daß sich die Erkenntnis von der dringenden Notwendigkeit überall durchsetze, daß man nur durch gemeinsame Arbeit und durch Schaffung einer Vertrauensatmosphäre bei den Völkern selbst über den Berg der gegenwärtigen finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinüberkommen und die Gefahren überwinden kann, die daraus der ganzen Welt drohen.

Diner bei Mussolini

Für Völkerzusammenarbeit und europäischen Frieden.

Rom, 8. August.

Der Chef der italienischen Regierung, Ministerpräsident Mussolini, gab am Freitag zu Ehren des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsaußenministers Dr. Cur­tius ein Diner, an dem sämtliche in Rom weilende Mit­glieder der italienischen Regierung, der Gouverneur der Bank von Italien, Senatspräsident Federzoni, der ita­lienische Botschafter in Berlin, Graf Orsini-Baroni, Bot­schafter Dr. v. Schubert u. a. Persönlichkeiten der römischen Oeffentlichkeit teilnahmen.

Mussolini richtete während des Diners einen Trinkspruch an die deutschen Minister, in dem er das Ver­ständnis Italiens für die schwierige Lage Deutschlands be­tonte und seine Ansicht dahin kundgab, daß eine immer re­gere und freundschaftliche

Zusammenarbeit der Regierungen und Völker den besten Weg bedeute, um endgültig aus den Schwierig­keiten herauszukommen und um Allen eine Aera des Ge­deihens und des Wohlstandes zu sichern. Italien werde stets bereit sein, an diesem gemeinsamen Werk der Völkerverstän­digung und der europäischen Befriedung zu arbeiten. Nur eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländern können jenen

Geist des gegenseitigen Vertrauens schaffen, der die Gewähr ist für einen wahren Frieden, begründet auf Recht und Gerechtigkeit. Das italienische Volk ist sicher, daß Deutschland seinen Weg mit neuer Kraft weitergehen wird, in vollem Bewußtsein der großen Kräfte, die in ihm wohnen. Mussolini schloß seinen Trinkspruch mit dem Erheben des Glases auf das Wohl des Reichspräsidenten und der beiden Minister.

Rerchsranzrer ävl*k ning mmftifit» m seiner Ant­wort den freundlichen Empfang, der ihm und Dr. Curtius durch den Chef der italienischen Regierung in Rom zuteil geworden sei und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt gewesen sei; persönliche Fühlungnahme mit den leitenden Persönlichkeiten Italiens aufzunehmen. Der Reichskanzler schloß sich der Ansicht Mussolinis an, daß sich das deutsche Volk wieder durch Arbeit und Selbstver­trauen emporringen werde und dankte dem Ministerpräsi­denten, daß er diese Ueberzeugung hier ausgesprochen habe. Dr. Brüning hob besonders hervor, daß Deutschlands Sor­gen Europa in starkem Maße angehen, darum hoffe er, daß Deutschland das Verständnis Aller finden werde, die guten Willens sink und der Welt Frieden geben wollen. In die­sem Zusammenhangs sprach der Reichskanzler Mussolini den Dank der Reichsregierung für die grundsätzliche Zustimmung Italiens zum Hoover-Plan aus. Der Reichskanzler streifte am Schluß feiner Ansprache die Bedeutung der deutsch-ita­lienischen kulturellen Wechselbeziehungen für die Förderung der allgemeinen internationalen Kooperation auf der Grund- lage von Recht und Gerechtigkest. Der Kanzler schloß:Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, in der wir uns am Erfolg der gemeinsamen Be­mühungen um die Ueberwindung der großen Schwierigkei­ten der Gegenwart erfreuen!" Darauf erhob Dr. Brüning sein Glas auf das Wohl des Königs, Mussolinis und für eine glückliche Zukunft des italienischen Volkes.

Die Besprechungen der Minister

Rom, 8. August.

Die Besprechungen des Reichskanzlers und des Reichs­außenministers mit Mussolini und Grandi sind im Laufe der Freitag bei verschiedenen gesellschaftlichen Veranstaltungen in zwangloser Form fortgesetzt worden, zunächst bei dem Frühstück, das der italienische Außenminister Grandi den deutschen Gästen in den an Kunstschätzen reichen Empfangs­räumen der Villa Borghese gab. Die deutschen Pressevertre­ter waren zur gleichen Zeit zusammen mit einer Reihe itali­enischer Journalisten im Namen Grandis von dem Presse­chef des Ministerpräsidenten, Lando Ferretti, zu einem Früh­stück geladen und von diesem später in den Kreis der Gäste des italienischen Außenministers eingeführt worden.

Nach einer kurzen Pause, während Dr. Brüning und Dr. Curtius eine größere Anzahl Mitglieder der deutschen Ko­lonie empfangen hatten, begaben sich die deutschen Staats­männer nach Tiooli in die Villa d'Este, wo in Anwesenheit Mussolinis und Grandis und einer stattlichen Anzahl von Gästen sich beim Tee Gelegenheit zu weiterem Gedanken­austausch bot. Die Unterhaltungen, die auch bei dem am Abend von Mussolini gegebenen Bankett fortgesetzt wurden, werden heute vormittag wieder in engstem Kreise aufge* nommen.

MaeDonalds Besprechungen mit Stimson

London, 8. August.

MacDonald erklärte einem Pressevertreter, der ihn nach dem Ergebnis der Besprechungen mit Stimson in Shi- becroh fragte, er habe mit dem amerikanischen Staatssekre­tär die finanzielle Lage erörtert. Die Unterredung sei aber vollkommen inoffiziell gewesen und habe keine politische Be­deutung.

MacDonald wird heute nach Lossiemouth zuruckkehpen.

Sindenburgs 3mtintwe

Aenderung der Pressenotverordnung.

Berlin, 8. August.

Das Reichskabinett hat sich mit dem Wunsch des Reichs- Präsidenten auf Aenderung der Presfenotverordnung vom 17. Juli dieses Jahres beschäftigt. Es steht fest, daß eine Aenderung erfolgen wird, die sich allerdings lediglich auf die Interpretation beziehen wird.

Voraussichtlich wird das Kabinett diese Aenderung in einer Sitzung am Montag beschließen, wenn Reichskanzler Brüning aus Rom wieder in Berlin eingetroffen fein wird. Inzwischen soll mit den beteiligten Organisationen der Presse und so weiter Fühlung genommen werden, um eine zweck­entsprechende Neuregelung sorgfältig vorzubereiten.

Ueber die Vorgeschichte der Kabineltsberatung wird amtlich mitgeteilt:Der Reichspräsident läßt auf die ihm zugegangenen zahlreichen telegraphischen Anfragen mittei- len, daß die Anordnung der Veröffentlichung der Kund­gebung der Preußischen Staatsregierung ihm Veranlassung gegeben hat, die Reichsregierung um Vorschläge zur Aende­rung der Verordnung vom 17. Juli 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen zu ersuchen. Die Reichsregierung wird unverzüglich solche Vorschläge dem Herrn Reichsprä­sidenten unterbreiten."

Wie dieDAZ." erfahren haben will, werden die Aen­derungen der Pressenotverordnung sich auf zwei Punkte erstrecken: den Ländern wird die Befugnis, Verbote, Ent­gegnungen und so weiter auf Grund der Notverordnung zu erlassen, entzogen. Das Reich wird sich mindestens in Ge­stalt einer Mitbeteiligung einschalten. Ferner sollen die Presseverbände künftig beteiligt werden.

Das Telegramm des Eetzeimrals Kahl

Die NatlonaMberäle Korrespondenz meldet: Herr Ge­heimrat Dr. Kahl teilt auf unsere Anfrage mit, daß er in seinem Telegramm an dieKölnische Zeitung" lediglich sei­ner persönlichen Ueberzeugung Ausdruck geben wollte aus dem Gefühl heraus, einer inneren Pflicht zu genügen. Er hat aber nicht im entferntesten daran gedacht, denjenigen Freunden der Deutschen Volkspartei, die nach reiflichem Entschluß die Beteiligung am Volksentscheid für richtig hal­ten, irgendwie eine Verletzung vaterländischer Interessen zu unterstellen. Wer Herrn Geheimrat Dr. Kahl kennt, der weiß ohne weiteres, daß ihm solche Gedankengänge völlig fernliegen. Herr Geheimrat Dr. Kahl teilte uns ferner mit, daß er von dem Aufruf der Preußischen Staatsregierung mit größtem Befremden Kenntnis genommen habe und daß er besonders den Zwang verurteile, den sie der Presse gegen­über anwende, um rein parteipolitische Verlautbarungen zu verbreiten.

Devisenfreigabe für den Warenverkehr

Berlin, 8. August.

Die Reichsregierung hat die Devisenbewirtschaftungs- stellen angewiesen, bis auf weiteres den Firmen, die eine entsprechende Handelskammerbescheinigung vorweisen kön­nen, allaemein die Genehmigung zum Erwerb von Devisen und für "Verfügung über Devisen zu erteilen, soweit diese De­visen zur Finanzierung der Ein- und Ausfuhr und des Transfithandels von Waren verwendet werden sollen. Die Reichsregierung erwartet aber von der Verbraucherschaft, Handel und Banken, daß sie bei der Einfuhr insbesondere von Luxuswaren und Genußmitteln sich die durch die Wirt­schaftslage gebotene Zurückhaltung auferlegen.

Eine Kontrolle der Verwendung der für die Einfuhr in Anspruch genommenen Devisen wird nachträglich durch die Devisenbewirtschaftungsstellen stattfinden.

Normaler Zahlungsverkehr

Anhaltende Rückflüsse zur Reichsbank.

Berlin, 8. August.

Nach den hier vorliegenden Meldungen ist der Zah­lungsverkehr auch am Freitag in allen Teilen des Reiches normal und ruhig verlaufen, und man rechnet damit, daß die Wiedereröffnung der Sparkassen ebenfalls reibungslos vor sich gehen wird.

Der Zahlungsverkehr zeitigte auch weiterhin Aeber- fchüsie, die Rückflüsse von Zahlungsmitteln an die Reichs- bank an den beiden ersten Tagen der Wiederingangsetzung des normalen Zahlungsverkehrs betragen rund 166 Millio­nen Reichsmark.

Frau und Tochter erhängt aufgefunden.

Wien, 8. August. Als der reichsdeutsche Dr. Wilhelm W e i m e r gestern nachmittag heimkehrte, fand er seine Frau und seine Tochter erhängt auf. Er schnitt die Körper sofort los, doch war bei den beiden der Tod bereits eingetre- stn In einem Abschiedsbrief erklärte die Mutter, sie habe keinen Mut mehr zum Weiterleben. Die Tochter muß ihr aus eigenem Entschluß in den Tod gefolgt sein.