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Nr. 183
Freitag, den 7. August 193)
81. Jahrgang
Rückkehr des Vertrauens
Boiler Erfolg der Schalterössnung — Außerordentliche Einzahlungen bei der Reichsband
Erkedsis der Woche
Krise im Kreise.
Abmachungen widersprechen oder nicht, ist nun In einigen Wochen wird der Gerichtshof das künden.
geschlossen
Urteil ver-
Kr. kr. Ganz offensichtlich geht die große wirtschafts- politische Krise im Kreise herum bei den zivilisierten Völkern und Staaten. Wenn auch heute Deutschland im Brennpunkt des Interesses steht und bei ihm sich die Krise in besonders katastrophaler Weise auszudrücken droht, es bekommen doch schon alle Völker so oder so die bedenkliche Strudelkraft der Krise zu spüren. Die großen Börsenkrachs in Amerika waren ebenso Vorläufer der deutschen Krise, wie die schwere Schwankung des englischen Pfunds schon das Anzeichen böser Tage für England andeutet. Die Krise ist eben keine deutsche Angelegenheit allein, sondern eine Angelegenheit der ganzen Welt. Auch Frankreich, obwohl es heute noch mit einem gewissen Stolz auf seine Unerschütterlichkeit Hinweist dank seines unerhörten Goldreichtums, wird doch schon da und dort lebhaft an den König Midas erinnert, dem es gegeben steln, was er anrührte. König I ihm auch die Nahrung beim wurde. Von Gold kann der Mensch nun einmal nicht leben. Gerade weil die deutsche Krise die ganze Welt angeht, ist auch die ganze Welt an ihrer Tilgung interessiert. Keiner kann und darf sich der Arbeit, den um sich greifenden Brand zu löschen, entziehen. Mag sich Frankreich äußerlich auch noch so ruhig abwartend gehaben, es wartet doch fiebernd auf die Entwicklung all dessen, was Deutschland von sich aus schon tut, seiner eigenen Not mit eigener Kraft Herr zu werden. Gewiß Deutschland hat zunächst und zuerst die Pflicht, alles zu tun, um seinen eigenen Finanzboden zu sichern. Diese Pflicht hat jeder Staat für sein eigenes Hoheitsgebiet. Mit aller Energie und in bewunderungswerter Disziplin unterziehen sich das deutsche Volk und seine Führer dieser Pflicht. Schon die bisherigen Maßnahmen geben die Gewähr, daß Deutschland den Brand, soweit es
sonnener Weste hat der oe Rundfunkrede Rechenschaft darüber abgelegt vor dem deutschen Volke und vor der Welt.
war. alles in Gold zu verwandeln, was er anrührte Midas ging zu Grunde, weil i' Essen zu Gold wurde. Von l
einer
Mussolinis Realpolitik.
Wenn auch die große Lösung der Notfrage des Geldes noch nicht gelungen ist und auf dem Wege der großen An leihe für Deutschland aui", " " " 2
kann, so hat der Kanzler doch nicht seine"Bemühungen auf
nd auf dem Wege der großen An- ch in nächster Zeit nicht gelingen doch nicht seine Bemühungen auf-
gegeben. Gerade durch seine Initiative bleiben die Besprechungen, die in Chequers begannen, in Gang. Weder in Paris noch in London noch in Berlin wurden endgültige Regelungen festgelegt. Auch die Romfahrt des Kanzlers wird und kann keine letzte Entscheidung bringen. Genau wie
seine Begegnungen mit den englischen und französischen Staatsmännern wird auch die mit dem Lenker der italienischen Geschicke nur den Boden bereiten für die große Lösung, die kommen muß, wollen nicht alle Völker den Reichtum ihrer Zivilisation in einem Trümme
rhaufen untergehen sehen, vor dem auch Frankreich all sein Gold nicht bewahren kann. Sicher nicht ohne Absicht hat der Reichskanzler in feinem Gruß an Italien den Chef der italienischen Regierung, Mussolini, einen hervorragenden Mann genannt. Der Kanzler hat damit sich erhoben über den Parteistreit in Deutschland, wo man auch die außenpolitische Arbeit immer nur mit einer Parteibrille auf der Nase auszuführen geneigt i[t. Mit Recht hat der Kanzler auch darauf hingewiesen, daß sich Italien und Deutschland durchaus begegnen in dem Ziele oer Befreiung und Wiederaufrichtung Europas. Wie man auch zu dem Thema Diktatur stehen mag, keiner kann verkennen, daß der italienische Diktator mit Kraft und gesundem Sinn Italien vor einer wirtschaftlichen Katastrophe gerettet und damit auch der Welt einen großen Dienst erwiesen hat. Ueber seine Mittel hat allein das italienische Volk zu entscheiden. Immer wieder hat Italien darauf hingewiesen, daß in europäischen Dingen nur die Gerechtigkeit entscheiden dürfe. Offenbar steht Mussolini aber auf dem Standpunkt des Philosophen Spinoza, der meinte, nicht gehe Macht vor Recht, sondern das Recht reiche nur so weit, als die Macht reicht, ihm auch Anerkennung zu verschaffen. Darum gilt das S Streben Mussolinis dem Ausbau der Machtmittel Jta- um Italiens Rechte sichern und vertreten zu können. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß die italienischen und die deutschen Staatsmänner neben der Notfrage der Wirtschaft auch die Frage der Abrüstung anschneiden werden.
Scialojas Entgleisung.
Eine heikle Auseinandersetzung würde die Frage Zollunion Deutschlands und Oesterreichs ergeben. Die W des italienischen Vertreters vor dem Haager Internationalen Gerichtshof wurden von der Allgemeinheit mehr oder weniger als Kriegsdrohung aufgefaßt. Waren die Worte wirklich ein Wink mit dem kriegerischen Zaunpfahl, dann hätten sie doch der Ethik Spinozas schwer widersprochen. Im Haag wird eine rein juristische Frage behandelt, und dabei hat wie auch im bürgerlichen Prozeß die Gewalt zu schweig- In seinem Schlußwort hat Scialoja die Wirkung seit Worte abgedämpft, aber ein bitterer Nachgedanke bleibt doch. Die Verhandlung im Haag über die Frage, ob die Zoll- Mionepläns Deutschlands und Oesterreichs den bisherigen
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Wider die Vernunft.
Ganz im Sinne der Gerechtigkeit handelten ______ ter der Franzosen auf der Tagung der internationalen Vereinigung der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer in Prag. Eine Resolution sollte anerkennen, daß Streitigkeiten zwischen den Völkern durch Schiedsgerichtsbarkeit Welt geschafft werden und durch „Anpassung be
die Vertre-
aus der
Welt geschafft werden und durch „Anpassung bestehender Verträge, falls die Notwendigkeit ihrer Aenderung auf Grund gemeinsamen Einverständnisses anerkannt wird." Also etwas, das fast wörtlich dem § 19 des Völkerbundspaktes entspricht, daß nämlich Vertrüge dort geändert werden, wo sie vernunftwidrig geworden sind. Ein Akt höchster Gerechtigkeit. Dem aber widersprachen die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei, weil, wie sie angaben, damit die Revision der Grenzen anerkannt würde. Können Grenzziehungen nicht vernunftwidrig werden und damit ungerecht? Nach Aasicht der Polen und Tschechoslowaken soll alsc eine vernunftwidrige Grenze nicht geändert werden können. Es scheint nicht viel Gerechtigkeit in solcher Politik zu wohnen. Wir wollen anerkennen, daß gerade der französische Vertreter den Anschauungen der Polen und Tschechoslowaken kräftig und energisch widersprach. Hier sei bemerkt, daß auch angesponnene Verhandlungen zwischen Polen und Rußland wegen eines Nichtangriffspaktes wieder fallen gelassen wurden, weil Polen die Anerkennung der deutschpolnischen Grenze verlangte, Rußland diese aber ablehnte.
Serbische Bomben.
Während so hier und dort daran gearbeitet wird, Streitpunkte friedlich aus der Welt zu.schaffen, explodieren in Jugoslawien fast täglich Bomben. Diese Sprache der Gewalt in diesem Gebiet weckt trübe Erinnerungen. War derW3?warf, " durch dk?"der^ Weltkrieg "^ngeleitet
Wieder voller Spartallenbetrieb
Ab Sonnabend freier Zahlungsverkehr.
Berlin, 7. August.
Durch die Verordnung des Reichspräsidenten über die Spar- und Girokassen vom 5. August 1931 ist den Sparkassen die Möglichkeit eröffnet worden, geeignete Unterlagen zu schaffen, auf die sie sich durch Vermittlung der Akzept- und Garantiebank bei der Reichsbank die nötigen Kassen- mittel verschaffen können. Es besteht daher keine Notwendigkeit mehr, den Zahlungsverkehr der Sparkassen weiter zu beschränken, zumal das Verhalten der Bevölkerung am ersten Tage des freien Zahlungsverkehrs bei den Banken den Erwartungen entsprochen hat die der Reichskanzler in feiner Rundfundrede ausgesprochen hat, und auch anzunehmen ist, daß die Inhaber von Sparguthaben die gleiche Besonnenheit und das gleiche Vertrauen an den Tag legen werden.
Schon vom Sonnabend ab soll sich daher der Zahlungsverkehr, soweit es sich um Guthaben aus Sparkonten und Sparbüchern handelt, im wesentlichen so wie vor den Bankfeiertagen gestalten.
Allerdings wird er sich in den G- enzen halten müssen, welche schon die — früher nicht überall streng innegehaltene — Mu- siersatzung des Spar- und Giroverbandes vorsieht. Diese Satzung schreibt bekanntlich vor, daß innerhalb eines Monats bis zu dreihundert Reichsmark ohne vorherige Kündigung abgehoben werden können, während die Abhebung größerer Beträge von der Einhaltung gewisser Kündigungsfristen abhängig ist.
Zur Regelung des Sparkassenverkehrs erging folgende Verordnung:
Artikel I.
wurde. Was die neuerlichen Bomben zu bedeuten haben, ist noch nicht zu erkennen. Sie explodieren in Eisenbahnzügen bei der Durchfahrt durch jugoslawisches Gebiet. Aber Täter und deren Absichten sind noch gänzlich in Dunkel gehüllt.
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nossenschaften) bis auf weiteres folgende Bestimmungen:
BSlanz des ersten Zahltages hervorragendes Ergebnis der Reichsbank. — Auslandsver trauen steigt.
Berlin, 7. August.
Die Tatsache, daß sich die Wiederaufnahme des normalen Bankverkehrs in Deutschland völlig glatt vollzogen hat, wurde überall mit Befriedigung ausgenommen. Es hat sich wieder einmal gezeigt, daß schon allein das Bewußtsein, über sein Geld verfügen zu können, genügt, um das Vertrauen des Publikums wiederherzustellen.
Bei der Reichsbank hatte der erste Zahltag ein geradezu glänzendes Ergebnis. Bei allen Reichsbankanstal- len im Deutschen Reiche stellten sich die gesamten Tages- zugänge im Barverkehr auf 86 Millionen, die Abgänge dagegen nur auf eine Million Reichsmark.
Eine ähnliche Wirkung erhofft man auch von der Wiederaufnahme des Sparkassenverkehrs, wobei es nur zu begrüßen wäre, wenn die Schaltereröffnung schon am Sonnabend erfolgen würde. Die über die Wiedereröffnung der Börse umlaufenden Daten basieren nur auf Vermutungen. Man glaubt, daß die zuständigen Stellen erst dann an eine Wiedereröffnung der Börse geben werden, wenn die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse weiter so entspannt sind, daß eine Gewähr für eine einigermaßen normale Abwicklung gegeben ist, so daß keine Katastrophenkurse entstehen können.
Die Ruhe, die in Deutschland herrscht, ist ein gutes Vorzeichen für die nächste schwierige Etavpe der Wiederherstellung des deutschen Kredits.
Auch die Stillhalteaktion macht, allerdings zu langsam Fortschritte, und die Einigung der amerikanischen Banken wurde in führenden Bankkreisen mit Befriedigung ausgenommen. Die Marknotierungen des Auslandes konnten sich weiter befestigen, ein Zeichen dckfür, daß die Beurteilung der deutschen Verhältnisse eher günstiger war. Nach neuen Informationen ist von Montag ab auch in Paris wieder mit einer amtlichen Notierung der Mark zu rechnen. Die eingetretene Illiquidität der Landes dank der R h e i n p r o v i n z tat der freundlichen Grundstimmung kaum Abbruch, zumal man weiß, daß der Status der Bank völlig aktiv ist und daß Besprechungen in Berlin stattfinden, die sich um eine Zwischenlösung unter Mitwirkung von Reich und Staat bemühen.
Bei den Danziger Banken und Sparkassen ist der normale Zahlungsverkehr in vollem Unzfange wiederaufge- nommen worden. Der Verkehr hat sich völlig ruhig abgewickelt. Es erfolgten mehr Einzahlungen seitens der Kunden, als Auszahlungen geleistet werden mußten.
1091 ,
§ 1. Bis zum Höchstbetrage von 300 Reichsmark werden Zahlungen (Barauszahlungen und Ueberweifungen) ohne vorherige
§
2.
Kündigung geleistet. SatzungsbefUmmungen, die den Anspruch auf eine Zahlung ohne vorherige Kündigung auf einen niedrigeren Betrag beschränken, bleiben unberührt.
(1) Die Zahlung eines höheren Betrages als insgesamt eines Betrages von 300 Reichsmark innerhalb eines Zeitraumes von einem Monat kann nur gefordert werden, wenn eine rechtzeitige Kündigung erfolgt ist.
(2) Die Kündigungsfrist beträgt, soweit keine längere Frist ausdrücklich vereinbart worden ist, für Beträge von mehr als 300 Reichsmark bis zu eintausend Reichsmark einen Atonal, für Beträge über eintausend Reichsmark drei Monate.
§ 3. Ist vor Inkrafttreten dieser Verordnung eine Kündigung erfolgt, so wird der Zeitraum vom 13. Juli 1931 bis zum 7. August 1931, soweit er in die Kündigungsfrist fällt, nicht mitgerechnet.
Artikel II.
Diese Verordnung tritt am 8. August 1931 in Kraft; zu der- ' " i Zeit tritt Artikel V der siebenten Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bankfeiertagen vom 1. August 1931 (Reichsgesetzblatt I Seite 419) außer Kraft.
selben Miede
StWs?teoerhaM««gen in Paris
Man glaubt an eine Einigung.
Paris, 7. August.
Nach einer Havasmeldung verhandelte Direktm Schlieper von der Deutschen Bank mit Vertretern französischer Privatbanken über die Aufrechterhaltung und Verlängerung von Krediten. Direktor Schlieper hat über die Finanzlage Deutschlands Bericht erstattet und Vorschläge zu einem Abkommen gemacht. Die Vertreter der französischen Banken prüfen zur Zeit in Vollsitzungen die in Berlin zu unterbreitenden Gegenvorschläge.
In französischen Finanzkreisen besteht der Eindruck, das man wahrscheinlich zu einer Einigung gelangen werde. 6$ wird betont, daß die Verhandlungen ohne offizielle Beeinflussung rein privat von Bank zu Bank geführt werden.
Kistreitnms der SteumMiin-e
keine Zwangsmaßnahmen in Schleswig.
Schleswig, 7. August.
Auf einer hier abgehaltenen außerordentlichen Mitglie- derversammlung der Kreisabteilung Schleswig des Verbandes. der preußischen Landgemeinden wurde zu dem Erlaß des Finanzministers hinsichtlich Erhebung und Ablieferung der Steuern durch die Gemeinden Stellung genommen und einstimmig folgende Entschließung gefaßt:
Die Gemeindevorsteher des Kreises Schleswig sind nach wie vor bereit, die Steuern einzuziehen und anzunehmen; sie lehnen es jedoch im Hinblick auf die Rotlage und die Unwetterschäden im kreise ab, von Zwangsmaßnahmen Gebrauch zu machen.