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HrrsfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kerls Harsfel-

Nr. 182

Donnerstag, den 6. August 1931

81. Jahrgang

KWi-etW der PreuM« etnatsrcoieroiio

An Preustens Wähler und Wählerinnen!

Rechtsparteien, Stahlhelm und Kommunisten unversöhnliche Todfeinde in unnatürlicher Paarung ver­eint rufen zum Volksentscheid für Auflösung des Preußischen Landtags aus. Parteien, deren fanatische Anhänger sich täglich in Ueberfällen und blutigen Kämpfen gegenüberstehen, finden sich urplötzlich zu­sammen. Mit derselben Waffe desJa"-Zettels zum Volksentscheid wollen beide Teile das denkbar Entgegen­gesetzte erreichen. Die Einen ein bolschewistisches, russischen Methoden nachgeahmtes Sowjetpreußen, die Anderen das alte volksfeindliche Preußen des Drei- klassen-Wahl-Unrechts oder eines faschistischen Gewalt­regiments.

Und doch: Eines ist in der Tat den Rechts- und und Linksradikalen, die hier zum Sturm auf den Preußischen Landtag einsetzen, gemeinsam, klaffen auch ihre weiteren Ziele unvereinbar auseinander: National­sozialisten und Kommunisten wollen das EHaos, wollen den Sturz des Bestehenden. Jeder denkt aber, an die Stelle des Gestürzten seine Herrschaft setzen und die Anderen eben noch willkommene Bundesgenossen beim Volksentscheid unter seine Füße treten zu'können.

Der Preußische Landtag würde der Verfassung ge­mäß ohnehin spätestens im Mai 1932 neu gewäh t werden. Selbst beim Gelingen des Volksentscheids würde frühestens Anfang Dezember gewählt werden können. Wegen der kurzen unterschiedlichen Frist von vier Monaten werden nunmehr schon seit dem Februar des Jahres die politischen Leidenschaften aufs Schärfste aufgestachelt. Ein für das Volkswohl ungemein schäd­liches Beginnen in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Not, in der alles darauf ankommt, die öffentliche Ord­nung und Sicherheit als unentbehrliche Vorbedingung für jede Möglichkeit eines Wiederaufstiegs Deutschlands zu schützen.

Geht es wirklich nur darum zu erreichen, daß der Preußische Landtag um einige Monate früher gewählt werden soll? Nein! Vereint wollen die Links- und Rechtsradikalen, wollen Nationalsozialisten und Kommu­nisten das letzte große Vollwerk, die Litadelle der Demokratie und Republik in Deutschland: Preußen erstürmen. Mit oem Gelingen des Volks­entscheids wollen sie weithin sichtbar das Flammen- zeichen geben, daß das Ende der Demokratie, des Volks- staates, in Deutschland gekommen sei. Der Weg soll nunmehr frei sein zur Verwirklichung der Pläne auf Vernichtung all der Volksrechte, die nach dem Zusammenbruch von 1918 dem gesamten deutschen Volk erst die Kraft und den Mut gegeben haben, aus den Trümmern des alten Deutschen Reiches ein neues zu errichten und die Deutschen so vor der sonst sicheren Vernichtung als Staatsvolk zu bewahren.

Die Betreiber des ^Volksentscheids sind gewissenlos genug, der Preußischen Staatsregierung die Schuld an dem schweren wirtschaftlichen Unheil aufzuladen, daß jetzt über das deutsche Volk hereingebrochen ist. In Wirklichkeit sind es die Folgen des verlorenen Krieges und der uns auferlegten Kriegslasten, die Folgen der Ruhrbesetzung und der Inflation und volkswirtschaftlich verf hlter Maßnahmen, nicht zuletzt aber auch das

Dr. Brüning zu seiner Romreise

Berlin, 6. August.

Zu der Reise des Reichskanzlers und des Reichsministers des Meuteren nach Rom hat Reichskanzler Dr. Brüning Wolfss Telegraphischem Büro die folgende Erklärung zur Verfügung gestellt:

Meinem Kollegen, dem Reichsminister des Auswärtigen und mir ist es eine besondere Freude, die Reise nach Rom anzutreten und die Gelegenheit zu finden, den hervorragen­den Chef der italienischen Legierung persönlich kennen zu lernen. In Deutschland ist man sich dessen bewußt, daß all« politischen Entscheidungen 'Italiens in diesen Jahren von dem Gelübl ernstlicher Verantwortung für Europas Befrie­

unverantwortliche Gebaren unserer radikalen Parteien, ihre Bürgerkriegsspielerei und großsprecherische Revanche­politik, die sich nunmehr zu unser aller Unglück aus- wirken. Nichts wäre unheilvoller, als den Urhebern des Volksentscheids oder ihren kommunistischen Bundes­genossen auch noch das Staatsruder in Preußen in die Hand zu geben.

Gelingen des Volksentscheids bedeutet: Sieg zweier für den Augenblick vereinter gegnerischer radikaler Flügel, die dann in einen erbitterten Kampf miteinander um die Endherrschaft eintreten und Staat und Wirt­schaft in diesen Vernichtungskampf mit hereinreißen würden.

Ein Scheidern des Volksentscheids ermöglicht eine Weiterführung der ruhigen und stetigen Regierungs­politik in Preußen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und als wertvollste Stütze des Deiches bei allen Ver­handlungen mit dem Ausland, die der feßigung des Vertrauens zu Deutschland und dem Wieder­aufbau seiner Wirtschaft dienen.

wer aus blindem Haß gegen die Errungenschaften der Demokratie den Sturz der Regierung der Weimarer Koalition in Preußen will,

wer an die Stelle von Ordnung und Sicherheit die gegenseitige Zerfleischung der dann um die Herr­schaft kämpfenden radikalen Parteien, also den Vruderkrieg im eigenen Land, setzen will, wer diemuhsam rmever cmaemüpften, von der deutschen Wirtschaft zur europäischen Umwelt führenden Fäden wieder zerreißen will,

wer ein Sowjet-Preußen oder ein faschistisches Preußen will,

der gehe zum Volksentscheid und stimme mitja", wer bngegen süs deu sozialen und demo­kratischen Ausbau der deutschen Republik und des Freistaates Preußen ist,

wer der preußischen Staatsregiernng michelseu will, uns aus dem furchtbaren Elend der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit in hartem und zähem Kampf wieder auf­wärts zur Gesundheit zu führen,

wer Vernunft. Sosonnenheit und tiefe, glü­hende Liebe zu Volk und Vaterland ge­rade in schwerster Zeit beweisen will, der folge der Parole:

Haltet Luch fern vom Volksentscheid i Veteiligt Euch nicht am Volksentscheid l

Das Preußische Staatsrainisterium:

Dr. h. c. Braun, Ministerpräsident.

Dr. Ing. e. h. Severing, Minister des Innern.

Dr. h* c. Hirtsirser, Minister für Volkswohlfahrt. Dr. h. c. Steiger, Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Dr. Höpker-Aschoff, Finanzminister.

Dr. Schreiber, Minister für Handel und Gewerbe. Dr. Schmidt, Justizminister.

Grimme, Minister für Wissenschaft Kunst, und Volksbildung,

dung und "wirtschaftliche Wiederauftichtung getragen waren zwei Ziele, in denen Deutschlands und Italiens Interessen sich durchaus begegnen. In diesem Sinne möchte ich der Hoffnung auf einen harmonischen und erfolgreichen Verlauf der bevorstehenden zwanglosen und freundschaftlichen deutsch- italienischen Besprechungen Ausdruck geben.

Die Minister unterwegs

Berlin, 6. August.

Mit dem fahrplanmäßigen Zug MünchenRom sind Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s in Begleitung von Oberregierungsrat Dr. Planck und Legationsrat Thomsen, dem Referenten für Italien im Auswürtiaen Amt. aeltern um 22.02 Ubr vom

Änhalter Bahnhof äbgeveist. Zum Abschied hatten sich von deutscher Seite eingefunden: Minister Treviranus, Staats­sekretär Pünder, Staatssekretär von Bülow, Ministerialdi­rektor Dr. Zechlin und mehrere Herren des Auswärtigen Amtes und der Presseabteilung. Von italienischer Seite war der italienische Geschäftsträger, Botschaftsrat Cicconardi mit dem gesamten Personal der italienischen Botschaft anwesend. Außerdem war in Vertretung des Nuntius der Nuntiaturrat Centoz erschienen. Als der Zug abfuhr, brächte das zahl­reiche Publikum, das sich auf dem Bahnsteig befand, den ab­reisenden deuffchen Vertretern Ovationen dar.

*

Mussolini stellt seinen Sonderzug zur Verfügung.

Um dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminffter die Reife nach Rom möglichst leicht und angenehm zu machen, hat der Chef der italienischen Regierung den vorzüglich und sehr bequem ausgestatteten Ministerpräsidentenzug zur Ver­fügung gestellt. Der Zug ist bereits an die Grenze abgefahren.

Einigung in der amerikanischen Stillhalleaktion

New Sott, 6. August.

Der Hauptaussch»ß der führenden amerikanischen Ban­ken erklärte sich mit den ihm unterbreiteten Empfehlungen des Unterausschusses einverstanden.

Nach einer Sitzung in der Kedswl Reserve Bank, bei der alle New Yorker Bankiers vertreten waren, gab der Präsident der International Acceptance Bank und Vor­sitzende des Unterausschusses, G o o d h u e, folgende Erklä­rung ab:

Zwischen allen an der Sitzung teilnehmenden Bankiers ist bezüglich der von den New Porker Banken in dieser Frage einzunehmenden Haltung, in Uebereinstimmung mit dem Geiste der Zusammenarbeit, der bereits in früheren Sitzungen geherrscht hat, allgemeine Verständigung erreicht worden. Es wurden gewisse Abänderungen der deutschen Vorschläge, die angeregt wurden und die den New Yorker Bankiers wünschenswert erschienen, vereinbart. Diese wer­den der Reichsbank telegrafisch übermittelt werden. Im großen und ganzen stimmen die Zusätze mit denen, die die britischen Banken gemacht haben, überein und bedeuten außerdem eine Siäjeritelluna in gewisseL-technischen Fragen, die dem ÄMrMildr! M^M Mf'eüfiM--

Obwohl es wahrscheinlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, die Einwände zu diesem Punkte zwischen Ber­lin und den verschieden bekannten Märkten auszuglätten und vollkommene Uebereinstimmung der Meinungen herbei- zuführen, kann doch gesagt werden, daß die Sitzung höchst befriedigend war und der Eindruck allgemein vorherffchte, daß ein wirklicher Fortschritt erzielt worden sei. Der allge­meine Plan geht in Uebereinstimmung mit den auf der Lon­doner Konferenz angenommenen Vorschlägen des Präsiden­ten Hoover dahin, die dem Auslande gewährten kurzfristigen Kredite auf einer praktischen und vernünftigen Basis weiter zu führen, so daß Deutschland im Stande ist, die Einfuhr und die Ausfuhr mit dem zur Verfügung stehenden Kapital zu finanzieren.

Das Komitee, das Fühlung mit den führenden Banken der anderen Federal Reserve Distrikte hat, hat von den meisten die Zusicherung der gemeinsamen Arbeit im Sinne des vorgeschlagenen Planes erhalten. Es wurde noch erklärt, der an Hoover gehende Bericht der Banken werde empfehlen, die notwendigen Dekrete zu erlassen, um die Empfehlungen des Bankkomitees in Kraft zu setzen.

Die Annahme der modifizierten Vorschläge Dr. Luthers durch den Hauptausschuß der amerikanischen Bankiers wird dem deuffchen Reichsbankpräsidenten nach der Formulierung und der Uebermittlung an die anderen Notenbanken um­gehend gedrahtet werden.

Kriegsschvldevrevislou unvermeidlich Erklärung der New Porker Bankiers.

New yort, 0. August.

In Finanzkreisen erklärt man im Hinblick auf die Still- Halte-Besprechungen zwischen den New Yorker Bankiers daß jede das Problem der kurzfristigen Kredite an Deutsch­land betreffende Maßnahme nur einige Zeit wirksam blei­ben könne.

Das einzige Mittel, Deutschlands finanzielle Schwierig­keiten zu beheben» sollte eine ganz neue Auffassung bei Reparationsfrage enthalten, die den Weg zu einer neuen langfristigen Anleihe ebnen würde. Das Blatt fügt hinzu, die Bankiers glaubten mit wenigen Ausnahmen, eine all­gemeine Revision der Kriegsschulden an Amerika sei unver­meidlich.

Petroleumkrieg in Oklahoma Der Gouverneur schließt 3106 Bohrtürme.

New York, 6. August.

Der Gouverneur von Oklahoma erließ eine Verordnung, durch die 3106 Petroleumquellen in Oklahoma geschlossen werden. Außerdem wurde für die Gebiete in unmittelbarer Nähe der Bohranlagen das Standrecht verkündet.

Die Maßnahme ist die Folg« der Ankündigung des Gouverneurs aus den letzten Iulitagen, in der der Industrie angedroht wurde, daß in ganz Oklahoma alle Petroleumquel­len geschlossen würden, falls bis zum 1. August der Petro­leumpreis nicht auf 1 Dollar festgesetzt würd?.