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Hersfel-erTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 181

Mittwoch, den 5. August 1931

81. Jahrgang

Der Kanzler an das deutsche Volk

Deutschland aus Selbsthilfe und aus das Vertrauen in seine Kraft angewiesen"

Der Reichskanzler zur politischen Lage

Dr. Brüning an das deutsche Volk

Berlin, 5. August.

Reichskanzler Dr. Brüning'führte gestern abend im Rundfunk folgendes aus:

Meine Damen und Herren!

Vor sechs Wochen habe ich mich schon einmal an dieser Stelle an das deutsche Volk gewandt. Damals standen mit unter dem Eindruck des großen historischen Schrittes des Herrn Präsidenten Hoover, durch den Deutschland auf ein Jahr von der Zahlung der Reparationsverpflichtungen be­freit werden sollte. Gleich damals habe ich vor der Illusion gewarnt, daß wir bei Annahme dieses hochherzigen Planes über die Gesamtheit der uns bedrängenden Nöte hinweg seien. Dieser Sorge hat die Entwicklung der Zwischenzeit Recht gegeben.

Das deutsche Volk hat Äe über alle Schichten hereinge­brochene schwere Prüfung mit vorbildlicher Ruhe über sich ergehen lassen und seinen natürlichen Sinn für Ordnung und Führung bewahrt, der die verdiente Anerkennung der gan­zen Welt gefunden hat. Die deutsche Oeffentlichkeit hat da­her ein Recht darauf, von der Reichsregierung über die Ge­schehnisse der letzten Wochen unterrichtet zu werden, zumal die berufene Volksvertretung, der Deutsche Reichstag, in staatsmännischer Einsicht dem Wunsche der Reichsregierung gefolgt ist und von einer Sammertagung in diesen Krisen-

Die Reichsregierung mußte in den vergangenen Mona­ten in ihren Maßnahmen, vor allem in der Reparations- politik, ohne Rücksicht auf Agitatiansbedürfnisse behutsam vorgehen, weil sie sich gewisser in der Lage unseres Geld­marktes bedingter Gefahren bemüht war. Diese Politik wurde vielfach nicht verstanden. Daher haben sich für Auhen- tehende die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in den echs Wochen geradezu überstürzt. Der Hoover-Plan ist in einem wesentlichsten Inhalt Wirklichkeit geworden, wenn auch seine mehrwöchige Verzögerung schwere Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft ausgeübt hat. Die in diesen Wochen erfolgte Entziehung kurzfristiger ausländischer Kre­dite in Milliardenhöhe aus den deutschen Banken bedeutet für unsere Volkswirtschaft einen plötzlichen und gefahrvollen Blutverlust. Starke Störungen des Zahlungsverkehrs und Erschütterungen des gesamten Wirtschaftslebens waren die naturgemäße Folge. Ein bedeutsamer Fortschritt ist aber als

Ergebnis dieser Krisis

unverkennbar. Heute ist sich die gesamte Welt darüber einig, daß die Geschicke der Völker miteinander auf das engste ver­flochten sind, daß Störungen im Organismus eines so großen Wirtschaftskörpers wie Deutschland nicht ohne ernste Folgewirkungen auch im Auslande bleiben können. kein Politiker kann mehr die Richttzkeit des Sätzes bezweifeln, daß die Not eines Volkes nicht »er Vorteil des anderen fein kann. Vor sechs Wochen sagte ich deshalb,, daß das Gedeihen Europas und der Welt davon ahhänge, daß dieselben, die ein tragisches Geschick im Weltkrieg zu Feinden werden ließ, nunmehr weitsichtig zu den Entschlüssen sich aufraffen, welche die gemeinsame beklemmende Not von ihnen fordert. Ich sagte insbesondere, daß sich die deutsche Regierung be­wußt sei, welche wichtige Rolle der zukünftigen Gestaltung der Beziehungen zwischen Frchlkreich nnd Deutschland zu- fällt.

Aus solchen Erwägungen,,die trotz aller Hindernisse in steigendem Maße bei den entscheidenden Faktoren sich durch- zufetzen beginnen, ist es inzwischen zu dem deutschen Staats­besuch in Paris gekommen, dem sich alsdann die Sieben- mächtekonferenz in London anschkoß. Dieser Konferenz folg­ten die Besuche der amerikanischen und englischest Staats­männer in der Reichshauptstadt. Morgen abend begebe ich mich, einer Einladung der italienischen Regierung folgend, in Begleitung des Herrn RÄchSaußenchinister nach Rom. Hoffentlich werden wir in einiger Zeit den in Paris aufge­nommenen deutsch-französischen Geoankemaustaufch bei dem Gegenbesuch der französischen Staatsmänner in Berlin in freimütiger Weise fortsetzen.

Die Ergebnisse dieser außenpolitischen Besprechungen sind naturgemäß nur erste Schritte auf einem Wege, an dessen Ende nach unserer Hoffnung eine dauerhafte internationale Kooperation stehen soll.

Zwischen den Erstlingsergebnissen solcher Zusammenkünfte und den durch die dringende Not erregten Hoffnungen wird immer eine schmerzliche Distanz bestehen. So sehr ich dieses Gefühl verstehe und lvürüige, so bedauerlich wäre es doch, wenn solche Anfangsenttäuschungen imstande wären, den entschlossenen Wille?., Deutschlands zu hemmen, auf dem be- schrittenen und aus die Dauer allein aussichtsvollem Wege weiterzugehen. Was das bisher auf her

Londoner Konferenz erzielte Ergebnis anlangt, so wiederholte ich Bekanntes, wenn ich sage, daß zu­nächst der an die Reichsbank />emiWe M-MmiWen-Kredit

für drei 'Atonale erneuert worden ist, daß durch gemein­samen Beschluß der beteiligten Regierungen und durch Ein­wirkung auf die heimischen Banken weiterer Abzug von Kre­diten aus Deutschland verhindert worden ist, und daß schließ­lich ein Komitee erster Banksachverständiger in den nächsten Tagen beraten soll, um die Frage weiterer deutscher Kredit­bedürfnisse zu prüfen und geeignete Vorschläge zu machen. Eine durchgreifende Finanzhilfe großen Stils ich trage keine Bedenken, dieses festzustellen ist damit einstweilen nicht erreicht. In der deutschen Oeffentlichkeit wurde da und dort von einer umfassenden Ausländsan­leihe gesprochen und der deutschen Reichsregierung der Vorwurf gemacht, daß sie aus mißverstandenen Prestige­gründen den Anleihegedanken nicht ernst genug verfolgt hätte. Dieser Auffassung ist die Reichsregierung bereits mit Nachdruck entgegengetreten. Ich stelle erneut fest, daß eine große Ausländsanleihe augenblicklich und für geraume Zeit außerhalb der realpolitischen Möglichkeit liegt. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Ein Hindernis liegt insbesondere in der Tatsache, daß zu einer solchen Anleihe die Garantie mehrerer großer Länder verlangt wird, deren Zusage zu erreichen, teils aus staatsrechtlichen, teils aus finanztechni- schen Gründen zur Zeit ausgeschlossen ist. Darum ist vor- , erst Deutschland und seine Wirtschaft auf Selbsthilfe und auf das Vertrauen in seine eigene Kraft angewiesen. Nie­mand möge hierbei die Besorgnis haben, daß diese Stellung­nahme der Reichsregierung der Ausfluß eines überspitzten Nationalismus sei. Keiner kann von der internationalen Jnteressenverflochtenheit aller Länder überzeugter sein als die deutsche Reichsregierung. Es ist ausgeschlossen, daß wir Deutschland mit einer Chinesischen Mauer umgeben könnten, innerhalb deren das deutsche Volk, unter Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse, ausschließlich eigenem Handel und Wandel nachgehen könnte. Deutschlands Wirtschaft ist und bleibt auf enge handelspolitische Zusammenarbeit mit dem Auslande angewiesen.

^^^Lchne Zuudersi ist die Reichsregierung schon vor und während der Pariser und Londoner Äerhanotungen daran gegangen, die

Folgerungen aus dieser Sachlage

zu ziehen. Einen gewissen Abschluß haben die erforderlichen ersten, mehr technischen Sanierungsmaßnahmen am ver­gangenen Sonnabend gefunden. Ich erwähnte vorhin die Schwierigkeiten, in die ein Teil der deutschen Großbanken ! durch die plötzliche Abziehung großer Posten kurzfristiger j Kredite gekommen war. Bei der Bedeutung, die die Groß­banken in der gegenwärtigen Struktur unseres Bankwesens für die deutsche Gesamtwirtschaft haben, waren schnelle Ent­scheidungen der Reichsregierung notwendig. Sie kennen die Maßnahmen, die vor einigen Wochen hinsichtlich der Darm­städter- und Nationalbank und in den letzten Tagen hinsicht­lich der Dresdner Bank ergriffen worden sind. Auch in per­soneller Hinsicht werden geeignete Schritte erfolgen.

Die Einschiebung von Bankfeiertagen gab der Reichsregierung und den beteiligten Wirtschafts- treisen die Möglichkeit, mit Sorgfalt und im engen Zusam­menwirken mit der Reichsbank und berufenen Sachverstän­digen des Inlandes und Auslandes alle die Maßnahmen vorzubereiten, die für eine planmäßige Wisderingangfetzung des Zahlungsverkehrs erforderlich waren. Ein wesentliches Glied in der Kette solcher Maßnahmen war die Schaffung der Akzept- und Garantiebank, die als neuer Garantieträger der ersten deutschen Bankhäuser erst die Voraussetzung schuf, die Reichsbank durch Hergabe einer weiteren Wechselunter- torift zur Herausgabe der erforderlichen Noten instand zu setzen. Durch die letzten Entschließungen vom vergangenen Sonnabend wurde erreicht, daß jetzt der Geldumlauf im Bar- und Ueberweisungsverkehr bei den Banken wieder in Gang gesetzt werden kann. In Verbindungdamit waren einschnei­dende Bestimmungen zur Verhinderung der Kapitalflucht und für den Verkehr mit ausländischen Devisen erforderlich. Aus der Schärfe der Bestimmungen, die bis zur Festsetzung von Zuchthausstrafen bei ehrlosem Verhalten und schweren Verstößen gegen diese Vorschriften gehen, möge man die Ent­schlossenheit der Reichsregierung entnehmen, volksschädlichen Sonderwünschen auf dem Kapitalmarkt in dieser allgemei­nen Notzeit auf das Entschiedenste zu begegnen.

Gewiß ist richtig, daß bei der in Aussicht genommenen vorübergehenden Devisenbewirtschaftung durch die Landes­finanzämter in Einzelfällen fühlbare-Härten eintreten kön­nen. Die Reichsregierung ist entschlossen, dafür zu sorgen, daß. diese durch die Not der Zeit erzwungenen Maßnahmen bei aller Schärfe ihrer Durchführung nicht wirtschaftsstörend wirken.

Mit den dargelegten Maßnahmen ist das zur Zeit Not­wendige geschehen, um den Geldumlauf nun wieder gewohn­ten Verhältnissen anzunähern. Ich will nunmehr auf

einige besonders wichtige Einzelheiten eingehen: Alles, was Reichspräsident und Reichsregierung M Diesen Wochen anordnen mußten, hat mit Inflatios - gefahr nicht das mindeste zu tun. Vielen, vielleicht den meisten meiner Zuhörerinnen und Zuhörer, sage ich damit nichts Neues. Immerhin mag diese meine Feststellung zur Beruhigung des einen oder anderen aufgeregten Gemütes beitragen. Wir leiden keinesfalls an einem Zuviel an um« laufenden Zahlungsmitteln. Darum ist eine Sorge, als ob das sauer verdiente und ersparte Geld, da und dort an­

gelegt, in Gefahr sei, seinen Wert wie in der Inflationszeit einzubüßen, durchaus gegenstandslos. Im Gegenteil, die Ueberlegung liegt nahe, von feinem Guthaben möglichst we­nig abzuheben, ja, es, wenn möglich, noch zu erhöhen, weil die Kaufkraft des Geldes steigt.

Die Wiederherstellung des Zahlungsverkehrs hat auch den Sinn einer Frage an das deutsche Volk selbst, der Frage nämlich, ob es in Selbstbesinnung auf seine eigene Kraft und Würde entschlossen ist, an der Gesundung des Zahlungskreis- laufes und Wirtschaftsgeschehens aktiv teilzunehmen.

Notverordnungen und ergänzende Vorschriften können nur die erforderlichen technischen Maßnahmen geben, um Störungen der Wirtschaft zu überwinden: Die Maßnahmen mit Inhalt und Wirklichkeit zu erfüllen, ist Sache eines auf­geklärten Wirtschaftsvolkes selbst.

Sie können auch sicher sein, daß wir nicht nur an die Großstädte, sondern mit der gleichen Sorgfalt an die Wirt­schaftsvorgänge in der Provinz, in Mittelstädten und auf dem Lande denken, wenn wir auch nicht vermeiden können, daß da und dort noch Uebergangsschwierigkeiten auftreten. Bares Geld in einem Augenblick beanspruchen, wo es nicht unbedingt benötigt wird, ist ein Ausfluß unbegründeter Ner­vosität, aber nicht wirtschaftlich richtigen Denkens. Sowohl der Gesamtwirtschaft des Volkes, als auch den eigenen Inter­essen gegenüber ist es falsch, Bargeld früher abzuheben, als es tatsächlich benötigt wird.

Wenn unsere heutige Aussprache eine wechselseitige sein könnte, würde mir vielleicht von manchem Gewerbetreiben­den und mancher Hausfrau der Zuruf entgegenklingen, wie es mit dem

Geldverkehr der Sparkassen aussieht. Daher auch hierzu ein offenes Wort: Es ist rich­tig, daß wir zunächst davon absehen mußten, den vollständigen freien Kassenverkehr bei den Sparkassen sowie bei den Ban­ken schon von jetzt ab in Wirksamkeit treten zu lassen. Das aber hängt mit dem Wesen und der Zweckbestimmung der Sparkassen zusammen. Die Sparkassenvermögen sind so sorgfältig als möglich-augclegt, und 3war in erster Linie in der Anlägeform, die man für die sicherste hält, d. h., in erst- stelligen Hypotheken. Die Sicherheit einer solchen Anlage muß aber zunächst damit erkauft werden, daß die angelegten Gelder nicht täglich in beliebiger Höhe zurückgezahlt werden können, weil Hypotheken ihrem Wesen nach langfristige An­lagen sind. Das muß eine Sparkasse einfach mit in Kauf nehmen; denn sie ist ja ein Institut, das ersparte Vermögen mit einem Höchstmaß von Sicherheit verwalten und nicht etwa eines, das tägliche Gelder bewirtschaften soll. Gewiß ist dieses Wesen der Sparkassen, insbesondere mit Rücksicht auf die Kreditbedürftigkeit des kleinen Mannes, nicht überall aufrecht erhalten worden, und ein Teil der Sparkassen hat mehr oder weniger neben diesem ihrem Hauptzweck auch noch die Tätigkeit von Banken, also dem täglichen Geldinstitut, mit übernommen. Weil das so ist, und weil dieser Dienst insbesondere den kleineren Handwerkern und Gewerbetrei­benden unentbehrlich ist, hat die Reichsregierung und Reichs­bank in voller Uebereinstimmung mit der Deutschen Giro­zentrale und den Sparkassen alles vorbereitet, um auch bei den Sparkassen den unbeschränkten Zahlungsverkehr in einem nahen Zeitpunkt wieder herzustellen. Diese Dinge sind im Augenblick in Arbeit.

Noch in dieser Woche muß und wird Klarheit über den Termin der Wiedereröffnung des unbeschränkten Zahlungs- verkehrs im Rahmen der Satzungen bei den Sparkassen ge­schaffen werden.

Die Lage, wie sie nun einmal hauptsächlich durch den Abzua der Auslandsgelder entstanden ist, zwang uns, das Probsem der Großbanken zunächst in Angriff zu nehmen. Aber der Eindruck, als ob Reichsregierung und Reichsbank weniger Interesse für mittlere und kleinere Wirtschaftskreise haben, über eine vielleicht da und dort aufgetauchte Miß­stimmung aus dieser Meinung heraus, sind völlig abwegig. Schon die Voraussetzung dieser Ansicht ist unrichtig. Denn die Ordnung der deutschen Großbanken kommt keineswegs mehr oder überwiegend den großen Firmen und Kunden zu­gute. Die Gläubigerkunden, die bei einer endgültigen Er­schütterung jener Banken zu Schaden gekommen wären, Hütten sich auf viele Hunderttausende und zweifellos zum größten Teile auf mittlere und kleinere Wirtschastskreise, auf Gewerbetreibende und Handwerker, ausgewirkt. Weit über 1000 Genossenschaften und Genossenschaftsbanken stehen mit der einen der in Frage kommenden Großbanken in innigster Beziehung und wären von der Erschütterung unmittelbar und praktisch betroffen worden. Das besondere Eingreifen der Reichsregierung in diesem Fall war eine ausgesprochene Mittelstandsmaßnahme. Selbstverständlich kann die Reichs­regierung nicht darauf verzichten, längst überlegte Maß. nahmen auf dem Gebiete des gesamten Kredits- und Kapital­verkehrs und des Aktienrechts vorzubereiten.

Diese Erklärung bedeutet keinen Schlag gegen das freie Bankgewerbe. Aber nachdem einmal der Staat auf dringendes Ersuchen der Beseitigten sich rettend und schützend auf diesem Gebiet hat einschalten müssen, kann er sich nicht der Pflicht entziehen, auch Maßnahmen vor. beugender Art für die Zukunft zu treffen wie es andere Völker langst getan haben.

Und nun zum Schluß noch eine Antwort auf viele öf­fentlich und privat an mich gestellte Fragen: Die Reichs­regierung nimmt nicht die Unfehlbarkeit für sich in Anspruch. Sie ist in tiefen MMsMvüMSllLN Mücken uni AcküLten.