Einzelbild herunterladen
 

yersfelöerTageblatt Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 177 Freitag, den 31. Juli 1031 81. Jahrgang

[ Die Schalter auf!

Wieder einmal gab es eine Enttäuschung. Denn es war mehr als nur angedeutet, zum mindesten die be­gründete Hoffnung erweckt worden, daß die Einschränkun­gen für den Verkehr mit baren Zahlungsmitteln im Laufe der letzten Juliwoche ganz aufgehoben würden. Statt dessen kamen nur einige Erleichterungen, die die Ver- fügungsberechtigung über Bank- und Sparkastenkonten nur um ein geringes Maß ausdehnten. Daß für dieses grundsätzliche Festhalten an derKontensperre" die Be­sorgnis vor demUltimo" maßgebend war, ist gesagt worden und liegt auch auf der Hand. Alle Welt weiß ja doch, daß bei M o n a t s s ch l u ß der Bedarf an Bar­zahlungsmitteln raketenartig in die Höhe steigt. Löhne und Gehälter, Renten und Unterstützungen müssen gezahlt werden aber auch zahllose andere Zahlungsverpflich­tungen werden an diesem Tage fällig. Außerdem ist dies­mal der Lohn - und der Gehaltszahlungstag zusammengefallen. Wobei nun noch darauf verwiesen werden muß, daß die Einschränkung der Verfügungs­berechtigung über Bank- und sonstige Konten ja nicht bestand, wenn es sich um die Zahlung von Löhnen und Gehältern, Sozialrenten und jetzt auch allerdings noch stark eingeschränkt! von Mieten und Hypothekenzinsen handelt. Auch für die Bezahlung von Steuern bestand (natürlich!) eine Einengung des Verfügungsrechtes nicht. Aber das ist doch längst nicht alles, was gerade der gewerbliche M i t t e l st a n d und die Landwirtschaft am Ersten des Monats bar zu bezahlen hat. Dort hat man doch schließlich noch einige andere Kosten zu tragen und zu bezahlen als jene oben aufgeführten! Aber man darf so gut wie nichts von dem abheben, was man sich gespart hat für die Zeit der Not. Und in der steckt man jetzt drin bis zum Hals, großenteils schon darüber hinaus.

Glänzend rst vom ganzen deutschen Volk der Stoß pariert worden, den die bekannten Ereignisse des Juli gegen unsere Währung führten. Nach kurzer Verwirrung schwand jede Besorgnis um die Stabilerhaltung der Reichsmark. Wenn trotzdem Hunderte von Millionen an Banknotengehamstert" wurden, so geschah das natürlich nicht aus Angst vor einerInflation"; denn so

Am«»«.«»

glauben, ekn^KnatkönwM^äusgerecht vor jenen Noten in den Kästen und Strümpfen haltmachen. Aber man befürchtete, für den wirklichen Bedarfsfall keine Barzahlungsmittel zu haben, eben weil ja das Ver­fügungsrecht über Bank- und Sparkastenkonten gesperrt war oder aufs schärfste eingeschränkt ist. Diese Einschrän­kung wird nun aber wieder damit begründet, daß so viele Noten gehamstert sind! Wir müssen endlich, und zwar baldigst heraus aus diesem Fehlerkreis. Aber das kann natürlich nur geschehen durch Aufhebung der Ein- schränkungen für den Verkehr mit Barzahlungsmitteln, weil dann eben auch der Grund für die Hamsterei fortfällt.

Bei dieser Aufhebung darf aber eine unterschiedliche Behandlung zwischen Banken und Sparkassen nicht erfolgen. Die Banken sind ja an sich schon bevorzugt; erfolgt einKassensturm" ihrer Einleger und Sparer, dann hat die Bank immer noch einen Rückhalt an der Reichsbank, jetzt außerdem auch noch an der neuen Akzept­bank. Die Sparkassen hingegen haben ihre Stärke in der sehr vorsichtigen, dafür aber langfristigen An- läge der ihr anvertrauten Gelder, also in einer möglichst großen Sicherung der Anlagen. Darauf ist in den letzten Wochen immer wieder hingewiesen worden, das muß aber trotzdem stets von neuem gesagt werden. Der Sparer will ja auch Zinsen haben; also muß die Sparkasse das Geldarbeiten" lassen, weil Zinsen nicht wie die Blumen auf dem Felde wachsen. Es mag auch wieder erwähnt werden, daß die Spareinlagen auf etwa zwölf Milliarden gestiegen sind, daß andererseits die deutschen Sparkassen im vergangenen Jahre aber auch über 500 Millionen bar ausgezahlt haben,ohne mit der Wimper zu zucken". Weil nun das Geld fest und sicher untergebracht, nur ein Teil davonliquide" ist, um den normalen Anforderungen an sofortiger Auszahlung ge­nügen zu können, weil sogar so viel Geldda ist", um selbst übernormalen Anforderungen solcher Art zu ge­nügen, so gibt es trotzdem keine Sparkaste, keine Bank der Welt, und läge sie selbst in den goldenen Vierteln von Newyork oder Paris, die imstande wäre, auf einmal oder binnen wenigen Tagen alle Gelder bar auszuzahlen, wenn plötzlich alle Sparer ihr Geld zurückverlangten. In Deutsch­land gäbe es überhaupt nicht einmal die Hälfte der hierfür notwendigen Zahlungsmittel. Trotzdem ist das Geld nie gefährdet, weil es eben in sicheren Werten an- geleLt ist und angelegt bleibt. Bei der tiefen Verankerung, deren sich die Sparkassen gerade innerhalb der Masten unseres Volkes erfreuen können, ist es von größter Wich­tigkeit, daß hier der Zahlungsverkehr ebenso schnell in normale Bahnen zurückgeführt wird wie bei den Kredit- institnten, den Banken.

Ministerberatung

Berlin, 31. Juli.

Gestern abend fand eine Besprechung der Reichsminister statt, in der die Beratung der f i n a n z - und wirt - schaftspolitischen Maßnahmen fortgesetzt wurde. Zu einem abschließenden Ergebnis hat diese Besprechung noch nicht geführt. Die Verhandlungen gehen vielmehr heute weiter. t

Amerikanische Initiative in der Abüstungsfrage?

Washington, 31. Juli. ^

Unterstaatssekretär Castle erklärte, daß die Vereinig­ten Staaten bereit seien, zusammen mit anderen Staaten die Abrüstungsfrage praktisch vorwärts zu treiben.

Die Bank-Verhandlungen zwischen England und Frankreich

Paris, 31. Juli.

Havas gab gestern über die Frage des Abkommens zwischen der Bank von Frankreich und der Bank von Eng­land ein Kommunique aus, in dem es heißt:

Man wird wahrscheinlich nicht vor dem heutigen Tage die Entscheidung erfahren, die die Bank von England gegen­über dem Abkommenentwurf getroffen hat, der in Paris an­läßlich des Besuches von Sir Robert Kindersley aus­gearbeitet ist. In L o n d o n fährt man fort, die beabsichtig­ten Maßnahmen gründlich zu studieren. Zu gleicher .Zeit werden die Bedingungen geprüft, unter denen eine g e meinsame Aktion der drei E m i s s i o n s b a n - k e n von Amerika, England und Frankreich evtl. unternom­men werden könnte, um die Geldbewegung auf den haupt­sächlichsten Märkten zu regulieren.

Amerikanische Beteiligung am Finanz- prüfungskomitee

New Zork, 31. Juli.

Der Vorsitzende der New York Chase National Bank, Albert W i g g i n, hat sich bereit erklärt, als amerikanisches Mitglied an den Arbeiten des B.J.Z.-Komitees zum Stu­dium der deutschen Finanzlage teilzunehmen.

Prosperität nur durch internationale Zusammenarbeit

L ____ Paris, 31. Juli.

Ler «oUzugsauÄtwav wir -v

Handelskammer, der gestern zu einer «ondersitzung in Paris zusammengetreten ist, hat eine Entschließung ange­nommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die Ent­wicklung der Weltkrise die finanzielle und wirtschaftliche So­lidarität der verschiedenen Nationen augenscheinlich mache, daß der im Kriege geborene Geist des Mißtrauens und der Verdächtigung sich den Maßnahmen widersetze, die diese So­lidarität benötige, den Frieden bedrohe und die ganze Welt­wirtschaft in Gefahr bringe. In der Entschließung bringt die Internationale Handelskammer weiter zum Ausdruck, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten durch eine ver­trauensvolle loyale " internationale Zusammenarbeit über­wunden werden können. Sie richtet einen feierlichen Appell an die der Handelskammer angeschlossenen Natio­nen, durch eine umfassende Anstrengung das für die wirt­schaftliche Prosperität der Welt unentbehrliche Vertrauen unter ihnen wieder herzustellen.

Die Forderungen der Sozialisten

Wien, 30. Juli.

In der gestrigen Nachmittagssitzung des Internationalen Sozialistenkongresies verlas Dr. Bauer die von der Kom­mission ausgearbeitete Resolution, die von den Re­gierungen

eine großzügige internationale Kreditaktion für Deutsch­land fordert, wobei alle politischen Bedingungen unbe­dingt abgelehnt werden.

Von deutscher Seite müsse die Hilfsaktion dadurch erleichtert werden, daß die deutsche Regierung aus eigenem Antrieb den Nationen, die Deutschland helfen sollen das Maximum an möglichen Garantien dafür gibt, daß die Hilfsmittel einer Politik der Demokratie und des Friedens dienen sollen.

Gleichzeitig müsse das Moratoriumsjahr zur endlichen Neuregelung der Frage der Kriegsschulden und der Re- paralionen auf der Basis der Streichung der aus dem krieg hervorgegangenen Schulden ausgenukt werden. Diese Frage sei nur im Zusammenhang mit der Frage der internationalen Abrüstung lösbar.

Der Kongreß habe das vollste Vertrauen zur Mannhaf­tigkeit und Freiheitsliebe der deutschen Arbeiterklasse. Die Sozialdemokraten halten die

Revision des in den Friedensverträgen enthaltenen

Unrechts für unerläßlich,

aber nicht mit Mitteln der Gewalt, sondern auf dem Wege der Demokratie und des internationalen Rechts.

Die Erreichung dieses Zieles sei auf das engste ver­knüpft mit der Eroberung der politischen Macht für das Proletariat. Die Sozialdemokratie wünsche nicht den Weg der Diktatur und des Terrors, sie wolle um des Sozialismus willen die Freiheitsrechte nicht preisgeben, sondern sie für den Kampf um den Sozialismus ausnutzen.

Wenn aber, so sagt die Resolution weiter, trotz der groß- ten Anstrengungen der Sozialdemokratie die demokratischen Möglichkeiten von den Feinden der Arbeiterklasse zerstört würden, wenn man der Arbeiterklasse nur einen Kampf mit allen Mitteln übrig lasse, werden die Masten der Sozial­demokratie nicht abseits stehen, sondern auch auf dem neuen Boden kämpfen.

Die Diskussion über das Referat Dr. Bauers wurde heute eröffnet.

Das Eiillhaltekonsorlium

für Deutschland.

Französische Beteiligung grundsätzlich zugesagi.

Die angekündigre Sitzung der französischen Banken, welche aus Veranlassung der Bank von Frankreich bei öangne d'acceplion etnberusen wurde, um über die fran- joftfqje Teilnahme am Stillhaltekonsortium für die in Deutsch­land noch verbleibenden Auslandskredite zu beraten, ist er« gebniSloS verlaufen. Man bat ursprünglich damit gerechnet, daß bis zur Sitzung von deutscher Seite aus Grund der in Pkrttn geführten Verhandlungen mit den englischen und fran« zosischen Banken präzise Vorschläge gemacht würden.

Da die Berliner Verhandlungen noch zu keinem endgül­tigen Ergebnis geführt hatten, konnten auch in PariS die er­warteten Borschläge nicht vorgelegen haben.

Infolgedessen wurde die Sitzung abgebrochen und aus einen spateren Zeitpunkt vertagt. Im Laufe der Veralun- fi^n soll allerdings die grundsätzliche Bereitschaft der franzö- slschcn Banken zur Beteiligung am Stillstandskonsorttum zum Ausdruck gekommen sein. Was den Umfang der noch verölet» benden Kredite an deutsche Adresse angeht, so werden die Rembourse-Kredite mit 0,9 Milliarden Frank - 150 Millionen Mark angegeben.

Ausweichende Erklärungen der englischen Regierung im Unterhaus.

Aus die Frage im englischen Unterhaus, ob die Regierung eine gemeinsame Aktion Englands, Amerikas " " u t s ch l a n d s zur Lösung der finanztelllen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas erwogen habe oder er­wägen wolle, erklärte der Regierungsverireter Dalton, daß es die Absicht der englischen Regierung sei. Maßnahmen in größt­möglichem Rahmen zur Lösung der Schwierigkeiten zu er» grelfen.

Macdonald wieder in London.

Besprechungen in Berlin ziemlich ersolgreich."

'Der englische Ministerpräsident Macdonald ist in London eingetroffen. Sofort nach der Landung des Flugzeuges er« kündigte sich der Premier nach dem Befinden Llovd Georges.

Aus dem Wege nach London wurde nicht nur in Hannover, sondern auch in Amsterdam eine Zwischenlandung vorgenommen. Macdonald erklärte bei seiner Ankunft:

Die Besprechungen in Berlin mit Brüning und Cur- tius seien ziemlich erfolgreich gewesen. Sie hätten die Er­örterungen fortgesetzt, die in ChequerS begonnen wurden, finden wurden, antwortete Äacvonaw, oujTel vu\»> «^»e- blick noch nicht sagen könne. -

Die Arbeit, die getan worden sei, werde noch verschie­dene Stadien durchlausen müssen. Es sei unmöglich, jetzt schon zu sagen, welche weitere Richtung die Ereignisse nehmen würden. Die erste wichtige Sache sei jedoch, einen Bericht von den Banksachverständigen zu erhalten.

Die Londoner Gachverständigenberatung.

Vor dem Sachverständigenausschuß, der in London über die Durchführung des Hoover-PlaneS zu be­raten hat, werden in dieser Woche die Vertreter der kleineren Staaten Griechenland, Rumänien, Südslawien und Portugal gehört. Sie legen im Namen ihrer Länder die Nachteile dar, die ihnen aus dem Hoover-Plan und aus der Einstellung der Reparationen entstehen. Ferner steht zurzeit die Frage der Markentschädigung für Belgien zur Erörterung. . Es verlautet, daß sich die Verhandlungen schwieriger ge­staltet habe.

Siefernngen nach der Sowjetunion.

Ausfallgarantie in Baden.

Amtlich wird mitgeteilt: Aus Grund der Verfassung wurde der Minister des Innern durch das Staatsmmistenum er­mächtigt, eine Ausfallgarantie für Lieferungsgeschäfte badischer Firmen nach der Union der Sozialistischen Sowjet­republiken bis zum Höchstbetrage von neun Millionen Mark zu übernehmen. Das Notgesetz trat bereits in Kraft.

Beschuldigungen gegen eine

Heimstättengesettschast.

Angeblicher Millionenbetrug an 20 000 Sparern.

Gegen die Leitung der Deutsch-Evangelischen Heim» stättengesellschast (Devaheim) in Berlin ist eine Unter- suchung eingeleitet worden, da behauptet wird, baß die verantwortlichen Leiter sich großer Unregelmä^gkeiten schuldig gemacht haben. Es soll sich um Bitanzsälschungen, Konkursverbrechen, Urkunden- und Wechselfälschungen handeln. Geschädigt seien etwa 20 000 Sparer; der Schaden betrüge mehrere Millionen Mark.

Die Heimstättengesellschaft ist vor einiger Zeit in Schwierigkeiten geraten. Eine an die Sraatsanwaltichaft gerichtete Anzeige enthielt nun die Behauptung, daß die Leiter der Devaheim die Gelder zahlreicher Sparer in Verlust gebracht hätten. Es sollte sich um etwa zehn Mil­lionen Mark handeln. Einer der beschuldigten Leiter der Gesellschaft erklärte jedoch, daß die in der Strafanzeige er- hobenen Behauptungen falsch wären und daß es sich um einen Racheakt handele, in dessen Hintergrund polittfche Motive ständen.

Französische Landwirte in Deutschland

" Paris, 31. Juli.

Gestern ist eine landwirtschaftliche Kommission nach Hamburg abgereist, um dort (und im weiteren Verlauf der Reise in Dänemark) die Organisation der landwwtschaft- lichen Genossenschaften und die Verbindungen zwischen Er- zeuger» und Verbrauchergenossenschaften zu studieren. ^^