Einzelbild herunterladen
 

Reisfelder (Tageblatt

Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher/inzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. K5

Mittwoch, den 29. Juli 1931

81. Jahrgang

Deutsch englische Verhandlungen

Fortsetzung Der Aussprache von Lhequers MacDonalds Glaube an Deutschlands Zukunft

RSchite Woche normaler Celdoertehr

Bis dahin nur geringe Lockerung der strengen Vorschriften.

Berlin, 29. Juli.

Der Rest dieser Woche ist dadurch gekennzeichnet, daß zu den für die regelmäßigen Lohn- und Gehaltszahlungen be­reitzustellenden Zahlungsmitteln noch die Anforderunaen des Monatsendes hinzutreten. Es erschien daher der Regierung nicht ratsam, darüber hinaus für die nächsten Tage eine umfangreichere Auflockerung des bisherigen Zahlungsver­kehrs vorzunehmen. Die jetzt erlasseneSechste Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bankfeiertagen" sieht darum nur unwesentliche Erhöhungen der zahlbaren Beträge vor. Die beteiligten Stellen werden aber dafür sorgen, daß vom Beginn der nächsten Woche ab die Wiederaufnahme des normalen Zahlungsverkehrs ein- tritt.

Die Erleichterungen

die bis zum Wochenende eintreten, betreffen einmal die Er­höhung der Barauszahlungsgrenze von 200 auf 300 RM bei Kontokorrentguthaben, während es hinsichtlich der Aus­zahlungen auf Sparkonten und Sparbücher bei 30 RM ver­bleiben mußte. Die Auszahlung auf Kreditbriefe ist eben­falls auf 300 RM erhöht worden.

Freigegeben zur unbeschränkten Barauszahlung und folgeweise auch Ueberweisung sind über die bisher bestehende Höhe hinaus die Mietszinsen für Wohnungen und gewerb­liche Räume, sofern der Konteninhaber nicht Einnahmen aus Lohn, Gehalt, Ruhegeld usw. bezieht, ferner zur Ein­lösung von Zinsrenlen und Gewinnanteilscheinen. Die Ueberweisungen find im allgemeinen auf 4000 RM täglich, also insgesamt 16 000 RM bis zum Wochenende, erhöht wor­den, und dem Ueberweisungsverbaude_w1rd der Tagesbetrag auf 50 000 RM voraussichtlich auch weiter erhöht werden. Zur Wechseleinlösung sollen täglich 8000 HUI ausgezahlt wer­den dürfen. Die Wechselprokestfrislen sind entsprechend den bisherigen Regelungen staffelweise etwas mehr hinausge­schoben worden, während eine Verlängerung der Vorle- gungssrist für die nach dem 21. Juli 1931 ausgestellten Schecks nicht mehr notwendig schien.

Ferner aber ist vorgesehen, daß die Bankinstitute Wech- selverbindlichkeiten nicht nur mie bisher aus eigenen Akzep­ten, sondern auch aus ihrem Äiro erfüllen würden. Schließ­lich stellt die Verordnung sicher, daß bestätigte Verrechnungs­schecks auch noch in den ersten Tagen des August ausgestellt werden dürfen und daß die Einlösung auch durch Gutschrift auf einem Konto erfolgen kann, das nicht bei dem bezogenen Kreditinstitut geführt wird. Selbstverständlich kann die Gut­schrift nur im Rahmen der für Ueberweisungen freigegebe­nen Beträge stattfinden. Im übrigen bleiben auch diesmal die Vorschriften über den Schuldnerschutz, über die Aus­nahme der Reichspost, der Reichsbank und der Deutschen Golddiskontbank von den Vorschriften der Verordnung und die Vorschriften über die unbeschränkte Verfügungsfreiheit über neue Konten und über überwiesene Gehaltsteile auf­rechterhalten.

Ertzöhnng des Silbergeldumlauss

30 Mark pro Kopf der Bevölkerung.

Berlin, 29. Juli.

Der Reichsral triff am Donnerstag zu einer Vollsitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht in erster Linie die Vorlage über die Ausprägung von Reichssilbermünzen im Rennwert von fünf Reichsmark. Es handelt sich dabei um die Erhöhung des Silbergeldumlaufs von 20 auf 30 Reichsmark pro Kopf der Bevölkerung.

Die Ausprägung von neuen Münzen erstreckt sich le­diglich auf Fünfmarkstücke. während der Umlauf der ^übri­gen Silbermünzen durch die dem Reichsrat zugegangene Vorlage nicht berührt wird.

Höchststand der Reichsverschuldnng

3m Mai betrugen die Reichsschulden rund 11,5 Milliarden.

Berlin, 29. Juli.

Das Statistische Reichsamt veröffentlicht jetzt Mitteilun­gen über die Reichsschuld im Mai 1931. Wenn auch durch die weitere Entwicklung der Finanzlage des Reichs der Sta­tus von Ende Mai bereits überholt fein dürfte, so ist doch hervorzuheben, daß nach den Angaben des Reichsamts

das Deutsche Reich Ende Mai den bis dahin höchsten Stand seiner Verschuldung seit der Stabilisierung erreicht hatte. Im Laufe des Mai sah sich das Reich infolge des wachsenden Fehlbetrages im ordentlichen Haushalt zu einer stärkeren Vermehrung der schwebenden Schulden genötigt.

Die gesamte Reichsschuld erfuhr eine Reinzunahme von 144,3 Millionen RM., wovon 138,8 Millionen auf die Er­höhung der kurzfristigen Jnlandsschulden treffen. Die Ge- samthöhe der Verschuldung des Reichs betrug am Stichtag 11 494,0 Millionen RM., nicht mitgerechnel die 747,4 Mil­lionen RM. Reubefihanleihe.

Der englische Staatsbesuch

Ermunternde Erklärungen MacDonalds. Empfang bei Hindenburg.

Berlin, 28. Juli.

Am Dienstag wurden die bereits am Vortage aufge­nommenen Besprechungen zwischen MacDonald, Henderson, Dr. Brüning und Dr. Eurtius fortgesetzt. Sie wurden im Laufe des Vormittags durch den Empfang der englischen Gäste beim Reichspräsidenten von Hindenburg unterbrochen. MacDonald und henderson waren von dem englischen Bot­schafter in Berlin, Rumbold, begleitet. Der Empfang voll­zog sich in dem bei großen diplomatischen Empfängen üb­lichen Rahmen.

Empfang der teutschen Presse

Um die Mittagszeit empfingen die englischen Gäste im Hotel Kaiserhof die deutsche Presse, deren Vertreter zahlreich erschienen waren. MacDonald erklärte, der Zweck seiner Anwesenheit in Berlin sei, die persönliche Fühlungnahme mit den deutschen Staatsmännern, die in London angebahnt worden ist, fortzusetzen. Dabei biete sich Gelegenheit, einen Ueberblick über die Lage zu gewinnen, wie sie sich seit der Londoner Konferenz ergeben hat.

MacDonald betonte, daß er erneut die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Qualitäten des deutschen Volkes, seine wirtschaftliche und seine finanzielle Stärke es auch dies­mal über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinwegüringen werden. Er gebe zu, daß noch weitere Schwierigkeiten zu überwinden seien. Aber er fei überzeugt, daß die Deutschen sich als Volk hindurchringen würden und daß kein Deutscher seine Ration im Stich lassen werde. Wenn die Sdjroierig- t eilen überwunden seien, bann heiße es, durch eine Zusam­menarbeit der Völker die Beruhigung der internationalen Atmosphäre herbeizuführen.

Zum Schluß unterstrich MacDonald noch, wie erfreut man in England über den überfreundlichen Empfang ge­wesen sei, den die englische Flotte bei ihrem kürzlichen Be­such in Kiel gefunden habe. In all dem glaube er Anzeichen für ein lange dauerndes freundschaftliches Verhältnis zwi­schen den beiden Ländern zu sehen.

An die Abgabe der vorstehenden Erklärungen schloß sich ein reges Frage- und Antwortspiel zwischen den beid m bri- stischen Ministern und den anwesenden Pressevertretern an, das sich auf die britische Abrüstungspolitik, auf den Kampf gegen die Wirtschaftskrise, aus das Hoover-Feierjahr und auf die Goldabzüge aus England bezog.

Mit großer Entschiedenheit lehnte MacDonald bie frü­here britische Politik derbalance of power" ab, die in dia­metralem Gegensatz zu der Politik seiner Regierung stehe, vor allem, weil sie die Abrüstung unmöglich mache, während umgekehrt die Labour-Politik auf die Zusammenarbeit der Volker hinmtslaufe, die mit der Abrüstung unlösbar oer- bunden sei.

Auf die Frage nach den möglichen Methoden zur Be­seitigung der ökonomischen Schwierigkei- t e n meinte der Premierminister, es sei nötig, in steigendem Maße die finanziellen Mittel der Völker zur internationalen Entlastung zu verwenden, die Handelsabkommen zu ver­mehren und den Protektionismus niederzuringen, dessen Uebertreibung die Welt zum Bankrott führen müsse.

In Bezug auf die Goldabzüge aus der Bank von England, von der immer noch und auch in Zukunft das Wort gelte:So gut wie die Bank von England , meinte MacDonald, es sprächen dabei viel Propaganda und psychologische Motive mit. England habe, zum Beispiel bei der Unterstützung Oesterreichs und Deutschlands, willig sei­nen Beitrag zu den Bedürfnissen der internationalen Zu­sammenarbeit geleistet und werde das auch weiterhin tun.

Die deutsch-englischen Verhandlungen.

U. B. z.: Reichsaußenminister Dr. Eurtius (Mitte) in an­geregter Unterhaltung mit dem englischen Außenminister Henderson (links). Im Vordergründe rechts sitzt der eng­lische Botschafter Sir Horace Rumbolo.

Stützung der Sterling-Kurses?

Die Bank von Frankreich will 20 Millionen Pfund diskon­tieren.

Paris, 29. Juli.

Die Bank von Frankreich verhandelt gegenwärtig, mit die Blätter melden, auf englischen Wunsch mit den Vertre­tern der französischen Kreditinstitute über die Schwierigkei­ten, mit denen die Bank von England angesichts der fort­gesetzten Goldverluste zu kämpfen hat. Es verlautet, daß die Bank von Frankreich im Einvernehmen mit anderen großen französischen Banken bereit sei, zugunsten der Bank von England Beträge bis zu 20 Millionen Pfund Sterling zu diskontieren.

Die französischen Finanzleute hätten sich einmütig für eine finanzielle Zusammenarbeit mit London zur Verteidi­gung des Sterlingkurses während der deutschen Krise aus­gesprochen. Es seien einige technische Maßnahmen beschlos­sen worden. DerMatin" spricht von Verhandlungen, die seit dem Besuche, den Sir Robert Kindersley am letzten Sonnabend Paris abstattete, zwischen Frankreich und Eng­land im Gange seien, um den Rückwirkungen des Golöab- ganges aus England und der finanziellen Schwierigkeiten gewisser Länder Südamerikas, denen die Bank von England Gelder geliehen habe, auf England vorzubeugen. Die Hilfe Frankreichs fei also nicht nur notwendig, um den Sterling­kurs zu schützen, sondern auch, um den Londoner Markt in die Lage zu versetzen, internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Der Betrag der in England angelegten französischen Kapitalien sei so beträchtlich, daß eine solche französische Hilfe als berechtigt angesehen werden könne.

Aber man müsse auch daran denken, so fährt das Blatt fort, daß die Engländer französische Kapitalien weiterver­liehen und dabei an dem Unterschied der Zinsen. di- "- hei Frankreich zahlten, und der Zinsen, die sie dafür bei Deuticy- land, Oesterreich und Ungarn einnähmen, große Verdienste eingesteckt hätten. Es genüge also nicht, daß man franzö- sischerseits automatisch der Bank von England helfe, um alle gegenwärtigen finanziellen Probleme lösen zu wollen. ' Aus diesem Grunde seien auch die Verhandlungen mit Eng­land noch nicht zum Abschluß gekommen.

London, 29. Juli.

Die Verhandlungen zwischen dem Vertreter der Bank von England, Kindersley und dem der Bank von Frank­reich, M o r e t, werden hier mit großer Zurückhaltung aus­genommen. Den letzten Meldungen zufolge soll

ein Uebereinkommen zwischen den beiden Rotenbanken getroffen werden, das die Rediskontierung englischer Wechsel durch französische Danken ermöglichen soll, und zwar sollen die Wechsel von beiden Zentralbanken ga­rantiert werden. In der City neigt man zu der Ansicht, die Bank von England habe sich zur Einleitung dieser Verhand­lungen veranlaßt gesehen, weil sie den Londoner Akzept­firmen, die in größerem Umfange Akzeptkredite in Deutsch­land stehen haben, durch Hereinnahme von möglichst vielen dieser Wechsel zum Rediskont helfen will.

Ferner soll ein französisches Bankenkonsortium oder die Bank von Frankreich einen Teil der von der Bank von

England hereingenommenen Wechsel übernehmen.

In City-Kreisen hält man es für möglich, daß die Bank von Frankreich noch einen weiteren, mehr erzieherischen Zweck verfolgt und daß diese Uebernahme der englischen Wechsel auf den Pariser Geldmarkt einen Anfang der Organisation eines Pariser Diskontmarktes nach Londoner Vorbild be­deute. Die Aussichten auf einen Erfolg werden allerdings vielfach nicht als sehr günstig betrachtet. Man weist auf frühere Erfahrungen mit der Mentalität des französischen Sparers hin. Es wird bezweifelt, daß der befestigende Ein­fluß, der zweifellos von französischen Käufen englischer Wechsel ausgehen würde, von Dauer sein könnte, Es sei denn, daß sich das französische Bankenkonsortium verpflichtet, das Gesamtvolumen der Wechsel unter keinen Umständen zu verringern. Mehr verspricht man sich von den Verhandlun­gen Kindersleys bezüglich der

Gewährung eines Bereitschaftskredits in Höhe von etwa 25 Millionen Pfund durch die Bank von Frankreich an die Bank von England.

Auf diesen Kredit würde nur dann zurückgegriffen werden, wenn das in London stehende französische Guthaben in großem Umfange zurückgezogen wird.

Lloyd George ernstlich erkrankt.

London, 29. Juli.

Die Erkrankung Lloyd Georges wird in Kreisen des Unterhauses als ernst, aber nicht als unmittelbar beunruhi­gend angesehen. Mitglieder seiner Familie befinden sich in London und weilen in der Nähe des Patienten. Trotz sei­nes Leidens nimmt er an den Ereignissen weiter regstes Interesse. _ .