Zahlungsverkehr erleichtert
Eine neue Notverordnung.
Berlin. 24. Juli.
Durch eine soeben vom Reichskabinett verabschiedete Verordnung wird der Zahlungsverkehr für die Zeit vom 24. bis 28. Juli 1931 in der Hauptsache in der bisherigen Weise geregelt.
Lockerungen sind insofern vorgesehen, als die Kredit- inslimle ermächtigt sind, Auszahlungen ohne besondere Zweckbestimmung in Höhe von 10 v. h. (bisher 5 v. h.) des Guthabens vom 24. Juli d. 3. und höchstens bis zu 200 Reichsmark (bisher 100 Reichsmark), wenn es sich um Kon- tokorrentguthaben handelt, und bis 30 Mark (bisher 20 Mark), wenn es sich um Sparkonten oder Sparbücher handelt.
Auf R e i s e k r ed i t br i e fe können bis 200 Mark bezahlt werden. Ueb er Weisungen sind innerhalb der von den Bankfeiertagen betroffenen Kreditinstitute b i s insgesamt 4000 Mark unter den bisherigen Beschränkungen zulässig; innerhalb des neugeschaffenen Ueberweisungs- Verbandes wird voraussichtlich heute die Höchstgrenze auch erhöht werden.
Was die Verpflichtungen aus Wechseln anlangt, so ist einmal zugelassen worden, daß Barauszahlungen upd Ueber- weisungen zur Einlösung von eigenen Akzeptverbindlich- keiten aus Wechseln, die vor dem 22. Juli 1931 ausgestellt sind, bis zur Höhe von täglich 5000 Mark stattfinden dürfen und andererseits ist staffelweise je nach dem Fällig- keitslage die Protestfrist für Wechsel etwas verlängert worden, um den Akzeptanten die Einlösung unter Umständen auch in Raten, zu ermöglichen.
Die bisherige Ausdehnung der Bankfeiertage auf den gesamten Scheckverkehr endet mit dem heutigen Tage, so daß eine Vorlegung von Schecks wieder möglich ist.
Um die Aufarbeitung der angesammelten Scheckbestände zu ermöglichen, ist die Borlegungsfrist verlängert worden. Die Einlösung der Schecks unterliegt naturgemäß den allgemeinen Beschränkungen des Zahlungsverkehrs.
Im übrigen gelten die Bestimmungen der bisherigen Verordnung unverändert weiter.
Weitere Befreiungen von der AnOreife- Gebühr
Berlin, 24. Juli.
Der Reichsminister der Finanzen hat im Anschluß an bk Befyeiungsvorschriften des § 3 der Durchführungsbestimmun- gen vom 21. Juli folgende weitere Erleichterungen getroffen:
Die Ausreisegebühr von 100 Mark wird nicht erhoben:
1.
für den Grenzübertritt nach D a n z i g zum Zwecke des Be- fuches der Danziger Festspiele (Zoppoter Waldoper). Ein Befreiungrvermerk der Paßbehörde ist in diesen Fällen nicht erforderlich. Es genügt, wenn an der Grenzübergangsstelle der Paßnachschaubehörde als Zweck des Grenzübertritres der Besuch der Festspiele angegeben wird;
2.
für Mitglieder solcher Vereine, deren ausgesprochener Zweck die Pflege des Wandersportes in einem deutschen Grenzgebirge oder in einem Gebirge ist, das sich in einem M Deutschland angrenzenden Lande befindet, für den Grenz» Übertritt in das jeweils benachbarte Land.
_ Als Vereine, die die Pflege des Wandersportes in diesem sinne zum Zwecke haben, gelten:
-1- der Deutsche und Oestereichische Alpenverein; 2. der Deutsche Alpenverein e. V., Berlin; 3. der Verein der Naturfreunde; 4. der Schweizerische Alp entlud; 5. der Erzgebirgsverein; 6. der Riesengebirgsveremz 7. der Bes- kidenoevein; 8. der Karpathenverein.
Ein Befreiungsvermerk der Paßbehörde ist auch hier -richt erforderlich. Es genügt beim Grenzübertritt die Bor- zeigung der Mitgliedskarte des betreffenden Vereins. Die Befreiung erstreckt sich auch auf Ehefrau und Kinder.
Reichstag bleibt beurlaubt
da die Londner Verhandlungen fortgesetzt werden.
Berlin, 24. Juli.
Der Aeltestenrat des Reichstags trat unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Frhr. von Kardorff zu einer Sitzung zusammen, um wiederum zu dem Antrag der Oppositionsparteien auf Einberufung des Reichstags Stellung zu nehmen.
Reichsminister Treviranus erklärte, die Reicks- cegierung lege großen Wert darauf, daß zur Zeit die Einberufung des Reichstags nicht beschlossen werde. Die Londoner Verhandlungen seien noch keineswegs abgeschlossen. Reichsfinanzminister Dietrich könne unter Umständen demnächst nach London berufen werden, um an den auf finanziellem Gebiet erforderlichen Besprechungen teilzunehmen. Reichskanzler Dr. BrüNing werde zwar am Sonnabend zu- rückkehren, aber dann würden in Berlin die politischen Be- sprechunaev sortgesehl werden müssen.
Daraufhin wurde festgestellt, daß für die Einberufung des Reichstags lich auch jetzt nur eine Minderheit von 243 Abgeordneten einfetzl.
Für die Einberufung sind die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten, die Kommunisten und die Landvolkpar- tet. Die Bayerische Volkspartei hatte keinen Vertreter zur Aeltestenratssitzung entsandt, aber mitgeteilt, daß sie an ihrer bisherigen Stellungnahme festhalte, also gegen die Einberufung des Reichstags sei. Gegen die Einberufung war neben den Regierungsparteien u. a. auch die Wirtschaftspartei.
Wolken über dem Battkan ;
Rom, 24. Juli. H
Die hier weilenden Kardinäle find vom Papst gestern vormittag zu einer zweistündigen Beratung zusammengerufen worden. Ueber die Aussprache wird großtesStill- schweigen bewahrt. Man will aber wissen, daß hauptsächlich die Lage in Spanien das Kardinalskollegium beschäftigt habe, wenngleich auch andere Fragen erörtert worden seien. Wie es heißt, hat der Erzbischof von Tarragona, Kardinal V i d a l, nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Vatikan Rom am Mittwoch wieder verlassen. „Tribuna" weist darauf hin, daß das Kardinalskollegium seit längerer Zeit als sonst üblich nicht mehr zu einem Konsistorium zu- sammengetreten ist. _ _ j
Fiuanrienmg der Ernte
Erlelchlerungsmaßnahmen der Regierung in Aussicht.
Berlin, 24. Juli.
Das Reichskabinett erledigte in seiner letzten Sitzung zunächst die Festsetzung der Maßnahmen zur Neuregelung des Zahlungsverkehrs und behandelte sodann das Problem der Erntefinanzierung, das zu drängen beginnt. Bei diesem Problem sind zwei Fragen zu klären: das ist einmal bu Notwendigkeit, eine Entlastung des Marktes durch ein« starke Förderung des landwirtschaftlichen Exportes herbeizu führen.
Nach den Plänen des Reichsernährungsministerium, sollen den exportierenden Stellen, je nach der Höhe ihrer Ausfuhr Zollermäßigungen für den späteren Reimport gewährt.
Auf diese Weise hofft man, den Handel, die Mühlen usw. dazu zu bewegen, daß sie aus ihrem eigenen Interesse heraus einer saisonmäßigen Ueberlastung des Marktes entgegenwirken. In unterrichteten Kreisen erwartet man hiervon keine finanziellen Nachteile für das Reich, sondern eher eine Erhöhung der Zolleinnahmen um etwa 15 Millionen Mark. Die zweite Seite des Problems kann erst zum Abschluß gebracht werden, wenn Klarheit über die nächste Gestaltung der Kreditverhältnisse besteht.
Die Reichsregierung plant eine Aenderung des Lagerscheinwesens in der Weise, daß für die Lagerhaltung gewisse Sicherungen eingeführt werden, wie sie zum Beispiel durch das Wechselrecht gegeben sind.
Auf diese Weise würde die Lombardierung ooH Erntevorräte erleichtert und ihre Heranbrinqung an den Markt verzögert werden Eine solche (Entlastung des Marktes ist um so notwendiger, als bekanntlich auch in normaleren Zeiten 50 Prozent der deutschen Ernte • caf Weihnachten verkauft zu werden pflegen. — Ueber dies« Spezialfragen hinaus beschäftigt sich das Reichskabinet naturgemäß auch mit dem Ergebnis von London und de» allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Lage.
Kriegsruktaud in Sevilla Schwere kommunistische Unruhen.
Madrid, 24. Juli.
In Sevilla ist um Mitternacht der Kriegszustand verhängt worden, nachdem die Streikunruhen einen immer ernsteren Charakter angenommen hatten. Gegen 7 Uhr abends versuchte eine große Gruppe von Manifestanten, an deren Spitze sich zahlreiche Frauen befanden, die Kaserne der Zivilgarde zu stürmen. Der Angriff wurde abgeschlagen.
Bei den Kämpfen vor der Kaserne und in anderen Stadtteilen gab es zahlreiche Verwundete. 500 Personen sind verhaftet worden, unter ihnen die Führer der Kommunistischen Vartei. Das kommunistische Parteibüro ist geschlossen worden. Die Straßenpaffanten find gezwungen, mit erhobenen Händen zu gehen. Personen, deren Papiere nicht In Ordnung sind, werden verhaftet.
Aus der Heimat.
* Wie wird das Augustw'tter? Schofflers Wettervorhersage sagt-Hür den- Monat August folgendes voraus. Der Monat August beginnt aller Voraussicht nach veränderlich, um bald in schönes heißes Sommerwetter Überzugehen, das in der elften Wochenmitte kurze Störung erleidet. Darauf starkes Ansteigen der Temperatur, Gewittergefahr. Um den 11. bis 13. August ungünstig, gewittrig, Hagelgesahr, als Folge Abkühlung. Die dritte Woche dürfte nach anfänglicher Störung wieder schön sein und heiß. Ende der vierten Woche gewitterreich, örtlich schwere Unwetter, stürmisch.
Hersfrid. Am Montag den 27. Juli abends 7 Uhr findet im Rathaussaale eine Sitzung der Stadtverordneten statt. Auf der Tagesordnung, die 8 Punkte umfaßt stehen u. a. die Wahl von Vertretern für 2 beim Finanzamt neu zu bildende Steuerausschüsse, sowie einige Grundstücksangelegenheiten.
Hersfeld Man schreibt uns: Durch die Heraufsetzung des Reichsbankdiskonts auf 10 bzw. 15% haben sich die Banken diesem Schritt angepaßt, wodurch wiederum den Gewerbetreibenden unerträgliche Zinsen für Kredite aufgebürdet worden find. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß der Kaufmann, der ebenfalls um seine Selbsterhaltung kämpft, j tzt gezwungen ist, auf möglichst schnellen Eingang der Außenstände zu sehen, zumal auch seitens ihrer Lieferanten ganz verschärfte Lieferungs-Bedingungen bereits in Kraft getreten sind. Der Hersfelder Einzelhandelsverband und der HandelSschutz- und Rabattsparverein hat in letzter Zeit verschiedentlich getagt und Beschlüsse gefaßt, daß für Außenstände, die nach 30 Tagen nicht eingehen, ebenfalls eine Zinsberechnung Platz greifen muß, die sich denen der Geldinstitute unpassen wird. Deshalb noch einmal der Mahnruf: „Zahlt Eure Schulden", und wenn bufev nicht auf einmal geht, dann macht wenigstens sofort eine größere Teilzahlung.
Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Die rasche Erwärmung, die sich bei voiwiegend heiterem Himmel in dem Hochdruckrücken über Mitteleuropa eingestellt hat, führt bereits wieder zu lebhaftem Barometerfall und über Frankreich zeigt sich die Entwicklung eines flachen TiefausläuserS. Bei seiner Fortwanderung nach Osten wird bei wieder einsetzendem Druckanstieg auch bei unS Bewölkung und namentlich im Norden auch etwas Niedei schlags- oder Gewitterneigung aufkommen. Nach dieser Störung dürste sich aber die Besserung der Wetterlage wieder fortsetzen, sodaß im ganzen freundliches und wärmeres Wetter erwartet werden kann. —Vorhersage bis Samstag und Sonntag Abend: Im ganzen ziemlich warmes und vielfach auch heiteres Wetter, wenn auch noch nicht ganz beständig.
Kleinensee. Die Säulingssee-Wiesen, die dem FiSkus gehören, sollen nunmehr entwässert werden. Hierzu werden 63 000 Stück Drainröhren benötigt, 20000 m DrainS sollen hergestellt werden, die Bodenbewegung beträgt 1550 Kubikmeter.
Fliegerlager Wafserkuppe. Der diesjährige Rhön-Segelflug-Wettbewerb wurde am Mittwoch vormittag eröffnet. Punkt 8 Uhr verkündete Sirenengeheul den Beginn der „12. Rhön". Das schlechte Wetter hatte in den letzten Tagen die Vorbereitungen etwas gestört. Trotz der Geldknappheit ist gutes Material am Start, und die Flugzeuge machen einen ausgezeichneten Eindruck. 55 Mischinen nehmen am Wettbewerb teil. Den ersten Flug vollführte am Vormittag bei wenig günstigem Wetter Günther Groenhoff mit dem Schulter- decker „Fafnir";. Otto Fuchs, der mit „Starkenbürg" startete, hatte Pech. Infolge einer anscheinend zu flach genommenen Kurve geri t er über dem Loeßlstein ins Trudeln und stürzte ab. Seine Maschine wurde völlig zerstört. Otto Fuch; erlitt einen Oberschenkelbruch.
Marburg. Nach einer endgültigen Uebersicht beträgt die Zahl der in diesem Sommer-Semester an der Universität Marburg immatrikulierten Studierenden 4311, davon 986 Frauen. Diese verteilen sich auf die einzelnen Fakultäten wie folgt: Theologische Fakultät 516 (32), Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 792 (67), Medizinische Fakultät 1169 (181), und Philosophische Fakultät 1834 (706). Hiezu kommen noch 86 (27) Gasthörer. Der Gesamtbesuch beträgt somit 4397 (1013).
Fritzlar. Ein schwerer Verkehrsunfall war abends gegen 21 Uhr auf der Dorchgangsstraße nach Frankfurt außerhalb der Stadt zu verzeichnen. Zwei Radfahrer, ein Lastauto und ein Motorrad mit Beiwagen fuhren hintereinander. Nachdem der Lastkraftwagen die beiden Radfahrer fast überholt hatte, wollte auch der Motorradfahrer mit seinem Beiwagen an den Radfahrern und dem Lastkraftwagen vorbei. Bei diesem Ueberholen streifte das Motorrad den Lastkraftwagen und wurde von letzterem stark zur Seite geschleudert. Die im Beiwagen sitzende Dame trug eine schwere Gehirnerschütterung davon, welche ihre Ueberführung in das hiesige Krankenhaus als nötig erwies. Der Motorradler trug nur leichtere Verletzungen davon. Der Lastkraftwagen war ein leerer Möbeltransportwagen aus Dresden.
Wellnau. In der Nähe unseres Ortes wurde dieser Tage ein 20jähriger Wanderbursche auf der Landstraße liegend aufgesunden. Der junge Mann hatte versucht, durch Einnehmen von Gift seinem Leben ein Ende zu machen. Er wurde der Marburger Klinik zugesührt. Der Lebensmüde stammt aus Me seburg und ist von Beruf Sattler. Lange Arbeitslosigkeit ohne Hoffnung auf absehbare Besserung seiner Lage hatte ihn zu dem verzweifelten Schritt getrieben.
Holzminden. Auf tragische Weise fand-m in Stahle zwei Kinder den Tod in den Fluten der Weser. Drei Kinder, die auf den Weserwiesen Gänse hüteten, hatten einen am Ufer angebundenen Kahn bestiegen, dessen Strick plötzlich riß und den Kahn abtrieb. In ihrer Angst sprangen die Kinder ins Wasser, um schwimmend chas Ufer^zu erreichen. —Dabei gerietewffre— in eine Untiefe und zwei vierzehnjährige Mädchen ertranken, ehe Hilfe zur Stelle war. DaS dritte Kind konnte sich glücklicherweise retten.
Münde« Ein Personenkraftwagen fuhr nachtS auf der Chaussee Minden—Neesen. Als er in der Nähe eines friedlich des Wegs kommenden Lehrers kam feuerte plötzlich ein Mann aus dem Auto mit einer Pistole auf den Schulmeister. Dicht an dem Kopf vorbeisausend, verfehlte der Schuß jedoch sein Ziel. Auf den Alarm des Lehrers, gelang eS, das Auto zu stellen und den Führer festzunehmen. Der Festgenommene, ein Einwohner aus Neesen, gab an, er habe auf eine Katze schießen wollen, die über den Weg gelaufen sei. Die wirkliche Ursache zu der Tat wird die nähere Untersuchung erst ergeben müssen.
Gemünden a. d. Wohra. Durch einen unglücklichen Sturz aus der Scheune in die Tenne, verlor die 36jährige Ehefrau des Landwirts L. in Gemünden ihr Leben. Die Verunglückte wollte Heu für das Vieh holen und kam auf bisher noch nicht geklärte Weise zu Fall. Sie stürzte hoch oben aus der Scheune etwa 8 bis 10 Meter hoch herab auf den Kopf. Sie erlitt dabei einen Schädelbruch und blieb bewußtlos liegen. Auf Anerdnung eines ArzteS erfolgte die Ueberführung in die Klinik nach Marburg, wo sie alsbald nach ihrer Einlieferung verstarb.
Das Flugzeug im Unterseeboot.
3a dem englischen Hafen Gosport wurde dieser Tage ein neuartiges Unterseeboot vorgeführt das ein Flugzeug auf- zunehmen vermag, welches mittels Katapults von Bord geschleudert werden kann. — Unser Bild zeigt: Das Seellug- zeug wird aus dem Schuppen an Bord des U-Boots auf die Katapultschienen gezogen.