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Hersfel-erTageblatt

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^^^ ^^^^^ .1 Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö LenteBnldtnÄVJttÄ8Ö*S»l»ä! [

Nr. HO Donnerstag, den 23. Juli 1931 81. Jahrgang

„Einige Fortschritte erzielt"

„StiÜhalte-Aktion" und Stürkung der Reichsbank — Bereits heute Abend Abschluß der Konferenz?

Die LonSoner Ko»fere«z

Einige Fortschritte" - Heute Abschlub?

London. 23. Juli.

Ueber den Verlauf der Besprechung der sieben Mächte am Mittwoch wurde folgendes Kommunique herausgegeben:

„Die internationale Konferenz hielt um 10 Uhr mor­gens eine weitere Besprechung im Foreign Office üb, die sich weiter mit den Methoden befaßte, das Vertrauen in die Stabilität der deutschen finanziellen Lage durch eine einver- nehmliche internationale Kooperation aus der Basis des vom Komitee der Iinanzminister vorgelegten Berichtes wieder- herzustellen. Es wurde ein Fortschritt erzielt, und gewisse technische Fragen sind den Finanzministern überwiesen wor­den, welche darüber am Nachmittag beraten wollen, und der Donnerstagvormittag abgehaltenen Hauptkonferenz Bericht erstatten werden."

*

„Es sind einige Fortschritte gemacht worden." Mit die­sen Worten leitete der Wortführer der deutschen Delega­tion die Besprechung mit den deutschen Pressevertretern am Mittwoch ein. Er wies darauf hin, daß die Finanzminister der in Betracht kommenden Länder zusammengesessen haben, und daß sich der Gegenstand der Diskussion im wesentlichen um drei Punkte gedreht hatte:

Die Verlängerung des bisherigen Rediskonlkredikes von 100 Millionen, die Maßnahmen, um sonstige private Kredite stehenzulassen und schließlich die Frage, wie darüber hinaus neue kurzfristige Kredite der Reichs- bonk zur Verfügung gestellt werden können.

Verschiedene Anregungen wurden in dieser Richtung ge­macht, die vor die Vollkonferenz gebracht wurden' , Kie in formulierte Borschläge gefaßt, die eine Einleitung enthalten, und worin die verschiedenen Punkte angeführt werden, ohne daß deshalb die Vorschläge als endgültige Vorschläge betrachtet werden können. Es ist ausdrücklich betont worden, daß es sich lediglich um Anregungen han­delt, die sich aus den gesamten Diskussionen herauskristal­lisiert hatten, und daß die Finanzminister und Landesver­treter in ihren Entscheidungen frei sind und nicht gebunden durch die Stellungnahme der Finanzminister. In der Ein­leitung des Dokumentes wird ausdrücklich betont, daß die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität Deutschlands wesentlich für die Interessen der ganzen Welt und der auf der Konferenz anwesenden Regierungen ist, und

daß alle Regierungen bereit sind, zur Wiederherstellung des Vertrauens zusammenzuarbeiten, soweit es in ihrer Macht liegt.

Dies wurde besonders betont mit Rücksicht auf die Nach­richt, daß die Franzosen desinteressiert wären und ihr Gang nach London nur als ein Akt der Höflichkeit zu be­trachten sei. Diese Nachricht ist völlig unbegründet. Die Franzosen haben sich, wie von deutscher Seite hervorge­hoben wurde, durchaus positiv eingestellt, nicht nur zu der erwähnten allgemeinen Einladung, sondern auch zu jedem einzelnen Punkt.

In der Frage des Rediskonlkredikes und des Stehen- lafsens sonstiger. Kredite ist Uebereinstimmung erzielt worden.

Letzteres ist insbesondere der amerikanische Gedanke, näm= lich, daß vor allem Sicherheit geschaffen werde, damit die jetzt in Deutschland vorhandenen kurzfristigen Kredite nicht weiter abgezogen werden.

Von deutscher Seite wurde über die bisherigen Ver­handlungen weiter hervorgehöben, daß die Notwendigkeit der Schaffung von Sicherheit dafür, daß die in Deutschland vorhandenen kurzfristigen Gelder nicht weiter zurückgezogen würden, bisher als selbstverständlich angesehen worden war.

Es zeigte sich, daß ungeheure Schwierigkeiten darin be« tehen, nicht zu hundert Prozent, aber doch im größten Um» ange diese Kredite zu erfassen und eine Organisation zu chaffen, die dafür sorgt, daß sie nicht weiter abgezogen wer- )en. Hierzu gehört der Vorschlag der amerikanischen De­legierten, daß zur Durchführung des grundsätzlichen Planes gemeinsamer Maßnahmen, ein Komitee der Zentralbanken und anderer Banken alsbald Zusammentritt, damit die Emp­fehlung der Regierungen in die Tat umgesetzt werden kön­nen. Es wird wahrscheinlich bald bekanntwerden, daß die deutsche Delegation vorgeschlagen, daß alsbald einige maß­gebende Finanziers dem Kranken den Puls fühlen, um da­für zu sorgen, daß die Verantwortlichkeit dieser Konferenz aufrechterhalten bleibt.

MoetlffinNgen-WM für DeMWand

Es liegt im Interesse Deutschlands, daß von dieser Kon­ferenz eine Reihe maßgebender Bankiers vom Typ der Leute, die sich bereits bei früheren derartigen Gelegenheiten als hervorragende Kenner des internationalen Wirschatfs- lebens und als unvoreingenommene Beurteiler der inter­nationalen Wirtschaftslage erwiesen haben, nach Berlin ge­beten werden, um festzustellen und mitzuwirken bei der Be­obachtung, ob das, was in London vereinbart wird, aus- reicht, um in Deutschland die Kredikverhältnisse aufrechtzu­

erhalten. Sie sollen gleichzeitig die Verantwortung über­nehmen, der Konferenz oder einen anderen Institut zu be­richten, daß eine weitere Konferenz notwendig ist, weil sich gezeigt hat, daß die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. Es muß besonders unterstrichen werden, daß unter keiner Umständen sie Auffassung aufkommen darf, daß es sich hier­bei um irgendeine Art von Kontrollkomitee handelt.

Bezüglich des Punktes, inwiefern Deutschland neue Re­diskontkredite zur Verfügung gestellt werden sollen, sind die Diskussionen nicht weiter vorgetragen worden. Es gibt eine ganze Reihe von Fragen, die sich immer auf das Problem beziehen, wie diese Kredite gesichert werden. Es wurde bei­spielsweise der Gedanke geäußert, daß Handelswechsel der Reichsbank zu unmittelbaren Rediskont ins Ausland ge­geben werden. Hierbei sollte die Golddiskontbank als Trä­ger der Erweiterung der kurzfristigen Kredite eingeschoben werden.

Besprechungen der Aubenminister

Während die finanziellen Besprechungen geführt wer­den, nimmt Außenminister Dr. Curtius Gelegenheit, mit den verschiedenen in London anwesenden Außenministern । in Verbindung zu treten. Auf eine Besprechung mit Stim- | son folgte eine zweimalige Zusammenkunft mit Henderson. Am Mittwochnachmittag um 6 Uhr erfolgte eine Zusammen­kunft mit Briand. Am Abend traf Dr. Curtius mit den italienischen Delegierten zusammen. Den Außenministern liegt daran, die allgemeinen politischen Fragen, die bei der­artigen Zusammenkünften der Außenminister, und beson- s ders in einer solchen Lage erörtert werden, durchzuführen und vor allem die in Paris begonnenen Besprechungen mit dem französischen Außenminister fortzusetzen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, die Erörterungen mit Belgien Ü0r» ute otjuiiueie öiuge ueDmernnrg'-oes ZTVvoer- Planes, die bereits in Berlin eingeleitet worden sind, zu einem Ende zu führen. Hierbei wird das Mark-Abkommen natürlicherweise eine besondere Rolle spielen. Die Besprechun­gen haben am Abend in London begonnen, und man hofft, daß sie zu einem guten Ende geführt werden können.

3m übrigen verlautet in Konferenzkreisen, daß man mit dem Abschluß der ersten Londoner Konferenz, der im herbst eine zweite, erweiterte Aussprache der Mächte folgen werde, . bereits für Donnerstagabend rechne.

Berlin nicht gerade optimistisch

Die Entwicklung der Verhandlungen in London wird in Berliner politischen Kreisen naturgemäß mit außerordent­licher Spannung verfolgt. Zuverlässige Nachrichten sind allerdings weiter recht spärlich, und die amtlichen Stellen üben deshalb verständliche Zurückhaltung. Nach Berliner Auffassung stehen im Mittelpunkt jetzt die Bemühungen, ein Stillhaltekonsortium zu bilden, das einen weiteren De- visenabzug bei der Reichsbank verhindern soll. Wie das Konsortium aber im einzelnen gedacht ist, nach welchem Mo­dus es arbeiten soll, darüber liegen noch keine näheren Mit­teilungen vor. Im ganzen beurteilt man die Aussichten von London, skeptischer als am Dienstag. Man hat den Eindruck, daß die Verhandlungen sich mehr in die Länge ziehen, als angesichts der gespannten Finanz­lage wünschenswert ist.

Die Presse der Reichshauptstadt beurteilt die bisher er­zielten Ergebnisse sehr verschieden. Auch der neue Vorschlag des Präsidenten Hoover, der das Schwergewicht auf die Er­haltung der Deutschland gegenwärtig gewährten kurzfristi­gen Kredite, und deren spätere Umwandlung in langfristige legt, wird einer unterschiedlichen Kritik unterzogen. Ganz allgemein läßt sich sagen, daß der bisher vertretene Optimis­mus einer gewissen Resignation gewichen ist, wobei Frank­reich wegen seiner ablehnenden Haltung angegriffen wird.

Paris aber ist verstimmt

In der Pariser Presse werden die Vorschläge Macdo­nalds und Hoovers vorwiegend abgelehnt und nachdrück­lichst der Plan Frankreichs — langfristige Anleihen gegen finanzielle Garantien und politische Bindungen — verteidigt. '

Worauf es den Franzosen dabei ankommt, verrät ganz unzweideutig das „Echo d e Paris". Das Blatt hält die vereinten Bemühungen Englands und Amerikas, Frankreich * daran zu hindern, die Finanz- und Wirtschaftsnot Deutsch- । lands für Zwecke der französischen Politik nutzbar zu machen, für den charakteristischen Zug der Londoner Verhandlungen.

Stimson und Henderson hätten aus diesem Grunde auch, so fährt das Blatt fort, die französisch-deutsche Konferenz „erdrosselt", aus dem gleichen Grunde habe vor acht Tagen Macdonald — der, wie man heute wisse, nach dem Rate Hoovers handelte — die Londoner Konferenz einberufen, und ebenfalls aus demselben Grunde werde ein in Washing­ton abgefaßter Plan für eine Hilfeleistung an .Deutschland heute den Londoner Unterhändlern „aufgezwungen". Frank­reich werde aber seine Thesen wiederaufnehmen, sobald es um eine Konsolidierung seiner kurzfristigen Anleihen oder um neue Kapitalien angegangen würde. Der Außenpolitiker des Blattes ist der Ansicht, daß die Londoner Verhandlun­gen nur das Vorspiel zu weiteren Verhand­lungen sein würden.

Konkrete Vorschläge?

London, 23. Juli.

Es verlautet, daß die Beratungen des Ausschusses der Finanzminister gestern zu einer Vereinbarung geführt haben, die heute der Konferenz zur Kenntnisnahme unterbreitet werden wird.

Wie Reuter berichtet, berieten die Finanzminister nach­mittags über die Fassung verschiedener Entschließungen, die in der heutigen Plenarsitzung der Konferenz unterbreitet werden sollen. Wie aus autorisierter Quelle verlautet, hat sich die Konferenz mit der Frage neuer Kredite zugunsten Deutschlands sehr wenig beschäftigt.

Die Debatte betraf lediglich die Stabilisierung der be­stehenden Kredite sowie andere Mittel, Deutschland zu helfen.

Die interessierten Regierungen werden wahrscheinlich die Emissionsbanken Frankreichs, Englands und Amerikas er­suchen, den bereits bewilligten

100 Millionen Dollar-Sredit an Deutschland um drei Monate zu verlängern.

In dieser Weise würde der Betrag der Kredite der Privat­banken an Deutschland ungefähr aufrecht erhalten werden. Der Vorschlag einer Neuverteilung der kurzfristigen Kredite unter Großbritannien, Frankreich und Amerika soll nun end­gültig aufgegeben worden sein.

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London, 23. Juli.

Reichskanzler Brüning und Staatssekretär Schaf- f e r kehrten gestern um 20 Uhr von der Konferenz der Fi­nanzminister nach dem Carlton-Hotel zurück. Heute nach­mittag von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr find alle Konferenz­teilnehmer von C a st l e zu einem im Buckinghampalast statt- findenden Gartenfest eingeladen.

Um den Zahlungsverkehr

Berlin, 23. Juli.

Die Vorbereitungen über die weitere Lockerung des Zahlungsverkehrs sind, wie wir erfahren, bereits ausgenom­men worden. Das Reichskabinett, das ursprünglich noch am Abend zu einer Beratung über dieses Problem zu­sammentreten wollte, hat sich auf heute vertagt.

Es ist anzunehmen, daß im Laufe des Tages alle Fra­gen über die Lockerung des Zahlungsverkehrs geklärt find,

so daß dann das Kabinett seine diesbezüglichen Beschlüsse fassen kann.

Die Waren- und Effekten-Terminmärkte

Berlin, 23. Juli.

Noch im Laufe dieser Woche soll, wie wir erfahren, eine Notverordnung für die Abwickelung der bestehenden Engagements an den Waren-Zeitmärkten in Abwei­chung von den Kontraktbestimmungen veröffentlicht werden. In Aussicht genommen ist eine Rah­menverordnung, die • durch Ermächtigung weitestgehende Möglichkeiten für die individuelle Behandlung jedes Marktes zuläßt. Wegen der innigen Verflechtung verschie­dener Märkte mit dem Auslandtz, nämlich für Metalle, Baumwolle, Zucker, Kaffee und Kautschuk, kommt bei diesen eine vorzeitige und zwangsweise Liquidation kaum in Frag«, man glaubt vielmehr die Engagements kontraktgemäß ab» wickeln zu können. Für das handelsrechtliche Lieferungsge- schüft in Getreide ist dagegen mit einer Liquidation der eingegangenen Verpflichtungen zu rechnen.

Möglicherweise wird die Verordnung auch bereits di« notwendigen Bestimmungen für die Liquidation an den Effektenterminmärkten enthalten.

Deutschlands Schicksal in Zahlen

Die verhängnisvolle Folge der Reparationszahlungen.

London, 23. Juli.

Wie Reuter aus Washington meldet, werden die verhängnisvollen Folgen des Versuches der Alliierten, wäh­rend der Weltwirtschaftskrise Reparationen von Deutschland zu verlangen, durch die von dem amerikanischen Handels- departement veröffentlichten statistischen Angaben klar ge«

' Daraus ersieht man, daß für die am 31. Dezember 1930 beendete siebenjährige Periode die Handelsbilanz Deutsch­lands um 1 500 000 000 Dollar passiv gewesen fei, und daß dieser Staat während desselben Zeitraumes 2 500 000 OOÖ Dollar als Reparationen habe zahlen müssen. Um dies tun zu können, sei Deutschland gezwungen gewesen, 3 835 000 000 Dollar zu leihen.