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hersfel-erTageblatt

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Amtlicher tznzeiger für den Kreis Hersfelü

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Nr. iso

Freitag, den 10. Juli 1931

81. Jahrgang

England hat Gonderwünsche

Deutschland soll auf Panzerschifsbau und Zollunion zunächst einmal verzichten

Brutschlmds SiesesWilie"

Das Ausland über die Selbsthilfeaktion.

Berlin, 10. Juli.

Die große Aktion der deutschen Wirtschaft findet in Eng­land und in Amerika große Anerkennung.Financial Times" erklärt: Deutschland muß die Bewunderung der' Welt erregen burd) seine Anstrengung und ausdauernde Be­mühung, seinen eigenen Kredit zu stärken. Ob der Hoo- ver-Plan die Krisis verhindert oder nur aufschiebt, muß in erster Linie von der Fähigkeit Deutschlands abhängen, einem beträchtlichen Kreditvorrat zu erhalten und zu vermehren Das Blatt geht dann auf die Lage der deutschen Finanzen ein und betont, daß kurzfristige Kredite nur ein Erleich- terungsmittel seien. Wenn andere Banken und Einzelper- sonen der Bundesreservebank folgten, dann werde die Lage Deutschlands gefestigt werden. Dauernde Festigung sei aber auch dadurch nicht möglich.

Die führenden Rationen der Welt sollten aus der Er­fahrung lernen, daß keine Ration hoffen könne, sich allein herauszuhelfen. Durch einen Zusammenbruch Deutschlands würden einer weitreichenden und gefährlichen Unordnung Tür und Tor geöffnet werden. Die Rationen müßten bereit sein, Ländern zu helfen, die sich selbst helfen.

Der Berliner Korrespondent derT i m e s" spricht von einem bemerkenswerten Beweis des Vertrauens der deut­schen Bankiers und Industriellen in die Zukunft Deutsch­lands Die langfristigen Kredite, die Deutschland brauche, würden nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden, wenn die Kapitalanleger nicht überzeugt seien, daß die besonderen Umstände, die die jetzige Krise verursacht hätten, sich schwerlich wiederholen würden.

Die Rew PorkerE v e n i n g P o st" überschreibt ihren

heutigez^MMM Wt.del^ÄMrjM Wswille" und setzt an seinen Anfang.

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itker jenen

helfen, die sich selbst helfen. Es sei etwas besonders Beru­higendes im Vorgehen der laufend führenden Firmen Deutschlands, einen Sicherheitsfonds zur Verfügung zu stel­len.- Diese Ausfallbürgschaft beweise, daß die Deutschen nicht die Rolle eines Bettlers spielen wollen, wenn «auch die Well ihnen mit einem Moratorium für die Kriegsschulden zu Hilfe gekommen sei.

Die Rücksichtnahme auf die wirklichen Interessen ihrer Aktionäre sollte die amerikanischen Bankiers von allzu über­eilten Kapitalzurückziehungen aus einem Lande zurückhal­ten, das soeben durch das gemeinsame Vorgehen der Groß­mächte gerettet wurde.

N e w N o r k Times" setzt sich mit Deutschlands Finanz- und Budget-Problemen auseinander und bemerkt, auch andere Regierungen hätten sich zuweilen einem Defizit gegenübergesehen. Das Blatt erinnert daran, daß, als im Anfang der neunziger Jahre die Vereinigten Staaten sich in einer ähnlichen Situation befunden hälfen, dieser Zustand zu einer starken Kapitalflucht geführt habe und meint, das Gleichgewicht könnte in Deutschland wie seinerzeit in den Vereinigten Staaten nur durch Wiedergewinnung des Ver­trauens'der ausländischen Kreditgeber wiederhergestellt wer­den. Dadurch werde die Kapitalflucht zum Stillstand ge­bracht und eine Rückkehr des Kapitals bewirkt werden. Die­ses Ergebnis dürfe, wenn auch nicht sofort, auch für Deutsch­land erwartet werden

Financial News" schreibt: Die deutschen Ban­ken tun alles, was in ihrer Macht steht, um die Wirkun­gen der ausländischen Nervosität und die Zurückziehung kurzfristiger Kredite auszugleichen. Jeder weitere auslän­dische Beistand, der sich als notwendig erweisen sollte, wird, wie verlautet, in Form neuer Kredite durch die gemeinsam handelnden Zentralbanken geleistet werden.

Luthers London-Neise

Unterredung mit Monkague Rorman.

London, 10. Juli.

Mit dem gleichen Zuge, den Reichsbantpräsrdem Dr. Luther benutzt hat, ist auch der Gouverneur der Bank von England, Montague N o r m a n, nach Basel abgereift. Wie Reuter zu wissen glaubt, ist es zwisihev Norman und Dr. Luther, die die Reise nach Dover in einem Abteil gemeinsam zurücklegten, zu einer Unterredung gekommen, die sich, wie er annimmt, um die Frage der K r e d i te a n d i e R e i ch s - bank gedreht habe.

Der City-Korrespondent desEvening Standard" schreibt anknüpfend an den Besuch Dr. Luthers: Deutschland be- absichtige über einen Kredit und nicht über eine Anleihe zu verhandeln. Die Gesamtmasse des Kredits würde eine wertvolle psychologisck)e Wirkung haben. Er könnte dem Ge­fühl der Panik, das bezüglich der deutsck-en Angelegenheiten herrsche, Einhalt tun und der K a p i t a l f l u ch t aus Deutsch­land ein E n d e m a ch e n. In diesem Falle würde Deutsch­land nicht genötigt sein, viel von dem Kredit zu gebrauchen.

Luther in Paris

Paris. 10. Juli.

Reichsbankpräsident Dr. Luther und der Gouverneur ihr Bank von England, Montage Rorman, sind nachts

Englischer Einschlichternngsversuch

Unterstützung der politischen Forderungen Frankreichs.

London, 10. Juli.

Die großen englischen BlätterDaily Herold",Man­chester Guardian" andTimes" legen, zweifellos unter dem Einfluß der rührigen Propaganda Frankreichs, die auch im Foreign Office ihre Wirkung getan haben dürfte, Deutsch­landZugeständnisse als Beitrag zu den allgemeinen Opfern unter dem Hoover Plan" nahe.Manchester Guardian" empfiehlt Deutschland dieEinlegung eines Flotienfeier- sahres", eine Geste, die in Amerika willkommen geheißen, in Frankreich anerkannt würde, die das französische Schiffs­bauprogramm beeinflussen und die französisch-italienische Reibung vielleicht verringern könnte. In derTimes wird außer diesem ähnlich begründeten Vorschlag der Aufschub des Prozesses wirtschaftlicher Annäherung mit Oesterreich an- geregt.

Die englische Aufforderung, Deutschland möge eine ent­gegenkommende Geste unternehmen und zur Konsolidierung Europas dadurch beitragen, daß es auf den Weiterbau der Ersatz Lothringen" verzichtet, hat in Berlin starke M i ß s! i m m u n g heroorgerufen, wenn man sich auch dar­über klar ist, daß es sich bei den Ausführungen der Blätter um keine offiziellen Anregungen handelt. Man muß darauf Hinweisen daß die Begründung Deutschland solle zur Kon­solidierung Europas beitragen, insofern ganz abwegig ist, ; als Deutschland ja nicht durch eigene Schuld in die Krise hineingeraten ist, sondern daß den größten Teil der Ver- s antwortung dafür die anderen Mächte tragen, die durch un- s vernünftige Verträge und unversöhnliche Haltung Deutsch- 1 land, Europa und die ganze Welt in eine solche Lage ge- ' bracht haben. Man muß weiter das geradezu absurde Ver- bckltML .unlieben ben SlotteH hor sitliiprtoM WÄrhia. «»h

trag nur ganz unzulängliche, überalterte Schiffe gelassen hat. Ueberdies würde die Einstellung des Baues des Panzerschif­fes, der sich über mehrere Jahre erstreckt, zu den schwerwie­gendsten wirtschaftlichen Folgen führen. Gegenüber der wei­teren Forderung englischer Blätter, Deutschland solle doch in der Frage der Zollunion mit Oesterreich nachgeben, kann man nur aus die demnächst stattfindenden Verhandlungen vor dem ganger Gerichtshof verweisen.

Die englische öffentliche Meinung scheint sich also die politischen Forderungen Frankreichs zu eigen gemacht zu haben und auf Deutschland einen Druck ausüben zu wollen. Ob der Einschüchterungsversuch nun tatsächlich ein Werk der raffinierten französischen Propaganda ist oder ob die eng­lische Regierung den Wunsch hat. durch Zugeständnisse aus Kosten Deutschlands sich Paris wieder mehr zu nähern, läßt sich mit Sicherheit zur Zeit noch nicht feskstellen. Jedenfalls hat Deutschland keine Ursache, auf das englische Ansinnen einzugehen. Einmal ist von der in Versailles festgelegten Abrüstung der anderen bis heute noch nichts zu bemerken, und zum anderen kann sich Deutschland eine Finanzkontrolle darauf laufen die französischen Wünsche hinaus kei­nesfalls gefallen lassen.

Amerika auf der AdMWSSlsalereaz

Castle über den Rüstungswahnsinn.

Washington, 10. Juli.

Die Regierung der Vereinigten Staaten erhielt eine Ein­ladung des Völkerbundes, an der Abrüstungskonferenz in löenf im Februar nächsten Jahres teilzunehmen. Räch Aeußerungen in. Regierungkreisen wird dem Völkerbund in den nächsten Tagen mitgeteilt werden, daß Amerika die Einladung gern annehme.

Unterstaatssekretär Castle sagte in einer Rundfunk­ansprache an das amerikanische Volk, die gegenseitige Ver­schuldung der Regierungen sei nur ein Hindernis für die Wohlfahrt. Noch schädlicher seien die unproduktiven A u s- g a b e n f ü r d i e R ü st u n g e n. Es sei zu erwarten, daß die einjährige Ruhepause in den Schuldenzahlungen zu einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung führen werde. Es sei auch zu hoffen, daß sie einen erfolgreichen Verlauf der Genfer Abrüstungskonferenz vom Jahre 1932 fördern werde.

" " ' Probleme, die noch durchgearbeitet könnten nur gelöst werden, wenn

Es gibt in Europa viele

werden müssen, und sie könnten nur gelöst

sie in konstruktivem und mutigem Geiste in Angriff ge- ' nominell werden. Wir müssen heute alle nach Sparsam- - feit in allen staatlichen Behörden streben, da wie im näch­sten Jahre das Problem der infolge der Rüstungen ent­standenen Verschuldung in Angriff nehmen müssen Was der Vorschlag des Präsidenten bisher vollbracht hat. ist eine Mobilmachung der Kräfte des Wohlwollens, des guten Einvernehmens und des entschlossenen Willens.

Castle schloß: Wir fangen an, zu verstehen, daß unsere Wohlfahrt von der Wohlfahrt unserer Nachbarn und nicht von ihrem Elend abhängt. Bei den verwickelten Beziehun­gen zwischen den Nationen von heute muß der wirtschaftliche Zusammenbruch der einen weitreichende Folgen für alle an­deren haben.

Die unerläßliche Pflicht

zur Abrüstung

Mussolini über seine Zusammenkunft mit Stimson.

Rom, 10. Juli.

Nach dem Besuche S t i m s o n s bei M u s s o l i n i hat der Chef der italienischen Regierung den amerikanischen Journalisten erklärt, Mussolini habe darauf hingewiesen, daß die Reise Stimsons, wenn ihr auch kein amtlicher Cha­rakter zukomme, von großer Bedeutung sei; denn es handele sich immerhin um den Außenminister der größten Republik der Welt. Stimson habe ihm gegenüber einen sehr wichtigen, auch von ihm geteilten Gedanken ausgesprochen, nämlich den, daß

wenn Europa ruhig bleibe, man einem sicheren wirt­schaftlichen Aufschwung entgegengehe.

Italien wird," so erklärte Mussolini,die JMiatioe des Präsidenten Hoover o o l l u n t e r st ü tz e n. Zu der bevor­stehenden Abrüstungskonferenz geht Italien mit großer Loyalität und Aufrichtigkeit.

Italien ist bereit, die niedrigste Abrüstungszahl anzu- nehmen, auch wenn ganz Italien nicht mehr als 10 000 Gewehre behält, vorausgesetzt, daß seine andere Ration über mehr verfügt.

In dieser seiner durchaus aufrichtigen Friedenspolitik ist Italien von der Ueberzeugung geleitet, daß zur Lösung der Wirtschaftskrise die politische und moralische Krise überwun­den werden muß. Es ist an der Zeit, daß man Maßnahmen für ihre Lösung ergreift, da sie schon allzu lange dauern.

Der Erfolg der Abrüstungskonferenz ist unerläßlich not- wendig, damit die Völker in ihre Regierungen Vertrauen haben.

Abrüstungskonferenz "Jaks mclü Hmausgeschöben werden. Auf jeden Fall wird in diesem Sinne kein Vorschlag von Italien ergehen, damit es bei dem festgesetzten Datum des 2. Februar 1932 bleibe."

Schließlich sprach sich Mussolini optimistisch über die Ueberwindung der Wirtschaftskrise in den nächsten Jahren aus, besonders für den Fall, daß die Ab­rüstungskonferenz von Erfolg begleitet sei. In einem solchen Fall würde sich der Horizont aufklären, während er sonst immer düster bleiben mühte. Die Welt müßte jetzt ihre Straße wählen, und bei der Wahl des Friedensweges be­finde er sich mitStimson in Uebereinstimm

Grandi empfängt die amerikanische Presse.

Rom, 10. Juli.

Außenminister G r a n d i gab gestern den amerikanischen Pressevertretern ein Frühstück. Dabei hielt Grandi eine An­sprache, in der er im großen und ganzen die Gedankengänge wiederholte, die Mussolini bereits den Journalisten ent­wickelt hatte.

Telegramm Hoovers an Hindenburg

Washington, 10. Juli.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Hoover hat in einem Telegramm an den Reichspräsidenten von Hin­denburg feiner aufrichtigen Hoffnung und Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Moratoriumsplan das Vertrauen aller Länder untereinander wieder beleben und die Prospe­rität fördern möge.

Oberhauslehnt Wahlreform ab

London, 10. Juli.

Das Oberhaus, das sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Wahlreformentwurf der Regierung beschäftigte, hat mit großer Majorität trotz des Einspruchs der Regie­rung drei ^Bestimmungen des Entwurfs, darunter die, welche die Abschaffung des Pluralwahlrechtes vorsieht und die, welche die Zahl der bei einer Wahl zu verwendenden Kraftwagen regelt, abgelehnt. ;

Norwegen besetzt Ostgrönland - '

Kopenhagen, 10. Juli.

Wie hier an zuständiger Stelle mit Bestimmtheit ver­lautet, wird die norwegische Regierung, sobald die dänische Antwort heute übergeben sein wird, zur Okkupation von Ost- grönland schreien.

Kurze Notizen

Nach Brüsseler Meldungen hat Belgien sofort nach Empfang der britischen Einladung zur Londoner Kon­ferenz mitgeteilt, daß es sich im Sachverständigenausschuh vertreten lassen werde.

Unterbrochener Transpacific-Ilug.

Salowov (Alasko), 10. Juki.

Die beiden Flieger R o b b - n s und I o n « s, die b*« Pacific überfliegen wollten, mußten hier landen, da es ihnen nicht möglich war, ihre Brennstoffvorräte zu ergänzen.