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HersfelöerTageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger fünden Kreis hersfelS

Monatlicher Btgngrartl»: durch 6k Post bezogen 1 jo Reichs-Mark, ausfchlleßüch Vestrllgelö, für ßttsftto 1*20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Pbyol« 1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Lubwig -unk, Vuchörnckerei in sterofel», Mitgl^ü »eo vdM

Nr. 156

Dienstag, den 7. Juli 1931

81. Jahrgang

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Einigung in Paris endgültig 1

Die Frage der Sachlieferungen wird durch die Sachverstandigenkonferenz geregelt

Fiasko der Sowjetmettzoden

Wieder lapitalistische GelchäsksgrundiStze

Moskau, 7. Juli.

Auf einer Konferenz der Wirtschaftsführer sprach Sta­lin über die neue Lage und die neuen Aufgaben des Wirl- schaflsaufbaues der Sowjetunion. Er erklärte u. a., daß die Ursache des Zurückbleibens gewisser Industrien im Rah­men des Jünfjahresplanes darin zu sehen sei, daß sich die Entwicklungsbedingungen von Grund auf geändert hätten. Die neue Lage erfordere auch neue Methoden in der Füh­rung. Vor allem handele es sich um die Versorgung der Be­triebe mit Arbeitskräften. Mit einem automatischen Zustrom von Arbeitskräften vom Lande in die Städte könne nicht mehr gerechnet werden. Es sei unumgänglich, zu einer Po­litik organisierter Werbung von Arbeitern mittels Verträ­gen überzugehen. Ferner sei es notwendig, sofort die Me­chanisierung der schwersten Arbeit vorznehmen. Dies ver- lange eine neue Regelung der Arbeitslöhne und ein Seß- Haftwerden der Arbeiter. Der Gleichstellung der gelernten und ungelernten Arbeiter und der Arbeitslosen müsse ein Ende gemacht werden. Man könne hochqualifizierte Arbeits- krüfle nur durch Zahlung höherer Löhne an ihre Arbeitsstelle fesseln, vterburd) werde man den Ehrgeiz der ungelernten Arbeiter ansporney.

In der Verbesserung der Versorgung der Wohnungs- verhältnisje sei in den letzten Jahren nicht wenig getan wor­den, aber das genüge noch nicht, wenn man die wachsenden Bedürfnisse der Arbeiterschaft berücksichtige. Man müsse solche Arbeitsbedingungen schaffen, daß die Qualität der Produktion besser werde. Unter dem Hinweis darauf, daß im Transportwesen schon große Erfolge durch

die Einführung größerer persönlicher Verantwortung erzielt seien, forderte Stalin, daß man auch für die In­dustrie hieraus die Nutzanwendung ziehe. Ferner habe sich in der Industrie dieLaaeHzug aus den Bestand der lei­tenden BeaNten grundlegend geändert. Früher sei die Ukraine die Hauptquelle für die Versorgung der ganzen In­dustrie mit Kohlen und Metallen gewesen. Bei der Beibe­haltung des gegenwärtigen Entwicklungstempos sei das aber nicht mehr möglich, und man müsse daher neue Versorgungs- gebiete erschließen. Um das Programm der Industrialisie­rung durchzuführen, brauche man zwei- bis fünfmal soviel leitende Kräfte, vor allem Ingenieure. Diese i sien aus der Arbeiterklasse selbst hervorgehen. In den lotsen Lehran­stalten der Sowjetunion würden jetzt Zehntaujende junger Arbeiter zu Technikern und Ingenieuren ausgebildet. Diese würden zusammen mit den Angestellten und den gelernten Arbeitern den Intelligenzlern der Arbeiterklasse bilden.

Auch was die Verwendung von Mitgliedern der Bour­geoisie in den technischen Betrieben betreffe, so habe sich die Lage grundlegend geändert.

Man habe in den Städten und auf dem Lande die kapita­listischen Elemente überwunden und auf dem Gebiete des kollektiven Wirtschaftsaufbaus gewaltige Erfolge errungen. Dies erkläre die Tatsache, daß man einen Umschwung zu­gunsten der Sowjetmacht in den Kreisen der Bourgeoisie fest­stellen könne, Daher müsse sich auch diePolitikgegen- über diesen Kreisen ändern; man müßte sie mehr zur Mitarbeit heranziehen.

Zur Festigung und Entwicklung der Industrie und Landwirtschaft fei es notwendig, daß auch die Schwerindu­strie ihren Beitrag liefere, hierzu sei die Einführung ge­nauester Berechnungen in einem Unternehmen notwendig. Zur Einführung der neuen Arbeitsmethoden sei es notwen­dig, daß die Wirtschaftsführer selbst in Kleinigkeiten sich einen Einblick verschafften und wirkliche Führer würden, hierzu wäre es erforderlich, große, manchmal hundert bis zweihundert Unternehmen umfassende Konzerne zu keilen und zur Einzelverwaltung überzugehen.

I . Schubert bei ©raubt

Rom, 7. Juli.

Botschafter von Schubert hatte gestern nachmittag eine längere Unterredung mit dem italienischen Außenmini­ster G r a n d i.

Konferenz der Weizen-Exportländer

London, 7. Juli.

Gestern trat die Konferenz des von den Weizen expor­tierenden Ländern eingesetzten Ständigen Ausschusses, in dem die Vereinigten Staaten, Argentinien, Australien, Bul­garien, Kanada, Ungarn, Indien, Polen und Rußland ver­treten sind, unter Vorsitz des kanadischen Oberkommissars Ferguson zum ersten Male in London zusammen. Deine Aufgabe wird darin bestehen, den Regierungen der an der Konferenz beteiligten Länder endgültigeVorschläge für die Errichtung einesClearing-House" zum Austausch von Informationen zwischen den Weizen exportierenden Län­dern zu unterbreiten. Ferner wird sich der Ausschuß damit zu befassen haben, in welcher Weise Verwendungsmöglichkei­ten und Absatzgebiete für Heizen gefunden werden können. Auch die Ausarbeitung des Entwurfs für die Tagesordnung emer weiteren Zollkonferenz gehört zu feinen Oblie­genheiten

Hoover-Plan in Kraft!

Washington, 7. Juli.

Präsident Hoover erklärte, daß der

Plan sofort in Kraft treten und Deutsch­land während der Dauer eines Jahres keine Reparationen zahlen werde.

Paris, 7. Juli.

Havas berichtet: Die französischen und die amerikani­schen Unterhändler haben sich über die Anwendung des Hoo- verschen Planes geeinigt.

New park, 7. Juli.

Associated Preß meldet aus Washington, daß eine fran­zösisch-amerikanische Einigung zustandegekommen sei. Nähere Meldungen stehen noch aus.

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Paris, 7. Juli.

Die französische Regierung stellt fest, daß sie sich mit der amerikanischen Regierung über

die wesentlichen Grundsätze des Hoover-Plans und über die nachstehend aufgeführten Bestimmungen einig sei:

1. Die Bezahlung der Regierungsschulden wird vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 ausgesetzt;

2. Deutschland bezahlt jedoch den Betrag der unge­schützten Annuität; aber die französische Re- giertEZ^ist-bersrt, ellizuwillig«^daß die aus diese- Weise von Deutschland geleisteten Zahlungen durch die Internationale Zahlungsbank in garantierten Bonds der Deutschen Reichsbahn angelegt werden.

3. Alle suspendierten Zahlungen tragen unter den sei­tens der amerikanischen Regierung angeregten Be­dingungen Zinsen und sind vom 1. Juli 1933 ab in zehn Annuitäten zu tilgen.

4. Die gleichen Bedingungen gelten für die von der Reichsbahn auszugebenden Bonds.

5. Die französische Regierung erklärt hinsichtlich dreier Punkte, von denen sie ihrerseits anerkennt, daß diese Punkte die amerikanische Regierung nicht direkt be­treffen, das folgende:

a) Eine gemeinsameAktionder hauptsächlichsten Zentralnotenbanken wird durch Vermitt­lung der Internationalen Zahlungsbank z u g u n - sten der europäischen Länder unternom­men, die besonders durch die A u s s e tz u n g der Zahlungen betroffen werden.

b) Eine vorherige Verständigung wird zwischen Frank­reich und der Internationalen Zahlungsbank erzielt werden müssen, damit Frankreich den im Falle eines Noung-Plan-Moratoriums vorgesehenen Garantie­fonds nur durch Monatsraten ergänze, die den Be­dürfnissen der Internationalen Zahlungsbank unter Berücksichtigung der tatsächlich von Deutschland transferierten Zahlungen entspreche.

c) Die Frage der Sachlieferungen und die ver­schiedenen durch die Anwendung des amerikanischen Vorschlages und das vorliegende Abkommen notwen­dig werdenden technischen Bestimmungen werden von einem Sachverständigenausschuß ge­prüft werden, zu dem die interessierten Mächte Dele­gierte entsenden. Diese Sachverständigen werden die tatsächlichen Notwendigkeiten mit dem Geist des Hoo- verschen Vorschlages in Einklang zu bringen haben.

Frankreich behält sich vor, von der deutschen Regierung die unerläßlichen Versicherungen bezüglich der Verwendung der Summen, die im deutschen Budget gespart werden, zu ausschließlich wirtschaftlichen Zwecken zu verlangen.

Neuer Kredit für die Neichs- bank?

New Park, 7. Juli.

Eine Anzahl in Wallstreet führender Bankiers hielt ge­stern längere Besprechungen über die deutsche Kredit- lage ab. Gerüchtweise verlautet, daß prominente Banken einen neuen Kredit in Höhe von 50 Millionen Dollar für die Reichsbank in Erwägung gezogen haben.

Falsche Gerüchte

Berlin, 7. Juli.

Wie wir von authentischer Stelle hören, sind die über eine Berliner Großbank im Ausland verbreiteten Ge­rüchte völlig aus der Luft gegriffen. Auch die Nachricht, daß in der Generalratssitzung der R e i ch s b a n k über die Lage einer Großbank gesprochen worden ist, wird uns von zu­ständiger Seite als erfunden bezeichnet.

Weizenexport wird ermöglicht

Eine Folge der großen Weizenmehrernte.

Die starke Vergrößerung der deutschen Weizenanbau- fläche, die für das kommende Erntejahr eine Weizenmehc- ernte von 700 000 bis 800 000 Tonnen erwarten läßt, wird insbesondere in Anbetracht der schwierigen Erntefinanzie­rung eine Einstellung der deutschen Agrarpolitik auf die ver­änderte Situation notwendig machen. Wie in diesem Zu­sammenhänge mitgeteilt wird, ist vor allem mit einer sehr scharfen Handhabung des Vermahlungszwanges für 3n- landsweizen zu rechnen; darüber hinaus wird jedoch eine Entlastung des Weizenmarktes durch zeitweise Oeffnung des Exportventils notwendig sein. Wahrscheinlich wird der Ex­port für die Monate September-Oktober, in denen erfah­rungsgemäß das stärkste Weizenangebot herauskommt, er- möglicht werden.

Ueber technische Einzelheiten in dieser Beziehung ist gegenwärtig noch nichts in Erfahrung zu bringen. Nur so­viel kann bereits gesagt werden, daß die Wiedereinfuhr der entsprechenden Menge von Auslandsweizen möglichst auf den Schluß des Erntejahres gelegt werden dürfte. Außer­dem stehen gewisse Pläne zur Erörterung, die ebenfalls zwecks Vermeidung eines Angebotsdruckes einen reinen Qua- litätsausgleich zwischen Inlands- und Auslandsweizen er­möglichen sollen. Nach weiteren Informationen wird auch auf jeden Fall dafür Sorge getragen werden, daß das im deutsch-ungarischen Handelsvertrag festzulegende Weizenein­fuhrkontingent in keiner Form irgendeinen Druck auf den innerdeutschen Weizenmarkt ausüben wird.

Erste Erntevorschätzung für Preußen. Nach dem amt­lichen Bericht wird sich für Preußen eine mittlere Getreide­ernte ergeben unter der Voraussetzung, daß Witterungs- und Wachstumsfaktoren bis zur Ernte normal bic ben. Im er7r7Mren"werden die "Ern t e eirage fur 1931 wie folgt ge- ichätzt: In Millionen Tonnen (in Klammern Ziffern für 1930): Winterweizen 2,42 (2,08), Sommerweizen 0,39 (0,23), Winterroggen 5,47 (5,66), Roggen 0,06 (0,05), Wintergerste 0,37 (0,33), Sommergerste 1,38 (1,25), Hafer 4,54 (3,83).

Mittel zum Wiedercusbau

Forderungen für die Bekämpfung der Arbeilslosigkeit.

Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags nahm einen Antrag an, bei der Reichsregierung die Vorlegung eines besonderen Gesetzentwurfes zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit zu erwirken. Dieser Entwurf solle

eine vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit vorschreiben und bestimmen, daß Entlassungen in allen da­zu geeigneten Betrieben mit mehr als zehn Arve'tnehmern erst erfolgen dürfen, wenn die Arbeitszeit wesentlich reduziert ist. Eine Sonderregelung mit ausreichendem Schutz für Arbeitnehmer unter 18 Jahren und eine solche für die be­sonders gesundheitsschädlichen Betriebe soll der Entwurf gleichfalls enthalten. Weiter wünscht der Ausschuß, daß die­ser beim Reich zu erwirkende Gesetzentwurf

die Uebersiunden-Arbeit auf das unerläßliche Mindest­maß beschränkt, die Zulassung ausländischer Wander­arbeiter verhindert, ausreichende Mittel zur Arbeitsbeschaffung zur Verfügung stellt, wobei besonders an den Wohnungsbau bzw. Umbau gedacht wird und an den Landarbeiter-Wohnungsbau sowie an Meliorationen, Straßenbauten usw. und Förderung von Produktion und Absatz landwirtschaftlicher Edek-Erzeugnisse. Schließlich wünscht der Antrag, daß Maßnahmen ergriffen werden, um den

freiwilligen Arbeitsdienst zu organisieren und den national bedeutungsvollen Industrien besonders in den Grenzgebieten finanzielle oder aoHpontifd)? Hilfe zu schaffen. Auch hierdurch will man mit der Verhinderung von Zusammenbrüchen der weiteren Entlastung von Ar­beitskräften vorbeugen. Der Antrag sagt non, daß in allen Schichten der "Bevölkerung eine stärkere Aufklärung erfolgen solle über die volkswirtschaftliche ,

Schädlichkeit der Einfuhr entbehrlicher Genuhmittel und von Luxusbedarfsgegenständen

owie sachlich nicht notwendigen Ausland-reis m. Endlich oll durch reichsgejetzliche Bestimmung den Arbeitgebern die Anmeldung freier Arbeitsplätze bei den öffentlichen Arbeitsvermittlungssiellen und aeren Vermitt­lung bei jeder Ar ^' ? ' 'e>: i^ mir Pflicht aemrcht werden.

Das englische Kohlenproblem

London, 7. Juli.

MacDonald begründete im Unterhaus« die Vorlage über die Kohlenbergwerke, deren zweite Lesung gestern be­gann. Er erklärte: Die Verhandlungen zwischen den Berg­arbeitern und den Arbeitgebern sind gescheitert. Die Vorlage bietet die Möglichkeit, die Verhandlung in der In­dustrie fortzusetzen. Sobald die Vorlage angenommen sein wird, wird die Regierung unverzüglich Verhandlungen über das Sonderabkommen mit den in Frage kommenden auslän­dischen Regierungen einleiten, damit das geschaffene Gesetz über die Verkürzung der Arbeitszeit gleichzeitig angenommen wird. B a l d w i n und Samuel (Liberal) traten für die Vorlage «jy.