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hersfel-erTageblatt

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: Mt einspaltig» petitzell» 15 Pfennig, ilt 50 Pfennig. (Grundschrist Rorons).

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher v Relche-Mark, 1.20 Retchs.M 1.00 Reichg-M Stinte Bnd)6tu<

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Nr. 152

Donnerstag, den 2. Juli 1931

81. Jahrgang

Tributrevifion ist unvermeidlich

Amerika lehnt Houngplan-Garantie ab, zumal Neuregelung von Zeit zu Zeit erforderlich

Amerikas Wer Standpunkt

Keine Poung-Plan-Garantie. Revisionen unvermeidlich.

Washington, 1. Juli.

Von hoher Regierungsseite wurde den Vertretern by; amerikanischen und auswärtigen Presse die Entwicklung der Verhandlungen über den Hoover-Plan folgendermaßen ge­schildert:

Seit dem Aufruf der Reichsregierung erfolgte die Flucht der Reichsmark aus Deutschland und die Zurückziehung gl wisser kurzfristiger Kredite. Die Bank von England, d

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wisser kurzfristiger Kredite. Die Bank von England, die die Oesterreichische Credit-Anstalt 24 Stunden vor dem Ban­kerott unterstützt hatte, konnte nicht allein weitere Sanierun­gen auf sich nehmen Es bestand die Gefahr, daß Deutschland finanziell am 22 Jurti zusammenbrechen würde. Deswegen entschloß sich Hoooer am 20 Juni dazu, feine Proklamation auszugeben. Sein Plan war und ist, die Wirtschaftslage der Welt zu bessern, und dazu muß Deutschland vor allen anderen prompte Hilfe erhalten. Da mir durch den Hoover- Plan das größte Opfer von allen Gläubigern bringen, so stehen wir auf dem Standpunkt, daß die anderen Mächte dem Plan zustimmen sollten. Unserer Ansicht nach bedeutet der Aufschub aller Zahlungen auf ein Jahr keinen Angriff auf die internationalen Verträge. Jedenfalls werden sie dadurch nicht ungültig.

hoovers Proklamation hatte im Gegenteil alsbald segensreiche Folgen in der ganzen Welt, und alle wichtigeren Rationen außer Frankreich sahen das ein und stimmten voll­inhaltlich oder prinzipiell zu. Belgien hat seine herzlichste Zustimmung erklärt, und Italien beginnt sogar bereits mit der Ausführung des Hoover-Plans weit über unsere Erwar­tungen hinaus. Frankreich hc gestimmt.

iat nicht einmal prinzipiell zu-

Zuerst verlangten die Franzosen die doppelten deutschen

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der internationalen Verträge entgegenzukommen, vor. daß Deutschland zwar den unaufschiebbaren Teil zahle, das Geld aber sofort als Kredit zuruckbekommt. Frankreich verlangte nun die Rückzahlung in zwei, dann in fünf Jahren, was wir nicht als wahre Erleichterung der deutschen Lage ansehen können. Insbesondere würde es weder dem Geiste des Hoover-Planes entsprechen, noch im Kongreß Billigung fin­den. Wir schlugen deswegen die Rückzahlung innerhalb 25 Jahren vor. Frankreich entgegnete, es bestehe die Mög­lichkeit, daß sich die französische Regierung nach fünf Jah­ren zur Verlängerung auf weitere fünf, eventuell auf ins­gesamt 15 Jahre bereit erklären könne, falls während dieser Zeit der Poung-Plan nicht geändert werde.

Diese Bedingungen müssen wir ablehnen, da wir weder den poung-Plan garantieren, noch überhaupt der An­sicht sind, daß derartige Pläne nicht von Zeit zu Zeit eine Revision durchmachen müssen.

Ferner verlangte Frankreich, daß der obige Kredit auch andere» Staaten zugute komme, und daß der Kredit an Deutschland nicht der Reichsregierung, sondern gewissen deutschen Industrie» geliehen werde. Wir betrachten einen derartigen Vorschlag als rein politisch und nicht dem Hoo­ver-Plan entsprechend; denn die Reichsregierung braucht den vollen Betrag zur Stützung ihres Budgets.

Wir sind durchaus bereit, auch anderen Rationen zu helfen. Vor allem aber muß Deutschland zunächst wie­der auf die Füße kommen.

Dann kam die Frage des Garantiefonds. Frankreich ver­langte, daß im Falle eines deutschen Moratoriums nicht es, sondern Deutschkünd diesen Fonds einzahlen solle. Erstens wäre das eine doppelte Belastung Deutschlands, und zweitens haben wir mit dem Poung-Plan nichts zu tun. Diese Frage muß Frankreich mit England und den anderen Poung-Plan- Gläubigern erledigen.

Wir werden es jedoch als entgegen dem Hoover-Plan betrachten, wenn die gegenwärtige Hilfsaktion dazu be­nutzt würde, um Deutschland die doppelte Last aufzu- bürden.

Die Verhandlungen mit Frankreich sind nicht abgebrochen Wir sind nicht entmutigt, sondern hoffen auf eine Einigung, denn ein Versagen dieser Aktion wäre von so ungeheuren Folgen, daß man sie nicht auszusprechen wagt. Wegen der Sachlieferungen dürften sich Deutschland und Frankreich da­hin einigen, daß nur die laufenden Verträge ausgeführt werden. Unsere Bedingungen sind nicht schwer. Wir haben in der Frage des Kredits nachgegeben und verlangen nur, daß er im ganzen Umfange der Reichsregierung und für möglichst lange Zeit gegeben werde. Wir schlugen zunächst einen Aufschub für die ganze Periode des Poung-Planes vor, gingen dann auf 25 Jahre herunter und werden viel­leicht noch weiter nachgeben, aber fünf Jahre sind zu wenig."

Wie weiter gemeldet wird, wurde bei der Uebermitl- lung dieser Erklärung von einem Pressevertreter die Frage gestellt, ob Gefahr bestehe, daß Frankreich zur Erzwingung der Ausführung des Poung-Planes in Deutschland efa- rücken werde. Die Antwort auf die freimütige Frage war deutlich und entschieden, sie lautete:Dieses Schauspiel wird die Welt nicht wieder erleben!"

Amerika warnt Frankreich

Washington, 2. Juli.

Die Vereinigten Staaten haben Frankreich ernstlich dar­auf hingewiesen, daß ein Scheitern des Hoover-Planes un­zweifelhaft ein deutsches Moratorium zur Folge haben würde.

Keine neuen Zugeständnisse Amerikas

Erneute Besprechung Mellon Laval.

Washington, 2. Juli.

Das Staatsdepartement veröffentlichte gestern nachmit­tag gleichzeitig mit Paris das Memorandum, das von der amerikanischen Botschafter in Paris nachts gekabelt und von Mellon gestern dem französischen Ministerpräsidenten Laval übergeben wurde. In diesem Memorandum wird der Standpunkt Amerikas zu den gegenwärtigen Verhand­lungen, so wie wir ihn bereits aus einer Schilderung von hoher Regierungsseite meldeten, schriftlich fixiert.

Unterstaatssekretär Castle bemerkte hierzu, diese Ver­öffentlichung bedeute keinen Abschluß der Diskus­sionen, sondern habe lediglich den Zweck, die amerikani­schen Thesen ganz klar herauszuarbeiten in der Hoffnung, daß Frankreich daraus ersehe, daß Amerika in gewissen Punkten nachgebe und nachgeben werde, in anderen aber nicht nachgeben könne.

Castle fügte hinzu, die französische Regierung habe das Memorandum durchaus freundlich ausgenommen und eine weitere Besprechung zwischen Mellon und Lava! sei für heute abend anberaumt. Bezüglich der von Frankreich geforderten Konzession in der Frage des Ga r a n t i e f o n d s wies Castle darauf hin, daß zwar der Boung-Plan eine rein

europäische Angelegenheit fei, daß Frankreich Nur die Zustim­mung der Aouna-Plan-GläuLlasr aum Noraicht r>nf hm^g.

runen mung der Aouna-Plan-GMuütaM-.-ritn» V-rzich^ ^»f h>« «g, ^^ rant-leforrds MMkche, daß aber das Verlangen Frankreichs,"

Deutschland solle als eine Bedingung der Durchführung des Hoover-Plans sich verpflichten, im Falle eines Moratoriums den jetzt geplanten Kredit plus den unaufschiebbaren Teil zu zahlen, für Amerika unannehmbar sei. Der Geist des Hooverplans lasse eine derartige Doppelbelastung nicht zu, selbst wenn man die bestimmte Hoffnung habe, daß Deutsch­land kein Doung-Plan-Moratorium zu erbitten brauche.

Castle bestätigte, daß gegenwärtig andere Pläne für den Fall des Scheiterns der Pariser Verhandlungen er­wogen würden. Sie feien aber noch nicht spruchreif und keiner anderen Regierung unterbreitet worden.

Bevorstehender Schluß der französischen Parlamentssession.

Paris, 2. Juli.

Hier war das Gerücht im Umlauf, daß das Parlament unmittelbar nach den in den Nachtsitzungen verabschiedeten Nachtragskrediten in die Ferien gehen würde. Ministerprä­sident Laval wurde nach diesen Gerüchten die Absicht zuge­schrieben, daß er das Dekret der Schließung noch in der Nacht habe verlesen wollen. Dieses Gerücht hatte bei den verschie­denen Parteien, namentlich in den Reihen der radikalen Abgeordneten, Protest ausgelöst. Nach der Ansicht desSoir" soll die Regierung jedoch die Absicht haben, das Parlament am kommenden Freitag in die Ferien zu schicken.

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Die amerikanisch-französischen Verhandlungen.

Unser Bild zeigt: Die Verhandlungen des amerikanischen Schatzsekretärs Mellon mit dem französischen Ministerprä­sidenten Laval über die Abänderung des Hooverschen Vor-

über die Abänderung siages zum Zahlungsaufschub. Von links na, Edge, Ministerpräsident Laval, Schatzsekretär

schlages zum

Lffensioe gegen chinesische Kommunisten

Rantschang (Provinz Kiangsi), 2. Juli.

Die Regierung hat mit einem Angriff von 200 000 Mann auf einer Front von etwa 200 Kilometern die Offen­sive gegen die kommunistischen Banditen in der Provinz Kiangsi eröffnet. Die Aufgave der Regierung ist schwierig, weil die meisten Kommunisten sich in einer gebirgigen Ge­gend verborgen halten. Die Leitung der Regierungsktup- pcn liegt in Händen von Tschiangkaischek.

Auflösuttg des Spnrtetiaietemitees

Berlin, 2. Juni.

Wie von unterrichteter Seite des Berliner Polizeipräsi­diums mitgefeilt wird, hat das Polizeipräsidium das Sparta- kiadrkomitee und alle Organisationen, die zur Vorbereitung der Veranstaltung gegründet worden waren, aufgelöst. Dar Tragen des Spartakiadeabzeichens ist verboten worden. Am Millwochvormittag fand in den Räumen des Spartakiade­komitees eine Haussuchung statt, wobei das vorgefundene Material beschlagnahmt wurde.

Demonstrationen planmäßig oorbereitet

Im Zusammenhang mit den blutigen Zwischenfällen im Osten Berlins am Dienstag äußert man in Kreisen der preu­ßischen Regierung die Ansicht, daß

die Vorfälle nicht spontane Kundgebungen Unzufriedener oder Hungernder waren, sondern daß es sich um plan­mäßige Veranstaltungen radikaler Elemente handelte, mit denen auch in den kommenden Tagen und Wochen zu rechnen sein muß.

Dies ergibt sich insbesondere aus einer Anzahl von Rund­schreiben und sonstigem Material, das sich in Hände» der Polizeibehörden befindet und aus dem eindeutig hervorgeht, daß mit legalen und illegalen Demonstrationen gearbeitet werden soll, um die Polizeikräfte zu zermürben. Wenn auch in diesem Material teilweise nur in theoretischer Form von bewaffnet Geschützten" undbewaffneten" Demonstrationen die Rede ist und Vorschläge gemacht wurden, wie Polizei- autos durch 2lusftreuen von Nägeln und Glasscherben so­wie Spannen von Drahtseilen aufgehalten werden, so kann daraus doch die systematische Vorbereitung von Unruhen und Störung der öffentlichen Ordnung geschlossen werden.

3n Kreisen der Reichsregierung und der preußischen Regierung wird ausdrücklich und mit aller Enkschieden-

Heck betont, daß die Machtmittel des Staates Hundertpro-

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sofort ersticken zu können.

Die Tatsache, daß sich das erwähnte Material in Händen der Behörden befindet, beweist, daß die Regierung über die Ab­sichten ihrer radikalen Gegner genau unterrichtet ist und ihnen mit allen Mitteln begegnen wird. Die Polizei wird notfalls auch rücksichtslos von der Schußwaffe Gebrauch machen! Der Polizeipräsident hat für die Ergreifung der Täter, die den Polizeioberwachtmeister Kuhfeld Mittwoch abend bei den kommunistischen Demonstrationen erschossen haben, eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt.

Deutscher Schritt in Warschau

Berlin, 2. Juli.

Die deutsche Regierung hat wegen der Verhaftung von drei Deutschen, dem Deichausschußbeamten Martin und seinen beiden Söhnen aus Marienwerder, die in der Weichsel badeten, Protest beim Auswärtigen Amt in Warschau er­hoben. Man hofft in politischen Kreisen, daß die Angelegen­heit bald eine befriedigende Erledigung findet. Der Beamte Martin soll bereits freigelassen sein.

Zum Besuch in Kant

Freundliche Aufnahme in der Presse.

Rom, 2. Juli.

Die sympathische Aufnahme, die die Ankündigung der deutsch-italienischen Ministerbesprechungen in den italieni­schen politischen Kreisen gefunden hat, ist auch in den Kom­mentaren der römischen Presse zu erkennen.

Giornale d'Jtalia" undTribuna" unterstreichen über­einstimmend die allgemeine politische Bedeutung, die man den bevorstehenden Besprechungen beimesse, aber auch ihre besondere Bedeutung für Italien und Deutschland.Tri­buna" führt dabei aus, die von Mussolini vertretenen Ideen über die großen Nachkriegsprobleme seien der Entwicklung weit vorausgeeilt. Die deutsch-italienische Ministerbegeg­nung fei eine Bürgschaft für eine weitere Klärung und biete die Möglichkeit zur Herausarbeitung gemeinsamer, aber ein­facher und wirksamer Gesichtspunkte, wie sie gerade jetzt nötig seien.

Giornale d'Jtalia" erblickt in dem angekündigten Be­such von Dr. Brüning und Dr. Curtius in Rom die er­wartete Anerkennung deutscherseits für die wohlwollende und schnelle Zustimmung Italiens zu dem Vorschlag des Präsidenten Hoover, der geeignet sei, Deutschland zu retten, während er für Italien erhebliche Opfer mit sich bringe. Die Zusammenkunft zwischen Mussolini und Dr. Brüning sei wichtig für die Prüfung der allgemeinen Probleme und für die Interessen der beiden Länder.

Es gebe bedeutende Fragen, in denen Italien und Deutschland Zusammenarbeiten könnten, so zum Beisviel die Abrüstungsfrage; über andere Punkte beständen Meinungs­verschiedenheiten, deren Beseitigung von Rutzen sein werde, was die Festsetzung des Datums der Zusammenkunft anbe- lange, so werde diese Frage im Zusammenhang mit den verschiedenen Verpflichtungen des Monats Juli geprüft. 3n- folgedessen scheine es ^dti möglich zu sein, daß der Besuch der deutschen Staate. inner vor dem Ende Juli oder An­fang August stattfinde