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Hersfel-erTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiser für den Kreis Reisfeld

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Nr. 150

Dienstag, den 30. Juni 1931

81. Jahrgang

Frankreich hat kein Einsehen

EinzigesZugeständnis" an Deutschland: Fünfjährige Abzahlungsfrist

Die Bedeutung der Abrüstungs- Konferenz 1932

MacDonald über die Pflicht zum Abrüsten.

London, 30. Juni.

Premierminister Mac Donald eröffnete gestern die Aussprache im Unterhaus mit einer ausführlichen Erklärung über den Stand der europäischen Abrüstung. Abrüstung, sagte er, sei die die Gegenwart beherrschende Frage. Die für Februar 1932 anberaumte Abrüstungskonferenz habe als Grundlage für ihre Verhandlungen den Bericht der Vorbe­reitenden Abrüftunoskommisfion und sie werde versuchen müssen, über die von dieser geleisteten Arbeit Hinauszugehen.

Die allgemeine Abmachung, zu welcher die Abrüstungs­konferenz, wie man hoff»; gelangen werde, würde nicht eine bloße Feststellung von Grundsätzen, nicht eine Erklä­rung von Absichten oder Methoden sein, sondern etwas vollkommen Endgültiges, das Richtlinien und Pläne ent­halten würde, die die Frage der Abrüstung in das Gebiet feststellbarer und prüfbarer Tatsachen tragen würden, so ( wir nach Abschluß der Konferenz nicht fromme Ge- lövniße, sondern Ziffern haben und jede Ration nachprü­fen kann, ob die von anderen Rationen übernommenen

Verpflichtungen auch wirklich erfüllt, werden.

Die ungeheure Bedeutung der Konferenz werde von allen Mitgliedern des Hauses und allen Parteien anerkannt. England dürfe nie die besonderen Verpflichtungen vergessen, unter die England seinen Namen gesetzt habe. Selbst wenn wir versuchten, uns diesen Verpflichtungen zu entziehen, könnten wir es nicht. Sie sind endgültig festgelegt. Der Friedensvertrag sei in ein Bekenntnis des Glaubens an den Frieden gekleidet und stelle in keinem Punkt mehr ein Ver­sprechen energischer Handlung und treuen Verhaltens dar, als in der Erklärung, die während der Unterzeichnung des Friedensvertrages zugunsten der Abrüstung Europas abge- ^-etum uLLrüem. ^.meil^eLe. Batum e^n eingestond, daß §

in fortgesetzter Rüstung weder Frieden noch Sicherheit liege. Großbritannien habe, was Abrüstung anbelange, ge­duldig und ausdauernd durchgeführt, was es als feine Ver­pflichtung betrachte, die es gemeinsam mit anderen eingegangen sei. Wir sind, so fuhr MacDonald fort, ziemlich nahe an der Grenze angelangt. Unsere Nation allein kann die Abrüstung nicht herbeiführen, und es ist die Pflicht aller Nationen, zusammenzukommen, um

dem Kriege von Grund auf ein Ende zu machen.

Der Londoner'Vertrag übt einen befriedigenden Einfluß aus, ebenso der kürzliche Besuch von B r ü n i n g und C u r t i u s sowie mein und Hendersons Gegenbesuch. Vor allem ist die Erklärung von Paris, daß deutsche und französische Minister zusammenkommen werden, das, was diejenigen ersehnen, die um den Frieden bemüht sind. Später wird

Hoovers Initiative ihre Wirkungen ausüben und beweisen, daß die Welt noch nicht so übel ist, wie einige oberflächliche Zyniker behaupten. England und Frankreich würden so lange durch die Bande des Mitgefühls verbunden sein, so lange man in England n a ch f ü h l e n könne, was französische Männer und Frauen fühlen, wenn man über Krieg spricht und über Abrüstung verhandelt.

MacDonald schloß seine Rede, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das -Ergebnis der Abrüstungskonferenz darin bestehen werde, daß die britischen Rüstungen noch wei­ter herabgesetzt werden und daß die Konferenz den einzigen Grundstein legen werde, auf dem der Frieden beruhen könne: vollkommene Uebereinstimmung und freundschaftlichste Be­ziehungen zwischen allen Nationen der Welt.

Berliingernng des Berliner Vertrages

Berlin, 30. Juni. (Amtlich.)

Der deutsche Botschafter in Moskau, Dr. o. Stressen, und der stellvertretende Volkskommissar für auswärtige Angele­genheiten der Sowjetunion-, Krestinski, haben durch Unter­zeichnung eines Protokolls den am 24 April 1926 zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sow­jetrepubliken geschlossenen Vertrag sowie den dazu gehörigen Notenwechsel verlängert. Gleichzeitig ist das zwischen den beiden Regierungen am 25. Januar 1929 geschlossene Schlichtungsabkommen mit der Geltungsdauer des genann­ten Vertrages in Einklang gebracht worden.

3n dem unterzeichneten Protokoll wird der Absicht der beiden Regierungen Ausdruck verliehen, durch die Verlän­gerung des Vertrages die zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bestehenden freundschaftlichen Beziehungen fortzusetzen, die im Interesse beider Länder liegende Zusammenarbeit weiter zu pflegen und zugleich zur Sicherung des allgemeinen Friedens bei- zutragen. Der Vertrag kann mit einjähriger Kündigungs­frist erstmalig am 30. Juni 1933 gekündigt werden, anderen­falls läuft er automatisch weiter. Das Protokoll unterliegt der Ratifikation."

Die Wahlen in Ungarn

Budapest, 30. Juni.

Das Endergebnis des ersten Wahltages lautet: Von 174 Mandaten, die zur Vergebung gelangen, erhielten die Einheitspartei 121, die Christliche Wirtschaftspartei 19, die Agrarier 3 und Parteilose 18 Mandate. In 13 Bezirken kommt es zu Stichwahlen.

Frankreich sabotiert den Hoover-Plan

EinzigesZugeständnis" an Deutschland: Fünfjährige Abzahlungsfrist.

x Paris, 30. Juni.

Zu dem gestern abend abgehaltenen Ministerrat, der sich mit dem Vorschlag H o o o e r s beschäftigte, wird uns be­richtet:

Das Kabinett hat sich einmütig über die Notwendigkeit geeinigt, daß die französische Regierung sich nach der Ab­stimmung in der Kammer an den Text ihrer Antwort vom 24. Juni halten- müsse.

Die Meinungsverschiedenheiten, die Paris und Washington trennen, sind bekannt. Frankreich fordert vor Ablauf des zwölfmonatigen Moratoriums die Prüfung von Maßnahmen, die deutscherseits im Hinblick aus die Wiederaufnahme der Zahlungen ergriffen werden müssen. Hinsichtlich dieses wichtigen Punktes hat Frankreich, bei Hauptgläubiger Deutschlands, weder seitens bej- Vereinigten Staaten noch Deutschlands die erforderlichen beruhigenden Versicherungen erhalten. Das Angebot des Präsidenten Hoover legt Wert darauf, daß die von Deutschland 1931/32 zu bezahlende Annuität erst nach 25 Jahren geleistet werden soll. Die französische Regierung hat dagegen, in ihrer Antwort erklärt, daß dieser Betrag am Ende des zwölfmonatigen provisorischen Moratoriums fällig werden müßte.

In einem Gefühl des Entgegenkommens hat die franzö­sische Regierung jetzt beschlossen, diese Frist von einem Jahr auf fünf Jahre zu verlängern: aber das ist, wie es scheint, das einzige Zugeständnis, das der Ministerrat zu feinem an­fänglichen Plan annehmen zu müssen geglaubt hat, ohne daß das geheiligte Recht Frankreichs auf Reparationen beein* ^trächfigt wird

Ministerpräsident Laval und seine Kollegen werden das Ergebnis ihrer Beratungen und die Gründe ihrer Hal­tung im Verlaufe der abends stattfindenden Besprechungen mit den amerikanischen Vertretern auseinandersetzen.

Ein lakonisches Kommuniquee

Paris, 30. Juni.

Ueber den M i n i st e r r a t, der gestern abend unter dem Vorsitz des Präsidenten Do u m e r im Elysee stattsand, wurde lediglich folgendes Kommunique ausgegeben:

Ministerpräsident L a v a l hat über den Stand der Ver­handlungen mit dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon und dem amerikanischen Botschafter in Paris, E d g e, Auf­schluß gegeben."

Bericht nach Washington

Paris, 30. Juni.

Gestern abend um 21.30 Uhr ist im Innenministerium die angekündigte Konferenz zwischen den französischen Ministern und dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon, dem amerikanischen Botschafter sowie zwei Diplomaten der amerikanischen Botschaft zusammengetreten.

Nach einer Mitteilung aus dem Büro des frarrzösischen Ministerpräsidenten werden Schatzsekretär Mellon und Botschafter Edae nunmehr über den Stand der französisch- amerikanischen Verhandlungen nach Washington berichten. Eine neue Z u s a mm e n k u n f t der französischen unb der amerikanischen Unterhändler ist für morgen vormittag in Aussicht genommen.

Unter Vorhalt«« des Bajonetts wurde Deutschland so gut wie alles genommen.

Rew Park, 30. Juni.

Das demokratische Kongreßmitglied Eannon (Missouri) erklärte, daß das Moratorium für Deutschland nur eine vorübergehende Hilfe bedeute. Tatsächlich werde Deutschland durch den Vertrag von Versailles niedergedrückt, aus Grund dessen Frankreich und England, so f«-<- hec Red- aer fort, Deutschland unter Vorhaltung desgezückten Ba­jonetts" so gut wie alles weggenommen hätten.

In ähnlicher Weise äußerte sich der bekannte Republi­kaner James M. Beck (Pennfylvanien). Auch er bezeichnete Das Moratorium als eine lediglich vorübergehende Erleich- terung, wenngleich die sofortige moralische Wirkung nicht zu unterschätzen fet. Dem Moratorium sollte eine Weltwirt- chaftskonferenz folgen. John I. Raskob, der Vorsitzende des Demokratischen Nationalausschusses, der mit dem Lloyd- DampferBremen" hier eintraf, erklärte, der Vorschlag Hoo- aers werde sicherlich bedeutend zur Stabilisierung der Welt- virtschaftslage beitragen. Raskob, der Mittel- und West- europa bereist hat, bemerkte weiter, daß er eine a l l g e - n eine Depression angetroffen habe, jedoch stark be­eindruckt sei durch das B e st r e b e n Deutschlands, das Reparationsabtommen zu erfüllen.

Der Korrespondent des ArbeiterblattesDaily Herald" in Rom meldet, Italien werde wahrscheinlich auf der Ab­rüstungskonferenz Vorschläge so weitgehender Art unterbrei­ten, daßselbst die überzeuHtesten Anhänger der'Friedens­bewegung erstaunt sein" würden.

Der englische Gegenbesuch Preußen wird ein Jagdschloß zur Verfügung stellen.

Berlin, 30. Juni.

Für den englischen Gegenbesuch sind die Einzelheiten noch nicht fertiggestellt. Im Auswärtigen Amt und in der Reichskanzlei ist man bemüht, ein Programm zu gestalten, das dem freundschaftlichen Charakter des Besuchs Rechnung trägt. Da das Reich über repräsentable Schlösser nicht ver­fügt. ist zur Zeit in Erwägung gezogen, ob man nicht an Preußen herantreten soll, damit für den Besuch Macdonalds und Hendersons das Jagdschloß Hubertusstock zur Verfü­gung gestellt wird. Die Verhandlungen sind noch nicht ab­geschlossen. Jedenfalls hofft man, den englischen Gästen in Berlin einige Tage zu bereiten, die nicht lediglich der hoher Politik gewidmet sind.

Ginlabnng Stollens nn Deutschland

Berlin, 30. Juni.

Amtlich wird mitgeteilt:

Auf Grund der deutschen Anregung zu weiteren freund­schaftlichen Aussprachen entsprechend der in Ehequers statt gehabten Zusammenkunft hat der italienische Ministerpräsi­dent den deutschen Reichskanzler und den Reichsaußenmini­ster durch Vermittlung des italienischen Botschafters in Ber lin zu einem Besuch in Rom in naher Zukunft einladen lassen. Der Herr Reichskanzler und der Herr Reichsauhen- minister haben die Einladung des italienischen Ministerpräsi­denten mit Dank angenommen. Der Zeitpunkt des Be­suches , bleibt späterer Vereinbarung vorbehalten.

Bevablikaaischer Wablkea in Spanien

Run doch autonome Republik Katalonien?

Madrid, 30. Juni.

Räch den heutigen Ergebnissen haben die Wahlen in Spanien mit einem Sieg der republikanisch-sozialistischen Koalition geendet. Sämtliche Minister der provisorischen Regierung sind gewählt worden. Außenminister Lerroux wurde in nicht weniger als sieben Wahlbezirken gewählt. Als bedeutungsvoll und evtl. folgenschwer wird der Sieg der Anhänger M a c i a s in Katalonien (Separatisten), der Jeimisten (Earlisten) in Ravarr und der autonomisiischen Nationalisten in San Sebastian angesehen. In den katala­nischen Provinzen hat die Partei des Obersten Maria 42 oon 53 Sitzen erhalten. Angesichts der Begeisterung, mit der die Bevölkerung dieses Ergebnis ausgenommen habe, ist das Gerücht entstanden, daß die Republik Katalonien aus- gerufen werden könnte. Man befürchtet daher allgemeine Unruhen.

Wenn auch im allgemeinen der Wahlakt einen ruhigen Verlauf genommen zu haben scheint, sind hier und dort doch Zwischenfälle vorgekommen, namentlich in den Gemein­den, wo separatistische Bestrebungen sich schon seit längerem bemerkbar machten, wie in den baskischen Provinzen. Nach den vorliegenden Meldungen ist es in verschiedenen Orten zu Zusammenstößen zwischen politischen Gegnern gekom­men. Man meldet bisher vier Tote und mehrere Verletzte

In Madrid drang eine Gruppe von Wählern in die Kirche San Ramon ein und bedrohte die Priester, die an­geblich Stimmenkaus versucht haben sollen. Die Eindrind» linge wollten die Kirche in Brand stecken, Gendarmene stellte die Ordnung wieder her. »

Mellons Verhandlungen mit Laval.

Unser Bild zeigt: Der gegenwärtig in Paris weilende amerikanische SäMtzkanzler Mellon (rechts) mit dem Pariser amerikanischen Botschafter Walter Edge bei der Ankunft im französischen Innenministerium, wo sie fortgesetzt mit dem Ministerpräsidenten Laval über die Durchführung des Hoo- oer-Plarres verhandeln.