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Hersfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü

Nr. 140 Montag, den 29. Juni 1831 S1. Jahrgang

Wrzrtgrnprrl«: die einspaltig» Petitzeile 15 Vfinnig, W ReNamyett» 50 Pfennig. (Srunöschrist Korona). Bei WieSerhoilmgen wie» ein rntspreckenöer Prri». Nachlaß avvtlhrt ♦ Kür ölt Schrtüleitung verant­wortlich r Jean- Kant in Yerefeld. ♦ Kernfprrcher fit/

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Keine Gefahr für die Währung

Der Reichskanzler mahnt zur Sparsamkeit — Der Reichsbankprösident widerlegt die Inslationsgerüchte

Der Äotiiler vor de» Vankierr

Die Idee des Kapitals muß eine weitherzigere Auffassung erfahren.

Berlin, 28. Juni.

Auf der Tagung des Centralverbandes des Deutscher Bank- und Bankiergewerbes hielt am Sonnabend vormittag Reichskanzler Dr. B r ü n i n g eine Rede, in der er von dei Frage der Kapitalsbildung und Kapitalsknappheit ausging Er führte u. a.. aus: Niemand, der die Lage sehen will wie sie ist, wird sich der Erkenntnis entziehen können, daß wir in den letzten Wochen in ungeheuren Gefahren geschwebt haben, gerade weil wegen der auherordenl- lichen Kapitalknappheit in Deutschland der starke Ab­zug von Auslandsgeld sich zu einer besonderen Gefahr entwickelte.

Das Eingreifen des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vor acht Tagen war

eine MttgZWchtlithe Tat

In tiefer Depression erhofft die Wirtschaft aller Kulturstaa­ten von ihr den Anstoß zu neuer wirtschaftlicher Belebung. Der Vorschlag ist auch das offene Bekenntnis zur Solidarüäl der Wirtschaft. Wohl nie' wird dagegen der Irrtum aur-- kommen können, daß die Bedrückung und Not einer großenLandes und seiner schaffenden und verbrauchen­den Bevölkerung anderen Ländern in Wahrheit und auf lange Sicht zum Vorteil gereichen könne.

Für uns in Deutschland ist es von entscheidender Be­deutung, von den in Aussicht stehenden Erleichterungen den absolut richtigen Gebrauch zu machen und diese Erleichte­rungen dazu zu benutzen, um zu einer inneren Erstarkuna unserer Wirtschaft zu kommen. An der Spitze aber muß eine MMtlde und sichere FmEd^^-^-^ M^ Kör­perschaften stehen. So sollen und müssen apch die in der Notverordnung getroffenen Maßnahmen verstanden werden Wir wissen selbst, daß

Älen in der Notverordnung

enthalten sind. Aber wie der Herr Reichsarbeitsminister kürzlich ausgeführt hat, ist eine gesunde Sozialpolitik nur möglich auf dem sicheren Boden stabiler wirtschaftlicher und finanzieller Bedingungen.

Solange das Ausland durch Abzug kurzfristiger Gel­der jederzeit die deutsche öffentliche und private Finanz- wirtschaft auf das scywerste gefährden kann, entbehren auch alle sozialpolitischen Maßnahmen der notwendigen Sicherheit.

AeußersteSparsamkeit wird die oberste Richtschnur für die öffentliche und private Wirtschaft bleiben müssen Darum werden auch die Maßnahmen zur Besserung der Zu­stände, die auf den in der Vergangenheit gemachten Fehlern beruhen, in Uebereinstimmung und in gegenseitigem Zu­sammenwirken getroffen werden müssen. Das Beispiel der Vereinigten Staaten verdient Nachahmung, in denen mit er­staunlicher Rückhaltlosigkeit F e h l e r der privaten Wirtschaftsführung eingestanden werden und in Verbindung mit der Regierung nach Mitteln und Wegen gesucht wird, sie in Zukunft zu vermeiden.

Wenn in nächster Zeit auch bei uns eine solche Initiative erfolgt, so möge die Wirtschaft sie im gleichen Geiste der Selbstkritik und des guten Willens zu Besserung der Ver­hältnisse aufnehmen, wie es jenseits des Meeres bereits geschieht.

Die Reichsregierung bat sich ihrerseits nicht gescheut, Fehler der Vergangenheit im Streben nach absoluter Klar­heit und Wahrheit auf sich zu nehmen und eigene einzuge- stehen. Dieser Weg kann aber nur dann zu einem Erfolge führen, wenn das gleiche und in gleicher Rückhaltlosigkeit von der privaten Wirtschaft und von allen Organisa­tionen geschieht. Die Kritik an der öffentlichen Hand allein kann die Zustände nicht bessern. Die einfache Formel, die Produktivität unserer Wirtschaft nur durch Lohnten- k u n g und immer weiter durch Lohnsenkung zu heben, bringt feine Rettung. Die Konsumkraft der Bevölke­rung würde bei einem solchen Schrumpfungsprozeß immer weiter sinken und die Produktion aufs schwerste schädigen, wenn nicht gleichzeitig von der Wirtschaft her und nament­lich auch vom Bank- und Bankiergewerbe spontan durch In­angriffnahme großer und wichtiger Aufgaben geholfen wird. Es wird Vorsorge getroffen werden müssen, daß berech­tigte Kreditbedürfnisse darüber hinaus gegebenenfalls stets nur durch Hereinnahme langfristigen Auslandskapitals be­friedigt werden.

Täuscht nicht alles, so stehen wir in einer Zeit, in der es, um das bisherige System der Wirtschaft vor schwe­ren und dauernden Erschütterungen zu bewahren, not­wendig ist, eine großzügigere und weitherzigere Auf­fassung von der Idee des Kapitals herbeizufüKren.

Die wirtschaftliche und seelische Not der Zeit und der Welt beruht zum großen Teil auf Ueberspannungen und einem nicht überall restlos empfundenen tiefsten Verantwortlich- keitsgefühl eines jeden Führers — auch in der Wirtschaft — für die Gesamtheit.

Ich bin überzeugt, daß Sie sich bewußt sind, daß die Weltkrise Acht als ei? durch MpMaWche Mittel behoben

werden kann. Die stärkste ethische Einstellung eines jeder einzelnen und das Verantwortungsbewußtsein für da- Ganze und die Erziehung aller zu Dieser Auffassung schein mir von entscheidender Bedeutung zu sein.

Nach dem Reichskanzler sprach

Neichsbankpräfident Luther

Er schilderte ausführlich die Wechselwirkung zwischen dem wirtschaftlichen Geschehen und den Vorgängen bei der Reichsbank seit Ende 1929. Bei der neuen Nervosität, die in den letzten Wochen gerade Deutschland gegenüber ausge- brochen sei, hätten die Vorgänge bei der Oesterreichischen Kreditanstalt eine besondere Rolle gespielt.

3n Deutschland selbst war nichts Akutes geschehen, das den Ausbruch der neuen Gold- und Devisenabzugsbewe- gung bei der Reichsbank begründet hätte.

Wohl aber sei diese ganze neue Verlustperiode der Reichs- bank seit Ende Mai nur dadurch möglich geworden und ver­ständlich, weil auch das Ausland genau wisse, daß Deutsch­land mit untragbaren Reparationslasten belegt sei. Im In­teresse der deutschen Wirtschaft habe sich die Reichsbank zur Diskonterhöhung erst entschlossen, nachdem im Laufe der vorletzten Woche, besonders am Freitag, den 12. Juni, die Abzüge von Gold und Devisen zu außerordentlicher Höhe anschwollen. Dre Erhöhung habe damals durchaus ihre Schuldigkeit getan. Ein Zusammenhang des Anschwellens 1 mit den Erörterungen in der Oeffentlichkeit über die Not­verordnung unir den Zweifeln an der Stabilität der Regie­rung Brüning sei unverkennbar. Dennoch

fei es in diesem Fall besonders klar, daß die Uebertrei­bungen der Vertrauenskrise, die sich im Gold- und De- visenabzug kundtaten, auf der allgemeinen Weltnervo­sität beruhen.

Nach dem Stillstand der durch das energische Handeln der Regierung Brunmg herbetgeftryrr wurde-, fei trte Abzugs­bewegung dann Ende der letzten Woche erneut stark ausge­brochen. Die Reichsbank habe, da sie sich durch die letzten Ereignisse der Deckungsgrenze bedenklich genähert hatte, so­fort zu Restriktionsmaßnahmen gegriffen, die aber aufge­lockert werden konnten, als das große außenpolitische und weltwirtschaftliche Geschehen anhub, das in der Kundgebung des amerikanischen Präsidenten Hoover seinen Ausdruck fand.

Aus der ganzen bisherigen Entwicklung gehe, obwohl der Gold- und Devifenverlust der Frühjahrsperiode wie­der mehr als 1 Milliarde Mark betrage, mit Bestimmt­heit hervor, daß die Reichsbank auf jeden Fall imstande ist, die deutsche Währung mit Erfolg zu verteidigen.

Der Reichsbankpräsident erklärte nachdrücklichst, daß die Reichsbank diese ihre eigentliche Aufgabe keinen Augenblick vernachlässigen werde, da, welche Schwierigkeiten für Re­gierung und Wirtschaft auch noch zu überwinden sein mögen, die Voraussetzung jeder Wiedergenesung die Stabilität der Währung sei.

Nichts sei törichter als das wiederauftauchende Gerede von einer neuen Inflation.

Der Zahlungsmittelumlauf liege entsprechend der Wirt­schaftsdepression zur Zeit sogar nennenswert unter dem Normalen. Eine andere Schlußfolgerung, die ebenso be­stimmt gezogen werden müsse, sei die, daß die Bewahrung des deutschen Volkes vor weiterer schwerer Not nur von der politischen Seite her kommen könne. Der Schritt Hoovers dürfe nicht allein unter dem Gesichtspunkt betrachtet wer­den, daß er Deutschland helfen solle, sondern er sei ebenso­sehr eine weltwirtschaftliche Führertat zur Erleichterung der Weltwirtschaftskrise.

Amerikanische Kreise sind - optimistisch

Mitte Juli Ministerbesuch in Paris und Rom.

Paris, 29. Juni.

Im Beisein des Außenministers B r i a n d besprach Mi nisterpräsident L a v a l mit dem deutschen Botschafter die mi dem Moratoriumsvorschlag zusammenhängenden Fragen Hierbei wurde Herrn 0. Hoesch offiziell mitgeteilt, daß di französische Regierung den Besuch der deutschen Minister auf richtig begrüßen würde. Der Zeitpunkt des Besuchs wir! später vereinbart.

Nach einer bisher unbestätigten Meldung sollen Dr | Brüning und Curtius eine

Einladung Mussolinis nach Rom erhalten haben. Diese Reise soll sich an den Besuch in Paris also etwa Mitte Juli, anschließen.

In Washingtoner amtlichen Kreisen erwartet man, An fang der Woche mit Frankreich zur Einigung zu kommen 'Als Basis sieht man hier Hoovers Vorschlao, Deutschland tat sächlich für ein Jahr von allen Lasten zu befreien. Besondere stimme die Haltung der Kammer optimistisch, die der Regle rung keine Schwierigkeiten gemacht habe, im Bestreben Deutschland zu helfen. Auch Stimson erklärte vor feinei Europafahrt, daß er wegen des Endergebnisses sehr zuver sichtlich denke.

Nach der Bekanntgabe des Hoover-Vorschlags hat übri­gens der Wert der an der New Docker Börse gehandelter Papiere um 7 Milliarden zugenommen.

Günstiger Verlauf der Pariser- Verhandlungen?

Vor einer deutschen Antwort an Frankreich?

London, 29. Juni.

Auch die gestrige Sonntagspresse widmet dem Hoo­ver - P l a n und besonders den in Paris zwischen dem Schatzsekretär Mellon und den französischen Staatsmän­nern im Gang befindlichen Verhandlungen größte Aufmerk­samkeit. Die Blätter erwarten bestimmt eine befriedi­gende Regelung. Maßgebende Kreise rechneten mit einem günstigen Ausgang. Die Amerikaner hielten den von den Franzosen vorgeschlagenen Plan für zu kompli­ziert. Nach ihrer Ansicht soll der Hoover-Plan Deutschland allein und nicht, wie die Franzosen es wollten, ganz Europa zugute kommen.

Der Pariser Korrespondent des „Obseroer" will wissen, Mellon habe erklärt, die amerikanische Regierung werde ge­gen die französische Antwort nichts Grundsätzliches «inwen- den, vorausgesetzt, daß Frankreich eine Verständigung mit denDeutschen erreiche. Botschafter von hoesch fei Sebeten worden, womöglich bis heute eine Aeußerung der eutschen Regierung zu dem französischen plan zu übermit­teln. Die französischen Staatsmänner hätten Zusicherungen «geben, durch die die deutsche Besorgnis, ein Teil der an die J.Z. zu zahlenden deutschen Gelder solle zur Unterstützung zentraleuropäischer Länder benutzt werden, beseitigt werde.

Politisches Frühstück in Paris

Paris, 29. Juni.

Finanzminister Flandin veranstaltete gestern mittag zu Ehren des amerikanischen Schatzsekretärs Mellon ein Frühstück, zu dem auch der Gouverneur der Banque de Paris et des Pays Bas, M 0 r e a u und der Direktor der Societe Generale, w 1 m 0 n, geladen waren. Dabei ist in allgs- meiner Weise über den Moratoriumsvorschlag Hoovers gesprochen worden. Außerdem seien die Wirt- schafts- und die Finanzlage Frankreichs erörtert worden so­wie die Rückwirkungen, die die Durchführung der amerikani­schen Anregungen haben könnten, falls eine Einigung auf Grund der vom Ministerpräsidenten Laval entwickelten These bis zum 1. Juli erzielt werde.

Polnische Zustimmung zum Hoover-Plan

Warschau, 29. Juni.

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen über den Vorschlag des Präsidenten Hoover betreffend Den Aufschub der Reparations- und Staatsschuldenzahlungen wurde vor einigen Tagen der polnische Geschäftsführer in Washington vom Unterstaatssekretär Castle empfangen. Sonnabend fand erneut eine Unterredung statt, bei der der polnische Geschäfts­träger dem Unterstaatssekretär Castle die Mitteilung machte, daß die polnische Regierung dem Vorschlag des Präsidenten Hoover gegenüber sich äußer st wohlwollend verhalte. Die polnische Regierung hoffe, daß dieser Vorschlag gleich­zeitig auch zur allgemeinen politischen Entspan­nn n g führen werde.

Rücktritt des bulgarischen Kabinetts

Sofia, 29. Juni.

Ministerpräsident L iaptscheff ist mit feinem gesam­ten Kabinett zurückgetreten. Der König berief darauf den Führer des Oppositionsblocks und früheren Ministerpräsiden­ten M a l i n 0 f f, um ihn mit der Bildung des neuen Kabi­netts zu betrauen.

Der Prozeß gegen den Deutschtumsbund in Posen

Posen, 29 Juni.

Die Verhandlungen gegen Den Deutschtumsbund brach­ten am Sonnabend die Vernehmung des Schulrats R a - d 0 n s k i vom Posener Schulkuratorium der als Sachverstän­diger geladen war und Pch dazu äußern sollte, ob es unge­setzlich war, daß der Deutschtumsbund die Umschulung 0 0 n d e u t s ch e n Kindern aus einer Ortschaft in die andere vermittelt Der Sachverständige muhte zugeben. daß es eine Verfügung, die dieses verbietet, nicht gibt. Dar Gericht verzichtete darauf auf die weiteren Aussagen bei Sachverständigen. •

Besonders behandelt wurde darauf die Frage der Ver­jährung. Das Gericht ging dann auf die von der Anklage behauptete diplomatische Spionage ein. Auf An­trag des Staatsanwalts wurde die Oeffentlichkeit hierbei aus­geschlossen. Den ganzen Nachmittag bis in die Abendstunden hinein wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt.

49 Todesopfer der Hitze in Amerika.

New Park, 29. Juni.

Die Hitze, die vor allem im Süden und Mittelwellen der Staaten wütet, erreicht fast 40 Grad im Schatten. Seit Donnerstag sind 49 Personen am Hitzschlag verstorben.