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Hersfel-erTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

^""Icher vezugeprels: durch Öle po/t byvaen 1 .50 Reichs-Mark, ausMi^llch vtstrügtlö, für Kersstr- 1.20 K-ichs-Mark bei freier ruMiung, für Abholer 1.00 Reicks-Mark. druck und Verlag von £®tg Zunks Luchöruckerei in Herofel-, Mitglu- -«VVZV.

Nr. 142 «Erstes Blatt)

Sonnabend, den 20. Juni 1931

81. Jahrgang

Entscheidender Schritt Amerikas

Hoover kündigt eine wichtige amerikanische Aktion in der Reparationsfrage an

Landwirtschaftlicher Genokenschaststag

Minister Treviranus über die Osthilfe.

. Swinemünde, 20. Juni.

Die zweite öffentliche Hauptversammlung des Deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaftstages befaßte sich haupt­sächlich mit Fragen der Absatzregelung, über die sich eine lebhafte Aussprache entwickelte. Als Vertreter der Handelsinteressenten legte Dr. Schacht von der Jndustrie- »nd Handelskammer Essen u. a. bar, daß sachliche Gegen­sätze zwisä>en den landwirtschaftlichen Genossenschaften und dem Handel nicht bestünden, daß' aber der Handel ein prin­zipieller Gegner der Suboentionierung der Genossenschaften in jeder Form sei. Der Handel verlange Anerkennung als notwendiges Bindeglied zwischen Erzeuger- und Verbrau- cherschaft: er wirke gewissermaßen als Treuhänder beider Gruppen Ihm falle die wichtige Aufgabe zu, die Wünsche der souveränen Verbraucherschaft an die Produzenten wei- lerzrileiten Im Anschluß an den Vortrag Dr. Schachts wies Geheimrat Hohenegg darauf hin, daß die landwirtschaftlichen Genossenschaften nicht als prinzipielle Gegner des Handels, sondern nur als dessen Konkurrenten anzusehen seien;

der Kamps der Genossenschaften gelte aber den auf jeden Fall zu hohen Spannen zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen, die häufig nicht nur den Erzeuger­preisen gleichkommen, sondern sie z. T. sogar noch über­schreiten.

Reichsminister Treviranus machte grundsätzliche Ausführungen über die F r a g e der O st h i l f e. Er wandte sich im besonderen dem Entschul- dungsverfahren zu. Die hier vorhandenen Schwierigkeiten bestünden in der Hauptsache in dem Mangel an verfüg­baren Mitteln, die im Inlands überhaupt nicht aufzubrin- gen seien, und deren Beschaffung im Auslande bis heute uidu-^LiM^»-£<u- TN^ s^^ru^ hl '-re tmi iyber s?n ser Wiederherstellung der Rentabilität der eingesetzten Kapita­lien oder von einer Kapitalzusammenlegung her zu erfolgen.

Die Rot ist'allenthalben sehr groß. Die Geschlossenheit des deutschen Volkes leidet darunter, daß wir alle lange Zeit hindurch über unsere Verhältnisse gelebt haben. Jetzt müssen wir mindestens eine Generation hindurch alle Müh­sal aus uns nehmen und daran arbeiten, die begangenen Fehler wiedergulzumachen", so führte der Minister im Verlaufe seiner Rede aus. Das Werk der Osthilfe, so fuhr er fort, könne jetzt sicherlich nur teilweise gelöst werden. Es sei nunmehr an der Zeit, das gerade in den Fragen der Osthilfe aufgekommene Mißtrauen restlos aus- zuräumen und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu leisten Der Gedanke der Genossenschaftsverbundenheit müsse alle Kräfte auch in dieser Frage beherrschen, die letzten Endes mit so viel Leidenschaft behandelt werde, weil sie zur Ret­tung der Heimat so lebenswichtig sei. Die Regierung mute allen Volkskreisen schwerste Opfer zu aus dem Bewußtsein heraus, daß es gelingen werde, in zäher Aufbauarbeit Deutschland wieder emporzuführen.

Macdonalds Geseabelnch

Berlin, 20. Juni

Die Ankündigung des Gegenbesuchs Macdonalds und Hendersons bereits Mitte Juli hat in der internationalen Welt allgemein überrascht. Anfänglich war nämlich dieser Besuch erst für den Spätsommer vorgesehen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß einmal die Entwick­lung der Weltwirtschaftskrise und zum anderen die Lon­doner Gespräche Mellons den britischen Premierminister veranlaßt haben, zwischen den Gesprächen von Chequers und den vorgesehenen in Berlin keinen allzu großen Zeit­raum verstreichen zu lassen. In Berliner zuständigen Krei­sen ist man begreiflicherweise über den Entschluß Macdo- nalds außerordentlich befriedigt. Der zurzeit in Berlin stattfindende Gedankenaustausch mit den deutschen Bot­schaftern in den einzelnen Hauptstädten gibt willkommene Gelegenheit, die Aussprache mit den englischen Staats­männern sachgemäß vorzubereiten.

Auf jeden Fall sieht man in dem angekündigten Besuch der englischen minister deren Wunsch, die brennend gewordenen Probleme der Reparation»- und Schulden­zahlungen so bald wie möglich zu einem Ergebn!» zu führen.

Es ist kaum überraschend, daß jetzt auch in Paris der Wunsch auftaucht, es möge auch zwischen Deutschland und Frankreich eine derartige Ministerzusammenkunft stattsin- den, damit nicht ein falscher Eindruck über die deutsch-fran­zösischen Beziehungen aufkomme. Der PariserOeuvre" will sogar wissen, daß Deutschland gleichsam auf eine franzö- fische Einladung warte. Diese Behauptung ist.falsch. Wenn allerdings Frankreich den Wunsch haben sollte, sich mit deutsche» Staatsmännern über die Probleme zu unterhal­ten, die in absehbarer Zeit das offizielle internationale Ge­sprächsthema sein werden, dann würde man selbstverständ­lich deutscherseits nicht ausweichen. Die gange Stimmung innerhalb der französischen politischen Kreise läßt allerdings kaum eine derartige deutsch-französische Aussprache in näch­ster Zeit erwarten.

Hoovers bedeutungsvolle Verhandlungen

Zur Lösung der Wirtschaftskrise.

Washington, 20. Juni.

Präsident Hoover erstürbe am Freitag über die bereits gemeldeten Besprechungen im Weißen Haus, er habe m't mehreren Führern beider politischer Parteien über Maß- nahmen gesprochen, die geeignet seien, zur wirtschaftlichen Wiedergesundung sowohl in den Vereinigten $ taten und im Ausland beizutragen und insbesondere eine Stärkung der Lage in Deutschland herbeizuführen. Man sei sich noch nicht über bestimmte Pläne schlüssig geworden, aber die Art, in der die Vertreter beider Parteien auf die Angelegenheit eingegangen feien, sei durchaus befriedigend gewesen.

Die Wichtigkeit dieser Besprechungen kann an den Per- sönlichkeiten ermessen werden, die herangezogen wurden. Der Präsident halte zuerst eine längere Unterredung mit dem Staatssekretär S t i m s o n, hierauf eine mit den Führern der beiden Senatsfraktionen und anschließend daran eine mit dem Unkerschahsekretär Mills. Der Präsident der Senats- kommission für Finanzen, S m o o t, ist telegrafisch nach Wa­shington berufen worden. Die Konferenzen selbst wurden dann am Rachmiltag fortgesetzt; Hoover empfing den Unter- staatssekretär klein, der Sachverständiger für Fragen des Außenhandels ist und eines der ältesten Mitglieder der Ii- nanzkommiffion des Repräsentantenhauses, B a ch a r a ch.

Das Eingreifen des Präsidenten wird in Zusammenhang gebracht mit den Donnerstag-Unterredungen zwischen M e l - f ^«- «n^ m ucD--» a^tss tn Ls Aon und zeigt, wie man glaubt, daß eine wichtige Entscheidung über die amerikanischen und europäischen Finanzen im Gange sei.

Dr. Seipels Bemühungen

Wien, 20. Juni.

Nachdem der Bundespräsident den früheren Bundes­kanzler Dr. S e i p e l mit der Mission betraut hatte, Verhand­lungen mit den Parteien über die Kabinettsbildung zu füh­ren, hat Dr. Seipel die Besprechungen sofort ausgenommen. Dr. Seipel hatte sich zunächst bemüht, die Ansicht der Bar- teien über die

Bildung eines Konzentrationskabinelis zu erkunden. Landbund und Wirtschaftspartei sind nicht ab­geneigt, an einem solchen Kabinett Mter gewissen Bedingun­gen teilzunehmen. Auch die SozMdemokraten sind grund­sätzlich nicht abgeneigt, eine Konzehtrationsregierung zu bil­den, bzw. an deren Bildung teilzunehmen. Der Schwer- ?unkt der Situation lag darin, $ß nicht nur sachliche, son- ern auch einzelne perfonalfragiht in' die Diskussion einge- zögen wurden.

Die Sozialdemokraten gaben zu verstehen, daß sie das Finanzministerium für sich selbst in Anspruch nehmen wür­den. Sie stellten aber auch Fragen, aus denen zu erkennen war, daß sie eine geänderte Taktik in bezug auf das Mieten- gesetz. die Arbeitslosenversicherung unb_anbere sachliche An- Gelegenheiten als Voraussetzung für ihr Mitwirkung ansehen.

'Am späten Abend wurde bekannt, daß die Sozialdemo­kraten ein Konzentrationsministerium unter Führung Dr. Seipels nicht beschicken würden. Dr. Seipel bemerkte, daß er von vornherein nicht das größte Gewicht darauf gelegt habe, felbst die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, daß er lediglich im Auftrage des Bundespräudenten bemüht sei, die Kabinettsbildung unter allen Umständen durchzuführen, und er hoffe, daß dies gelingen werde. Wenn ein Konzentrations­kabinett möglich sei, so solle seine Person dabei kein Hinder­nis sein. Zur Stunde werden neuerliche Versuche gemacht, um die Sozialdemokraten doch zu einer Zustimmung zu einem solchen Kabinett zu veranlassen.

DieSozialdemokraten lehnen vorläufig ab

Wien, 20. Juni.

Angesichts des Ernstes der Lage hat der Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte beschlos­sen, die vorgeschlagene Teilnahme an einem Konzentration--- kabinett aller demokratischer Parteien grundsätzlich nicht ab= zulehnen. Er macht jedoch seinen Eintritt davon abhängig, daß der bisherige Regierungskurs der bürgerlichen Parteien und der Geist der Gesetzgebung und Verwaltung grundsätz­lich und wesentlich geändert werde. In den Besprechungen mit Dr. Seipel sei nicht der Eindruck gewonnen worden, daß dieser Notwendigkeit Rechnung getragen werde. Daher ist der Verband der Meinung, daß die Voraussetzungen für eine Konzentration derzeit noch nicht gegeben seien. Er macht sein Verhalten zu jeder Regierung vor allem von ihrer Stellung zur Arbeitslosenversicherung und Notstandsunterstützung ab­hängig.

Der frühes der Wirtschaftspartei angehörende Abgeord­nete Colosfer, der mit dem Führer der Wirtschaftspartei, dem Abgeordneten Drewitz, sehr ernste Auseinandersetzungen hatte, ist der Staatspartej beigetreten,

Noch feine Kabinettsumbildung

Berlin, 20. Juni

Das Reichskabinett tritt am heutigen Sonnabend zu einer Sitzung zusammen, um sich u. a. mit laufenden Per­sonalien zu beschäftigen. Es handelt sich dabei, wie von zu­ständiger Seite versichert wird, ausschließlich um die Be­setzung freiwerdender Ministerialratsstellen und anberei hoher Beamtenstellen.

Der Ansicht, daß sich das Kabinett in dieser Sitzuntz mil der Frage der Umbildung der Regierung besassen werde, wird ausdrücklich widersprochen. Dagegen wird nichts ge­sagt, daß eine Umbildung des Kabinetts überhaupt nicht ge­plant sei. In politischen Kreisen wird jedenfalls auf da« bestimmteste versichert, daß diese Umbildung in spätestens 14 Tagen erfolgen solle.

Material für das Ausland

Berlin, 20. Juni

Von der Reichswehr werden bei Leipzig militärische Uebungen durchgeführt, wie sie überall üblich und zur Aus­bildung der Truppe notwendig sind. Ein Berliner Blatt glaubte daran die Behauptung knüpfen zu sollen, daß zu diesen Manövern die Schüler höherer Schulen eingeladen worden seien. Diese Behauptung wird von Reichswehrseite auf das entschiedenste bestritten.

Eine Neichrärzteorduung

Köln, 20. Juni.

Der von Geheimrat Staubet ausgearbeitete Entwurf einer Reichsäczteordnung wurde aus dem 50. deutschen Äcrztrtag mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Im Mittelpunkt der Referate stand die Frage der ärzt­lichen Fortbildung. Geheimrat Dr. von Müller kam in seinen von reichen Erfahrungen getragenen und von hoher Warte ausgehenden Ausführungen zu dem Ergebnis, daß der ärztliche Praktiker es als eine sittliche Pflicht emp­finden solle, sich während seines ganzen Lebens immer wie­der mit den Fortschritten der Heilkunde vertraut zu machen. Die ärztliche Fortbildung dürfe sich nicht auf theoretische Vor­lesungen beschränken, es müsse vielmehr eine ausgiebige Möglichkeit zu praktischer Betätigung am Krankenbett und im Laboratorium gewährt werden. Prof. Adam, Direktor des Kaiserin-Friedrich-Hauses in Berlin bezeichnet das ärzt­liche Fortbildungswesen in Deutschland als vorbildlich für die ganze Welt. Um möglichst vielen Aerzten die Möglich­keit einer Teilnahme an Fortbildungskursen zu schaffen, seien die Gesichtspunkte maßgebend: die Kurse müßten unentgelt­lich sein, sie müßten in möglichster Nähe des Wirkungsfeldes des Arztes gelegen sein, und sie müßten zeitlich so organi­siert sein, daß der Arzt ohne Beschränkung seiner Praxis an ihnen teilnehmen könne.

Faustrecht" im thüringische« Landtag kommunistischer Auflösungsantrag abgelehnt.

Weimar, 20. Juni.

Der Landtag von Thüringen lehnte gegen die Stim­men der Kommunisten, Rationalsozialisten und Deutsch­nationalen den kommunistischen Antrag auf Landtagsauf­lösung ab. Die Sozialdemokrken enthielten sich der Stimme. Die anderen Parteien stimmten gegen den Antrag.

Als der nationalsozialistische Abgeordnete Sauckel zum kommunistischen Auflösungsantrag sprach, rief ihm -er so­zialdemokratische Abgeordnete Gründler mehrere Bemerkun­gen zu, die Sauckel als Beleidigungen auffaßte. Er verließ das Rednerpult und forderte Gründler auf, mit ihm den Saal zu verlassen.

während dieser Auseinandersetzung gruppierten sich Abgeordnete der verschiedensten Parteien um die Streiten- den. Der nationalsozialistische Abgeordnete Papenbroock ver­setzte Gründler von hinten einen Faustschlag ins Genick, woraus mehrere Abgeordnete Stühle und Puttdeckel ergrif­fen. Es flogen mehrere Stühle durch den Saal. Der Prä­sident begab sich unter die Streikenden und forderte sie auf, den Saal zu verlassen.

Nach einer Viertelstunde war der Saal geräumt und der Aeltestenrat trat zu einer Sitzung zusammen, der gegen den nationalsozialistischen * Abgeordneten Papenbroock die schwerste zulässige Strafe, nämlich 20 Tage Ausschluß, und gegen den Abgeordneten Sauckel, ebenfalls Nationalsozialist, drei Tage Ausschluß verhängte.

Sturm auch im Bayernparlament

München, 20. Juni.

Bei der Beratung des Sozialetats im Bayerischen Land­tag kam es bei den Darlegungen der sozialdemokratischen Abgeordneten Peschel und Leonhardt, die über die Sozial­versicherung sprachen zu Auseinandersetzungen mit den Na­tionalsozialisten. Die nationalsozialistischen Abgeordneten Grimm und Wahl e: ^n je drei Ordnungsrufe und muß­ten den Sitzungssaal verlassen.