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Hersfel-erTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö

Monatlich er V «zagsprel«: durch dir Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschlleMch VesteSgelL, für SersseiS 1.20 Reiche-Mark bei freier Zustellung, für pbhola 1.00 Reichs-Mark. druck and Verlag von Ludwig Zanks Suchdruckerei In Yerefeld, Mitglied deevdZV.

Nr. 141

Freitag, den 19. Juni 193)

81. Jahrgang

Der englische Gegenbesuch in Berlin

Am 17. Juli - Tribut- und Schuldenfrage Auch Mellon in Berlin?

Ergebnis der Woche

Kr. Kr. Es waren ausgeregte Tage, die Tage des Kampfes um die Notverordnung. vielmehr um den Bestand des Kabinetts Brüning. Lassen wir uNs nicht durch die Äußerlichkeiten täuschen: die Notverordnung gab nur den Anlaß zum Kamps. Nach und nach fiel von den Rufern einer nach dem anderen um. D i e Notverordnung bleibt Es bleibt das Kabinett Brüning. In nichts gab der Reichskanzler nach, so bedrohlich auch die Kämpfer gegen ihn anrllckten. Letztes Endes wurden die Ledroher selbst die Bedrohten. Die welche aufstanden, um Interessen ihrer Wühler vor dem Zugriff der Notverordnung zu schützen waren zuletzl selbst bedroht von der Gewalt furchtbarer Wahrheiten, die ihnen der Kanzler und seine Mannen ent- gegenstellten. Furchtbare Wahrheiten über den wahren Stand des Reiches, des deutschen Volkes von dem die wenigsten bisher begriffen haben vor welchem Abgrund wir stehen Die wenigen, die es aus dem Munde des Kanz­lers erfuhren, legten erschüttert die großen Worte um ihre eigenen und ihrer Wähler Interessen ab. denn der Blick in den Abgrund der sich vor ihnen öffnete, verschlug ihnen die Sprache Nichts mehr vom Kamps gegen das Kabinett Brüning. nichts mehr vom Kampf gegen die Notverordnung selbst die heftigste Opposition weiß, es geht nicht mehr um dies und das nicht mehr um diesen und jenen, sondern um uns alle geht es, um das Reich, um unseren Staat mit dem jeder einzelne aus Gedeih und Verderb verbunden ist. Nie­mand mache uns glauben, daß diejenigen Parteien, die sich von Brüning wenden wollten, sich zu ihm zurückgefunden haben, weil er ihnen später Milderung der Notverordnung und Neubildung des Kabinetts nicht einmal versprochen

sondern nur in Aussicht gestellt hat. Das ist der traurig flatternde Wimpel, unter dem sich die Kämpfer zurückzogen. Die Wahrheit, ist, daß ihnen der St«-- gestochen wurde, daß sie sehend wurden und erschraken. Daß sie erkannten, wie gleichgültig es ist, wer in dieser Zeit aus dem deutschen Kanzlerstuhl sitzt. Daß es gleichgültig ist, wie er heißt, wel­cher Partei er angehört . . . Daß es aber nicht gleichgültig ist, ob er Mut hat oder nicht, dem kommenden Schrecken ins Auge zu sehen, ihm entgegenzu- treten, ihn zu überwältigen. Es scheint doch selbst nach den Aeußerungen der Opposition, daß zunächst einmal Brü­ning dieser Mann ist. Nun sammle er seine ganze Kraft es geht nicht um Großes, es geht um Allerelementarstes. u m unsere Existenz als Deutsche. Wehe dem. der leichtfertig um sie spielt.

Jetzt geht, es wirklich um den letzten Versuch, Deutsch­land zu erhalten, in seiner bloßen Existenz zu erhalten. In welcher Form, in gut- oder schlechtsitzendem Anzug das ist ganz, gleichgültig geworden. Nur leben wollen und müssen wir. Als Deutsche sind wir so verflochten in das Gespinst der Völkerschichten, wie der einzelne von uns in seinen Kreis, daß wir von allein uns nicht mehr helfen können Es ist auch nicht so, daß die anderen einfach zuschauen könn­ten, wenn die Katastrophe über uns hereinbricht Das Ungewitter grollt allen Völkern ins Gebein. Auch für sie heißt es: jetzt gilt nicht mehr Diplomatisieren, hier gilt allein Handeln. Schon sendet Amerika seine Missionare um zu schauen, zu prüfen, Vorschläge zu machen. Tüchtige, unerschrockene Männer, die sich im Leben den Wind um die Ohren blasen ließen und die verstehen, aus Wind und Wet­terzeichen herauszulesen, was die nächsten Stunden bringen werden. Sie schicken keine Diplomaten mit Aktenmappen S t i m s o n , ein Mann, der die Welt von allen Ecken und Enden kennt, offene Augen und Ohren hat. Mellon, ein Mann, der seit zehn Jahren ununterbrochen die Finanzen Amerikas verwaltete, der beste Beweis dafür, welches Ver­trauen ihm entgegengebracht werden darf. Diese beiden Männer werden sich kein L für ein U mehr vormachen lassen um irgendwelcher Paragraphen und Aktennotizen oder gar um eitler Prestigesucht willen. Wenn die Notverordnung ein Gutes hat, dann dies, daß sie die Amerikaner, für die Deutschland und Europa so weit liegt, mobil gemacht hat. Denn es geht in Deutschland so oder so auch um das gute Geld der Amerikaner. Und da gibt es keine Fackelei.

Ganz anders unsere merkwürdigen Nachbarn, d t e Franzosen. Ob sie Monarchisten oder Republikaner sind, immer, seit Jahrhunderten, geht ihr einziger Gedanke dahin den Deutschen ob der nun monarchistisch oder republikanisch regiert wird an der Sklavenkette zu füh- ren. Es ist, als ob Frankreich politisch kein besseres Ziel kennt, als sich blähend vor Gloire der Welt zur Schau zu stellen mit dem Fuß auf dem Nacken Deutschlands Als ob es keine anderen Sorgen in der Welt gebe. Wo alle Weit weiß, der Z u j a m in e n b r u ch der C r e d i t - A n st a l t in Wien war nicht nur eine Affäre Oesterreichs sondern ein Menetekel für die ganze Welt so daß auch tatsächlich die Finanzmänner der ganzen Welt nisammenliefen um zu stützen, damit dieser Zusammenbruch nicht das ganze Geld­gebäude der Welt in Trümmer reißt- ausgerechnet da stellt Frankreich sich hin und möchte noch etwas für seine Gloire der Macht herausschlagen. Die Empörung der Welt brächte es zur Raison, so daß das Unglück mit Hilfe Englands noch einmal lokalisiert wurde. Aber was Frankreich für Europa,

zu dem doch auch Deutschland gehört, wünscht, das plaudern seine Schmarotzer aus, die seines Lächelns wegen sich in den Staub des wirtschaftlichen Elends werfen. Ausgerechnet jetzt fangen die Polen wieder an, die Deutschen zu ärgern, zu einer Zeit, wo doch auch ihnen das Wasser am Halse steht Die Tschechen wogen noch in der Wonne, mitgeholfen zu haben, die deutsch-österreichische Zollunion zu verhindern. Dabei leckt die Flamme des wirtschaftlichen Ruins an ihrem Staatsgebäude empor, weil jene große Zollunion nicht mehr besteht, in der sie einst gelebt hatten.

Ja, aber Frankreich? Wenn es ein anderes Frankreich gibt, das ehrlich den Ausgleich mit Deutschland sucht, dann hat uns die Rede Briands gegen den Krieg, die er in Gourdon, in der Provence, gehalten hat, mit er­schreckender Deutlichkeit sein Gegenspiel gezeigt: das Frankreich des Haffes gegen Deutschland. Wir Deutsche, durch so viele Illusionen genarrt, sollen die Danaer fürchten, auch wenn sie Geschenke bringen. Wir sollen auch Briand fürchten. Ganz ehrlich fürchten. Denn wenn er sich gegen den Krieg verschwört, das heißt bei ihm etwas anderes als Freundschaft zu Deutschland. Gegen den Krieg verschwört er sich in heller Furcht um Frankreichs Schicksal, wenn es je wieder in einen Krieg großen Aus­maßes verwickelt werden sollte. Er will Frankreichs Gloire auf friedlichem Wege. Er will Deutschland ans Gängelband ; legen durch gutes Zureden. Seien wir vorsichtig. Aber hor- i chen wir auf das Echo der Angst, das feine Worte hören , lassen: und darin erkennen wir das Frankreich, das in der Pariser Kammer den in Gourdon umjubelten Briand aufs ' heftigste bekämpft, weil er Deutschland nicht den Absatz aufs Genick setzt Daß das Kabinett Lava! sich nur so gerade noch halten kann gegenüber dem Ansturm der Gegner Briands, muß uns mit Sorge erfüllen.

Drutschlaud und Zollfrieden

Berlin. 19. Juni.

Im englischen Unterhaus sind während der letzten Woche mehrfach Anfragen gestellt worden über den Stand der Ratifikationen des sogenannten Genfer Zollfriedensab­kommens vom 24. März 1930. Dabei wurde auch die Entscheidung der deutschen Regierung erwähnt, im Hinblick aus das Scheitern der Konferenz über Inkraftsetzung des Abkommens von der Niederlegung der deutschen Ratifika­tionsurkunde abzusehen.

Von zuständiger deutscher Seite wird hierzu u. a. er­klärt, daß sich die Genfer Konferenz seinerzeit auf eine Inkraftsetzung des Abkommens nicht einigen konnte, und zwar hauptsächlich deshalb nicht, weil der englische Vertre­ter erklärte, einer Inkraftsetzung vorläufig nicht zustimmen zu können, weil Frankreich bis dahin nicht ratifiziert hatte und auch die Ratifikation nicht unbedingt in Aussicht stel­len konnte.

Im übrigen ist das Abkommen, da es nach seinen Be­stimmungen zunächst nur bis zum 30. April 1931 gelten sollte, jedoch vor diesem Termin nicht in Kraft gesetzt ist. nunmehr endgültig gescheitert und kann auch durch eine nachträgliche Vereinbarung der beteiligten Re­gierungen nicht mehr in Kraft gesetzt werden. Die ^rage der Hinterlegung der deutschen Ratifikationsurkunde ist des­halb praktisch bedeutungslos.

Frankreichs Niederlage in Wien

Berlin. 19. Juni.

Wie man in gutunterrichteten diplomatischen Kreisen erklärt, bedeutet die Bevorschussung der österreichischen Ga­rantieanleihe durch England zur Sanierung der österreichi­schen Creditanstalt eine Maßnahme von größter politischer Bedeutung Hier ist die englische Initiative einem franzö­sischen Vorstoß in der Frage der Zollunion zuvorgekommen, was für die Weitergestaltung der schwebenden internatio­nalen Probleme kaum ohne Einfluß bleiben dürfte. Die französische Politik hatte in Wien ganz unzweideutig er­klären lassen, daß ohne einen formellen Verzicht Oester­reichs auf die Zollunion am Pariser Markt kein Geld für Oesterreich zu haben sei. Darüber hinaus wollte Frank­reich Oesterreich noch dadurch in völliger Abhängigkeit von Frankreich halten, daß eine Finanzkontrolle eingerichtet werden sollte. Um allen diesen Machinationen den Boden zu entziehen, haben die Engländer über die internationale Bank Oesterreich den Kredit ohne Kautelen zur Verfügung gestellt und damit den französischen Stoß aufgefangen.

Dieser englisch-französische Zwischenfall auf dem Gebiet der europäischen Sanierungspolitik dürfte symptomatisch sein für die Entwicklung der Dinge, die fehl in Fluß gekom­men sind. Es wird versichert, daß zwischen London und Washington bereits vor Lhequers in vielen dieser Entschei­dungsfragen grundsätzliche Uebereinstimmung erzielt wer­den konnte, um die internationale Politik langsam aus der Katastrophenpolitik Frankreichs zu befreien. Diese sich bil­dende Front hat mit dem Vorschuß an Oesterreich den ersten Schlag geführt. Weitere dürften folgen.

Der englische Besuch

Berlin, 19. Juni.

Die Londoner Meldung über den Berliner Besuch Mac- Donalds und hendersons wird bestätigt, und zwar sind für den Aufenthalt drei Tage, der 17., der 18., und der 19. Juli, vorgesehen.

Die englischen Gäste dürften also vorAussichtlich ^Frei­tag früh in Berlin eintreffen und am darauffolgenden Sonn­tagabend oder Montag früh zurückreisen. In Berliner poli­tischen Kreisen wird es herzlichst begrüßt, daß der Besuch, den man in der Oeffentlichkeit vielfach erst im Herbst für möglich hielt, nun doch schon in vier Wochen erfolgen soll, und daß daran nicht nur der englische Außenminister, son­dern auch MacDonald selbst beteiligt sein wird.

Ebenso wie vor dem Besuch der deutschen Minister in England, muß auch heute davor gewarnt werden, von der neuen Zusammenkunft außergewöhnliche Ergebnisse zu erwarten.

Das Berlmer Beisammensein ist das natürliche Gegen­stück zu Chequers. Es bietet Gelegenheit, die dort begon­nene freundschaftliche und freimütige Aussprache schon nach sechs Wochen fortzusetzen. Sie wird so zwanglos sein wie damals und alle Fragen umfassen, die die beiden Länder und ihr Verhältnis zu dem übrigen Europa berühren. Es ist selbstverständlich, daß man sich dabei auch darüber aus­sprechen wird, wie sich die Situation seit Chequers ent­wickelt hat.

Staatssekretär Stimson am 21. Juli in Berlin

Der amerikanische Staatssekretär Stimson wird am 21. Juli in Berlin eintreffen. Er wird vorher Rom und Paris besuchen und dann von Berlin nach London fahren.

Das Datum seines Berliner Besuches ist besonders .jHUi-;;..!» im ^ni'immpnhnrin mit hem der neuen Zuiam- menkunft der deutschen und oer englischen Staatsmänner.

Stimson wird also schon zwei Tage nach dem Besuch MacDonalds und Hendersons in Berlin weilen, und es wird bereits möglich sein, in den Besprechungen mit ihm die Ergebnisse der deutsch-englischen Aussprache zu verwerten. Es erscheint besonders bemerkenswert, daß die Fühlung­nahme mit den Vertretern der beiden Staaten bernts zu einem so frühen Zeitpunkt stattfindet, um so mehr, als man in Berliner politischen Kreisen für Mitte August die Einlei­tung der Aktion der Reichsregierung in der Reparatons- frage erwartet.

Abschlutz des 2Sll-Millioue«-Kredits

Berlin, 19. Juni.

Die Verhandlung über die Gewährung eines Kredits von 250 Millionen Reichsmark an das Reich find abgeschlos­sen. Es handelt sich um einen reinen Kassenkredit, dessen Abdeckung durch die normalen Einnahmen sowie durch die auf Grund der Rotverordnung zu erwartenden Ersparnisse und Eingänge sichergestellt ist.

Die Auszahlung des Kredits erfolgt teils im Juni, teils im Juli. Ueber den empfangenen Betrag werden Schatzanweisungen mit dreimonatiger Laufzeit ausgestellt, die bei Fälligkeit bis zum Ablauf des Rechnungsjahres 1931 verlängert werden können. Für die Zinsberechnung bildet der jeweilige Reichbankdiskont im Zeitpunkt der Auszahlung die Grundlage.

Seine Snflntionsgetor

Berlin, 19. Juni.

Das Institut für Konjunkturforschung stellt in einer Be> trachtung über die Abnahme des Bestandes,an Deckungsmit- teln der Reichsbank sowie über die Diskonterhöhung ab­schließend fest, daß in jedem Falle der Reichsbank aus­reichende Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die Herrschaft über den Devisenmarkt wiederzuerlangen. Nötigenfalls würde sich mit den Diskontmaßnahmen eine Restriktion der Reichsbankkredite zu verbinden haben.

Die vielfach gefürchtete Gefahr einer Markenlwertung besteht bei den geltenden Bestimmungen jedenfalls nicht. Krediteinengung führt zu einem Druck aus die preise, also zu einer Erhöhung des Geldwertes. Sie bewirkt damit gerade das Gegenteil einer Inflation.

Die Aufgaben des Agrarkreditinstituts

London. 19. Juni.

Die Aufgabe der vom Europa-Ausschuß gegründeten Inter­nationalen landwirtschaftlichen Hypothekar-Kredit-Geselstchaft soll nach Mitteilungen Hendersons darin bestehen, den Land­wirten in Zentral- und Osteuropa einschließlich Oesterreichs durch Vermittlung der Zentralbanken Anleihen und Hypo­theken zu gewähren, um ihnen insbesondere bei dem Ueber« gang vom Weizenbau zu anderen Formen der landwirt­schaftlichen Produktion beizustehen. Man hofft, in den ver­schiedenen Finanzzentren 10 Millionen Pfund aufzubringen, wovon zunächst eine Million ausgegeben werden sollen.