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heTsfelöerTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt MsWMW

Amtlicher Anzeiger für den Kreis kersfelS ^^üruckeret in Rttefel6,Mltg^eödttvdA^ I ' ' ...............................................................

Nr. 132

Dienstag, den 9. Juni 1931

81. Jahrgang

Revisionsfrage angeschnitten

Pari; ist beunruhigt, London und Berlin befriedigt Die Hauptarbeit kommt aber erst noch

ZMei EMcheUttmsdate«

Die Notvervrm-ng vom 5. Juni ist dem deutschen Volk und der großen Oeisentlichkeit etwa zur gleichen Stunde be­kanntgeworden, als Reichskanzler Dr Brüning und Außen- minister Dr. Curtius als Gäste der englischen Regierung auf dem Landsitz MacDonalds in Chequers mit dem eng­lischen Premier-, dem englischen Außenminister und einigen maßgeblichen Herren der britischen Finanz und Wirtschaft zusammensaßen, um ernste Gespräche zu führen Soweit man heute die Dinge bereits übersehen kann, hat man den Eindruck, daß der 5. und 6. Juni des Jahres 1931 der Aus­gangspunkt neuer schicksalwendender Ent­wicklungen der deutschen Innen- und Außenpolitik sein werden. Es ist ein reiner Zufall, der aber symbolisch ist. daß diese beiden Ereignisse aufeinanderfallen und inhaltlich das gleiche Problem behandeln: Deutschland ist an der Grenze seiner Leistunasfähigk-it und Geduld angekommen!

Die Notverordnung stellt auch nach der Auf-, fassung der Reichsregierung das äußerste und auch das letzte dar. was dem deutschen Volke zugemutet merkst kann und muß, um aus der furchtbaren Finanz- und Wirt­schaftskrise herauszukommen. Niemand kann sagen, ob der Versuch auch glückt. Allzu lange lastet auf Deutschland dieser äußere und der innere Druck finanzieller Lasten und poli­tischer Bevormundungen. Was jetzt von jedem einzelnen gefordert wird, kann zur Notgemeinschaft des deut­schen Volkes führen, wenn es der Meinung ist, daß nur auf diesem Wege der Aufstieg gewonnen werden kann Uni wenn dieser Glaube und diese Zuversicht nicht vorhanden sind? Schon machen sich in allen Lagern der politischen Parteien die kritischen, die ablehnenden- die protestierenden Stimmen bemerkbar Noch sind es Stimmen, die der erste Eindruck der Ueberprüfung der neuen Notmaßnahmen aus­gelöst hat. In den FrckktionLn Md inWi politischen Zirkeln wird man in der- nächsten Sielt fehf-^ was geschehen soll. 2lü(b'Dteroin|3n^t4j3nw^^ licher Art werden festzustellen haben, ob die Notverordnung wirklich das bringt, was sie verspricht, nämlich neuen wirt­schaftlichen Auftrieb und Entlastung des Arbeitsmarktes

Und wenn diese Prüfungen zu einem Nein kommen? Von kommunistischer und nationalsozialistischer Seite liegen bereits Anträge auf Einberufung des Reichstages vor. Andere Parteien haben mindestens durch halboffiziöse Par­teiauslassungen erklären lassen, daß sie die Einberufung der Reichstages für notwendig halten. Die Entscheidung, ob gegen den Willen der Reichsregierung schon jetzt der Reichs­tag mit der neuen Notverordnung befaßt werden wird, wird davon abhängen, ob die bisher allen sozialpolitischen Re­formen abholden Parteien zu der Ueberzeugung kommen, daß in der jetzigen deutschen Notzeit auch die deutschen Sozialversicherungen Opfer bringen müssen wie jeder einzelne Deutsche. Täuschen wir uns nicht: wir stehen vor schicksalswendenden Entscheidungen.

Reichsarbeitsminister Stegerwald, dem man nachsagt, daß er sich in den rückliegenden Wochen mit aller Kraft gegen zu weitgehende Sozialreformen gewehrt habe, hat soeben bei einer Kundgebung der Christlichen Gewerkschaften des Niederrheins von der Notwendigkeit einer größeren gegenseitigen Vertrauensbasis im Innern ge­sprochen und Ausführungen gemacht, die erkennen lassen, daß sich innerhalb der Reichsregierung in Fragen des Ar- beitsrechts und der Sozialpolitik eine langsame Wendung vollzieht Es handelt sich heute nicht mehr darum, gewisse Errungenschaften auf diesen Gebieten unverrückbar zu lassen, sondern darum, diese so zu gestalten, daß Lebensmöglichkeiten für alle Schichten der Bevölkerung und für alle Zweige der deutschen Wirtschaft geschaffen werden.

Der 6. Juni mit der Veröffentlichung der deutschen Not­verordnung unb dem deutschen Notaufruf fand stärkste Be­achtung in ganz Europa, und vor allem auch in Amerika Wenn auch über die Unterredung in Chequers keinerlei Einzelheiten mitgeteilt worden sind, so hat man doch draußen in der Welt das bestimmte Gefühl, daß die Reparationsfrage im Vordergrund stand, und daß diese, ob mit oder ohne offiziellen Instanzenzug, zum Drehpunkt der Weltpolitik geworden ist. Stimson und Mellon, zwei ausschlaggebende Faktoren der amerikanischen Politik, eilen nach Europa, um sich selbst davon zu überzeugen was hier vor sich geht. Senator Borah hat, offenbar in enger Fühlung mit fioover, in der Reparationsfrage eine Stel­lung eingenommen, die klar und deutlich erkennen läßt wie die Abrüstungssabotage die Ursache der ganzen welt­wirtschaftlichen Depression ist. Fast sieht es so aus, als ob gar nicht die einzelnen Regierungen mehr in der Laqe sind, die Entwicklungen in Politik und Wirtschaft zu dirigieren, sondern als ob diese wie die Fluten einer Ueberschwemmung sich selbst die Bahnen suchen, niederreißend, was sich ihnen in den Weg stellt.

Notaufruf, Notverordnung und Londoner Notgespräche sind die Erscheinungen dieser Tage. Wir werden sehen, ob die beteiligten Regierungen die Macht und den Willen haben, die Zeichen der Zeit zu verstehen. Wehe, wenn sie von einer Entwicklung überrascht werden, die einer Ueberschwemmung gleicht, R. P.

Der Englandbesuch ist beendet

Der Reichskanzler erhofft günstige Entwicklung der deutsch­englischen Beziehungen.

London, 9. Juni.

Das Frühstück der Anglo-German-Association zu Ehren des deutschen Reichskanzlers und des Reichsaußenministers war ein Ereignis von besonderer Bedeutung. Es nahmen u. a. teil der vormalige Vizekönig von Indien, Lord Rea - d i N g, Schatzkanzler S n o w d e n, Mitglieder der beiden Häuser des Parlaments, der deutsche Botschafter und andere deutsche Herren. Lord Reading brächte in seinem Trink- spruch die hohe Ehre zum Ausdruck, die die.beiden deutschen Staatsmäner dem Verbände durch ihren Besuch bezeugt haben. Lord Reading bemerkte nach einer Würdigung der schweren Verantwortung, die auf Dr. Brüning laste und der hohen Dienste, die Dr. Curtius seinem Lande erwiesen habe, weiter: Unsere beiden Länder stehen vor zahlreichen Schwie­rigkeiten. Die ernsten Fragen, die uns berühren, die Wirt­schaftskrise, die industrielle Depression und die Arbeitslosig­keit in beiden Ländern berühren nicht uns allein, nicht nur Europa, sondern sie betreffen auch Amerika, und nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch Südamerika und die ganze Welt. Diese ernste Krise ist die Krise aller Rationen. Wir müssen fortfahren, soweit wir irgend können, das Heil­mittel zu suchen.

Reichskanzler Brüning erklärte u. a.: Wie Sie alle wissen, war der Zweck unserer Reise nach England, in eine freundschaftliche Besprechung mit Ihren führenden Staats­männern einzutreten. Es ist nicht meine Absicht, in den wenigen Worten, die ich an Sie zu richten die Ehre habe, das Gebiet der Politik zu betreten. Aber so viel kann gesagt wer­den, daß es meine tiefe Ueberzeugung ist, daß enge und freundschaftliche Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland ein unbedingt wesentlicher Faktor in europä- ischen Angelegenheiten sind. Mit der größten Genugtuung . u«d aufrichtiger Hoffnung 'ür Die Zukunft kann ich sagen, "M^"UUwrr ÜÜllOll-wiiMniii ir :r - unb ich bin sicher, daß ich herzliche Zustimmungsmven MkE ' wenn ich die Hoffnung ausdrücke, daß diese Bewegung fort- dauert und diese Freundschaft stabilisiert. Wir kennen alle den ernsten Stand der Dinge, die Weltdepression der Wirt­schaft, gefolgt von ernster Arbeitslosigkeit und sozialer Un­ruhe, nicht nur in unseren Ländern, sondern in ganz Europa und der übrigen Welt. Die 'Regierungen der verschiedenen Länder stehen Problemen gegenüber, die dringend eine Lö­sung fordern, aber in ihrer Größe nur durch allgemeines Zu­sammenwirken und einem Geist des guten Willens behandelt werden können. Je mehr diese Notwendigkeit zusammen­gefaßter Aktion gewürdigt wird, um so schneller wird die Erholung sein. Von diesem Standpunkt aus hoffe ich, daß unser Besuch in England Frucht tragen wird, nicht als ein isolierter Akt zwischen unseren beiden Ländern, sondern als neuer Meilenstein in der Entwicklung des internationalen Friedens und Einvernehmens. Die Tage, die wir in England alss Gäste der britischen Regierung verbracht haben, die freundliche Aufnahme, die wir bei unseren englischen Gast­gebern gefunden haben, werden von Dr. Curtius und mir selbst als äußerst angenehme Erinnerung angesehen werden.

Seinen gesellschaftlichen Höhepunkt und Abschluß er­reichte der Besuch des deutschen Reichskanzlers und Reichs- außenministers Montag abend mit dem Diner, das der deutsche Botschafter und Freifrau von Neurath in der deut­schen Botschaft im Carlton Honte Terrace gaben, an das sich ein großer Empfang anschloß, der in den Räumen der deut­schen Botschaft das' gesamte Diplomatische Korps Londons, die Spitzen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaft­lichen Lebens, prominente Mitglieder der deutschen Kolonie in London sowie zahlreiche Vertreter der englischen und deutschen Presse versammelte.

Der Empfang nahm einen glänzenden Verlauf unb gab den deutschen Ministern Gelegenheit, mit repräsentativen Mitgliedern der verschiedensten Schichten der öffentlichen Meinung Englands Fühlung zu nehmen. Heute früh erfolgt die Abreise nach Southampton, wo sich die deutschen Minister an Bord derEuropa" zur Heimfahrt nach Deutschland be- geben werden.

England befriedigt

Der Gesamteindruck der Londoner Presse über das Besuchscommumque in Chequers ist im allgemeinen günstig. Auch in englischen politischen Kreisen äußert man sich be­friedigt und mißt der Anwesenheit des Gouverneurs der Bank von England und des Finanzsachverständigen des Zchatzministeriums in Chequers besondere Bedeutung bei.

vielfach glaubt man, daß die Hinzuziehung Monlague Hormons zu den Unterredungen in Chequers mit seinem plan über die Schaffung eines neuen internationalen Kre­ditinstituts im Zusammenhang stehe und daß dieser plan in Chequers eine Rolle gespielt habe. Es wird zum Aus­druck gebracht, daß es den deutschen Ministern gelungen sei, nicht nur die britischen Minister, sondern auch die bri­tische Oeffentlichkeit auf die äußerst bedenklichen Schwierig­keiten Deutschlands hinzuweisen.

Französische Blätter über Chequers

3n Besprechungen des Kommuniques über die Verhandlungen von Chequers erklärt derT e m p s", das Kommuniques des Foreian Office sei das unbestimmteste.

das jemals nach einer Besprechung wie der von Chequers veröffentlicht worden fei. Soweit man nach dem, was über die Chequers-Unterredungen durchgesickert sei, urteilen könne, habe sich nichts an dem geändert, was vor dem Besuch der deutschen Minister bestand. Beachtlich sei, daß das englische Kommunique nicht einmal eine Anspielung auf das Abrüstungsproblem enthalte, daß doch in starkem Maße das Londoner Kabi­nett beschäftige.

DasJournal des Debaks" urteilt:

Der Besuch in Chequers ist auf alle Fälle für die deutsche Regierung eine Ermutigung. Man darf schon jetzt behaupten, daß Deutschland das Ergebnis erzielt hat, das es wünschte. Deutschland hat die Frage der Revi­sion des Poungplans international aufgerollt, und zwar unter für Deutschland besonders bequemen Bedingungen dank des Entgegenkommens der englischen Regierung. Die internationale öffentliche Meinung ist vorbereitet wor­den. Sie rechnet nunmehr mit einer deutschen Initiative. Eine neue Periode von Diskussionen über das Reparations- problem bricht an, obwohl der Aoungplan eine endgültige Lösung bringen sollte.

Berliner Eindrulk zur Chequers-Konsereuz

In Berliner politischen Kreisen erklärt man, daß der Besuch des deutschen Reichskanzlers und des Reichsaußen- minifters in Chequers seinen Zweck im wesentlichen erreicht haben dürfte An amtlicher Stelle tritt man der in der oppositionellen Presse zum Ausdruck kommenden Auffassung entgegen, als seien die Unterredungen in Chequers völlig ergebnislos geblieben Man weist darauf hin, daß man von vornherein nicht mit übertriebenen Erwartungen nach England ging was schon daraus hervorgehe, daß kein fest- umrisienes Programm und keine besondere Tagesordnung für die Zusammenkunft festgesetzt worden seien. Aus der Haltung der französischen Presse will man gleichfalls die Bestätigung dafür sehen, daß Deutschland feinen Zweck er«

Velondcre DcDeuhing üiSssö' lllllll Ull W**Hq> Dr Brüning und Dr. Curtius Gelegenheit hatten, nicht nur mit dem britischen Premierminister üver die wirtschaft­liche Lage Deutschlands zu verhandeln, sondern daß an die­sen Verhandlungen auch der britische Handelsminister Gcaham, Sir Frederick Leith-Roß vom Schatzamt und b<r Gouverneur der Bank von England, Montague Hormon, feilgenommen haben.

Reichstag erst im September?

Die Rotverordnung soll abgeändert werden.

Berlin, 9. Juni.

Reichskanzler und Reichsaußenminister werden voraus­sichtlich am Donnerstag dem Kabinett über ihre Reise Bericht erstatten, woran sich die Unterrichtung der Parteiführer am schließen wird. In politischen Kreisen ist man sich darüber klar, daß die Zusammenkunft von Chequers auch für die weitere innerpolitische Entwicklung von außerordentlicher Bedeutung ist. Die Entscheidung der Fraktionen wobei es namentlich auf die Sozialdemokraten und die Deutsche Volks­partei an kommt über die

Einberufung oder Richleinberufung des Reichstages hängt im wesentlichen davon ab, ob die Reichsregierung in der allernächsten Zeit praktische Schritte zur Revision des §)oung=pianes unternimmt. Sowohl bei der S.P.D. als auch bei der D.V.P. hält man die Einberufung des Reichs­tages für unmöglich, wenn damit nur die Aussicht eröffnet wird, daß der Regierung in einem außerordentlich wichtigen Abschnitt unserer Außenpolitik auch noch innere Schwierig­keiten bereitet werden.

Nichtsdestoweniger ist die Kritik an der Notverordnung selbst bei diesen Parteien außerordentlich scharf. Auf sozial- demokratischer Seite bemängelt man vor allem die Staffe­lung der Krisensteuer und den Verzicht der Reichsregierung auf eine Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung, da durch eine solche Erhöhung auch die Arbeitgeber mitbe­lastet wären. Andererseits wird in politischen Kreisen viel beachtet, daß der Führer der Deutschen Volkspartei in seiner letzten Rede offen den Gedanken eines Direktoriums erörtert-hat. Die Frage der Abänderung der Notverordnung bekommt dadurch Bedeutung, daß die sozialdemokratisch« Führung die Absicht hat, dem Kanzler die Frage vorzulegen, ob er Abänderungen für möglich hält.. Wird diese Frage bejaht, so wäre es denkbar, daß der Haushaltsausschuß wie in früheren Fällen, sich auch mit dieser Notverordnung beschäf­tigt und der Reichstag vielleicht schon im September etnbe- rüfen wird. Ein solches Kompromiß könnte die Parteien unter Umständen veranlassen, auf die sofortige Einberufung des Parlaments zu verzichten. Ob es möglich ist, das aber hängt, wie eingangs erwähnt, zum sehr wesentlichen Teil von ben Auskünften, die der Reichskanzler den Parteiführern über feine Absichten auf dem Gebiet der Rparationspolitik geben wird, ab. 1

Ein ägyptischer Dorf niedergebrannt

Kairo, 9. Juni.

Ein Dorf in der Höhe von Kafrelzayat ist mit 159 Eingeborenen-Häusern avgebrannt. Sieben Personen kam«» in den Flammen um. _ ,