Abschluß der Wiener Presietagung
Gegen die deutschgeschriebene Tschechenpresse.
Wien, 5. Juni.
Die außerordentlich eindrucksvoll verlaufene Tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hat am Donnerstag mit einer Fahrt in die Steiermark und in das Salzkammergut ihren Abschluß gefunden. Das bereits erwähnte Bankett nahm in jeder Hinsicht einen harmoniscken und bedeutungsvollen Verlauf. Aus der großen Reihe der gehaltenen Reden feien noch einige Gesichtspunkte des ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, Professor Julius Ferdinand Wolfs, erwähnt, der als Voraussetzung des erfolgreichen Wirkens der Presse die Pflicht zur Wahrhaftigkeit verlangte. Es müsse klar und eindeutig verlangt werden, daß der Zeitungsmann an diese Frage herangehe" mit der Ehrlichkeit der Ueberzeugung, mit dem ehrlichen Bestreben, die Wahrheit zu suchen und zu sehen, also mit Wahrhaftigkeit. Diesem Gebot der Wahrhaftigkeit widerspräche es aber, wenn eine Zeitung in deutscher Sprache herausgegeben wird von Angehörigen eines andern Volkes, die mit der von ihnen herausgebenen deutsch geschriebenen Zeitung die deutschen Leser darüber zu täuschen suche, daß sie hier nicht ein deutsches Blatt, sondern ein fremdes Produkt vor sich haben. (Er spielte damit auf die vom tschechischen Außenministerium in Oesterreich herausgegebenen Blätter an, die im Sinne der tschechischen Regierung Politik in Oesterreich zu machen suche. D. H.) Der Chefredakteur und Herausgeber der „Wiener Reuen Freien Presse", Dr. Benedikt, vertrat feierlich den Grundsatz der Unabhängigkeit der Presse, und zwar nicht nur der Unabhängigkeit gegenüber den Regierungen oder sonstigen Machthabern, sondern auch gegenüber dem schlechten Massengeschmack. Der Leser habe nicht nur Recht gegenüber der Zeitung, sondern auch Pflichten. Die Pflichten forderten von ihm, den ernsten Willen und das Verantwortungsbewußtsein der Zeitung anzuerkennen. Diese Ausführungen wurden durch den Vorsitzenden des Vereins, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, bestätigt und ergänzt. Das Bewußtsein seiner hohen Pflicht zur Verantwortung befreie den Verleger zugleich von der Flucht vor den Massen.
Der Kirchevoerlrag im Landtag
Berlin, 5. Juni.
Wie wir aus dem Preußischen Landtag erfahren, hofft man im Büro des Landtages, eine Julisitzung vermeiden zu können. Der Landtag wird am Montag mit der Beratung deseoangelischenKirchenvertrages und der Pfarrerbesoldungsgesetze beginnen. Nach einer Beratung im Hauptausschuß hofft man, Ende der Woche mit der Beratung über die Verträge zu Ende kommen zu können. Es werden weiter Anträge, die im Hauptausschuß vorberaten sind,, zur Verabschiedung gebracht werden. Angenommen hatte man bisher, daß der Landtag sodann in die Ferien gehen würde, die nur Mitte Juli durch die Sitzung wegen des Volksentscheides unterbrochen werden sollten. Es besteht aber Aussicht, daß schon Ende Juni oder in den ersten Tagen des Juli diese Sitzung stattfinden wird, die sehr wahrscheinlich einen großen politischen Charakter annehmen wird.
WDAP. wieder im Reichst« ?
Schwerin, 5. Juni.
Gelegentlich einer nationalsozialistischen Massenversammlung in der mecklenburgischen Landeshauptstadt sprach Vizepräsident des Reichstages, Abgeordneter S t ö h r, über die Pläne der Regierung. Dabei teilte er mit, daß beabsichtigt sei, die Rücklagen der Angestelltenversicherung für andere Zwecke vom Reich aus zu beschlagnahmen.
Sollte dieser Plan durchgeführt werden, dann würden die Abgeordneten der Rechtsopposition vorübergehend geschlossen in den Reichstag rrückkehren, um die allein aus den Beiträgen der Mitglieder aufgebrachten Reserven der Angestelltenversicherung vor jedem unberechtigten Zugriff zu schützen. _____________
Das Steilem der Ardeitslvßsleit
Genf, 5. Juni.
Die Vollversammlung der Internationalen Arbeitskon- ferenz befaßte sich in öffentlicher Aussprache mit der Frage der Arbeitslosigkeit. Die Diskussionsgrundlage bildeten die Vorschläge, die der Direktor des Internationalen Arbeitsamts in seinem Bericht der Konferenz vorgelegt hat. Diese sind: 1. Internationale Arbeitsvermittlung. 2. Nutzbarmachung unerschlossener Ländereien. 3. Allgemeine Einführung und Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung. 4. Durchführung öffentlicher Arbeiten auf internationaler Grundlage.
Den Standpunkt der deutschen Arbeitnehmergruppe legte der Reichstagsabgeordnete Hermann Müller dar, der u. a. erklärte, er habe kein Verständnis für die Haltung der englischen Arbeiter-regierung. Wenn England das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag ratifiziert hätte, dann hätte kein anderes Land zurückbleiben können. Namentlich die deutschen Arbeiter hätten die Haltung Englands bedauert. Der Direktor habe in früheren Jahren wiederholt auch an deutschen Maßnahmen Kritik geübt, auf deutscher Seite habe man sich demgegenüber aber weniger empfindlich gezeigt als jetzt die englische Regierung. An dem Bericht des Direktors über die Arbeitslosigkeit vermißt er den Schwung, mit dem das Problem angepackt werden müsse. Man sehe keine Lösungen. Die verschiedenen Vorschläge hielten einer ernsthaften Kritik nicht stand. In der Frage der Verkürzung der Arbeitszeit nehme der Bericht des Direktors eine sehr zaghafte Haltung ein. Die 40stündige Arbeitswoche müsse eingeführt werden. Nur durch die Erhöhung der Kaufkraft könne das Problem dauernd gelöst werden. Preissenkungen seien die wirkungsvollsten Maßnahme. Die großen Unternehmerverbände, Kartelle, Trusts usw. ständen einer gesunden Entwicklung im Wege. Müller schloß, daß im Hintergrund der jetzigen Krise, Chaos, Bür- gorsriog und naMnloses Elend lauerten.
Dem Apostolischen Nuntius in Paris, Maglione, ist aus Vorschlag des Präsidenten der Republik Doumergue von der Regierung das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen worden.
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Die bulgarische Nationalbank hat den Diskontsatz von 9 auf 8% Prozent und den Lombardsatz von 10% aus 9% Prozent herabgesetzt.
Aus der Heimat.
Aus dem Gerichtssaal.
Ein hiesiger Arbeiter B. hatte aus einem Gartenhaus ein Schnitzmesser entwendet, das einen Wert von 1.50 Mk. hat. Diesen Diebstahl gestand er heute einwandfrei ein. Da er jedoch bereits zweimal wegen Diebstahls vorbestraft war, stellte dieser neue Diebstahl ein Verbrechen dar, und er war deshalb wegen Dieb- stahls im Rückfalle angeklagt. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist dieser Diebstahl nur mit Zuchthaus zu bestrasen. Der Amtsanwakt plaidierte für Zubilligung von mildernden Umständen, da der Werlgegenstand gering war unb der Angeklagte die Tat eingestanden hatte und Besserung versprach. Er beantragte deshalb die geringst zulässige Strafe von 3 Monaten. Das Gericht schloß sich diesem Anträge an.
Der nächste Fall betraf den Schweißer F. von Hersfeld. Dieser war Zeuge vor der Strafkammer in Kassel gewesen und hatte angegeben, einen Arbeitsverlust von 95 Psg pro Stunde zu haben. In Wirklichkeit war er arbeitslos. Auf diese Weise hatte er den Staat um 7 60 M. betrogen. Er hatte außerdem noch die Frechheit besessen und für diesen Tag sich beim Arbeitsamt abgemeldet, um dadurch zu bezeugen, daß er in Arbeit stände, obwohl es in Wirklichkeit nicht der Fall war. Diese Art, sich Vermögensvorteile zu verschaffen, kommt in letzter Zeit bei den Gerichten sehr oft vor, und es kann den Zeugen nicht genug klar gemacht werden, daß sie durch die unrechtmäßige Erlangung von Zeugengebühren sich des Betrugs schuldig machen. Der Angeklagte wurde mit Rücksicht darauf, daß der Schaden wieder gutgemacht war, nur mit zehn M. Geldstrafe belegt.
Ein Einwohner von Allmershausen war auf seinem Acker beschäftigt und hatte seinen Hund mit an die Arbeitsstelle genommen. Plötzlich trieb ein anderer Hund einen Hasen vor sich her und gerade aus diesen Hund zu In diesem Augenblick erwachte wieder die Jagdleidenschaft des Hundes, und er setzte auch noch hinter dem Hasen her. Ein Zurückrufen des Besitzers dieses Hundes war nicht erfolgreich Da er also den Hund aus seiner Beaufsichtigung gelassen hatte, war ihm aus Grund der Verordnung zum Schutze von Wild und Pflanzen ein Strasbesehl zugegangen. Gegen diesen hatte er Einspruch eingelegt. Die gestrige Beweisaufnahme bestätigte den Hergang und das Gericht nahm an, daß der Angeklagte die Beaufsichtigung des Hundes nicht unler lassen hatte. Er wurde deshalb freigesprochen. Dieser Vorfall möge aber allen Bewohnern von Stadt und Land zur Warnung dienen, ihre Hunde nicht frei umher laufen zu lassen, denn es muß dem wilden Jagen der Hunde ein Halt geboten werden, damit das Wild nicht unnötig belästigt wird und Schaden erteile^ Ist erst einmal ein Hase gefangen, dann folgen weitere Taten. Dies mögen sich die Hundehalter stets vor Augen halten und das planlose Mitlaufen der Hunde verhindern.
Hersfeld. (W i e w i r d d a 8 W e t t e r?) Das schwache, über Deutschland liegende Hochdruckgebiet wird infolge der stärkeren Erhitzung bereits allmählich wieder obgebaut. Dadurch wird zunächst örtliche Se< witterbildung begünstigt, die späterhin durch den Vorstoß etwas kühlerer Westluft von Südwestfrankreich her einen mehr verbreiteten Charakter annehmen dürste. Eine Umgestaltung des im ganzen freundlichen und warmen, aber nicht eigentlich beständigen Wetters ist noch nicht erkennbar. — Vorhersage bis Samstag und Sonntag Abend: Zunächst Fortdauer des ziemlich warmen und vielfach heiteren Wetters, aber stärkeres Auftreten von gewitterhaften Regenfällen wahrscheinlich.
Kassel. Ein hiesiger 60jähriger Invalide, der in den letzten Tagen erblindet war, wurde aus Verzweifelung darüber plötzlich geisteskrank. Seine Angehörigen konnten ihn noch davon zurückhalten, seinem Leben ein Ende zu machen. Der Unglückliche wurde dem Karlshospital zugeführt. — In der Kirchditmolder Straße geriet Mittwoch abend ein neunjähriges Mädchen mit dem rechten Fuß in einen Wäschelessil, der mit heißem Wasser gefüllt war. Das Kind zog sich erhebliche Verbrühungen zu.
Kassel (Erstaufführung im Kasseler Staatstheater).
Das Kasseler Staatstheater brächte gestern Scheib^'s. altbekanntes Lustspiel „Ein Glas Wasser" in der Bearbeitung von Otto Stockhausen unter der Regie von Jacob Geis als Erstaufführung heraus, und erzielte damit einen Erfolg auf der ganzen Linie. Das Publikum amüsierte sich von ganzem Herzen über das Jntriguen- spiel am H ffe der Königin Anna von England und die geistvolle Art, in der der Kampf zwischen derherrschsüchtigen Oberhofmeisterin der Königin, Herzogin von Marlborough und dem Grafen von Bolingbrocke ausgefochten wurde. Hilde Miller, die die Oberhofmeisterin spielte, war ausgezeichnet. Karl Bandt als ihr Gegner Bolingbrocke stand aus gleicher Höhe. Else frommer war eine sympathische Königin, die durch ihren Liebreiz und ihre Hilflosikeit gefangen nahm. Auch Tilde Maschat als Abigail war, diesmal blond, entzückend. Peter Lühr als der von drei Frauen geliebte Fähnrich vermochte sich gut mit seiner Rolle abzufinden, obgleich es ihm immer noch an Leichtigkeit fehlt. Lothar Schenk von Trapp hatte für hübsche Bühnenbilder gesorgt. Das Publikum nahm das Lustspiel sehr beifällig auf. Man sieht, es geht auch ohne Eretik.
Frankfurt a. M Bei dem in der Nacht zum Sonntag erfolgten Autozusammenstoß an der Obermainbrücke, wurde einer verletzten Dame eine Platin-Anstecknadel mit fünf Brittianten gestohlen. Weiter wurde dieser Dame ein seines Platin-Halstettchen mit einem
Anhänger mit großem Brillant entwendet. Der Wert der gestohlenen Schmucksachen beträgt etwa 2 000 Mk.
Dillenburg. Im nahen Breitscheid verunglückte der Bergmann Peter auf dem Bergwerk der Wester- wälder Tonindustrie tödlich. Er wurde bei seiner Arbeit von einer rutschenden Sandbank verschüttet und konnte nur als Leiche geborgen werden. — Auf der Grube „Königszug" bei Oberschold kam ein Bergmann dadurch zum Tode, daß ihn herabfallendes Gestein schwer verletzte.
Calden (Kreis Hofgeismar). Im benachbarten Wilhelmstal wollte ein junger Mann im Brandteich baden, geriet dabei aber so sehr in die Schlinggewächse, daß er sich nicht mehr befreien konnte. Sein Begleiter konnte ihn auch nicht mehr retten, so daß der Bedauernswerte hilflos ertrank.
Gött ngen. Die 24jährige Luise Preiß aus Clausthal-Zellerfeld, die im Herbst dabei ertappt worden war, wie sie einen Brand legte, hat eingestanden, nach und nach 20 Brandstiftungen verübt zu haben, wodurch insgesamt ein Versicherungsschaden von 75 000 Mark angerichtet wurde. Die Beobachtung des geistig nicht normalen Mädchens in der Pravinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Göttingen hat ergeben, daß die Preiß für ihre Taten nicht verantwortlich zu machen ist. Das Verfahren gegen sie ist deshalb eingestellt worden. Da ihr Zustand jedoch als gemeingefährlich bezeichnet wird, wird sie für dauernd einer Heilanstalt überwiesen werden.
Minden. Einen eigenartigen Selbstmord verüble in Hille der 21jährige Arbeiter B. Der junge Mann hatte sich seiner Jacke entledigt und war, nachdem er den steineren Verschlußdeckel von der Jauchegrube entfernt hatte, in diese hineingestiegen.
lleberall lommunistische ANione« Zusammenstöße in Wanne.
Danne-Eickel, 4. Juni.
Anläßlich einer Stadtverordnetensitzung, die sich mit Erwerbslosenfragen zu beschäftigen hatte, kam es am Mitt- woch inden Straßen zu Ausschreitungen doh Erwerbs- . Jen. Polizeibeamte, die eine größere Ansammlung, der ein kommunytycher Stadtverordneter über den Verlauf der Sitzung Bericht erstattete, zerstreuen wollten, wurden mit ^men beworfen und beschossen. Die Polizei gab Schreck- chusse ab, worauf die Menge auseinanderstob. Zwei Personen erlitten Beinverletzungen, sechs Personen wurden zwangsgestellt.
Vereitelter „Hungermarsch"
Düsseldorf, 5. Juni.
Auf der Schadowstraße und der Königsallee kam es am Mittwoch abend zu Unruhen. Gruppen kommunistischer Erwerbsloser in stärke von vier bis acht Mann sammelten sich nach einem vorher festgelegten Plan zu einem sogenannten Hungermarsch. Eine etwa 250 Mann starke Gruppe versuche ^nm^m^m zu bilden. Schmäh- rufe auf die Polizei ertönten. Das Ueberfallkommando und Einsatzbereit,chaften waren sofort zur Stelle und konnten in kurzer Zeit die Straßen säubern, ohne Gewalt an- wenden zu müssen.
„Do. £" fliegt in Richtung Südkap
Lissabon, 5. Juni.
Die irrtümliche Nachricht von dem Absturz des deutschen Flugschiffes „Do. X" wurde von einem Dampfer verbreitet, dessen Mannschaft geglaubt hatte, das Flugschiff abstürzen zu sehen. Sowohl eine Mitteilung der Aero Postale Station in Paris wie auch eine Meldung aus Lissabon bestätigen die Tatsache, daß das Flugschiff seinen Flug in Richtung auf das S ü d k a p fortsetzte.
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Fernando Roronha, 5. Juni.
Hier wurde ein F u n k s p r u ch des „Do. X" aufgefangen, der besagt, daß die jetzige Fahrtgeschwindigkeit des Flugschiffes über 2 40 Stundenkilometer beträgt.
Professor Piccard in Brüssel.
Brüssel, 5. Juni.
Professor Piccard ist in Brüssel eingetroffen. Er wurde vom Prinzen Leopold, vom Verkehrsminister, mehreren Professoren der Universitäten Trüffel und Löwen sowie zahlreichen Persönlichkeiten feierlich empfangen. Eine große Menschenmenge begrüßte ihn begeistert. Ingenieur K i p f e r, der nach Brüssel auf dem Luftwege zurückgekehrt war, traf mit Prof. Piccard am Bahnhof wieder zusammen.
Knabenmord in Berlin
Berlin, 5. Juni.
Der Weichensteller Poßke aus Berlin machte am Mittwoch abend, als er gegen 22 Uhr vom Dienste in seine Wohnung in Berlin-Lichtenberg zurückkehrte, eine furchtbare Entdeckung. Sein zehnjähriger Sohn Manfred, der aus der Ehe mit seiner ersten von ihm geschiedenen Frau stammt, lag erdrosselt auf dem Fußboden der Wohnung. Eine Gardinenschnur war um den hals des Knaben geschlungen, die Pulsader des linken Handgelenks war durchschnitten. Man nimmt an, daß die jetzige Ehefrau des Weichenstellers, die mit ihm in Unfrieden lebte, die grausame Tat begangen hat. Sie hatte nachmittags die Wohnung verlassen und ist seither nicht wieder gesehen worden. Wahrscheinlich hat sie ein Sparkassenbuch über einen Betrag von 1000 Mark, das in der Wohnung nicht gefunden wurde, mitgenommen.
. Der gerichtsärztliche Befund der Leiche des Knaben ergab, daß der Tod bei dem Kinde durch Erdrosselung eingetreten ist. Die furchtbare Schnittwunde am linken Handgelenk — es sind beide Adern durchgetrennt — ist wahrscheinlich dem Knaben erst beigebracht worden, als er bereits tot war, da nur eine verhältnismäßig geringe Blut- menge aus der Wunde geflossen ist. Der Tod dürfte nach dem Befund bereits in den frühen Nachmittagsstunden erfolgt sein. Das Motiv zu der grausamen Tat sind vermutlich Ehe-Unstimmigkeiten.