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HersfelSerTageblatt

Hersfelder Kreisblatt I^^k

Amtlicher /inzeiger für den Kreis hersfelS I 5nnhBu$6r«<tttd In yi«stlt,mttol^"«vd^! | Nr. 125 Montag, den 1. Juni 1931 81. Jahrgang

flnzeigenprels: Die einspaltige Petitzeile 15 Psennia, die ReNamyrile 50 Pfennig. (GrunSschrist komus). Sei lvie-erholaagen wird ein entspreckenöer preia- VachlaS gewahrt. Kür die Schriftleltung verant­wortlich r -ranz 5ank m tzersfelb. Zernfprecher Nr/

Blutige Aktionen der Kommunisten

Systematische Aebersälle aus Stahlhelmer und Polizei in Berlin, Erfurt Breslau und Recklinghausen

12. Reichsfrontfoldatentag in Breslau

Breslau, 1. Juni.

An dem Anmarsch und Appell zum Reichsfrontsoldaten- tag nahmen etwa 150 000 Stahlhelmer teil. Unter den Ehren­gästen bemerkte man u. a. das ehemalige Kronprinzenpaar, den ehem. Chef der Heeresleitung, Generaloberst v. Seeckt, in Reichsmehruniform und Generalfeldmarschall von Mat­te n s e n, der ebenfalls lebhaft begrüßt wurde. Der Beginn der Veranstaltung wurde durch Salutschüsse angekündigt. Es folgte dann eine

Heldenehrung,

die Divisionspfarrer a. D. H e i n k a als den Hauptnährboden des Idealismus bezeichnete. Helden find das Beste und Wert­vollste eines Volkes. Unsere Zeit will vom Heldischen nichts wissen. Frontgeist aber ist der Ausdruck des höchsten Idea­lismus. Und als solchen setzen wir ihn entgegen dem Geiste der Zeit als den Ausdruck des tiefsten Materialismus. Nach dem katholischen Geistlichen ergriff Superintendent Noth das Wort, der erklärte, daß allein aus der nationalen Be­wegung die Weltaufgabe des deutschen Volkes erwachse, den Angriffsgeist des Christentums zu entwickeln. Den Abschluß der Heldenehrung bildete das gemeinsam gesungene Lied vom guten Kameraden.

Dann erfolgte die

Weihe von 25 neuen Fahnen

durch den 2. Bundesführer D uesterberg, dessen Weihe­worte ausklangen in dem Ruf:Der Frontgeist lebt in Mil­lionen und wird wie eine Flamme das deutsche Volk einst er­fassen. Möge der Tag einst kommen, an dem diese Fahnen über einem geeinten befreiten Deutschland wieder wehen!" Sodann sprach

Erster Bundesführer Zeldte.

^L. .gleicher ZahPwnd Geschlossenh< n wie vor acht Monaten in Koblenz", so sagte Seldte,seid Ihr heute in der Haupt­stadt des bedrohten schlesischen Landes aufmarschiert. Trotz aller wirtschaftlichen Not steht Ihr im Zentrum des schwer umkämpften Grenzlandes. Wir fordern an dieser Stelle, daß kein Mittel der Innen- und Außenpolitik ungenutzt bleibt, das geeignet ist, der bedrängten Ostmark wirksame Hilfe zu bringen. Unser Kampf um Preußen, den wir mit dem Volks­begehren begonnen haben und den wir mit dem

Volksentscheid

erfolgreich durchführen werden, ist eine wirksamere Osthilfe als all die Pflästerchen, mit denen man bisher die Wunden und Nöte der Ostmark zu bekleistern versucht hat. Unser Kampf hilft der Freiheit und der Ehre und dem Wohlergehen unseres deutschen Vaterlandes.

Wir werden nie die Grenzziehung von Versailles anerkennen Wir haben eben erkannt: Das deutsche Recht, die deutsch Notwendigkeit, das deutsche Ziel!"

x ^T0?^ ®efan9 des Deutschlandliedes, dem die Rede abgeschlossen wurde, folgte das Abschreiten dei Front durch den Bundesführer. Dann folgte

- der Vorbeimarsch des Stahlhelm.

Viel bemerkt wurde, daß im Landesverband Groß-Berlin auch der ehemalige Chef der Heeresleitung, General Heye am Zuge terlnahm. Der Vorbeimarsch dauerte mehrere g ck^iuni m ' U ^^^rhenfällen ist es bei der Kundgebung nicht

Bei der Skagerrak-Gedenkfeier des Stahlhelm gab der zweite Bundesführer, Oberstleutnant a. D. D u e ft e r b e r g, ein Bild von der Entwicklung der deutschen Flotte und von ihren Erfolgen im Weltkriege. Er führte aus, daß das Ver- ailler Diktat dem Deutschen Reich die Wehrmacht genommen habe. Wenn ein Staat das moralische Recht habe, von Sicherheit zu reden, so sei es Deutschland. Eine Verstärkung der deutschen Wehrmacht würde nicht nur den Schutz der Grenzen, sondern eine Senkung der Arbeitslosenziffer, Wie­derbelebung sterbender deutscher Städte durch Garnisonen und eine Förderung der Volksgesundheit und Erziehung be- deuten Der freiwillig betriebene Sport werde niemals alle Deutschen erfassen. Der Stahlhelm sei nicht reaktionär, son­dern in ihm herrsche der Geist einer neuen Zeit, und zwar des deutschen Iukunstsstaates.

du dem Empfang waren u. a. erschienen: der ehemalige Kronprinz mit Gemahlin und mehrere andere Prinzen und Prinzessinnen. Generalfeldmarschall von Mackensen, General- oberst von Seeckt, die Generale Graf von der Goltz, von Mutier, Kaden, Freiherr von Littwitz und viele andere. Nach- dem Oberstleutnant a. D. Duesterberg die Gaste begrüßt und die Ziele des Stahlhelms dargelegt hatte, erwiderte im Na- men der Ehrengäste Generalfeldmarschall von Ma ck e nse n. Er sagte u. a.: Der Stahlhelm sei ein Grund-und Eckstein des Wiederaufbaues, an den fest und unerschütterlich ge- glaubt würde. Mut zur Tat, der DeuMand vor allem fehle, habe der Stahlhelm in großartiger Weise bewiesen und dieser Mut werde den Stahlhelm und alle vaterländischen Deutschen beseelen, wenn es endlich dazu kommen werde, aus den Erkenntnissen von unserer Not die Folgerungen zu ziehen.

*

Auf Anordnung der Berliner Zentralstelle ist der vor- gesehene Hörbericht der Schlesischen Funkstunde aber den «tahlhelmtag nicht genehmigt worden. Der Horbe- richt war bereits in das PrsüLLMM i^r LullkssttMe wrw

nommen und sollte auf sämtliche deutsche Sender übertragen werden.

Der 12. Reichsfrontsoldatentag gab Breslau am Sonn­abend ein besonderes Gepräge. Der Verkehr nahm so zu, daß verschiedentlich ein Durchkommen mit dem Wagen un­möglich wurde. Während es beim Anmarsch zum Stadion keine größeren Zwischenfälle gab, kam es im Westen der Stadt zu schweren Zusammenstößen mit linksgerichteten De­monstranten. Berliner Polizei trieb die Menge auseinander und v e r h a f t e t e vier Personen. An einer anderen Stelle wurden aus einer größeren Menschenmenge sechs Personen verhaftet, die mehrere Fensterscheiben in Häusern eingeschla­gen hatten, die schwarz-weiß-rot geschmückt waren.

Auf der Straße NeumarktDeutsch-Lissa verun­glückte ein Lastkraftwagen, der mit Magdeburger Stahlhelmleuten besetzt war. Beim Ueberholen eines Pferde­gespanns stürzte der Wagen um. Ein Stahlhelmer war so­fort tot, zwei wurden schwer und zehn leichter verletzt.

Der 8uni-S1euerftrautz

Kabinettsberatungen über etwa 25 Gesetze.

Berlin, 31. Mai.

Nach einer Verlautbarung von zuständiger Seite dürf­ten die Kabinettsberatungen über die neue Notverordnung kaum vor Mittwoch ihren Abschluß finden. Bevor der Kanz­ler nach Chequers abreist, soll aber die Gegenzeichnung der Verordnung durch ihn erfolgen, damit sie umgehend durch den Staatssekretär der Reichskanzlei dem Reichspräsidenten vorgelegt werden könne, der sich zur Zeit zur Erholung auf seinem Gut Neudeck befindet. Eine Veröffentlichung der neuen Notverordnung wird daher nicht vor Ende der neuen Woche erwartet.

Durch eine ausführliche Darlegung der Schwierigkeiten der Beratungen soll offenbar die Oeffentlichkeit auf die ein­schneidenden Maßnahmen vorbereitet werden, die diese Ver­ordnung auf Steuer- und sozialpolitischem Gebiete bringen wird. Danach dürfte die neue Notverordnung etwa zwei Dutzend neuer Gesetzentwürfe enthalten. Sie würde da« mit etwa den Umfang der Dezemberverordnung haben. Man spricht in den Kreisen der Reichsregierung von zum Teilharten Ma ß n a h m e n", für die angesichts der Gesamtlage des Reiches Verständnis bei der Bevölkerung erhofft wird. Es wird erklärt, daß die Reichsregierung das Bestreben habe, die Lasten und Opfer möglichst gerecht zu verteilen.

Bei dieser Gelegenheit wird auch zum ersten Male von dieser Seite etwas über den Inhalt der neuen Notverord­nung angedeutet. Die bereits mitgeteilte Krisen st euer und Kürzung der Beamtengehäller wie auch Einsparungen auf sozialem Gebiete werden bestätigt mit der Erklärung allerdings, daß die vorgesehenen Maßnahmen nicht das in der Oeffentlichkeit behauptete Ausmaß behalten würden. Die Kürzung der Beamtengehälter werde sich praktisch mit etwa 4 bis 5 Prozent auswirken, die Krisen- steuer im Durchschnitt 2 bis 3 Prozent betragen. Die höch­sten Stufen der Kürzungsstaffelung, die bis 8 Prozent hin­aufreichen, fände nur auf die wenigen Beamten der obersten Gehaltsgruppen Anwendung. Die Krisensteuer beginne mit 1 Prozent bei wahrscheinlich 3600 Mark Jahreseinkommen, werde bei einem Einkommen von etwa 8000 Mark 12 Pro­zent betragen und bis zu 5 Prozent bei den großen Ge­hältern ansteigen.

Von den Einsparungen auf sozialem Ge­biet wird lediglich gesagt, daß sie manche Härte mit sich brächten, die eben nur aus der Not der Zeit zu er­klären sei.

Die Verlautbarung wird noch dahin ergänzt, daß die Mitglieder des Reichskabinetts nach dem Erscheinen der Notverordnung der Oeffentlichkeit im Sinne der Ver,ord- nung die Schwierigkeiten und den Ernst der gegenwärtigen Situation und den Zwang zu entschiedenen Maßnahmen vor Augen führen würden. Darin würden namentlich Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsfinanzminister Dr. Diet­rich und Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald den Haupt- anteil haben. Letzterer zum Beisviel würde zwei große Reden übernehmen, und zwar in der übernächsten Woche im Rheinland und in Westfalen.

Keine Reichstagssession im Juni

Berlin, 1. Juni.

Nach der Abeirdsitzung des Reichskabinetts wurde be­kannt, daß die Zeitungsmeldung, daß Kanzler und Reichska­binett den Wunsch hätten, den Reichstag nach dem Erlaß der Notverordnung und dem Besuch von Chequers zu einer kur­zen Tagung zusammentreten zu lassen, jeder Grundlage ent­behrt. Man verspricht sich ja auch wegen der unklaren Ver­hältnisse im Parlament keine Förderung irgendwelcher Pro­bleme.

Geldstrafen für die französischen Flieger.

Trier, 1. Juni.

Das Amtsgericht verurteilte die beiden hier gelandeten französischen Militärflieger zu 150 bzw. 100 Mark Geldstrafe, ünd zwar wegen Patzvergehens und Uebertretung der allge­meinen Bestimmungen des Luftfahrtgesetzes.

Was wird uns Chequers bringen?

London, 1. Juni.

Der bevorstehende deutsche Ministerbesuch in England nahm gestern in der maßgebenden Presse, die seinen Zusam­menhang mit den deutschen Finanzschwierigkeiten besonders hervorhebt, großen Raum ein.Times" ichreibt in einem Leitartikel: Kühle Beobachter sind der Ansicht, daß die finan­ziellen Schwierigkeiten Deutschland in absehbarer Zeit zwin­gen werden, eine Art von Aenderung oder Verschiebung der Poung-Plan-Zahlungen zu machen. Diese dringende Frage wird sicher in Chequers erörtert. Die französische Besorgnis vor einem Zusammenbruch der Reparationen dürfte die Möglichkeit einer freundschaftlichen Regelung leichter ge­stalten. Der politische Korrespondent des Blattes bemerkt: Die Zubilligung eines Moratoriums oder andere Zu­geständnisse würden für England sehr schwer sein. Der Premierminister und seine Kollegen würden in der Repara- tionspolilik sehr fest sein.

AuchObserver" betont die ernsten Schwierigkeiten Deutschlands. Der diplomatische Korrespondent des Blattes führt aus, die deutschen Minister hätten eine Erklärung vor­bereitet, die wahrscheinlich einen tiefen Eindruck auf M a c Donald und Henderson machen wird. Das Blatt ist der Meinung, daß die deutschen Schwierigkeiten kaum über­trieben werden können und daß Dr. Brüning, ein Staats­mann von Weitblick und Mut, eher als irgendein anderer neben den deutschen den allgemeinen Interessen Europas dienen werde.

Deutschlands Recht aus Kolonie»

Unter sehr starker ^Beteiligung wurde am Sonnabend die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft durchgeführt. In einer Ansprache gab der Präsident, Gou­verneur z. D. Dr. S ch n e e, einen Ueberblick über die gegen­wärtige Lage auf dem kolonialen Gebiet. Als Hauptziel bei Deutschen Kolonialgesellschaft bezeichnete er die Rückerlan- gung eigenen Kolonialbesitzes. Er verwies dabei auf du Londoner Verhandlungen des Parlamentarischen Ausschusses über dieVerschmelzungDeutsch-Ostafrikasmii den angrenzenden englischen Kolonien. Unter lebhaften Beifall der Versammlung erhob er stärksten Protest gegen die drohende Verletzung des Mandatssystems und der deut­schen Rechte. Die Versammlung stimmte schließlich einstim­mig einer Entschließung zu, in der es heißt:

1. Die Entwicklung des deutschen Volkes ist durch den Raub der deutschen Kolonien auf das schwerste geschädigt. Die deutsche Wirtschaftskrise wird durch das Fehlen eigener überseeischer Rohstoffgebiete und der Betätigungsmöglichkeit deutscher Volksgenossen in deutschen Kolonialgebieten noch erheblich verschärft.

Die aus allen Teilen Deutschlands beschickte Hauptver- sammlung der Deutschen kolonialgesellschaft erhebt erneut mit Nachdruck die unverlierbare Forderung, daß Deutsch­land den ihm gebührenden Anteil am überseeischen Besitz erhält und fordert die Reichsregierung auf, in aktiver und , energischer weise dafür zu sorgen, daß die berechtigten deutschen Kolonialansprüche bei jeder passenden Gelegenheit gellend gemacht werden.

2. Die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesell­schaft erhebt angesichts der in London stattfindenden Ver­handlungen einer parlamentarischen Kommission über die Frage der Zusammenlegung des ostafrikanischen Mandats­gebietes mit den angrenzenden englischen Kolonien erneut Protest gegen die englischen Bestrebungen, den völkerrecht­lichen Charakter des Großbritannien anvertrauten Mandats­gebietes zu ändern und das ihm zur Verwaltuna zu treuen Händen als Mandatsgebiet anvertraute Deutsch-Ostafrika dauernd dem britischen Reich einzuverleiben/ Sie fordert von der Reichsregierung, daß sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ergreift, um den Bruch des Mandatssystems und die Verletzung deutscher Rechte und jede den Mandats­charakter beeinträchtigende Vereinigung des Mandatsge- gebietes mit angrenzenden britischen Kolonien zu verhindern.

Oesterreichs Regierung bleibt im Amt

Wien, 1. Juni.

Der Wnifterrat wurde sich darüber schlüssig, im Amt zu bleiben. Vizekanzler Dr. Schober übernimmt bis auf wei­teres auch die Geschäfte des Bundesministeriums für Justiz. Von dem Rücktrittsgesuch des Bundesministers Dr. Schürff nahm der Ministerrat Kenntnis. ~

Für die am 8. Oktober stattfindende Wahl des Bundes- präsidenten haben die Sozialdemokraten Dr. Paul Renner ausgestellt.

Vatikan gegen italienische Behörden

Rom, 1. Juni.

Die Entsendung des Kardinallegaten zu den bevorstehen­den Jahrhundertfeiern des Heiligen Antonius von Padua, der dort den Papst vertreten sollte, ist vorläufig aufgeschoben gi. Diese Maßnahme hängt mitin Anwesenheit der kbehörden vorgekommenen, sehr betrüblichen Ereig- darunter auch Ungeheuerlichkeiten gegenüber dem zusammen. ,