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HersfelöerTageblatt

Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezuasprets: durch die Post bezogen 1.50 Relchs-Mark, auHhlleßlich Vestellaelö, für Arrsfelü 1.20 Relcks-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reicks-Mark. druck und Verlag von Zudwig Zunks Vuchöruckerel In Rtrsftld, Mltglleb des VdZV.

Nr. 120

Dienstag, den 26. Mai 1931

81. Jahrgang

Sensationeller Abschluß in Gens

Trotz bnrtnä&iger Gegenwehr Polens und Frankreichs erzwäng Deutschland die Vertagung derpolnischen Vechtsertigun,^

Endlamps in Genf

Bewegte Schlußsitzung des Böllerbundsrates

Der Völkerbundsrat hatte in der letzten Sitzung seiner 63. Tagung zwei die deutsche Politik besonders nahe be­rührende, bis zum letzten Augenblick stark umkämpfte Punkte zu behandeln: Die Offenlassung des Rüstungs- sta n d es und die Angelegenheit der Minderheiten in Polen. Noch im Sitzungssaals befanden sich über den für die Eröffnung der Sitzung festgesetzten Zeitpunkt hinaus die Ratsmitglieder in einem lebhaften, hcMcmt geführten Meinungsaustausch.

WsiuzMZsmtrolle nach englischem Muster

Nach Eröffnung der Sitzung legte der, spanische Außen­minister als Berichterstatter über die Abrüstungsfrage fernen Bericht über die verschiedenen Anträge zur Festsetzung einer einheitlichen Fragebogens über den Rüstungsstand vor, bei darin gipfelte, daß die Vorschläge der britischen Regierung obwohl sie nicht ideal seien, im gegenwärtigen Augenbliä die Grundlage der Bemühungen in dieser Angelegenheit bilden sollten, und zwar nach den von dem japanischen Rats- mitglied ausgestellten Grundsätzen der Gleichmäßigkeit, All­gemeinheit und Gleichzeitigkeit.

Dr. Curtius begründete sodann die deutsche Stimmenthaltung. Er er­klärte:Ich habe schon kürzlich dargelegt, daß es die Ab­sicht der deutschen Regierung war, durch die Aufstellung eines alle wesentlichen Rüstungsfaktoren umfassenden Frage­bogen der Konferenz ein vollständiges und übersichtliche- Bild der gesamten auf der Welt vorhandenen Rüstungen 31 verschaffen Ich habe auch darauf hingewiesen, daß ein solches vMstttnrchgb- Marertat mnn me vorhandene Rüstungen für die Konferenz nach meiner Ansicht unbeding: notwendig ist, einerlei, ob sie sich an die Klauseln des Kon- ventionsentmurfs halten will oder nicht. Ich kann es nui auf das lebhafteste bedauern, daß der uns vorliegende Be­richtsentwurf in Anlehnung an einen stark umstrittenen Vor- wurf es unterläßt, dafür Sorge zu tragen, daß der Kon­ferenz bei ihrem Zusammentritt das für ihre gedeihlicher Arbeiten erforderliche Material vollständig zur Verfügung steht.

Ich fürchte, daß in den Augen der öffentlichen Meinung der Konferenz damit ein schlechter Dienst erwiesen ist. Jeder­mann wird sich fragen, welche Gründe denn die Staaten ver­anlassen, von den Personalbeständen, die ihnen bei einem Kriegsausbruch zur Verfügung flehen, nur einen kleinen Bruchteil und von dem vorhandenen Landkriegsmaterial überhaupt seine Ziffern, nicht einmal die Zahl ihrer schwe­ren Geschütze und ihrer Tanks bekanntzugeben, ehe sie sich an den Verhandlungstisch sehen, um im gegenseitigen Ein­vernehmen über die Herabsetzung ihrer Rüstungen zu be­schließen. Nachdem auch die wahrlich schon bescheidenen Vor­schläge des britischen Vertreters in den Bericht nicht restlos ausgenommen sind, ist es mir als deutschen Vertreter nicht möglich, einen Bericht anzunehmen, der wesentliche- stnngselemente beiseite läßt und so wenig dem Grundgedan ken des Artikels 8 der Satzung entspricht, wo es heißt, daß Sie Staatenin offenster und vollständigster Weise" ihre Miftimgselemente anzugeben haben. Aus der anderen Seite will ich jedoch nicht soweit gehen, burch Ablehnung des Be- cichts das Zustandekommen der erforderlichen Einstimmig­keit zu verhindern und damit eine, wenn auch unzureichende Maßnahme zur Durchführung der Entschließung des Rates vom 24. Januar dieses Jahres unmöglich zu machen. Ich enthalte mich daher der Stimme.

Der norwegische und der i r i s ch e Außenminister erklärten, daß sie d i e d.eutschen Vorschläge für weit besser hielten als den jetzigen Bericht und daß sie diesen nur mit dem Vorbehalt annehmen, daß er einer grundsätzlichen Entscheidung dieser Frage nicht oorgreife. Nachdem auch der. britische Außenminister erklärt hatte, daß der jetzige Bericht nicht das Recht der Konferenz beschränke, alle Auskünfte zu fordern, die sie etwa für notwendig halten könnte und daß er nur mit dieser Maßgabe dem Bericht zustimme, wurde dieser angenommen.

Im Zusammenhang mit diesem Bericht gab der spa­nische Außenminister einen Briefwechsel zwischen dem Ge­neralsekretär des Völkerbundes und der Sowetregierung be­kannt, aus dem hervorgeht, daß die Sowjetregierung du Mitteilungen über ihren Rüstungsstand nur für die Abrü- stungskonferenz und nicht schon jetzt für die einzelnen Regie­rungen bestimme.

Polen Uteri gerüffelt

Bei der Beratung der Minderheitenfrage übernahm Henderson auf Wunsch Dr. Curtius' den Vorsitz. Die Er­örterung der Minderheitenfragen begann mit dem wichtig- [ten Punkt: Lage der deutschen Minderheiten in Schlesien, Polen und Pommerellen. Der von dem japanischen Dele­gierten Uoshisawa wiederum erstattete Bericht über diese Frage erinnerte daran, daß der Völkerbundsrat im Januar hinsichtlich der Zwischenfälle in Polen einen Unterschied zwi­schen direkter und indirekter Verantwortlichkeit der polnischen Behörden gemacht habe. Was die erste Frage betreffe, so schlage der Bericht oox, der Bölkerbunvsrsi solle sich darauf

Mauereinsturz in Greifswald

Vier Tote, acht Schwerverletzte.

Greifswald, 26. Mai.

Am 1. Pfingstfeiertag hielt die sozialdemokratische Sport­vereinigungFichte" in Greifswald im Gewerk- schaftshaus ein Gautreffen ab. Als sich am Vormittag die Mitglieder in dem Garten des Gewerkschaftshauses zum Abmarsch nach dem Sportplatz versammeln wollten, stürzte von dem baufälligen Nachbarhaus eine Mauer ein. Die Trümmer fielen in den Garten des Gewerkschaftshauses. Die Folgen waren furchtbar. Vier Tote und acht Schwerverletzte wurden von der Polizei und der Feuerwehr aus dem Trüm­merhaufen geborgen. Außerdem sind noch eine Reihe Per­sonen leicht verletzt worden.

Die Toten und Schwerverletzten stammen aus Berlin W. und Neukölln. Unter den Schwerverletzten befindet sich^auch eine Frau aus Fürstenberg i. d. M., deren Mann die Fahrt nach Greifswald mit dem Motorrad hatte unternehmen wol­len, aber bereits unterwegs bei einem Eisenbahnübergang tödlich verunglückt war.

31 Personen unter umgestürtztem

Lastauto

Zwei Tote, elf Schwerverletzte.

Bamberg, 26. Mai.

Am Abend des ersten Pfingstfeiertages kam bei S ch e ß - l i tz ein mit 31 Personen besetzter Schnellastwagen ins Schleudern, schlug um und begrub fast alle. Insassen untei sich. Elf Insassen wurden schwer, die übrigen mehr obei weniger schwer verletzt. Zwei der Schwerverletzten sind in Lause der Nacht im Krankenhaus gestorben, bei einem be sieht Lebensgefahr.

Die Schuld an dem schweren Unglück soll nach Berich- i*n .voll .L^*»^ blick der Gefahr sich Durch einen Sprung IN ötcherWir^ bracht haben soll.

Im Bergwerk verbrannt

Zehn Tote, 60 Vermißte.

Madras (Hinterindien), 26. Mai.

Bei dem Brande eines Goldbergwerkes in Kola, (Maissur) wurden zehn Personen getötet. Etwa 60 Personen werden noch vermißt.

Schweres Schachtunglück bei Saalfeld

Sechs Mann verschüttet. Bisher vier Tote geborgen.

Schmiedefeld b. Wallendorf (Kr. Saalfeld). Sonnabend vormittag gegen %9 Uhr stürzte bei Arbeiten im Schacht auf der hiesigen Eisensteingrube die Bühne ein und verschüttete sechs Mann von der Frühschicht, die auf der Schachksohle ge­arbeitet haben. Die Rettungsarbeiten, die sich äußerst schwie­rig gestalteten, haben sofort eingesetzt. Durch die Geistes­gegenwart des Betriebsführers D 0 c t e r, der während des Unglücks sich am Orte befand, konnten noch vier weitere Mann gerettet werden, die er im letzten Augenblick der Ge­fahr zur Seite ritz.

Wie die Direktion hierzu mitteilt, ereignete sich der Be­triebsunfall beim Schachtabtäufen, und zwar löste sich ein großer Steinblock von der Wand, durchschlug die Arbeits­bühne und die dazwischen angebrachten drei Schutzbühnen, mit denen er in den Schacht stürzte, der eine Tiefe von 50 Metern ohne Seitenstollen hat. Die Aufräumungsarbeiten, die sich sehr schwierig gestalteten, setzten sofort unter Leitung der Bergbehörde ein. Nachdem der Landrat des Kreises Saalfeld sofort an die Unglücksstelle geeilt war, erschien auch mittags das Amtsgericht Gräfenthal zur Untersuchung.

Bis 12 Uhr mittags waren vier Bergarbeiter als Leichen geborgen. Sie sind sämtlich verheiratet und stammen aus Schmiedefeld, Taubenbach und Wallendorf. ^ '

Keine weiteren Todesopfer auf Grube Schmiedefeld.

Schmiedefeld (Kr. Saalfeld). Die Zahl der Todesopfer des schweren Betriebsunfalls, der sich am Vormittag bes Pfingftfonnabend beim Abtäufen eines Schachts auf bei Schmiedefelder Eisensteingrube ereignete, hat sich nicht er­höht. Von den sechs verschütteten Bergleuten sind vier als Leiche n, die beiden anderen unverletzt geborgen wor­den. Die Rettungsarbeiten konnten in den späten Abend­stunden eingestellt iverden. Die Beerdigung der Toten hat bereits unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattge- funden. Unter den Bergleuten, die ihren toten Kam'eraden die letzte Ehre erwiesen, befanden sich auch die beiden Ge­retteten.

DejstJwmten^ioinierriiJtaBnai^^ Regierung Kenntnis zu nehmen.

Bezüglich der zweiten Frage müsse man sofort sest- stellen, daß unter den von der polnischen Regierung erwähn­ten Maßnahmen sich nicht diejenige befand, die nach Auffas­sung gewisser Mitglieder des Völkerbundsrates das geeig­netste und wirksamste Mittel dargestellt hätte, um die beson­deren Verbindungen, die etwa zwischen den Behörden und oen Ausstandischenverbänden bestehen, verschwinden zu las­sen.

In der Erwartung, daß die von der polnischen ^Regie­rung bisher ergriffenen und weiter im Sinne der Januar­verhandlungen des Völkerbundsrats zu ergreifenden Maß­nahmen einen Fortschritt auf dem Wege zur Schalte einer dauernden und befriedigenden Form der Minderheitenve- Handlung darstellen, schlug der Berichlerstatter vor, daß: drr Völkerbundsrat die Angelegenheit für erledigt erklären solle.

Deutschland verlangt Vertagung

Dr. Curtius sprach sein Bedauern aus, daß der Bericht der polnischen Regierung nuyt, wie es der Völkerbundsrat in seiner Entschließung vom Januar verlangt hatte, vor der gegenwärtigen Ratstagung vorgelegt worden sei. Die mit- geteilten polnischen Maßnahmen reichten nicht aus, um heute scholl feslzuslellen, daß das Vertrauen zwischen der polnischen Regierung und der deutschen Minderheit, so wie es der Beschluß der letzten Ratstagung als notwendig be­zeichnete, wieder hergestellt worden sei und das wieder nor­male Verhältnisse hinsichtlich der Minderheit in Polen be­stehen. Dr. Curtius beantragte demgemäß, die AngelegeN- Heit auf September zu vertagen. .'

In Vertretung des anwesenden polnischen Außen­ministers erklärte der ständige polnische Vertreter bein Völkerbund, S 0 kall, daß er den Bericht des japanischer Delegierten, obwohl die polnische Regierung nicht in aller Einzelheiten derselben Auffassung sei, ohne Vorbehalt. a.n- nehme. Der polnische Vertreter w i d e r s.p r ach . e nit schieden der Vertagung. Er erklärte, Polen hakn gewissenhaft und loyal seine Verpflichtungen erfüllt. .

Nunmehr entspann sich eine lebhafte Debatte. Der Fron,wie P 0 n c e t widersprach dem Verlagungsantrag.

Der deutsche Außenminister Dr. Curtius wandte sich in einer Erwiderung gegen die Ausführungen des französischen Vertreters. Es komme sehr wohl auf Einzelheiten an und er müsse sich vorbehalten, diese Einzelheiten sehr genau nach- zn-m-üfen und sich zum 'JWKrf frtrrtm. irrte es TtmTtnrHnrfr ElMMMW»WMM^«t 1. Slmrfvresuhren ww »» M -No«. urteilungen und ganz geringfügigen Strafen geführt haben, wie es sich ferner erkläre, daß so wenig Disziplinarverfah­ren eingeleitet und durchgeführt worden seien, obwohl die Beteiligung von beamteten Personen in erheblichem Um­fange festgestellt worden sei; wie es schließlich komme, daß gegen höhere Beamte überhaupt nichts unternommen wor­den sei.

Polen droht

Im weiteren Verlauf der Aussprache über den Ober- schlesrenbericht kam es zu schweren Angriffen des Polen Sokal gegen Dr. Curtius. Sokal erklärte, Dr. Curtius scheine den Bericht der polnischen Regierung in allen Einzel­heiten zu kennen; der Verlagungsantrag sei daher völlig unbegründet. Er protestierte aufs schärfste gegen eine Be­kanntgabe des Berichtes der polnischen Regierung an bh Minderheit in Oberschlesien. Er müsse dringend vor einet Vertagung warnen, dg dadurch gefährliche Folgen eintreten würden. Die polnische Regierung lehne im Falle einet Vertagung ausdrücklich die Verantwortung für neue Un­ruhen in Oberschlesien ab.

Dr. Curtius antwortete sofort, er habe die gröhlen Zweifel bei einer Prüfung des Berichtes empfunden, ob die tatsächlich von Polen behauptete Beruhigung soweit fort- zeschritken sei, daß eine endgültige Feststellung des Völker- imndsrats möglich sei. Die polnischen Befürchtungen einer weiteren Verschärfung der Lage in Oberschlesien im Falle einer Vertagung ständen im Widerspruch zu dem Bericht

)er polnischen Regierung.

England auf Deutschlands Seite

Da griff Henderson ein. Er erklärte, er empfinde wei- testgehende Sympathie für den deutschen Standpunkt. Die polnische Regierung sei durchaus zu tadeln, daß sie diesen Bericht so spät eingereicht habe, und könne nicht erwarten, daß der Rat in einer so schwierigen Angelegenheit in kür­zester Frist einen Beschluß fasse. Er selbst hege ernste Zwei- sei, ob der Völkerbundsrat in einer so wichtigen Angele- genheit jetzt bereits eine endgültige Entscheidung treffen dürfe. Er lehne jedoch auf das nachdrücklichste auch die Er­klärung der polnischen Regierung ab, daß sie jetzt bereits die Verantwortung für die Folgen eines Verlagungs- beschlusses ablehne. Die polnische Regierung dürfe sich unter keinen Umständen der Verantwortung entziehen.

Vertagung beschlasien

Nach dieser unerwarteten Wendung mußten Polen und Frankreich " en widerstand aufgeben und einstimmig erfolgte die Ver! ung.

Ausklang in Genf

Ein kleinliches Verzögerungsmanöver Polens.

Genf, 26. Mai.

Die Niederlage, die Polen durch Annahme des deutschen Verlgann«santraaes erlitten hatte, wirkte na dabm