Proseffor Wegener tot?
Kopenhagen, 12. Mai. In der „Verlingske Tidend«" erklärl Dr. Knud Rasmussen, nach seiner Meinung könne leider kaum noch ein Zweifel darüber bestehen, daß Prof. Wegener umgekommen sei. Er halte es für ausgeschlossen, daß sich Wegener bei dem einen oder anderen Depot aufhalte. Alle diese Plätze habe die Retturmserpedi- fioa sicherlich abgesucht. Aeberdies sei der letzte Winter in Grönland ungewöhnlich hart und stürmisch gewesen.
„Ich halte", erklärt Rasmussen weiter, „Prof. Wegener in wissenschaftlicher Hinsicht für einen Mann von Weltformat und einen der genialsten arktischen Forscher unserer Zeit. In vielen seiner Theorierk war Wegener seiner Zeit weit voraus."
Dr. Lauge Koch erklärt in der „Nationalti-ende", er halte es für unwahrscheinlich, daß Wegener und sein Begleiter in der Nähe der Küste in eine Eisspalte gestürzt sind.
Prof. Wegener.
Nicht nur Deutschland und Dänemark, sondern die ganze Welt habe mit dem Tode des Forschers einen schmerzlichen Verlust erlitten Wegener sei weltbekannt im besten Sinne des Wortes, am meisten bekannt durch seine Theorien über die Verschiebung der Kontinente, Theorien, die die Auffassung über die Entwicklung der Erde in entscheidenden Punkten geändert haben. „Wir, die wir mit der arktischen Forschung zu tun gehabt haben," erklärte Dr. Lauge Koch, „sehen ihn als einen der unseren an, und sein Tod verursacht uns tiefen Schmerz.. Persönlich möchte ich meine Wert- chätzung Wegeners dahin ausdrücken, daß von allen großen Männern, die ich in der Welt getroffen habe, Wegener der- enige ist, dessen Name am spätesten vergessen werden wird. Noch in zukünftigen Jahrhunderten wird map. seiner ge- denten. Ohne Zögern kann man ihn neben Männern wie Einstein und Nansen nennen."
Bon gestern bis heute
Verbot der kommunistischen „Volksmacht".
Der Oberpräsident der Provinz Pommern hat aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März das Erscheinen der kommunistischen „Volksmacht" bis zum 22. 5. 1931 verboten. Das Verbot wurde wegen eines Artikels erlassen, in dem die staatliche Schutzpolizei und die Regierung beschimpft wurden.
Blutige Schlägerei in Stuttgart.
In der Böheimstraße in Stuttgart kam es zu einer Schlägerei zwischen einem Nationalsozialisten und Anhängern der kommunistischen Partei, in deren Verlauf der Nationalsozialist einen scharfen Schuß abgab, der einen Kommunisten streifte und einen Unbeteiligten am Oberschenkel verletzte. Der Nationalsozialist wurde später mit schweren Schlag- und Stichwunden ins Krankenhaus eingeliefert. Insgesamt wurden sieben Personen festgenommen.
Polnische Textilfabriken stillgelegt.
Die Textilfabriken von Bi.elick und Biala haben jetzt, nachdem sie bereits am 1. Mai 2500 Arbeiter entlassen hatten. wieder 7000 Arbeiter entlassen. Eine Verhandlung mit den Gewerkschaftsführern in Anwesenheit des Demobil- machungskommissars ist ergebnislos verlaufen.
Der „Schienenzeppelin" auf der Fahrt.
Der GVT.-Propellertriebwagen, mit dem die ersten Versuch« auf der. Probestrecke bei Burgwedel durchgeführt wurden, befuhr erstmalig Reichsbahnbetriebsstrecken größerer Länge, und zwar zwischen Leinhausen, Plockhorst und Hannover. Auf diesen Strecken erreichte der Wagen eine Stunden- geschwindigkeit bis zu 205 Kilometern. — Unser Bild zeigt den Propellertriebwagen auf dem Bahnhof Dollbergen und seine Konstrukteure: von links nach rechts: Fritz Heyner, Franz Kruckenberg, Curt Stedefeld und Willy Black.
Aus der Heimat.
Achtung! Hausfrauen! Neuerdings propagiert eine Hamburger Tevpichfirma „10 Gebote für sachgemäße Tev- pichbehandlung' sogar in Broschürenform und empfiehlt, zur Reinigung ziemlich erhebliche Mengen von Benzin zu verwenden. Es muß daher immer wieder davor gewarnt werden, eine derartig leichtsinnige Gefährdung von Leben und Gesundheit der Wohnungsinhaber zu riskieren. Die Gefahr liegt darin, daß die sich entwickelnden Benzingase mit der atmosphärischen Luft gemischt außerordentlich explosibel sind. Diese Benzindämpfe sind schwerer als die atmosphärische Luft, bewegen sich am Boden entlang entsprechend den hier herrschenden Strömungen und kommen auch an weit von der Benutzungsstelle des Benzins entfernten Feuer- stellen, brennenden Lichtern, entzündeten Streichhölzern oder gar schon an Funken von elektrischen Kontakten zur Entzündung und Explosion. Schon 2,5 Teile Benzin auf 100 Teile Luft, also ganz geringe Mengen, lassen das gefährliche Explosionsgemisch entstehen. Selbst das Oeffnen der Fenster bei solchen Arbeiten genügt nicht als Vorbeugungsmaßnahme. weil die schweren Benzindämpfe auf dem Boden ruhen und nicht abziehen können. — Geradezu gemein- gefährlich ist das Fortgießen benutzter Benzinmengen in die Wasserleitungen, Toiletten und dergleichen. Denn dadurch können explosionsgefährliche Gasmengen in die Kanalisation gelangen, die sich schlimmer auswirken können, als wenn man ganze Straßenzüge mit Dynamit unterlegt.
Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Von den Azoren erstreckt sich über das Festland bis nach Finnland ein Hochdruckrücken, in dem es vielfach zu Aufheiterung gekommen ist. Der Einfluß des isländischen Tiefdruckwirbels wird sich bei uns nur durch vorübergehende stärkere Bewölkung geltend machen. Nur im Norden kann es noch zu leichten Niederschlägen kommen. Die Temperaturen werden noch etwas ansteigen. — Vorhersage bis Mittwoch Abend: Wieder meist heiter und trocken.
Philippsthal. Ein Autounfall ereignete sich vergangene Nacht gegen 10 Uhr kurz vor der Ulsterbrücke. Ein aus Richtung Heringen kommender Hanomagwagen fuhr an der Wegegabelung Unterbreizbach-PhilippSthal in die Ulsterwiese und überschlug sich. Die 4 Insassen, zwei Herren und zwei Damen, sind verletzt worden; letztere ziemlich schwer. Der Wagen ist vollständig demoliert, die Maschine blieb heil. Nach Anlegung von Notverbänden wurden die Verunglückten nach Hause gebracht.
Grüsselbach. In der Nähe des „Felsenkellers" ereignete sich wieder ein Verkehrsunfall. Auf dem abschüssigen Teil der Hanau Vachaer-Landstroße am Kirch- berg wollten sich zwei Lastfernzüge ausweichen. Dabei geriet der eine Lastzug, welcher einer Dresdener Zigarettenfabrik gehörte, zu weit aus die Seite. Der Anhänger sackte mit den rechten Rädern ein, schlug um und stürzte die Straßenbös l ung hinab. Personen sind nicht verletzt worden.
Kasfel. Aus allen deutschen Provinzen waren WL^zitLl-MLLdeulschen Feldar üUeriüen zu dem zweiten Waffentag nach Kafselgekom-men. "Durch einen Begrüßungsabend am Sonnabend wurde der Waffentag eingeleitet, der in drei großen Sälen durchgesührt werden mußte. Aus der Hessenkampfbahn fand ein gewaltiges Gefallenen-Gedenken statt an der auch die Traditionsbatterie aus Fritzlar teilnahm General von Gallwitz hielt die Begrüßungsansprache. Dann schritten die Generäle die weite Front aller Artilleristen ab. Zu den Höhepunkten des Artilleriefestes gehörten die Vorführungen der Fritzlarer Batterie. Das Festprogramm war von erstaunlicher Vielseitigkeit. Jagdspringen und die darauffolgenden Reiterspiele erregten große Heiterkeit. Nach dem Barrierenspiingen gabs einen Einblick in die Vielseitigkeit des Dienstes einer heutigen Batterie. Mit dem Festabend in der Stadthalle erreichte der Waffentag seinen Höhepunkt und Abschluß, der allen Teilnehmern ein unvergeßliches Ereignis bleiben wird.
Bebra. Ein aufregender Vorfall spielte sich in der Göttingerstraße vor der Eisenbahn-Unterführung ab. Eine ältere Frau wollte die Fahrbahn überqueren. Sie achtete aber hierbei nicht auf einen herannahenden Personenkraftwagen, dessen Signale sie anscheinend überhört haben muß. Die Frau wurde angerannt und zu Boden geworfen; der Führer des Kraftwagens brächte aber sein Fahrzeug noch zum S-ehen, so daß der Frau kein Schaden zugesügt worden ist.
Sontra. Als die 20jährige Katharina Br. aus Datterode von ihrer Arbeitsstelle heimkehren wollte, wurde sie von ihrem Geliebten Jakob D. Überfällen. 1 Die Eltern des Mädchens wollten den Verkehr mit D. nicht haben Das Mädchen zog sich darauf auch zurück, D. war aber darüber so empört, daß er dem Mädchen nach dein Leben trachtete. Es gelang ihm, sie an der i Datteroder Landstraße zu übermäUigen und in den ! nahen Wald zu schleppen. Daraus zog er ein Rasiermesser. Das Mädchen g.ib laute Hilferufe von sich die von Straßenpassanten gehört wurden. Der Täter ergriff die Flucht, ohne dem Mädchen weiteres getan zu haben.
Sebbeterode Ein mit drei Personen besetzter Frankfurter Kraftwagen überschlug sich auf der Landstraße bei Sebbeterode infolge Reifenbiuchs. Die drei Insassen wurden stark verletzt unb mußten mit dem Krankenwagen in das Krankenhaus Hephata gebracht werden Die Limousine erlitt erhebliche Beschädigungen.
Wehrda an der Lahn. Gestern vormittag ertrank in der Lahn in Wehrda ein Marburger Oberkellner, der in Kleidern die Lahn durchschwimmen wollte. Die Leiche ist infolge des Hochwaffers noch nicht gesunden worden.
Meschede. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Bahnübergang zwischen Hoppecke und Messinghausen. Als der Ober-gerichtsvollzieher Bleeke auS Brilon mit seinem Auto auf einer Dienstfahrt von Niedermarsberg kommend das Geleise überqueren wollte, wurde er von einem Güterzuge überrant. Schwer verletzt wurde er ins Briloner Krankenhaus eingeliefert,
wo er bald darauf an den schweren Verwundungen gestorben ist. Das Auto wurde vollständig zertrümmert. Die Eisenbahnschranke soll nicht geschlossen gewesen sein.
Hoya In der Nähe des Ortes Vilsen bei der Gastwirtschaft „Zum Kreuzkrug" ereignete sich ein schweres Motorradunglück, dem ein blühendes Mens.'. en- leben zum Opfer fiel. Von Asendorf kam ein viersttziger Personenkraftwagen. In demselben Augenblick sauste aus der Richiung Sulingen ein Motorrad heran, dessen Führer sich anscheinend nicht davon überzeugt hatte, ob die Landstraße für die Ueberquerung frei sei. In voller Fahrt prallte daher das Motorrad mit dem Auto zusammen. Dabei trug der Mororradfahrer einen Bruch der Schädelbasis und gleichzeitig einen Oberschenkelbruch davon und war sofort tot. Der Autoführer erlitt nur geringfügige Verletzungen.
Bad Nauheim Auf die Oberin des Israelitischen Frauenheims wurde früh gegen 4 Uhr ein verwegener Raubüberfall verübt. Der Täter drang vom Garten aus durch ein halbgeöffnetes Fenster in die Küche und begab sich durch einige Zimmer in das Schlafzimmer der Oberin, der er mit einem Messer in der Linken und einem Revolver in der Rechten gegenübertrat. Er ersuchte die Frau, sich ruhig zu verhalten, sonst werde er stechen und schießen. Dann durchwühlte der Bursche alle Behälter des Raumes und erbeutete dabei 150 RM. in Papiergeld, ein altes Zehnmarkstück aus Gold und für etwa 100 RM. Hartgeld. Als er das Geld an sich genommen hatte, mußte die Oberin das Messer in die Hand nehmen und schwören, daß sie der Polizei nichts mitteilen werde. Der Räuber sagte dabei, daß er ein alter Verbrecher sei und gegebenenfalls wieder kommen werde und Rache ausübe.
Eisenach. Dem in dem Kampf mit Wilderern in der Flur von Eisenach vor einigen Wochen verwundeten Förster Saffrath aus Eisenach mußte in der Universitätsklinik in Jena der rechte Arm. abgenommen werden. Die Kugel hatte nicht nur die Hand- und Unterarmknochen zerschmettert, sondern auch daS Ellbogengelenk in Mitleidenschaft gezogen.
Mainz. Der in Undenhaim wohnhafte Spediteur Lulay hatte 1916 im Felde einen Lungenschuß erhalten. Die Kugel war in der Lunge stecken geblieben und bereitete seit dieser Zeit Lulay heftige Beschwerden. Dieser Tage mußte er sich in das Städtische Krankenhaus nach Mainz begeben, da sich heftige Schmerzen als Folgen des Steckschusses eingestellt halten. Die Aerzte wagten eine Operation, um die Kugel zu entfernen. Der operative Eingriff ist geglückt, so daß mit einer baldigen Wiederherstellung des Patienten zu rechnen ist.
Autobandit Heiners ab beurteilt
Vor Dem Düsseldorfer Schwurgericht fand am Montag der Prozeß gegen den Autobanditen Walter Reiners wegen Mordes an dem Kriminalbeamten Philipp und wegen qualifizierten Raubes an dem Kaffenboten der Regierung»- Hauptkasse in Düsseldorf statt. Am 11. Oktober, brachten Reiners und der Chauffeur Koll zu einer Garagt in Düsseldorf einen Lancia-Wagen zur Reparatur, den sie am nächsten Montag wiederabholen wollten. Da den Angestellten der Garage verschiedene verdächtige Momente aufgefallen waren, wurde die Polizei benachrichtigt. Zwei zur Garage geschickte Polizeibeamte stellten fest, daß es sich um einen in Berlin gestohlenen Wagen handelte.
Als Reiners und Soll in der Garage erschienen und von dem Polizeiassistenten Philipp zur Rede gestellt wurden, feuerte Koll aus der Manteltasche heraus einen Schuh ab, der Philipp in den Schenkel traf. Der Beamte fiel zu Boden, das Gesicht zur Erde aedreht, und Reiner» jagte ihm noch zwei Schüsse in den Hsn'^kovs, durch die er getötet wurde.
Zwischen dem anderen Beamten und den beiden Auto- banbiten entspann sich eint Schießerei, in deren Verlauf Koll erschossen wurde. Reinere konnte entkommen. Er wurde einen Monat später in Köln verhaftet. Im Laufe der Voruntersuchung gestand Reiner», daß er mit dem erwerbslosen Toll und den erwerbslosen Arnemann und Flink die Raub- 'iberfälle auf einen Kassenboten bei der Reichsbank in Köln umD auf die Kreissparkasse in Porz begangen habe. Diese Fälle wurden bereits vom Kölner Schöffengericht abgeur- rcilt Weiter räumte Reiners ein, auch den Ueberfall auf den Hilfskasfenboten Gautier der Regierungshauptkasse in Düs- feiborf am 8. Mai 1930 verübt zu haben. Reiners hat sich uvhalb jetzt wegen Mordes und qualifizierten Raubes zu veruntivorten. Der Staatsanwalt beantragte die Todes ;t r a f e.
Das Gericht verkündete folgendes Urteil: Reiners wirk wegen Totschlages zu lebenslänglichem Zuchthaus, weger Tostchlagversnches und Raubes zu acht Jahren Zuchthau, bei <Mberfcnnung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebens ze>! verurteilt. Arnemann erhält wegen schweren Raube, zehn Jahre Zuchthaus, Flink wegen des gleichen Delikte, fünf Jahre Zuchthaus. Beiden werden die bürgerlicher Ehrenrechte auf die'Dauer von fünf Jahren aberkannt.
Z-vhlyäusler als „Industrieller"". Der thüringische Dri Mauerstein (Kreis Sonneberg) war vor kurzem Schauplatz »ine# groß angelegten Jndustrieschwindels. Auf die Be- itrebmigen zur Einführung neuer Industrien, meldeten sich zwei Westdeutsch«, die im Gebäude einer stillgelegten Pozellanfabrik eine Mattenflechterei einrichten wollten DN Mbtn erschienen in Rauenstein als Retter aus der Not. imettkrt Räume, zogen den Betrieb bis zum eigenen Autc qrsß/rügi^ auf. Niemand schöpfte Verdacht, daß irgend etwas nicht fn Ordnung sei. Erst als die Herren Industriellen ar.pmf Selb in den Ort zu bringen, alles schuldig blieben, unb '--gor zahlreiche Leute anborgten, wurde man stutzig. Man flimmerte sich etwas mehr um die Personalien und stellte lest, daß es sich bei dem einen um einen Zuchthäusler handelte Die ganze Geschichte erwies sich als groß auf- gejagtes Bluff. Vor dem Schöffengericht in Sonneberg •marbt den Hochstaplern der Prozeß gemacht; der Hauvt- angofiagte erhielt wegen Betruges ein Jahr, sein Mithelfer zwei Wochen Gefängnis.