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HersfelSerTageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

: Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1.50 . Rekchs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für hersseld t : 1-20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : : 1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Ludwig : Zunks vuchdruckerel in Hersfeld, Mitglied des vdZV. r

Nr. 102 «Erstes Blatt)

Sonnabend, den 2. Mai 1931

81. Jahrgang

Der 1. Mai

Kommunistische Ausschreitungen in Berlin Das Ausland meldet ruhigen Verlauf

»leibt hindenburg?

In den letzten Monaten ist die Person des Reichsprä­sidenten von Hindenburg mehrfach in die öffentliche partei­politische Erörterung gezogen worden. Hindenburg hat mehrere Male bei krisenhafter Zuspitzung der Lage einge­griffen und durch sein Machtwort die krisenhaften Wogen wieder geglättet. Nicht immer sind alle mit den Maßnah­men des Reichspräsidenten einverstanden gewesen, vor allem haben die verschiedenen Notverordnungen, zu deren Erlaß er sich infolge Versagens des Reichstages gezwungen sah. Angriffe gegen ihn zur Folge gehabt. Im allgemeinen sind aber diese Angriffe zurückhaltend und im wesentlichen sach­lich gewesen. In jüngster Zeit aber wird die Person öfters in den Mittelpunkt des parteipolitischen Kampfes gestellt. Bekanntlich läuft die Amtszeit Hindenburgs im nächsten Frühjahr ab. Die Besorgnis darüber, was werden soll, wenn Hindenburg es ablehnt, weiter auf feinen Posten zu bleiben, drängt sich in allen Lagern hervor. Das ist begreif­lich. Wie die Dinge heute liegen, ist keine Partei in der Lage, einen Mann zu präsentieren, der geeignet wäre, ein« Mehrheit von Stimmen auf sich zu vereinigen. Es erschein» aussichtslos die bürgerlichen Parteien auf eine Persönlich­keit zu vereinigen. Vielmehr ist damit zu rechnen, daß min= bestens vier oder gar fünf Kandidaten vorgeschlagen wer­den. und völlig ungewiß ist es. wer nachher im Endkampf das Rennen machen wird.

Als man vor fast sieben Jahren an Hindenburg heran- trat. um ihn zu veranlassen, jm Interesse der bürgerlichen Einigung und zum Besten des Vaterlandes für den Präfi- dentenftuhl des Deutschen Reiches zu kandidieren, wußte man, daß neben ihm keine Persönlichkeit zu finden war, dir so allgemein bekannt und beliebt war wie er. Trotz heißer Stichwahl vermochte er die Mehrheit der Summen auf sich VTn^hinen E« ist begreiflich. daß nFliesten Kreisen des deutschen Volkes der lebhafte Wunsch -besteht, daß Hin­denburg sich bereit erklären möchte, auch nach Ablauf seiner Amtsperiode auf seinem Posten auszuharren. Bisher ist eine dahingehende Bitte an ihn offiziell nicht herangetragen worden. Er hat auch noch nicht zu erkennen gegeben, ob er dazu bereit wäre. Jeder weiß, daß es für ihn, der nun 6k Jahre im Dienste des Vaterlandes steht, ein Opfer wäre, fernerhin die schwere Bürde und Verantwortung des Reichs­präsidenten zu tragen. Es ist dennoch möglich, daß man sich in bürgerlichen Kreisen dazu entschließt, ihn zu bitten, trotz allem dieses Opfer auf sich zu nehmen Angesichts der Tat­sache aber, daß von einer Seite an ihn das Ersuchen gerich­tet wurde, seinen Rücktritt zu nehmen, falls er sich nicht zur Aufhebung der letzten Notverordnung entschließen könne,, wird man befürchten müssen, daß er den Wunsch hat, einem andern Platz zu machen.

Ein vorzeitiger Rücktritt kommt nach amt­licher Erklärung selbstverständlich nicht in Frage. Sollte er sich entschließen können, über seine siebenjährige Amts­periode hinaus zu amtieren, dann könnte das nur durch ein« entsprechende Verfassungsänderung ermöglicht werden. In unterrichteten Kreisen glaubt man nicht, daß Hindenburg sich hierzu bereit fände. Er hat schon immer abgelehnt, daß etwas geschieht, was lediglich ihn persönlich angeht. Er stellt sich rückhaltlos auf den Boden der Ver­fassung und würde sehr wahrscheinlich nur dann sich für ein weiteres Verbleiben entschließen können, wenn dies der ein» mütige Wunsch des deutschen Volkes ist, wobei die Kommu­nisten allerdings ausscheiden. Wie man Hindenburg kennt, dürfte er zu gegebener Zeit selbst einen Vorschlag für seinen Nachfolger machen, der nach seiner Auffassung dem Besten des Vaterlandes und des Volkes dient. Alle kennen seine keberparteilichkeit, und seine unbeugsame^Gerechtigkeit und eine deutsche Treue. Ihm ist der größte Schmerz als Deut- cher und als Vater des Vaterlandes, daß das deutsche Volk mmer mehr der parteipolitischen Zerrissenheit verfallen ist.

Darüber sollten sich alle, die es angeht, einig sein, daß niemand dem deutschen Volke und dem deutschen Vaterland besser dienen kann als Hindenburg, wenn er nicht wie er nur ein Ziel kennt: Deutschlands Einheit, Deutschlands Freiheit und Deutschlands Größe. Weder mit parteipolitischen Schlagworten, noch mit einseitigen Jnteressenforderungen kann Deutschland aus seiner jetzigen Lage wieder zur Höhe geführt werden. Nicht eine gewaltsame Lösung, nicht Experimente, aber auch kein Labanque-Spiel kann Deutschland wieder zu politischer und wirtschaftlicher Freiheit, zu voller Weltgeltung bringen. Nur vom Boden der Tatsachen aus und mit dem klaren Ziel ' nationalen Wollens, ehrlichen Ringens und deutscher Treue können wir vorwärts und aufwärts kommen. So sehr sich Herz und Gerechtigkeitsempfinden gegen die Versailler Unterdrückung und die schamlose Kriegsschuldthese aufbän- men: Der Waffenring rings um Deutschland zwingt uns, mit kühlem Blick, aber eisernem Willen mit den uns geblie­benen Waffen des Geistes und der Herzen langsam das Joch zu sprengen. Je mehr wir alle Kräfte für diesen Freiheits- kampf zusammenfassen, je entschiedener wir unseren Gegnern unsern Freiheits- und Geltungswillen erkennen lassen, um so sicherer wird uns der Erfolg sein. Dafür hat uns Hinden­burg als Führer im Kriege und als Vater des Vaterlandes das beste Vorbild gegeben. Er wird Deutschland nicht ver­lassen, solange ihm die Kraft gegeben ist. Das sollte uns Richtschnur bei der Erörterung der P.äsidentsnwahl sein.

Der 1. Mai in Berlin

Massendemonstrationen - Ausschreitungen

Berlin, 2. Mai.

Zur Feier des 1. Mai waren durch den Polizeipräsi­denten von Berlin drei große Veranstaltungen genehmig! worden, die erste um zehn Uhr, die Zentralkundgebung der Sozialdemokratischen Partei und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes im Lustgarten, um elf Uhr eine Son- deroeranstaltung der SPD. in Spandau, und eine Kund­gebung der Kommunistischen Partei um vier Uhr nachmit­tags, die ebenfalls im Lustgarten stattfand.

Zu der Lustgarten-Kundgebung der Sozialdemokra­tischen Partei hatten sich bereits gegen acht Uhr morgens ar 22 Sammelplätzen, die auf die Stadt verteilt waren, di« Mitglieder und Anhänger der SPD. und des Allgemeiner Deutschen Gewerkschaftsbundes versammelt, um geschlosser nach dem Lustgarten zu marschieren Gegen zehn Uhr wa» der Lustgarten so überfüllt, daß die noch folgenden Züge zurr Teil die Schloßfreiheit und die umliegenden Straßenzüg« füllten. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Ge­werkschaftsbundes, Gau Berlin, B r e d o w , schilderte in längeren Ausführungen die Errungenschaften der Sozial­demokratischen Partei vom Anbeginn ihres Bestehens unt wies besonders auf die kommenden Kämpfe hin, die die Ar­beiterschaft zu führen habe, um den Angriff des Kapital« gegen die sozialen Einrichtungen abzuwehren.

Lr forderte zur Einigkeit und zum Zusammenhalt auf um das bisher Erreichte auch mit Erfolg verteidigen und weiter ausbauen zu können. Zu der Frage der Arbeitszeil bemerkte der Redner, daß wir hier heute der 40-$funben- bzw. 5-Tage-Woche weit näher seien als 1889 dem Acht stundentag.

Die Polizei, die für den Tag auf erhöhte AlariNsluf, gesetzt war, versah einen erheblich verstärkten Straßenauf- sichtsdienst, um Störungen des An- und Abmarsches zu ver­hüten. Kraftwagenstreifen begleiteten die Züge. Der Fähr­verkehr, der teilweise durch die Aufmarschierenden ine Stocken geriet, konnte durch besondere Verkehrskommando« wieder schnell in Fluß gebracht werden.

Die Veranstaltung der Sozialdemokratischen Partei if vollkommen ruhig verlaufen.

Die Sowjetfahne über der Universität

3m Vorhof der Universität sammelten sich geger 10.30 Uhr etwa 300 nationalsozialistische Studenten, die heil rufe auf Hitler ausbrachten und das Deutschlandlied sangen Die von der Maifeier im Lustgarten abströmmenden An gehörigen der Sozialdemokratischen Partei sammelten fid vor der Universität, und eine Anzahl von ihnen überklettert, in der Universitätsstraße das Gitter und stürzte sich auf di, nationalsozialistischen Studenten. Es kam zu einer Schlägerei die insofern nur schwer beendet werden konnte, als die Lin gänge zum Universitätsgebäude geschlossen waren. Schließ lich gelang es nach Einsatz von berittener Polizei, die Uni oersikätsstrahe zu räumen. Die sozialistischen Demonstranter sammelten sich darauf vor der Universitätsbibliothek linset den Linden. hier kam es erneut zu Schlägereien zwischer den Sozialisten und Nationalsozialisten. Die Straße mußt« auch hier wiederholt von der Polizei geräumt werden.

Nach den Zusammenstößen zwischen den abziehenden Sozialdemokraten und nationalsozialistischen Studenten im Borhof der Berliner Universität und der Universitätsbiblio- Hek sollten nachmittags gegen 1 Uhr die Tore des Univer- itätsgebäudes geöffnet werden.

Als die betreffenden Beamten sich außerhalb des Univer- fitätsgebäudes befanden, wurde, wahrscheinlich von feiten kommunistischer Studenten, die Sowjetfahne auf dem Mittelmast des Universitätsgebäudes gehißt.

Es sammelten sich zahlreiche Neugierige vor der Universi- ät an, die mit Erstaunen plötzlich das Aufziehen der Sow- etsahne auf der Universität beobachteten. Die Beamten der lniversität, die man darauf aufmerksam machte, entfernten >ie Fahne, deren Besitzer natürlich nicht festgestellt werden onnten.

Ein Schupo niedergeschossen

Schon in früher Morgenstunde hatte der 1. Mai ein Opfer gefordert. Um 3 Uhr früh wurde von noch unbe­kannten Tätern in Reinickendorf ein Schupobeamter nieder- zeschossen und in schwerverletztem Zustand ins Staats­krankenhaus eingeliefert. Der Beamte befand sich mit einem Kollegen auf einem Streifgang durch Reinickendorf-Ost, als ihnen in der Baseler Straße ein Trupp von fünf bis zehn jungen Leuten entgegenkam. Als sie der beiden Schupo­beamten ansichtig wurden, überschütteten sie den Doppel­posten mit wüsten Schimpfworten und Drohungen, aus Senen die Schupos entnahmen, daß die nächtlichen Ruhe­störer Kommunisten waren. Auf die bloße Aufforderung )in, daß sie das Schimpfen unterlassen sollten, wurden die Burschen sofort tätlich. Einer von ihnen zog einen Revolver und schoß den einen Beamten nieder. An seinem Auf­kommen wird gezweifelt. Da der andere Schupo für den Transport feines Kollegen nach dem Kr nkenhaus sorgen mußte, gelang es dem Schützen und feinen Freunden, uner­kannt zu entkommen.

In München kam es zu einem

Zusammenstoß zwischen Polizei und Kommunisten.

Nachdem mehrere Beamte durch Steinwürfe verletzt worden waren, zogen die eingesetzten Schutzmannschaften blank und zerstreuten die Demonstranten.

Die Maifeiern im Ausland

Berlin, 2. Mai.

Nach den bisher aus den europäischen Hauptstädten vorliegenden Meldungen ist im wesentlichen der 1. Mai ruhig verlaufen. In Paris unterdrückte die Polizei kom­munistische Demonstrationsversuche. In London fanden die üblichen Feiern statt, die ohne Zwischenfall verliefen. Auch B u d a p e st meldet einen ruhigen Verlaus der Mai­feier, die von der Sozialdemokratischen Partei veranstaltet wurde.

3n Moskau fand eine große Truppenparade auf dem Roten platz statt. Es folgte eine Demonstration, an der über 1 Million Arbeiter teilgenommen haben sollen. Man sah viele Banner mit Losungen wieDurchführung des Fünsjahrplanes in vier Jahren!",Weitere Stärkung der Wehrfähigkeit des Landes!" und so weiter. Plakate ver­anschaulichten die Ergebnisse der Durchführung der Produk­tionsprogramme aus der Grundlage des sozialistischen Wett­bewerbes und der Stoßbrigadenbewegung. Die Feierlich- | leiten erstrecken sich über zwei Tage.

Z«samme«ftäbe in Kairo

Kairo, 2 Mai.

Bei Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Wafd- Partei und der Liberalen Partei sollen achtzehn Demon­stranten, darunter der ehemalige Ministerpräsident Mahmud Pascha, verletzt worden sein. Die Truppen der Garnison lino centcrn worden.

Start desDa. X

Las Palmas, 2. Mai. Das Riesenwasserflugzeug Do. X" ist um 11 Uhr vormittags nach Rio de Oro (Spa- nisch-Westafrika) gestartet.

Zu der Meldung wird von der Vertretung des Dornier- Metallflugzeugbaus erklärt, es sei wünschenswert, daß das Flugboot vor dem endgültigen Start einige größere Probe- flüge absolviere. Bei der hiesigen Vertretung ist bisher le­diglich die Meldung der Schiffsleitung eingegangen, daß das Flugboot nach Ausbesserung der Schäden, die es im Fe­bruar dieses Jahres in Las Palmas erlitten hat, nunmehr wieder klar ist und in nächster Zeit einen größeren Probe­flug ausführen wird. Ueber den Termin des Starts selbst sind der hiesigen Vertretung keinerlei Meldungen zugegan- gen, wie dies ja auch bei der Abhängigkeit von der Wetter­lage erklärlich ist. Die von anderer Seite ausgegebenen Startmeldungen können daher von der Berliner Vertretung des Dornier-Metallflugzeugbaus nicht ausdrücklich bestätigt werden.

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Genehmigung für den Schenkernertrag?

Berlin, 2. Mai.

Die Deutsche Reichseisenbahngesellschaft hat bei dem Reichsverkehrsminister die Genehmigung zum Schenker- Abkommen nachgesucht.

Die Verhandlungen zwischen der Reichsbahn und Wirt­schaft werden nunmehr unter Beteiligung von Vertretern des Reichsverkehrsministeriums wiederaufgenommen werden. Die Reichsbahn glaubt nach den inzwischen weitergepflogenen Besprechungen, auf diese Weise zu einer allseitig befriedi­genden Lösung dieser Frage zu gelangen.

Briand Vräfidentlchastrtandidat?

Paris, 2. Mai.

Die politisch-literarische WochenschriftGringoire" be- schäfkigt sich mit der Frage einer Kandidatur Briands für sie Präsidentschaftswahl. Das Blatt schreibt, die Freunde des Außenministers übten auf ihn bereits seit einiger Zeit einen sehr starken Druck aus, um ihn zur Annahme der ihm angebotenen Kandidatur zu bewegen. Angesichts einer Kandidatur Briands, würde sich, so hätten sie ihn versichert, keine andere Kandidatur halten können. Ihre Argumente wären sehr eindrucksvoll. So machten sie geltend, daß Briands Wahl die Krönung einer langen herrlichen Lauf­bahn wäre, und daß nichts der Sache des Friedens, der er sich gewidmet habe, mehr dienen könnte als feine Wahl ins Elyföe. Briand würde im Falle feiner Wahl sich als Prä­sident der Republik genau wie bisher für das Werk und sie Arbeiten von Genf interreffieren können. Nichts werde ihn hindern, selbst wenn er am 13. Mai in Versailles ge­wählt werde, sich am 15. Mai nach Genf zu begeben, da er ja offiziell das Amt des Präsidenten einen Monat später übernehmen würde. Die von Briands Freunden geltend ge­machten Gründe schienen den Außenminister vor zwei oder drei Tagen bestimmt zu haben, seine Kandidatur aufzustel- len, doch sei das letzte Wort in dieser Frage wohl noch nicht gesprochen.