Nr. 90.
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2. Blatt.
Sonntagsgedanke«
Vieles, was wir von den religiösen Vorstellungen der Heiden hören, will uns unbegreiflich und verblendet erscheinen, aber daß Menschen, Völker schon vor der Sonne, dieser unerschöpflichen Spenderin des Lichtes ü( den Staub fielen und ihr göttliche Verehrung zollten, das scheint wohl nicht so unbegreiflich. Das Licht gehört zu den größten Wundern unseres Daseins. Was sind alle Dinge, die wir sehen und kennen gegen das Licht der Sonne? Was nutzt uns unser wunderbar gebildetes Auge, wenn keine Lichtstrahlen seine Netzhaut berühren? Was ist die Erde mit dem unermeßlichen Reichtum der Wesen, den sie beherbergt, die Welt mit ihrem Verkehr, mit dem bewegten Leben, das m chr pulsiert, wenn im Westen die Sonne unter den Rand des Horizonts hinabsinkt und die Nacht alles bedeckt? Was ; ist doch aller Wechsel, den wir erleben, gegen den Wechsel s von nächtlicher Finsternis und Hellem Tageslicht? Die Nacht ist Unterbrechung des Lebens. Wie anders wird das alles wie s mit einem Zauberschlage, wenn das Licht kommt! Erwachen, Bewegung, Farbe, Freude, Leben, Geist strömen mit dem Licht in die Welt hinein. Das Licht weckt die Weit MN Leben.
Die Erschaffung des Lichtes war die erste Schöpfertat Gottes. Licht ist die Voraussetzung und Bedingung alles Werdens und Geschehens, Licht ist die Quelle aller Erkenntnis. Mit dem Lichte hat sich der Heiland verglichen. — Was die Sonne der Welt schenkt, das bringt er dem Menschen für sein inneres Leben. Dem, der sich diesem Lichte verlangend aussetzt, bringt es, was er braucht: Erleuchtung der Erkenntnis, Äärkung des Willens, Lust zum Guten. Kraft des Glaubens, Eifer der Liebe, gesundes, warmes. Helles, frohes Wesen schenkt es, das Licht des Lebens im Lollsinn des Wortes, des vorigen Lebens, des Lebens, das ws dem Urquell des Licbte« ^mmf, Qus Gott!
Ernöhrungsprobleme im Mdesalter
Von
Primarius Dr. med. Karl Gruenfeld. Kinderarzt.
In letzter Zeit haben wichtige Forschungsergebnisse beinahe eine Umwälzung in einzelnen Ernährungsfragen füi Gesunde und Kranke gebracht die heute sowohl die Aerzt« als auch die jungen Mütter lebhaft interessieren dürften Das trifft besonders für das Kindesalier zu. Wie wissen schaftlich festgestellt wurde, vermögen unsere bisher besann ten drei Haupternährungsstoffe: Eiweiß Kohlehydrate unk Fett, für sich allein nicht zu nähren. Es bedarf noch einer geheimnisvollen, im Pflanzenleben unter der Sonnenkraf aufgebauten Etwas das man Erganzungsstoffe oder Vitamine nennt. Dieses Etwas findet sich in vollkommenst Qualität und reichlicher Menge in den frischen Früchter (Obst. Beeren. Tomaten. Gurken, grünen Blättern. Spinat Kohl und in den roh eßbaren Wurzeln. Karotten Selleri« und Rettich) Die Grünfuttermilch in den Monaten Mai dir August enthüll ebenfalls Vitamine, ebenso die daraus her- gestellte Butter. Beim Kochen und Braten, beim Sterilisie ren und Pasteurisieren, oeim längeren Lagern von Nah^, rungsmitteln im getrockneten Zustande gehen die Vitamin« verloren. Die Vitamine der Körnerfrüchte Reis. Weizen Roggen, Mais verschwinden bei der allgemein üblichen Ent fernung des Samenhäutchens beim Mahlprozeß. Bei gänzlichem Mangel an vitaminreicher Nahrung treten nach längerer Zeit schwere Erkrankungen auf. die wir unter den Begriff Mangelkrankheiten zusammenfassen.
Unter diesen Gesichtspunkten fällt es nicht schwer, der Speisezettel für das Kleinkind und Schulkind zusammenzu- stellen. wobei die Grenzen nicht allzu ängstlich gezogen werden dürfen, je nach Alter und Konstitution des Kindes, gär das gesunde Kind ist es hygienisch unerheblich, ob es mn Weizen- oder Roggenbrot ernährt wird Neben dem verbreiteten und in mancher Beziehung unentbehrlichen Broi sollten Kartoffeln in allen möglichen Zubereitungs- arten noch mehr in der täglichen Ernährung Verwendunc finden. Die Kartoffel ist eine gute und billige Quelle für Eiweiß Kohlehydrate und Vitamine.
Es ist aber auch in unserem Klima nicht schwer, der täglichen Speisezettel des Kleinkindes und Schulkindes durch ausgiebige Heranziehung von Frischobst und Salaten. die in entsprechend abwechselungsreicher Form ge° reicht werden, appetitanregend zu gestalten. Es gibt heuti schon eine Reihe von Kochbüchern, die der jungen Mutter bei der Auswahl und Zubereitung behilflich sind. Gan^ überraschend sind die Erfolge bei Anwendung von Rohkosten in Fällen von Magen- unb Darmstörungen bet Kleinkindes; auch schwere Diarrhöen heilen verblüffen« rasch, wenn man den Kindern in den ersten zwei Tagen ausschließlich Bananen oder rohe, geschabte Aepfel in reichliche« Menge gibt. Diese Erfahrungen basieren auf den Beobach tungen in den Kinderkliniken von Knöpfelmacher. Abels Faconi und Moro
Der Kinderarzt kommt häufig in die Lage, geschmacks korrigierend eingreifen zu müssen, wenn Kinder — und da; kommt sehr häufig vor — Widerwillen gegen abgekochtt Kuhmilch zeigen. Kaffee als Zusatz zu geben, hat den Nach teil, daß wob' der Geschmack der Milch verbessert wird, daß aber das in dem Kaffee enthaltene Coffein die Nerven de; ohnehin heute schon überreizten Stadtkindes in schädliche, Weise aufpeitscht. Für die große Kategorie der Kaffee- empfindlichen, die auf den Genuß eines reinen Bohnen kaffees nicht verzichten können oder wollen, empfiehlt es sich daher, einen Bohnenkaffee zu wählen, dem das Coffein weitestgehend entzogen ist. Wir haben ja im Kaffee Hag eir vorbildliches Beispiel dafür, daß dies heute geschieht, ohne daß der Bohnenkaffee der wohlschmeckenden und anregenden Röstprodukte verlustig geht.
Eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Kinderernäh- rung spielen auch Gewürze und Genußmittel. Ob Kinder starkgewürzte Speisen bekommen sollen, ist eine Frage, die vielfach diskutiert, aber nicht einheitlich beantwortet wurde. Daß Alkohol in der Kinderernährung bedingungslos zu verbieten ist. ist unwidersprochen.
Wo bleibt die Serwiltuagsreform ?
Von besonderer Seite wird uns geschrieben:
Schon seit Jahren vergeht kaum ein Tag, an dem nicht der Oeffentlichkeit irgendein Artikel oder eine Rede einer prominenten Persönlichkeit vorgesetzt wird, worin die absolute Notwendigkeit von Spar- und Vereinfachungsmaß- nahmen in der öffentlichen Verwaltung überzeugend dargelegt wird. Ueber mehr oder weniger akademische Erörterungen ist das Problem aber noch nicht hinausgediehen. Woran liegt das? Nun, es liegt vor allem daran, daß jebe öffentliche Verwaltung sich mit Händen und Füßen gegen den Abbau stemmt. Sie ist zwar „grundsätzlich" für Abbau und Reform, aber nur bei den anderen; bei sich selbst wünscht sie alles beim alten gelassen zu sehen, wobei sie es natürlich auch an den „triftigsten" Gründen nicht fehlen läßt.
Helfen kann unter diesen Umständen nur eine feste durchgreifende Hand, eine mit allen nötigen Vollmachten ausgestattete, von Partei- und Ressortwiderständen unbeeinflußte Instanz, bie den von ihr einmal als richtig er- kannten Weg bis zum gesteckten Ziele konsequent und unbeirrt verfolgt Diese Instanz hätten wir bereits in der Person des Sparkommissars, wenn er die entsprechenden Vollmachten hätte. Was die Reichsregierung aber dem Sparkommisiar, als sie seine Stelle schuf, an Vollmachten mit aus den Weg gegeben hat, ist völlig unzulänglich, ja gleich Null. Am einfachsten märe ja die Erteilung diktatorischer Vollmachten, dafür dürfte aber wieder der Reichstag nicht zu haben sein; eher würde er sich schon mit der Vollmachterteilung an einen, jagen wir etwa zehngliedrigen Ausschuh verstehen, der natürlich aus Sachverständigen bestehen müßte Mit diesem Ausschuß hätte der Sparkom- missar zusammenzuarbeiten. An ihn könnte er seine Vorlagen gelangen lassen und sie in ihm vertreten. Von ihm müßte er zur Vornahme aller Prüfungen und Untersuchungen ermächtigt werden, die er in den verschiedenen Zweigen der Verwaltung für nötig hält. Beschlüsse, die auf dies, Weise zustande kommen, müßten endgültig sein und durchgeführt werden gegen alle Widerstände die sich etwa bei der oder jener Behörde des Reiches erheben sollten.
Soviel ist sicher: wenn, wie das bisher der Fall gewesen ist, um den Abbau mit jeder einzelnen Behörde förmlich gerungen werden muß, dann kommt die Verwaltungsreforn niemals zustande. Daß aus dem Aufheben von Behörden Nachteile aller Act entstehen, ist nicht zu bezweifeln. Dies; Opfer müssen aber gebracht werden; denn die Interessen der Allgemeinheit gehen denen bestimmter Kreise voran. Ee wäre sehr zu wünschen, daß auch der derzeitige Sparkom- missar selbst sich für eine Stärkung seiner Position in der angedeuteten Richtung mit allem Nachdruck einsetzte. Ist das Reich auf diesem Wege erst einmal vorangegangen, sc werden Länder und Gemeinden wohl oder übel folgen müssen.
Ute Hamburg den Instanzenweg kürzt
Hamburg hat zur rascheren Förderung der Bautätig keit eine Verfügung erlassen, die auf wesentliche Kürzunl des oft allzu langen und zeitraubenden Instanzenweges hin ziett^Mird an He Baupolizei, das „Baupflegeamt", eir Antrag gestellt, der mit den erforderlichen Unterlage^ ver leben ist. und äußert sich das Amt nicht binnen 14 Tager zu dem Antrag, so gilt er nach dem Baupflegegesetz als genehmigt Hier muß sich also die Behörde beeilen die Anträge schnellstens zu prüfen, wenn sie nicht Gefühl laufen will, daß der Antragsteller nach Recht und Gesetz ver gnügt und munter darauflosbaut. Man könnte sich vor stellen, daß solches Beispiel Schule machen sollte Heut« beeilen sich bei uns zwar die Bauherrn, aber den Behörder pressiert es in der Regel recht mäßig.
Erstattung von Lohnsteuer bet falscher Berechnung durch den Arbeitgeber. Die für den Antrag auf Lohnsteuererstattung nach § 93 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes vorgesehene Frist ist nach einer Entscheidung des Reichsfinanzhofes — IV a AZ. 2104/30 vom 7. 5. 1930 — nicht maßgebend, wenn Erstattung von Steuer beansprucht wird, die der Arbeitgeber falsch berechnet hat. Hier handelt es sich um eine Erstattung von Steuer, die „für Rechnung des Steuerpflichtigen ohne Mitwirkung des Steuerpflichtigen oder feines Vertreters $u Unrecht bezahlt worden ist" (§ 129 Abs. 1 Satz 2 der Reichsabgabenordnung). Der Anspruch solcher vom Arbeitgeber falsch berechneter Lohnsteuer erlischt deshalb erst mit Ablauf des dritten Kalenderjahres, das auf die Entrichtung der Steuer folgt.
Aenderung eines Mietvertrages. Ein Mietvertrag, der für längere Zeit als ein Jahr geschlossen wird, bedarf nach § 566 BGB. der ischriftform; sonst gilt er nur als für un- bestimmte Zeit geschloffen. Spätere Aenderungen des Ver- trages, die der Schriftform entbehren, beeinträchtigen "her, wie das Reichsgericht in einem Urteil — VIII 3-56 : om 30. 19 1930 — ausführt, die Formgültigkeit des -a ;en Vertrages nur dann, wenn es üch um wesentlich-- ende- rung.*i de« Mietvertrages handelt. Als wesentlich Aenderung »» Mietvertrages ist es anzusehen, wenn der Ver- tragsg enstand oder die Miethöhe „in nicht unwesentlichem UmfaMk' «bgeänbsrl »erde«.
Mibersolg der Kommunallozialismus
Das Statistische Reichsamt hat in einer besonderen Veröffentlichung die finanzielle Bedeutung der kommunalen Betriebe für das Rechnungsjahr 1927/28 errechnet. Von den gesamten Ueberschüssen entfallen % auf die Versorgungs- betriebe (Gas, Wasser, Elektrizität) sowie Berkehrsunterneh- mungen, Kreditunternehmungen, Schlacht- und Viehhöfe und Grundvermögen. Wichtiger als die kaum umstrittene Frage der Versorgungsbetriebe scheint uns die Gruppe der „sonstigen Betriebe" zu sein, die nicht zum eigentlichen Auf- gabenkreis der Gemeinden gehört. Hierzu gehören städtische Apotheken, Druckereien, Hotels, (Steinbrüche, Brennereien. Tischlereien, Bestattungsanstalten u. ä. Die in dieser Gruppe zusammengefaßten Gemeindebetriebe haben 1927/28 Ueber- schüsse in Höhe von 11,4 Millionen an den Haushalt der Gemeinden abgeführt, dagegen Zuschüsse in Höhe von 13,4 Millionen Mark erfordert. Bei dieser Gattung ist die Summe der Zuschüsse also höher als die Ueberschüsse.
Siftanpflanzung dar Gebot der Stande«
Nur derjenige wird im Gartenbau vorwärtskommen und vollkommene Freude am Gartenleben haben, der es versteht, sich rechtzeitig auf die gegebenen Verhältnisse einzustellen, nnd der, wenn nötig, seine Kulturen auf den vorhandenen Bedarf umstellt. Es wäre z. B. ein Unding, bei der augenblicklichen trostlosen Wirtschaftslage in der Landwirtschaft und der Einfuhrüberschwemmung, von der namentlich der Feldgemüsebau vernichtend betroffen wird, den Kleingemüsebau im Garten als dringlich zu propagieren. Hier kann man nur sagen, es ist schade um die Mühe und Arbeit und um das Kapital, das im Grund und Boden steckt und sich mit diesen Kulturen doch nicht rentiert, denn man kauft zurzeit seine Kohlköpfe billiger, als man sie selbst heranziehen kann. Der Gemüsebau im HauSgarten sollte daher auf diejenigen Kulturen beschränkt bleiben, die als seltenere Gemüse nicht in Maßen kultiviert und aus dem Markt angeboten werden. ES gibt viele solche, und der Küchenzettel verträgt auch bei bescheidenem Wirtschaftsbudget recht wohl eine Umstellung auf Genüffe, die früher ausschließlich des Reichen Tisch zierten, die man sich aber sehr wohlfeil im Garten selbst heranziehen kann.
Einen guten Ausgleich für die oben geschilderten mißlichen Verhältnisse bietet unS aber der Obstbau. Hier kann nie zu viel geschehen, denn dir sich mehr durchsetzende Erkenntnis der gesundheitsfördernden Wirkung des Obstgenusses durch den Rohgenuß oder als Obstverwertungserzeugnis setzt eine gewaltige Steigerung der Produktion des notwendigen Bedarfs voraus. Solange diese noch fehlt, tritt notwendigerweise eine gesteigerte Auslandeinfuhr an ihre Stelle, und es ist doch wohl klar, daß wir es uns auf die Dauer nicht leisten können, dem Ausland hinzuwerfen. Pflanzt Obst! heißt also das Gebot der Stunde. Hier ist eine leere Stelle, da ist ein Baum eingegangen, dort steht ein Gewächs, was einem schon lange keine Freude mehr bereitet und den ganzen Garten verschandelt: heraus damit, und Obst gepflanzt! Vom bescheidenen Beerenstrauch oder der Erdbeere an bis zum stolzen Apfelbaum ist jede Obstart für einige Aufwendung von Mühe dankbar und eine sichere Bodenrente, ohne die Annehmlichkeit zu rechnen, die der Obstgenuß eigener Ernte bereitet. Die früher gebräuchliche schöne Sitte, bei besonderen Gelegenheiten einen Baum zu pflanzen, könnte jetzt auch wieder geübt werden, wo so viele junge Leute Schule und Haus verlassen. Dieser Baum würde auf dem ganzen Lebensweg das Bindeglied mit der Heimatscholle bleiben und die Liebe zum Obstbau fördern.
Snlmitrie, Limdsincht md SrMM
Im Augenblick, da die Probleme der Rentabilität der Landwirtschaft ganz besonders im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen, kommt ein Bericht des Enquete- Ausschuffes sehr gelegen, um die Bedeutung der Landwirtschaft für die Regeneration der großstädtischen Bevölkerung und damit für die Weiterentwicklung der von dieser betriebenen Industriezweige klarzulegen. Es ist natürlich ebenso zwecklos wie unvernünftig, an sich das zunehmende Wachs- lum von Großstädten bekämpfen zu wollen, denn die deutschen Großstädte sind nun einmal Entwicklungsprodukte aus dem Umgestaltungsprozeß.der deutschen Wirtschaft, der vom „überwiegenden Agrarstaat" zum „überwiegenden Industrie- und Handelsstaat" führte und Deutschland in rasch zunehmendem Maße in die Weltwirtschaft eingliederte. Hatte sich doch die Großstadtbevölkerung Deutschlands vom Jahre 1910 bis zum Jahre 1925 auf dem heutigen Reichsgebiet von 21,1% auf 26,8% der Reichsbevölkerung erhöht, durch die kommunale Neugliederung im rheinischwestfälischen Gebiet im Juli 1929 sogar auf 29,5% der Reichsbevölkerung. In Zahlen ausgedrückt, war die Groß- stadtbeoölkerung von 1910 bis 1925 um 3,4 Millionen Einwohner oder um 25% gestiegen, nämlich von 13,37 auf 16,71 Millionen, nach der rheinisch-westfälischen Neugliederung sogar auf 18,6 Millionen. Auf dem platten Lande lebten in Deutschland, wenn man die Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern zu den Landsiedlungen rechnet, nach der Volkszählung von 1925 nur noch 35,6% der Reichsbeoöl- kerung, während 1871 rund zwei Drittel der deuttchen Bevölkerung aus Landbewohnern bestand. Man sieht also, wie schnell und wie stark das Schwergewicht in der Bevölkerungsverteilung sich verschoben hat. Die zunehmende Landflucht der ländlichen Bevölkerung ist ein Zehren vom Kapital, das sich nicht erneuert. Es ist daher, so lesen wir in einem bekannten Industrieorgan, die Aufgabe auch jeder Industriepolitik, nicht nur im Interesse der Erhaltung des ändlichen Absatzmarktes, sondern überhaupt einer kräftigen Arbeiterschaft, sich den Bestand der Landwirtschaft und damit Der ländlichen Bevölkerung angelegen fein zu lassen.
Das Mädchen mit dem genähten herzen. Auf dem soeben in Berlin stattgefundenen Chirurgenkongreß bildete eine der Sensationen der Bericht des bekannten Operateurs Prof. Sauerbruch über eine glänzend gelungene Herzoperation. Er stellte ein junges Mädchen vor, das beinahe an einer Herzblutung gestorben wäre, wenn nicht der Operateur im richtigen Augenblick eingegriffen hätte Das junge Mädchen hatte nach einer schweren Grippe allerlei Herz- beschwerden zurückbehalten, und die Röntge, durchleuchtung ergab deutlich eine Geschwulst. Diese Geschwulst erwies sich bei der Operation als ein Blutsack der Herzkammer Die Patientin wäre unrettbar verloren gewesen wenn, die Ope- rateure nicht geistesgegenwärtig mit der Chirurgennadel • eingegriffen und die Herzwunde wieder vernäht hätten Das Mädchen mit dem genähten Herzen erfreut sich heute bester Gesundheit, wie sich die Kongreßmitglieder überzeugen konnten. ' -