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Iunilonserenz in Chequers

Vorbesprechungen abgeschlossen. — „Intime freundsämstliche Aussprache".

Berlin. 9. April.

Die auf englische Initiative eingeleiteten Besprechungen zwischen London und Berlin über den Besuch des Reichs­kanzlers Dr. Brüning und des Reichsauhenministers Dr. Eurtius bei dem engkifchen Premierminister sind abgeschlos­sen worden. Die englische Regierung hat die beiden deutschen Staatsmänner eingeladen, am 5. 3 u n i nach Lhequers zu kommen und bis zum 9. Juni als Gast der englischen Regie­rung in Lhequers und London zu bleiben. Geplant ist eine intime freundschaftliche Aussprache über alle wichtigen Fra­gen, welche die beiden Länder berühren.

Sie ursprünglich für eine der beiden ersten Maiwochen in Aussicht genommene Zusammenkunft mußte auf die Zeit nach Pfingsten verlegt werden weil für die ersten Maitage der englische Premierminister und mehrere seiner Kollegen bereits anderweitig gebunden waren und weil das zweite Wochenende im Mai zeitlich zu nahe an die Tagung des Europaausschusses und die daran anschließende Ratstagung rückte.

„Manchester Guardian" schreibt in einem Leitartikel: Nichts als Gutes kann für die englisch-deutschen Beziehungen aus Henderfons Einladung an den deutschen Kanzler und den deutschen Außenminister, Anfang nächsten Monats London zu besuchen entstehen Es sind zahlreiche Fragen von Interesse für beide Länder vorhanden, die am besten bei persönlicher Fühlungnahme behandelt werden können. Zu allererst be­steht die brennende Frage der geplanten österreichisch- d e ut s ch e n Zollunion, welche Henderson zweifellos unter Bezugnahme auf ihre Wirkungen für den britischen Handel zur Sprache bringen wird. Nicht weniger wichtig ist die vorbereitende Arbeit für die Abrüstungskonfe­renz. Es ist klar, daß Deutschland, obwohl es entwaffnet ist. den Erfolg dieser Zusammenkunft ebenso wirksam beein­flussen kann, wie irgendeine der großen bewaffneten Natio­nen. da deren Bereitschaft. die Rüstungen zu vermindern, in großem Maße von der Haltung Deutschlands abhängt.

Die Probleme, die England und Deutschland angehen, sind ebenso wichtig, wie die, die England mit Frankreich oder Italien gemein hat, und es ist daher außerordentlich zu be­grüßen. daß Henderson durch seine Einladung an Dr. Brü­ning beweist, daß er eine freundschaftliche persönliche Füh­lungnahme in dem einen Falle für ebenso angebracht hält wie in dem anderen.

Vorgeschichte des Englandbesuchs

London, 9. April.

Der Gedanke, eine Zusammenkunft zwischen MacDonald und dem deutschen Reichskanzler zu vereinbaren, ist ange­sichts der Tatsache entstanden, daß der britische Premiermi­nister so oft mit führenden Staatsmännern anderer Mächte, insbesondere im Zusammenhang mit Erörterungen über die FlmtenabEuno.MKsmmengelrasten ist, währeHdermit dem Deutschen ReMskcttrzter no* kemr ZuMümenkMp^H^ habt hat. Zu diesem Zwecke erörterten etwa Mitte März der britische Staatssekretär des Aeußeren mit dem deutschen Bot­schafter in London einen Vorschlag, daß der deutsche Reichs­kanzler und der deutsche Außenminister ein Wochenende in Chequers verbringen sollten, um Fragen von gegenseitigem Interesse zu erörtern. Diese informelle Anregung wurde von dem deutschen Botschafter nach Berlin übermittelt und wurde von beiden deutschen Staatsmännern herzlich ausge­nommen. Da sich nun für den Monat Mai verschiedene Schwierigkeiten ergeben, ist der Besuch auf den 5. bis 9. Juni festgesetzt. Die deutschen Minister, in deren Begleitung sich eine Anzahl von Sekretären befinden werden, werden in London in der Nacht zum Freitag, dem 5. Juni, eintreffen und den Sonnabend und Sonntag in Chequers verbringen. Am Montag, dem 8. Juni, wird in der deutschen Botschaft ein Bankett für die britische Regierung und das Siplmna= tische Korps, verbunden mit einem Empfang, stattfinden. Die deutschen Minister werden am Dienstag, dem 9. Juni, nach Berlin zurückreisen.

Schicksalsgewalten

ROMAN VON GERT ROTHBERG

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

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Die Wagen stoben davon.

Vorn lag der weiße, der Don einem bekannten italie­nischen Fahrer gesteuert wurde. Mit beiden Händen hielt May Grensburne sich fest an der Brüstung der Loge. Es war ihr, als sitze sie neben Lu Karell und mache diese schwindelerregende Fahr: selbst mit. Auch andere Men­schen, Damen und Herren, wandten sich ab von den toll­kühnen Männern, die da mit ihrem Leben spielten. Ein Rauschen auf der Tribüne.

„Der Italiener wird überholt. Der Gelbe geht vor. Bravo, gerade an der gefährlichen Kurve holt er ihn."

Mays Augen hingen an dem vierten Wagen, der hell­rot, aber schon staubbedeckt sein sicheres, scharfes Tempo fuhr. Die Reihenfolge blieb eine Weile so.. Manchmal schien ^iner der Wagen sich überstürzen zu wollen in rasender Fahrt, doch stets war es eine Täuschung, die die Herzen der Zuschauer für einen Moment stocken gemacht hatte. Weiter ging die Fahrt. Da — erneuter Jubel.

„Der Rote geht vor. Seht doch, brillant! Zwei hat er. Jetzt geht's dem Gelben an den Kragen."

May seufzte leise und schloß die Augen.

„Lu, lieber Lu", flüsterten ihre Lippen.

Weit voraus waren jetzt die Wagen. Wie wahnsinnig gewordene Ungeheuer kreisten sie, nahmen die Hindernisse, die gefährlichen Kurven. Jetzt fuhren sie nebeneinander. Brausender Jubel! ,

„Der Rote geht vor, Karell geht vor, ich habe es ja gleich gesagt!" triumphierte der Dicke in der Nebenloge. „Der Autoteufel aus" Meriko sonnte sich die Blamage ersparen. Das macht unser Karell!"

Die Menge hielt den Atem an. Auf abschüssiger Bahn ging es in sausender Fahrt hinab. Die Augennerven

Warschauer Märchen

Geheimnisvoller „Iteberfall" auf einem polnischen Dampfer.

Danzig. 9. April.

von polnischer Seife wird eine Nachricht verbreitet, wo­nach bisher unbekannte Täter das im Dock der Schichau- Werft liegende, der polnischen Reisschälerei in Gdingen ge- hörende Schiff ., kopernik" überfallen, den wacht­habenden Matrosen, der sich in seiner Kabine befand, nach heftiger Gegenwehr überwältigt und ihm mit einem Taschenmesser ein Hakenkreuz in dieVrust e i n g e r i tz t hätten. Außerdem sei die auf dem Schiff befindliche polnische Flagge in Form eines Hakenkreuzes zerschnitten und ein Zettel mit der polnischen Aufschrift: „Dieses Kreuz für Pilfudski" hinterlassen worden.

Sie Reisschälerei habe sofort ihr Schiff aus der Werft zurückgezogen. Von amtlicher polnischer Stelle sei beim Senat interveniert und betont worden, daß sämtliche pol­nischen Regierungsaufträge, die den Danziger Werften er­teilt worden seien, rückgängig gemacht werden würden, wenn sich ähnliche Fülle wiederholen sollten.

Zu dieser Meldung, die bereits in der polnischen Presse Eingang gefunden und zu sehr erregten Kommentaren Ver­anlassung gegeben hat, wird von zuständiger Danziger Stelle berichtet: Sie kriminalpolizeiliche Untersuchung dieses an­geblichen Ueberfalles hat- bisher ergeben, daß die strenge Bewachung der Schichau-Werft durch Wächter mit Hunden das Eindringen fremder Personen in das Werftgelände io gut m i e au sgeschIoffen erscheinen läßt. Fer­ner wurde durch eine sehr genaue ärztliche Untersuchung festgestellt, daß der Körper des Matrosen außer einer gering­fügigen Brustverlegung keinerlei Druckstellen oder andere Verletzungen aufwies, wie sie bei einem heftigen Kampf un­bedingt hätten vorhanden sein müssen. Auffällig ist auch, daß der Matrose sich nicht schon am gleichen Abend an die Werftmache oder an Die Polizei gewendet hat, sondern den Vorfall erst am nächsten Tage, und zwar direkt auf dem polnischen Kommissariat zur Meldung brächte.

Außerdem ergeben sich in den Aussagen des Matrosen zahlreiche Widersprüche, so daß der verdacht naheliegt, daß es sich bei dem angeblichen Aeberfall um eine Mystifikation handelt.

Briand nicht Präsidentschaftskandidat

Paris, 9. April.

Ein Journalist will von Briand die Erklärung erhalten haben, daß er zur Präsidentschaft nicht kandidieren werde. Von den Kandidaten stünden in erster Reihe die Senatoren Lebrun, Berard und der Senatspräsident Paul D o u m e r.

Ein Mitarbeiter des „Echo de Paris" will wissen, Poincare werde in erster Linie die - Kandidatur von Lebrun unterstützen, jedoch, wenn Senator Be­rard im Verlaufe des Wahlfeldzuges sich als aussichtsreiche­rer Kandidat herausstellen sollte, diesem seine Stimme geben. Sie Prüsidentschaftswahl findet bekanntlich am 13. Mai statt.

Litauen weist fünf Deutsche aus

Berlin, 9. April.

Die litauische Regierung hat in letzter Zeit fünf Reichs­deutsche aus dem litauischen Staatsgebiet ausgewiesen. Diese Ausweisungen waren nach Auffassung der deutschen Regie­rung gemäß Schlußprotokoll zu Artikel 1 des deutsch-litau-f ischen Handels- und Schifffahrtsvertrages unzulässig. Nach­dem die litauische Regierung es abgelehnt hat, die'Auswei­sung zurückzunehmen, hat der deutsche Geschäftsträger in Kowno der litauischen Regierung eine Note überreicht, in der der litauischen Regierung mitgeteilt wird, daß die deutsche Regierung die Ausnahmefälle dem in Artikel 33 des deutsch- I litauischen Handels- und Schifffahrtsvertrages vorgesehenen Schiedsgericht unterbreiten werde.

Es handelt sich um drei technische Angestellt- des „Me- meler Dampfbootes" und der „Memellündischen Rundschau" sowie um einen Landwirt und einen Spediteur. Diese Deut­schen sollen sich abfällig über den litauischen Staat geäußert haben.

machten nicht mehr mit. So schnell konnte man nicht sehen, wie die zwei da fuhren. Die Rekordzeiten waren längst alle geschlagen, und noch immer zeigte die Uhr verbesserte Zeit.

Da — ein vieltausendstimmiger Schrei! Die beiden Wagen waren aneinandergefahren! Ein atemloses Ent­setzen. Der Gelbe lag umgestürzt an der Kurve.

„Der Rote fährt weiter. Hoch, Karell! Der Gelbe ist ihm ja direkt in die Flanke gefahren. Jetzt hat er was."

Der Jubel schwoll an. Karell hatte das Band passiert. Er war Sieger! Auf der Bahn waren jetzt Hilfsmann- schaften, die den schwerverletzten de Awilla unter dem Wagen hervorzogen. Zwei der Wagen waren noch vor­sichtig vorbeigefahren. Zwei hatten ausgegeben. Der Ver­letzte wurde von der Bahn getragen. Drüben stieg Karell aus seinem Mercedes.

„Es soll nicht sein. Ich soll leben. Doch nun verzichte ich nicht auf May. Nun wird sie mir ganz gehören, und müßte ich mit tausend Teufeln um ihren Besitz kämpfen."

Das war sein erster Gedanke, als sich das rasende Fieber in ihm etwas gelegt hatte.

„Gesiegt!" Das war sein zweiter Gedanke. „Gewonnen! Auf ehrliche Art vier Millionen gewonnen!"

Er sah sich umringt, umjubelt. Man drückte ihm be­geistert die Hände. Zerstreut, wie geistesabwesend, dankte er. Dann besann er sich.

„Meine Herren, mein Gegner? Wie steht's mit ihm?"

Der Unternehmer der Rennbahn legte ihm die ring- geschmückte Hand auf die Schulter.

„Schwerverletzt! Doch es war seine eigene Schuld. Es ist bereits alles ausgenommen. Sie trifft kein Vorwurf, nicht der geringste!"

Karells etwas zusammengesunkene Gestalt straffte sich.

„Ich danke Jhtten. Es tut mir leid um de Awilla; hoffentlich kann er gerettet werden."

Karell wurde von etlichen Photographen neben seinem berühmten Wagen noch schnell geknipst. Die Menge ließ langsam ab von ihm. Die mühsam verborgene Erschöpfung trat zu deutlich hervor.

Wmg der Arbeitslosigkeit

Berlin, 9. April.

Wie über den bevorstehenden Bericht der Reichsanstall für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zuver­lässig verlautet, ist ein beträchtlicher Rückgang der Zahl der Arbeitslosen zu verzeichnen. Wie es heißt, hak sich die Zahl der Arbeitslosen seit dem letzten Bericht um gut 200 000 ver­mindert.

Madeira gegen Lissabon

Funchal, 9. April.

Sie militärischen Führer der Aufstandsbewegung von Madeira teilten dem Vertreter des Reuterschen Büros mit, daß die Militär-Junta mit der Billigung der gesamten Be­völkerung ihre Reserven mobilisiere, da die Möglichkeit be­stehe, daß die Lissaboner Regierung versuchen werde die Bewegung zu unterdrücken Drei portugiesische Dampfer .seien beschlagnahmt worden, um die Lebensmittelversorgung für die 200 000 Einwohner sicherzustellen.

Sämtliche örtlichen Behörden seien durch andere ersetzt und der Zivilgouverneur sei gestürzt worden. Das Ziel der Bewegung sei die Wie-'^ ^"-rstellung der öffentlichen Frei­heit.

Deutscher Botschafterbesuch in Boston

. Washington, 9. April

Auf Einladung »des Bostoner Bürgermeisters, führen­der Bankiers und der Harvard-Universität ist der deutsche Botschafter von Prittwitz und Gaffron zu einem dreitägigen Besuch nach Boston gerei Auf dem Programm seiner Aufenthalts Jetzt u. a. ein Tee-Empfang bei dem Bürger- meister, ein Frühstück der Stadtverwaltung, Besuch der deut­schen Fakultät der Harvard-Universität, ein Abendessen der Bankiers und ein Empfang der deutschen Kolonie beim Generalkonsul von Tippelskirch sowie eine Begrüßung burd die deutsch-amerikanischen Vereine.

Zeppelinsahrt nach Aegypten

Friedrichshafen, 9. April. Das Luftschiff „Graf Zeppr steigt heute zu einer Fahrt nach Kairo auf. Die Füh rang des Luftschiffes liegt in den Händen von Dr. Eckencr An der Fahrt nehmen 24 Passagiere teil.

Erste Tauchversuche des Nordpol-U-Bootes.

Das Unterseeboot „Nautilus", mit dem der englische For­scher und Nordpolflieger Sir Hubert Wilkins im Laufe dieses Sommers nach dem Nordpol fahren will, erreichte bei seinen ersten Tauchversuchen auf einer Probefahrt bei Ports- mouth—Newhampshire eine Tiefe von 103 Metern und brach zugleich den Rekord seines Schwesterschiffes bei der amerikanischen Marine. Unser Bild zeigt: Das Nordpol- U-Boot „Nautilus" nimmt bei seiner ersten Probefahrt voll« Geschwindigkeit.

Karell sehnte sich nach einem Bad, dann Ruhe unt Schlaf. Doch erst May! Wo blieb May? Warum führt« Reveloor sie nicht zu ihm?

Da flammten seine Augen plötzlich zärtlich auf. Die Damen sahen mit heimlichem Neid auf May, der dieser Blick gegolten. Harry Reveloor führte May zu ihm hin. Alle drei traten etwas abseits. Karell blickte in Mays Augen. Das Gesicht des Mädchens war blaß bis in die Lippen. Sie preßte krampfhaft seine Hände.

„Lu, nie wieder darfst du das tun, nie, ich sterbe vor Angst."

„Du hast dich geängstigt um mich? Ich danke dir, meine May. Doch das war ja alles nicht so schlimm."

Reveloor drückte jetzt auch dem Freunde die Hand.

„Meinen herzlichsten Glückwunsch zum Siege. Es war einfach grandios. Und deine Viermillionenwette hast du auch gewonnen. Das nennt man etwas leisten."

Dann sah auch er Karells abgespannte Züge. Er nahm Mays Arm.

„Wir wollen dich nicht länger aufhalten, Lu. Du wirst Sehnsucht nach einem Bad und nach Ruhe haben. Herr und Frau Grensburne haben uns beide herzlich ein» geladen, heute abend ihre Gäste zu sein. Wirst. du kommen?"

„Ich komme, ja, ich komme", klang es von KarellsLippen, und seine Augen hingen an May.

Es war gut, daß die Eltern so angeregt mit Reveloor plauderten. So konnte May ungestört ihren Gedanken nachhängen. Zu Hause angekommen, meinte Herr Grens- bunte:

»Na, May, hat dich das Rennen so angegriffen? Du bist doch sonst nicht so besorgt? Nicht einmal um dein eigenes Leben? Tut dir de Awilla leid? Nur keine Bange, Mädel! Diese Mexikaner sind zähe. Der wird, schon von unseren AerIen wieder zurechtgeflickt werden. Ebenso hätte ja auch unser junger Freund unter den Trümmern liegen können. Ihm war es meiner Ansicht nach auch zu­gedacht. Na, nun wollen wir seinen Sieg aber heute abend gehörig feiern." (»ortfetiuna folata ,