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Hersfelder Kreisbla«

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 81 Mittwoch, den S. April 1931 81. Jahrgang

Die deutsch-englische Aussprache

Mglo indischer Friedensschluß

Das anglo-indische Problem tritt offenbar in ein ent­scheidendes Stadium. Noch vor wenigen Tagen schien die Haltung des Kongresses zu Karachi, der das Gandhi-Jrvin Agreement vom 4. März d. J. ratifizieren sollte, ungewiß. Freilich, dieses Abkommen stellte ein ausgesprochenes Kom­promiß von beiden Seiten dar: England ver­pflichtete sich nicht nur zur politischen Amnestie, son­dern auch zur teilweisen Rückgabe der wegen Nichtbezah­lung von Steuern im Laufe der Ungehorsamskampagnc konfiszierten Vermögen, ja es erlaubte eine teilweise Bre­chung des Salzmonopols und noch mehr! es gestattete sogar den Boykott ausländischer Waren, obwohl es doch klar ist, daß dieser Boykott sich vor allem gegen englische Waren selbst wendet so sehr lag Jroin doch daran, eine Friedensatmosphäre im Lande zu schaffen! Auf der anderen Seite verzichtete Gandhi auf die Forderung der Unter­suchung der Polizeiaktion und eventueller Bestrafung von Polizeiorganen wegen ihres Verhaltens während der Un- gehorsamskampagne, da sich dieser Forderung die englische öffentliche Meinung aller Schattierungen einmütig ent- gegenstellte.

Trotz diesem ganzen Kompromißcharakter, trotz na- mentlich der Konzessionen britischerseits war aber das Schick­sal des Abkommens dennoch unsicher, ja zum Teil geradezu gefährdet Zwei Faktoren: einer taktischer, einer grundsätz­licher Natur, spielten hierbei mit. Es war der gröbste tak­tische Fehler auf Seiten der englischen Behörden in Indien, daß sie den seinerzeit von einem gemischten anglo-indischen Gerichte wegen grausamer Abschlachtung eines englischen Offiziers zum Tode verurteilten Bhagat Sing und Kom­plicen ausgerechnet am Vorabend des Kongresses von Ka- rachi in Labore hinrichten ließen Ech, Sturm der Ent- fügung erhob sich im Lager der indischen Nationalisten. Höchst ungeschickt und ungeeignet, diesen Sturm zu besänf­tigen, war aber auch die Taktik Gandhis, der erklärte, der Wortlaut seines Abkommens mit dem Vizekönig bezie! sich auf solche Fälle, wie der von Bhagat Singh, nicht; außerdem dürfe der Fortgang der Verhandlungen mit England nicht von Mordgeschichten dieser Art abhängig gemacht werden.

Diese Taktik ließ die Wellen im Lager der unversöhu- lichen indischen Nationalisten hochgehen. Unter diesen ragt neuerdings vor allem die sogenannteNau Jawan Bharat Sabha", d. h die sogenannte Neue Jugend der Indischen Liga, hervor, die stark durch den Geist und die Methode des russischen Kommunismus angesteckt ist. Die unge­heuren Dimensionen der Ungehorsamskampagne man denke nur an die 60 000 in Gefängnissen Inhaftierten hatte nur neues Wasser auf die Mühlen dieses radikalen Flügels des indischen Nationalismus gegossen. Dieser Flü­gel blieb zwar, im Vergleich mit der gesetzten und zahlrei­chen Anhängerschaft Gandhis, klein und in seiner Zusam­mensetzung jugendlich. Aber eben dies machte ihn äußerst rührig und für die von den Sowjets gepredigten ..unterir­dischen" Kampfmethoden ebenso gelehrig wie begabt. Gand­his Methode der Gewaltlosigkeit aber wurde hier für leeres Geschwätz erklärt. Dieser Jungmannenbund oder, wie die Times" ihn nennt, Bund der Rothemden, versuchte nun, den Kongreß von Karachi zu spalten. Gandhis ungeschickte Aeußerungen zum Fall Bhagat Singh (s. oben) hatten den Mut seiner Gegner nur noch gestärkt. Der Empfang, der dem Mahatma bei seinem Einzug in Karachi bereitet wurde, nennen die britischen Indien-Korrespondentenunerhört". In der Tat geriet Gandhi beinahe in körperliche Gefahr und mußte erst von Freunden weggebracht werden. Aber dennoch hat er o b g e s i e g t. Entscheidend hierfür war we­niger die politische Einsicht seiner Anhänger, als die Ver­bindung zwischen Politik und Religion, die in Indien immer noch ausschlaggebend ist.

Seinen Sieg nutzt nun Gandhi voll aus. Er legt als die Fortsetzung der Politik von Karachi eine zweite Rundtisch-Konferenz in London fest, die voraus­sichtlich im Juni. d. J. beginnen und das Werk der ersten vollenden soll. Für die indische Delegation zu dieser Kon­ferenz will er sich aber keineswegs mit einem be­dingten, also eventuell reoozierbaren Mandate begnügen, sondern er verlangt unbedingte Vollmachten. Es soll also den Delegierten gewissermaßen eine Blanko-Voll­macht von dem Kongreß ausgestellt werden ein Ma- rimum dessen, was je ein Führer von seiner Anhänger­schaft verlangte! Nach allem Vorangegangenen ist aber zu erwarten daß er eine solche Vollmacht auch erhalten wird. Die diplomatische Grundlage der Londoner Verhandlungen würde dadurch natürlich unendlich vereinfacht werden. Aber eine große sachliche Schwierigkeit wird sich dennoch in London ergeben - vorausgesetzt, daß Gandhi nicht im letz­ten Moment no bt. Diese Schwierigkeit besteht dann, daß nach dem Verfo igsentwurf der ersten Rundtischkonferenz die Steuerhoheit Nilitärhoheit und außenpolitische Vertre­tung bei Englant verbleiben sollten, während der Kongreß von Karachi diese Souveränitätsrechte nunmehr für Indien in Anspruch nim t. Es liegt auf der Hand, daß damit - falls diese Vorbehalte des Songreffas nicht etwa nur eine Fassade für die radikalen Nationalisten darstellen sollen Streitprobleme höchster Natur gegeben sind, bereu Austra­gung in London auf große Schwierigkeiten stoßen kann.

Brüning und Curtius reifen Ende Mai

London, 8. April.

In unterrichteten Kreisen verlautet, daß der Besuch der Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsaußenministers Dr. Curtius wahrscheinlich nicht vor Ende Mai erfolgen wird.

Im Anschluß an seinen Besuch in Paris, so heißt es wei­ter, habe Henderson den Wunsch, sich mit Dr. Curtius über verschiedene, die beiden Länder gemeinschaftlich interessieren den Fragen auszusprechen. Deshalb sei die englische Einla­dung erfolgt. Dem Vernehmen nach werden sich die Bespre­chungen über sehr mannigfaltige Gegenstände, so gut wie sicher auf die geplante deutsch-österreichische Zollunion er­strecken. Ein bestimmtes Programm werde aber nicht fest­gesetzt werden.

Bevorstehendes Einlenken Frankreichs?

Paris, 8. April.

In unterrichteten Kreisen erklärt man, Außenminister B r i a n d sei schon vor einigen Wochen von Staatssekretär Henderson wegen der Zusammenkunft befragt worden, die vom 2. bis 4. Mai in Chequers mit Reichskanzler Dr. Brü­ning und Außenminister Dr. Curtius stattfinden sollte. Ent­gegen anderslautenden Nachrichten habe B r i a n d die Ein­ladung nicht abgelehnt, sondern sich nur seine Antwort vor­behalten. Seine Anwort werde teilweise von den Erforder­nissen der französischen Innenpolitik abhängen. Außerdem würden möglicherweise andere Mächte, namentlich Italien, zur Teilnahme an dieser Besprechung eingeladen werden.

Englische Beschwichtigungsversuche

Die jetzt erst bekanntgewordene Einladung der Leiter der deutsche« Lußsnpv!E D . Brüning und Dr. Curtius, durch den britischen Premierminister zu einer persönlichen Aussprache mit den Leitern der englischen Außenpolitik h.at in der ganzen europäischen Diplomatie großes Aufsehen erregt. Man erfährt von dieser Einladung erst auf Umwe­gen, und zwar durch eine von englischer Seite ausgegangene Erinnerung, nachdem die'schon Wochen zurückliegende erste Anregung zu einer solchen deutsch-englischen Ministerzusam­menkunft durch das Bekanntwerden des deutsch-österreichi­schen Zollabkommens hinfällig geworden zu sein schien. Von deutscher zuständiger Stelle ist inzwischen die englische Pressemitteilung bestätigt worden. Es wird erklärt, daß man die englische Einladung begrüßt, und daß man Wert darauf legt, im internen Kreise alle etwa 'wischen Deutsch­land und England aufgetretenen Meinungsverschiedenhei­ten in vertrauensvoller Aussprache zu klären. Wenn die bisher bekanntgewordenen Mitteilungen zutreffend sind, liegt der englischen Außenpolitik daran, den verantwortlichen Leitern der deutschen Außenpolitik nachzuweisen, daß Eng­land mit seinen Flottenabrüstungsplänen, vor allem mit dem englisch-französisch-italienischen Flottenpakt keiner­lei Verpflichtungen in der Frage der Land­abrüstung eingegangen ist. Vom Standpunkt der deutschen Politik wäre es zu begrüßen, wenn England die­ser Nachweis gelänge. Denn trotz aller schönen Reden und Versicherungen ist es nicht möglich gewesen, das Mißtrauen restlos zu beseitigen, das durch die verschiedenen Andeutun­gen in der französischen Presse in Deutschland auftommen mußte.

Guter Geschäftsgang der B.I.Z.

Basel, 8. April.

Die in der Auslandspresse enthaltenen Nachrichten über einen günstigen Abschluß der B.I.Z. im ersten Jahre ihrer Tätigkeit und den dabei erzielten Reingewinn eilen zum min­desten den Tatsachen weit voraus.

Wie von unterrichteter Seite verlautet, sind die Ah- schlußarbeilen noch nicht beendet, ein Reingewinn kann daher auch noch gar nicht festgestellt werden. Zur Stunde kann nur so viel gesagt werden, daß das erste Geschäftsjahr, das am 31. März laufenden Jahres beendet wurde, mit einem angemessenen Gewinn abschließen wird, der die Verteilung der in Artikel 53 des. Bankstatutes vorgesehenen sechs Pro­zent Dividende auf das eingezahlte Grundkapital von 103187 500 Schweizer Franken sicherstellt.

Heimwehrführer Steidle aus dem Bundesrat ausgeschieden.

Innsbruck, 8. April.

Der Heimwehrführer Dr. Steidle hat sein Dundes- ratsmandat niedergelegt.

Hauptmann von Mallitz ausgewiesen.

Innsbruck, 8. April.

Der 60jährige reichsdeutsche Hauptmann a. D. Ludwig von M a l t i tz aus Wesel am Rhein wurde für immer aus Oesterreich ausgewiesen, von Maltitz war seiner Zeit unter der Beschuldigung festgenommen worden, Nationalsozialisten, die wegen Tötung von zwei Reichsbannerleuten in der Hufe- landstraße in Berlin über die österreichische Grenze geflüchtet waren, Vorschub geleistet zu haben. Er wurde damals wie­der freigelassen.

Titulescu rumänischer Ministerpräsident.

Der bisherige rumänische Gesandte in London. Titulescu hat ben Auftrag zur Regierungsneubildung angenommen Unser Bild zeigt: (links) Titulescu, (rechts) Den zurück- ___ getretenen Minorescu.

Deutsche Initiative in her Abrüstung

Genf, 8. April.

Das Völkerbundssekretariat hat soeben einen Brief der deutschen Regierung veröffentlicht, der sich mit der Offen- leaung des Rüstungsstandes für die Abrüstungskonferenz beschäftigt. Die deutsche Regierung hält es für erforderlich, daß diese Frage auf die Tagesordnung der nächsten Rats­tagung gesetzt wird, damit Vorsorge getroffen wird, daß die Rustungsangaben der einzelnen Regierungen nach einem einheitlichen Muster erfolgen. Nur so sei er, heißt e» in dem Briefe der deutschen Regierung, möglich, die Ueber­sichten der verschiedenen Länder mit einander zu verglei­chen, und den Verschiedenheiten, die sich aus diesem Ver­gleich ergeben, auf der Abrüstungskonferenz Rechnung zu tragen.

Mobilmachung gegen Madeira

Funchal, 8. April.

Zwei Iahresklassen sowie sämtliche Reserveoffiziere sind eingezogen worden; die strategisch wichtigen Punkte sind mit Artillerie besetzt. Auf der Insel herrscht Ordnung. Die Lissaboner Regierung hat schärfste Maßnahmen gegen die Meuterer ergriffen, nachdem diese der Regierung telegra­phisch mitgeteilt haben, daß sie nicht geneigt seien, die Be­fehle der Zentralregierung zu befolgen.

Im übrigen teilt eine offizielle Note mit, daß die Hal­tung bei den übrigen Truppen ausgezeichnet sei und überall Ruhe herrsche, und daß die Regierung über die notwendi­gen Machtmittel verfüge, um die Ordnung aufrechtzuerhal­ten. Wie es weiter heißt, hat der DampferPedro Gomez" Befehl erhalten, mit Truppen an Bord nach Madeira in See zu gehen. Gleichzeitig mit ihm sollte der DampferCu- banga" mit Kriegsmaterial und drei Wasserflugzeugen aus­laufen. Der KreuzerCarvalho Araujo" ist bereits unter­wegs. Die KanonenbooteZaire" undPbo", die bei den Kanarischen Inseln vor Anker lagen, sollen gleichfalls nach Madeira in See gehen. Die Truppen, die gegen die Auf­ständischen entsandt werden, setzen sich zusammen aus einem Regiment Jäger, einem Regiment Infanterie, einem Regi- ment Artillerie und einem Regiment schwerer Maschinen­gewehre.

Roch ein Kriegsgefangener...

U Das Martyrium eines Elsäffers.

V Berlin, 8. April.

3m Reichstag wurde eine Interpellation eingebracht, in der mitgeteilt wird, daß sich noch ein letzter deutscher Kriegs­gefangener in der Strafkolonie Cayenne in französischer Ge­fangenschaft befindet, nämlich Alfons Emil Paul Schwartz, von einem französischen Kriegsgericht wegen Waffenträger»» gegen Frankreich zu lebenslänglicher Deportation verurteilt. Diese Verurteilung sei lediglich erfolgt, weil Schwartz, der als Elsässer nach deutschem Gesetz als deutscher Staatsange­höriger anzusehen sei, genau so wie alle seine anderen Ka­meraden den Krieg auf deutscher Seite mitgemacht habe.

Die Verurteilung sei darauf zurückzuführen, daß das französische Staatsangehörigkeitsgesetz im Gegensatz zum oeutschen Staatsangehörigkeitsgesetz die Bestimmung ent­halte, daß Söhne von Ausländern zu Franzo­sen werden, wenn die Geburt in zwei Generationen auf französischem Gebiet stattgefunden habe. Schwartz sei im Feberuar 1919 an seinem Wohnsitz in Kehl verhaftet und während der Waffenstillstandszeit noch nach Frankreich ge­bracht und vor das Kriegsgericht gestellt worden.

Die Reichsregierung wird gefragt, was sie zu tun ge­denke. um Schwartz, der jahrelang auf der Teufelsinsel ge­sessen habe und jetzt nach der Strafkolonie Guyana geschafft worden sei und insgesamt schon zwölf Jahre Freiheitsstrafe verbüßt habe, endlich wieder die Freiheit zu verschaffen.