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Hersfelöer Kreisblau

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

UteefflAtrBqugtettl* Varch Mt Bt« ItwetelJO Reichsmark, aa»schlteßltch BtfMattt, 1.20 Rrichs-Mark bei freier Zustellung, für Rdh»l« 1.00 Reiche-Mark. druck und Verlag am £ao»ta Jnnh vuchbruckrrel In yerefelö, Mitglirö du vdZV.

Nr. 80

Dienstag, den 7. April 1931

81. Jahrgang

Der Ilottenpakt schon brüchig!

Londoner Schlnhverhandlungen unterbrechen Wiederansrollung der Paritätrsrage Frankreich bedauert feineNach,iebi,kett"

Einladung nach England

Brüning und Curtius fahren nach Ehequers

London, 7. April.

Times" meldet, die britische Regierung habe vor eini­gen Wochen durch Vermittlung der deutschen Botschaft in London an Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußen- minifter Dr. Curtius die Einladung ergehen lassen, im April in London einen privaten freundschaftlichen Besuch ab- zustatten. Der Zeitpunkt habe indessen Schwierigkeiten ge- macht, da die Zeit des Kanzlers und des Außenministers im April sehr stark beansprucht ist. Es v laute, daß die

Einladung grundsätzlich für Mai angenommen wurde. Die Regierung hoffe, daß B r i a n d ebenfalls an der Zusammenkunft teilnehmen werde.

Dazu erfährt das W.T.B.:

Die Meldung derTimes" ist z u k r e f f e n d. Die eng­lische Regierung beabsichtigt, demnächst eine offizielle Ein­ladung nach Ehequers ergehen zu lassen. Der Gedanke ist von deutscher Seite begrüßt worden und Dr. Brüning und Dr. Curtius werden sich gern nach England begeben. Es handelt sich bei dieser Zusammenkunft, deren genauer Termin nochnicht feststeht, um eine intime und freund- schastliche allgemeine Aussprache über alle Fragen, die die beiden Länder gemeinschaftlich interessieren.

LebhafteOftertätigKeit" der K.P.D.

Berlin, 7. April.

Trotz des polizeilichen Verbotes der Osterpropaoanda der KPD. und der Freidenkerorganisationen sind am ersten Osterfeiertag und in der Nacht zum Ostermontag in zahlrei­chen Fällen Versuche unternommen worden, dieses Verbot zu sabotieren. In allen Gegenden der Stadt wurden Demon- strationszüge gebildet. Kleinere oder größere Trupps zogen von Haus zu Haus, um Hetzreden gegen die Religion zu hal­ten und ebenso versuchten besonders nachts Klebeko- lonnen durch Anschläge an Häusern, Mauern und Zäunen Stimmung für die KPD. und das Freidenkertum zu machen. Dabei ist es vielfach zu Zusammenstößen mit der Polizei ge­kommen, deren Patrouillendienst durch Streifen erheblich ver­stärkt worden war. Fast in allen Fällen mußte vom Gummi­knüppel Gebrauch gemacht werden, wobei man insgesamt 187 Personen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Aufreizung und tätlicher Beleidigung fistierke.

Zu wiederholten Zusammenrottungen von Kommuni­sten kam es u. a. nachmittags in der Kösliner Straße, die von den Maiunruhen des Jahres 1929 her noch in Erin­nerung ist, sowie in der Scherer- und Togostrahe. In der letzgenannten Straße wurde

die Polizei mit Steinen bombardiert.

1'4 Personen wurden hier festgenommen, bei einem der Ci­tierten fand man einen Dolch, bei zwei anderen große Mes- er. Auch in der Turmstraße in Moabit mußten wieder zolt Demonstrationszüoe aufgelöst werden. Eine Gruppe von 150 Personen wurde gegen die Polizeibeamten tätlich. Dabei wurden ein Polizeuvach 'meister und drei Straßen- passanten von den Demonstranl n niedergeschlagen, kamen jedoch mit leichten Verletzungen davon. Elf der Ruhestörer wurden zwangsgestellt.

Kommunistische Massenverhaftun- gen in Braunschweig

/ Vereitelte Osterkundgebungen.

Braunschweig, 7. April.

Die Kommunistische Jugend und die Gott- l o s e n v e r b ä n d e, für die im Stadtbezirk Kundgebungs­und Versammlungsverbot bestand, versammelten sich wieder­holt auf den Straßen. Am Sonnabend nachmittag wurden sieben Auswärtige fe st genommen. Am Ostersonntag vormittag ließen zwei jüngere Kommnuisten in der Brü­de r k i r'ch e während des Gottesdienstes einige

Glasflaschen mit stinkender Flüssigkeit fallen. Mittags versuchten Demonstrationszüge aus Nachbar­orten oeschlossen in die Stadt zu gelangen, woran sie die Po­lizei hinderte. 120 Personen wurden festgenommen. Am späten Nachmittag wurden bei der Sprengung eines sich bil­denden Demonstrationszuges 219 Personen verhaftet. Ein Polizeiwachtmeister erhielt einen Stich in den Kopf. Seit Erlaß des Demonstrationsverbotes am 1. April find 437 Personen, meist Auswärtige, festgenommen. v f

Eisenbahnkatastrophe in Rußland

Zehn Tote, 51 Verletzte.

Moskau, 7. April.

Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich in der Sfa- tion poletajewo, die nahe bei Tscheljabinsk (Gouverne­ment Orenburg) liegt. Bei der Katastrophe fanden zehn Per­sonen den Tod, 51 wurden verwundet.

Stile der Flottenverhandlungeu wiederaufrollung der Paritätsfrage.

London, 7. April.

Der Ausschuß zur Abfassung des Wortlautes des eng- lifch-französischitalienischen Flottenabkommens hat sich bis etwa 14. April vertagt. Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" bemerkt hierzu, in englischen Kreisen herrsche die Ansicht, daß, wenn Frankreich nicht bereit sein sollte, Italien in der Frage der leichten Kriegsschiffe ent- gegenzukommen. ein Abbruch der Arbeiten des Ausschusses zu befürchten stehe.

Frankreichs Unzufriedenheit mit Italien

Eine lange Unterredung, die der französische Außen­minister Briand am Quai d'Orsay mit dem italienischen Bot­schafter gehabt hat, bezog sich sowohl auf die Schwierigkei­ten bei der redaktionellen Fassung des französisch-italienischen Flottenabkommens wie auch auf das österreichisch-deutsche Problem. Frankreich und Italien können sich nicht über das Tempo verständigen, das für die Ersetzung der Schiffs- , einheiten von 193336 zu wählen ist. Franzöfischerseit meint man, daß die alten Schiffe während dieses Zeitraumes wei- terhin ersetzt werden müssen, damit die französische Marine j ihre Ueberlegenheit über die italienische behalten könne. Jta- lienischerseits vertritt man den Standpunkt, daß über 1933 hinaus ein Ersatz nicht vorgenommen werden dürfte, um der Flottenabrüstungskonferenz, die nach Ablauf des Ab­kommens vorgesehen ist, volle Entschlußfreiheit zu lassen.

Petit Parisien" findet diese Wiederaufrollung der Pa- ritötsfruge um so bedauerlichen, als die österreichische An­gelegenheit mit in die Debatte hineinspiele. 3n Rom ver­halte man sich weiter zurückhaltend in dieser Frage, vielleicht in der Hoffnung, von Paris im Austausch für eine aktivere Mitarbeit im Augenblick der Erörterung des deutsch-öster­reichischen Planes vor dem Völkerbundsrat irgendeine Kon­zession in der Flottenfrage zu erhalten.

Journal des Debüts" schreibt zu den Schwierigkeiten Der Formulierung des Flottenabkommens zwischen Frank­reich und Italien das Abkommen mit Italien wäre nur berechtigt gewesen, wenn es mit einer Neuorientierung der italienischen Politik zusammengefallen wäre, einer Neu­orientierung, über die man sich vorher hätte aussprechen müssen.

Alles lasse aber die Annahme zu, daß die römische Re­gierung in keiner Weise die großen Richtlinien ihrer Haltung geändert habe. Das Flottenabkommen habe also zu nichts geführt, außer Frankreichs Flotte in- richler Weise zu schmälern und Frankreich eines wert­vollen Handluttgselementes zu berauben.

Das Flottenabkommen habe die französisch-italienischen Be­ziehungen nicht befriedigend gestaltet, sondern im Gegen­teil die Besserung noch erschwert, weil man ein Mittel zur , Annherung beider Länder im Hinblick auf eine, wenn auch nicht gemeinsame, so doch wenigstens parallele Politik un­benutzt gelassen habe. Auch dieses Ereignis müsse auf die possive Seite der sogenannten Friedenspolitik gesetzt werden, Die alle Mißerfolge, die sie erleide, als Erfolg Hinstelle.

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In den letzten Tagen sind wiederholt Gerüchte über Schwierigkeiten bei der redaktionellen Abfassung des fran­zösisch-italienischen Flottenabkommens aufgetaucht. Offiziöse Verlautbarungen hatten jedoch jedesmal versucht, sie als harmlos hinzustellen. Ganz anders aber ist das Urteil, das jetzt der marinetechnische Mitarbeiter desMatin", Admiral Docteur, fällt. Er schreibt wörtlich:Das französisch- italienische Flottenabkommen vom 1. März, über das unter dem Druck und der Kontrolle Englands verhandelt und das erst mit zweiwöchiger Verspätung veröffentlicht wurde, ent­hielt verschiedene dunkle Punkte, die bei der endgültigen Redigierung geklärt werden sollten. Die in London ver­einigten Delegationen haben ihre Arbeiten jetzt unterbrochen. Anscheinend herrschen zwischen ihnen tiefgehende Mei- nun gs Verschiedenheiten Das endgültige Abkom- ' men kann nicht dadurch zustande kommen, daß Frankreich neue Konzessionen macht. Wenn ein Mißverständnis vor- liegt, so ist es,nicht auf Frankreich zurückzuführen. Wir haben unrecht gehabt, daß wir nicht eine direkte Fühlung­nahme zwischen den französischen und italienischen Marine- sachverständigen ^erstellten und die Verhandlungen durch allzu interessierte Zwischenhändler haben führen lassen. Das Wort fair play ist englisch, seine Auslegung jedoch fran­zösisch. Es handelt sich nicht mehr darum, über die Tonnage und die Geschützkaliber zu polemisieren. Danut würden wir nur denen in die Hände arbeiten, deren jetzt offen zu Tage liegendes Ziel es ist, die für unsere militärischen Bedürfnisse notwendigen Flottenbauten zu verzögern oder zu ver­hindern."

Der neue deutsche Gesandte in Wien.

Der bisherige Botschaftsrat an der Deutschen Gesandtschaft in Paris Dr. Kurt Rieth wurde zum deutschen Gesandten in Wien ernannt.

Scharfe Worte über die Zoll-Union

Dr. Benesch übt Kritik.

Prag, 7. April.

Aus dem OsterkoLgre^ der-tschechoslowakischen National­sozialistischen Partei hielt Minister des Auswärtigen, Dr. Benesch, eine Rede, in der er vor allem zu den deutsch- österreichischen Zollvereinbarungen Stelluno nahm und sich dabei über die deutfd)-öfterreid)ifd)e Zollunion sehr abfällig äußerte. Dr. Benesch betonte, die Tschechoslowakei müsse aus sachlichen und formalen Gründen gegen diese Union auftre­ten. Als sachlichen Grund führte Benesch an, der Plan müsse den großen Gedanken der europäischen Zusammenarbeit dis­kreditieren, da er in seiner heutigen Fassung nur zum politi­schen Vorteil Deutschlands und Oesterreichs geschaffen sei. Wirtschaftlich helfe der Plan überhaupt niemanden. Die Tschechoslowakei werde durch die deutschösterreichischen Zoll- Vereinbarungen politisch und wirtschaftlich geschädigt. Dr. Benesch lehnte es ab, sich dem vorbereitenden Vertrag an- zuschließen, mit der Begründung, die Tschechoslowakei würde sich durch einen solchen Schritt ihrer politischen Bewegungs­freiheit entäußern. Aus formalen Gründen müsse man den Plan ablehnen, da er den übrigen Staaten in vollendeter Fassung vorgelegt worden sei. Es sei, so schloß Dr. Benesch, unmöglich, sich einem Vertrage, der vertraulich zwischen zwei Staaten in deren Sinne und Geiste abgeschlossen ist, anzu- schließen, entweder müsse er eine sehr kühle Aufnahme oder einfach Ablehnung finden. Die Tschechoslowakei habe sich sofort mit der Kleinen Entente und vor allem mit Frankreich und Italien darüber verständigt.

Kabinett Mironeseu zurückgetreten

wird Tilulescu Nachfolger?

Bukarest, 7. Aprll.

Am Sonnabend trat das Kabinett Mironefcu zu­rück. Unmittelbaren Anlaß dazu bildet der Rücktritt des Handelsministers M a n o i l e s c u, der bei der Abstimmung über eine Gesetzesvorlage mit der Regierungspartei in Kon­flikt geriet und sein Mandat niederlegte. Manoilescu besaß das besondere Vertrauen des Königs C a r o l.

Der rumänische Gesandte in London, T i t u l e s c u, hat nach einem Telegrammwechsel mit dem König die Betrauung mit der Regierungsbildung angenommen. Er trifft am Mittwoch in Bukarest ein, um mit den Parteiführern über die Bildung einer nationalen Konzentrationsregierung zu ver­handeln. Das Zustandekommen einer solchen Regierung ist allerdings von der Haltung M a n i u s abhängig. Die Auf­lösung des Parlaments dürfte kaum zu vermeiden sein.

Mttitäraufstand auf Madeira

Funchal (Madeira), 7. April.

Hier kam es zu einem militärischen Pronunciamento. Der Sonderdelegierte der Regierung, der Zivilgouverneur und der Militärgouverneur wurden f e st g e n o m m e n. Der Ministerrat beschloß, einen Truppenkontingent nach Uiadeira zur Unterdrückung der Aufstandsbewegung zu ent­senden. Offizielle Nachrichten fehlen noch, doch vermutet man, daß die Regierungsgebäude in der Hand der Aufständischen sind.

Ein Orkan mit schwerem Hagel s ch l auf dem japanischen Militärflugfelde T a ch i c Insel K i u s ch i u z ehn F l u g z e u ge; zehn zeuge wurden schwer befriedigt. Der Stur: Häuser zum E i n st u r z und richtete an 40 H Schaden an. Vier Personen. sämtlich Kinder, wurden von den Trümmern < r s ch l a Dutzend Menschen sind verletzt.

a g zerstörte i r a i auf der weitere Flug- m brächte 30 äusern starken Frauen und gen. mehrere