Hersfel-erTageblatt
MmrIii M *MRgt pttffgefk 15 Bfemif|,
Xerlamezesle 50 Pfennig. (Srunöschrtst Äorons). Bei Wiederholungen wirb ein entspreckender Preisnachlaß gewahrt. ♦ Zür die Schriftleitang verant» «örtlich: Zranz Zank in Reisfeld. ♦ Kernfprecher Nr.
Reisfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelü
r
MvnaMch« vyllgsprel« Varch Mt Post 8m«* 130 Reich»»Mark, aaeschließlich Vestellgelo, ffft Rttsfdd 1.20 Reichs-Mark bei freier Zastellung, für fldhvla 1*00 Retchs-Nark. ♦ druck unü Verlag von Zaowig Zank, Luchöruckeret In Reisfeld, Mltglleü des VVZV.
Nr. 78
Donnerstag, den 2. April 1931
81. Jahrgang
Frick in Thüringen gestürzt
Die MihtrauensartrSge gegen Dr. Frick und Marschier angenommen — Die Deutschnationalen verlassen auch die Regierung
FM gestürzt
Auch das deutschnationale Regierungsmitglied ausgeschieden
Weimar, 2. April.
3m Thüringischen Landtag wurden am Mitk- wochvormitlag die sozialdemokratischen Mihtrauensan- träge gegen Staatsminister Dr. Frick und Staatsrat Marschier mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, der Staatspartei und der Deutschen Volkspartei gegen die Stimmen der übrigen Regierungsparteien angenommen. Damit sind Frick und Marschier gestürzt.
Der Landtagssitzung, in der die Entscheidung über da» Schicksal der thüringischen Koalition fallen sollte, wurde in ganz Thüringen mit ganz großer Spannung entgegengesehen. Roch am Dienstag war, wie verlaufet, Hitler selbst in Weimar, um an den Verhandlungen nach Möglichkeit persönlich teilzunehmen. Die Deutsche Volkspartei ging jedoch auf ein nationalsozialistisches Entgegenkommen nicht ein
Im Sitzungssaal blieb die Ministerbank leer. Staats- minister Baum nahm auf einem Abgeordnetensitz Platz. Abgeordneter Fröhlich begründete die sozialdemokratischer Mißtrauensanträge gegen Frick und Marschier damit, daß es die sozialdemokratische Fraktion als ihre erste Pflicht betrachte, die Regierung von den Mitgliedern der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und damit auch das Land Thüringen von diesen Regierungsmitgliedern zu befreien. Mit großem Interesse wurde der Erklärung des volksparteilichen Abgeordneten Dr. Witzmann entgegers-esehen. Dieser betonte, die Veranlassung zur Krise liege in den ungeheuren Beschimpfungen, die der Hauptleiter und Fraktionsführei der Nationalsozialisten, Sauckel, gegen die Volkspartei gerichtet habe. Vermittlungsversuche der Nationalsozialisten kämen heute zu spät. Die Tätigkeit dieser Herren habe sich immer als eine unerträgliche Nebenregierung im Partei- finne gu^gewirkt. Diese' Art parteui^v. PerssnalpslitU könne die Volkspartei nicht mehr mitmachen. Die Volkspartei habe trotz aller Krisen loyal mitgearbeitet und Geduld bis zum Aeußersten bewiesen. Sie habe in der Fragt der Polizeizuschüsse die thüringische Regierung unterstütz! und noch in diesen Tagen auf dem Höhepunkt der Krisc habe ihr Vertreter im Kabinett für den Protest gegen Reichsinnenminister Dr. Wirth wegen der Nichteinladung zur Länderkonferenz in Berlin gestimmt. Er, Witzmann, habe dir Koalition verteidigt, solange es möglich gewesen sei. Ei habe aber jetzt die Initiative ergriffen und gefordert, daß die Geduld der Volkspartei ein Ende haben müsse. Die Zumutung, den Staatsrat der Deutschen Volkspartei aus der Regierung zu ziehen, müsse die Volkspartei ablehnen. L-ik habe keine Veranlassung, ihre Position zu schädigen. Ehi die Nationalsozialisten sich nicht zur Klärung hindurchgearbeitet hätten, sei ein Zusammenarbeiten mit ihnen unmöglich. Darauf folgte die Abstimmung.
Nach Annahme des Mißtrauensantrags erklärten Dr. Frick und Staatsrat Marschier sofort ihren Rücktritt. 3m Anschluß daran gab auch das deutschnationale Regierungsmitglied, Staatsrat Kien, feine Demission.
Der Landtag wird am 14. April wieder zusammenlre- ten. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt Ersatzwahl zur Regierung, als zweiter Punkt Etats- beratungen. Am Nachmittag beriet bereits das Landtags- präsidium über die Ersatzwahl.
AMchobene Maßregelung Der Fall des Regierungsrats Fabricius.
Leipzig, 2. April.
Der Reichsdisziplinarhof hat auf die Berufung des Regierungsrats Fabricius vom Landesfinanzamt Brandenburg zu Berlin die Entscheidung der Berliner Disziplinarkammer vom 1. Mär; 1930, durch die gegen Fabricius wegen Dienstvergehens auf Diensientlaffung erkannt worden war, aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung in die Vorinstanz zurückverwiesen.
Regierungsrat Fabricius hatte zur Zeit des Volksbegehrens ein Plakat, das im Finanzamt auf Anordnung des Finanzministers angeheftet war und das einen Auszug aus dem Aufruf der Deutschen Volkspartei „Stresemanns Vermächtnis gegen das Volksbegehren" enthielt, entfernt. Zur gleichen Zeit war im Finanzamt ein Brief umgelaufen. wonach über die Beamten, die für das Volksbegehren ein- träten, zu berichten sei. Fabricius hat daraufhin an den Präsidenten einen, wie er angibt, privaten Brief geschrieben und ihm mitgeteilt, daß das unzulässig sei. Dieser Brief wurde jedoch als ein dienstliches Schreiben aufgefaßt und zum Gegenstand des Verfahrens gemacht. Sodann hat Fabricius zwei Artikel geschrieben, die sich gegen das Verhalten der Berliner Polizei bei den Demonstrationen der Berliner Studentenschaft aus Anlaß der Wiederkehr des Tages des Abschlusses des Friedensvertrages wandten. In einem weiteren Artikel mit der Ueberschrift „Patrouille in das Lager der Schwarz-Rot-Gelben" hat er die Verfas- sungsfeier des Reichsbanners in stark ironischem Ton einer Kritik unterzogen. Das Urteil lautete auf Dienstentlassung. Gegen dieses Urteil hat Fabricius Berufung beim Reichsdisziplinarhof eingelegt.
Wechsel in der Berliner S.A.-Führung
Stennes abgesetzt — Schul; Nachfolger.
Berlin, 2. April.
Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende Verfügung des Chef des Stabes, Röhm:
„Der Gruppenführer Ost, Hauptmann Stennes, ist ab 1. April 1931 feiner Dienststellung enthoben und gilt bis auf weiteres als beurlaubt. Hauptmann Stennes hat zu wiederholten Malen eine Einstellung bekundet, die den Richtlinien der obersten SA.-Führung zuwiderläuft, und zuletzt in einer Besprechung mit den Standartenführern Auslassungen gemacht, die geeignet sind, die Bewegung zu gefährden. 3n der augenblicklichen Lage ist es daher nicht tragbar, diesen Führer weiter an verantwortlicher Stelle zu belassen. Mit der kommissarischen Führung der Gruppe Ost wird Oberleutnant Schulz-Stettin beauftragt. Von allen Partei- blättern nachzudrucken."
Hauptmann Stennes hat den Berliner Zeitungen die Mitteilung zugehen lassen: „Mir ist auf parteiamtlichem Wege nichts von dem bekanntgemacht worden, was die heutige Scherlpresse in Bezug auf mich veröffentlichte. Es würde nationalsozialistischem Brauch widersprechen, wollte ich auf eine solche Veröffentlichung irgendwie reagieren. Solche Art der Bekanntmachung würde nicht nur eine U n - anständigkeit, sondern einen Wortbruch Adolf Hitlers bedeuten. Ihm das zuzutrauen, muß ich ab- lehnen."
Zu dieser Erklärung hat Die Münchner Kanzlei Adolf Hitlers der Scherlschen „Nachtausgabe" erklärt, daß Hauptmann Stennes durch einen eingeschriebenen Eilbrief benachrichtigt worden sei. Die Hitler-Kanzlei dementiert weiter das Gerücht, daß Dr. Goebbels aus Berlin nach Wien versetzt werden solle.
Wieder Palastrevolte in der N.S.D.A.P.
Hauptmann Stennes-Killinger gegen Hitler?
Berlin, 2. April.
In einer Vefammlung der Vertrauensleute der Berlins S.A. wurde eine Entschließung gefaßt, in der Hitler u. a Flucht vor der Verantwortung, Abschließung hinter einen Apparat verbonzter Parteifunktionäre, Behagen an chaoti scher Unordnung und an byzantinischen Geschmacklosigkeiten Aufgabe der ursprünglich klaren Ziele vorgeworfen wird Die Entschließung endet mit den Worten: Wir haben unseren Führer Stennes beauftragt, alle Schritte zu ergreifen um die S.A. in gewohnter Disziplin zusammenzuhalten Unsere Führer haben für den einzuschlagenden Weg unser, absolute Vollmacht. Wir kämpfen nicht für Partei unk Bonzen, sondern allein für Deutschland.
Bei nationalsozialistischen Führern sind Gerüchte ver breitet, wonach Stennes als Führer der S.A. Versucher wolle, in den nächsten Tagen mit dem Stahlhelm über dir Möglichkeit zu verhandeln, einen Waffenring zu schließen Ob diese Pläne sich werden verwirklichen lassen, bleibe' allerdings noch abzuwarten. Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Auseinandersetzungen bei den Nationalsozialisten werde die Haltung sein, die der sächsische Osaf K i l l i n - g e r einnehme, der mit Stennes persönlich nahe befreunde jei und erst vor wenigen Tagen in Berlin weilte. Falls Kill linger sich dem Vorgehen von Stennes anschließe, wäre du klare Scheidung der ganzen Bewegung zu erwarten. Ueber die Frage, welche Haltung Dr. Goebbels Stennes gegenüber jetzt einnehmen werde, verlaute noch nichts Positives da in der Berliner NSDAP.-Zentrale zwar auch die Gerüchte über die Verschickung Dr. Goebbels nach Wien umlie- fen, eine sichere Nachricht nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Berlin und München aber von den Stennes-Leuten noch nicht zu erlangen gewesen sei.
3n6iens Forderungen
Karatschi, 1. April.
Der indische Nationalkongreß beendete seine Beratungen mit der Annahme mehrerer Entschließungen, in denen für die indische Verfassung folgende Forderungen aufgestellt werden:
Keine Salzsteuer, Aufsicht über die Währungspolitik zwecks Unterstützung der indischen Industrien und der Erleichterung der Lage der Massen, Aufsicht über die militärischen Ausgaben und über die Kreditgewährung, Herabsetzung der Ausgaben um mindestens die Hälfte, Sicherung ausreichenden Lebensunterhalts für die industriellen Arbeiter und Schutz der indischen Textilwaren durch Ausschluß ausländischer Textilwaren, Einkommensteuer für die Landwirtschaft, Erbschaftssteuer, völliges Alkoholverbot und Festsetzung der Höchstgrenze der Gehälter für staatliche Angestellte auf 6600 Rupien (9000 Mark) im Jahre. Gandhi erklärte ausdrücklich, der V i z e k 3 n i g von Indien solle auch kein größe^s Gehalt bekommen.
Er fügte hinzu, wenn die Delegation des Kongresses jetzt nach London komme, werde sie sagen können: „Dies sind unsere Forderungen auf Grund der Selbstregierung."
AeschwerdeSSsterbergs beitzindenburg
Wegen der Handhabung der Notverordnung.
Halle, 2. April.
Der zweite Bundesführer des Stahlhelm, Oberstleutnant a. D. Düsterberg, hat an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gesandt: „Preußische Polizei benutzt entgegen der amtlichen Erklärung der Reichsregierung, daß die Notverordnung sich nicht gegen das Volksbegehren des Stahlhelm richtet, diese Notverordnung zu scharfen Kamps gegen die vaterländische Bewegung. So wurde selbst eine Bismarckfeier am 31. März in Halle während der Festrede polizeilich auf Grund der Notverordnung aufgelöst. Wenn Reichsregierung nicht eingreift, wird Notverordnung die nationalen Kreise Deutschlands politisch vollständig' entrechten." Eine ähnliche telegraphische Beschwerde ging an den Reichskanzler Brüning ab.
Ueber die in dem Telegramm erwähnte Versammlung berichtet der Polizeibericht wörtlich: In einer am Dienstagabend in der Saalschloß-Brauerei abgehaltenen Stahlhelm- Kundgebung für das Volksbegehren erwies sich eine Verwarnung des Redners wegen verschiedener auf eine Verächtlichmachung des Staates hinzielender Aeußerungen als notwendig. Beim Einschreiten des Polizeioffiziers wurde die Versammlung derartig erregt, daß sie u n friedlich zu werden drohte; sie wurde daher aufgelöst.
Freiwillige Arbeitsdienstpslicht?
Die Vorschläge der Braunskommission.
Berlin, 2. April.
Der Ausschuß, der unter dem Vorsitz des früheren Reichsarbeitsminister Dr. Brauns eingesetzt worden ist, um die Möguchteüen- -Z^Ksr minber^mg der Arbeitslosigkeit zu prüfen, sollte bekanntlich über einen Teil seiner Vorschläge bis Ostern berichten. Wie wir erfahren, liegt ein solches Teilgutachten nun im Reichsarbeitsministerium vor. Es enthält recht sorgfältige Untersuchungen und kommt zu ähnlichen Ergebnissen, zu denen man auch bei den früheren Arbeiten im Ministerium gelangt ist. Die Bedeutung des Gutachtens liegt darin, daß es eine wissenschaftliche und sachliche Grundlage für die Maßnahmen bietet, die durchgeführt werden sollen.
Vor allem handelt es sich dabei um zwei Probleme: Arbeitsbeschaffung und Arbeitsstreckung. Die Beschaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten hängt ganz davon ab, wie sich die k r e d i t p o l i t i s ch e Lage entwickelt. Das gilt namentlich auch für das Baugewerbe. Ende April werden sich die zuständigen Stellen darüber klar werden, wie weit das Bauprogramm ausgedehnt werden kann.
Eine interessante Einzelheit ist ferner, daß man einen besonderen Gedanken aus der viel umstrittenen Arbeitsdienstpflicht ableitet, nämlich eine Art freiwilligen Arbeitsdienstes, der überall dort eingeführt werden soll, wo sich praktische Möglichkeiten dafür bieten. Sie sind natürlich auch von der Kapitalfrage abhängig. .
Um die Arbeitsstreckung durchzuführen, wird der Reichsarbeitsminister nach Ostern mit den einzelnen Industriezweigen verhandeln. Es soll unter allen Umständen vermieden werden, daß die Wirtschaft durch Schematisie- rung oder Bürokratisierung dieser Aktion geschädigt wird. Man wird deshalb wahrscheinlich für jede Industrie eine Kommission einsetzen, in der auch Fachleute der betreffenden Industrie sitzen. Der von dem Reichsarbeitsminister angekündigte gesetzliche Zwang soll nur da angewendet werden, wo man sich gegen eine vernünftige Regelung sperrt.
Vertreter der Braunkohlen-Industrie haben vor etwa 8 Tagen dem Reichsarbei/sminifter ihre Bereitwilligkeit er- klärt, eine Arbeitszeikve lürzung vorzunehmen, bie die Möglichkeit bietet, 10 Pro .1 Arbeiter mehr einzustellen. Dieses Angebot wird als ein sehr erfreulicher Fortschritt betrachtet, der gewiß nicht ohne Rückwirkung auch auf andere Industrien bleiben dürfte.
Sahm wird Berliner Oberbürgermeister
Berlin, 2. April.
Die Wahl des früheren Danziger Senatspräsidenten, Dr. Heinrich Sahm, zum Oberbürgermeister von Berlin scheint gesichert zu sein. Die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung hat nach langwierigen interfraktionellen Verhandlungen der Kandidatur Dr. sahms ihre Zustimmung gegeben und erhebt als Ersatz dafür Anspruch auf einen der beiden Bürgermeisterposten. Die Wahl Dr. Sahms dürfte demnach am 14. April mit genügender Mehrheit erfolgen. Allerdings hat die sozialdemokratische Fraktion beschlossen, zunächst ihren Kandidaten Braun zur Wahl vorzuschlagen. Erst nachdem dieser Vorschlag, wie vor- auszusehen ist, abgelehnt wird, werden die Sozialdemokraten für Sahm stimmen.
Flugzeug bei Antwerpen abgestürzt. — Zwei Tote.
Antwerpen, 2. April.
Ein Flugzeug stürzte über dem Flugplatz Deurne ab. Die Insassen, der Pilot und ein Passagier, wurden auf der tzt^se getötet.