Zum deutsch-österreichische« Zollabkommen
Briand und Henderson lassen verlautbaren.
Paris, 27. März.
5m Verlaufe der Unterredung, die Staatssekretär Hen- dersor und Außenminister Briand miteinander hatten, haben die Staatsmänner sich über
die weiteren Schritte der diplomatischen Aktion betreffend den Plan einer österreichisch-deutschen Zollunion ausgesprochen. T c negative Haltung der deutschen Regierung hat die offiziellen französischen und englischen Kreise nicht überrascht. Die Verhandlungen werden übrigens zwischen den interessierten Regierungen auf dem gewöhnlichen Diplomatenweg fortoesetzt werden. Im übrigen ist man davon überzeugt, daß Berlin und Wien das grundsätzlich zwischen ihnen geschlossene Abkommen nicht vor der nächsten Völkerbundstagung in Kraft setzen werden, auf der das Problem sicher zur Sprache kommen wird, da es ja nur des Antrages einer einzigen Macht bedarf, um es auf die Tagesordnung zu bringen.
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Die Republikanische Vereinigung sieht eine unbestreitbare Verletzung der Verträge.
Paris, 27. März.
Die Senatsfraktion der Republikanischen Vereinigung, (Millerand-Poincare) hat sich mit dem deutsch-österreichischen Zollangleichungsprotokoll beschäftigt und eine Entschließung folgenden Wortlauts angenommen:
Die Fraktion vertritt einmütig den Standpunkt, daß eine Nachgiebigkeit der Mächte in bezug auf eine so unbestreitbare Verletzung der Verträge, wie sie der Plan einer österreichisch-deutschen Zollgemeinschaft darstellt, ernste Folgen für den europäischen Frieden haben würde. Die Fraktion rechnet mit einer festen Haltung der Regierung und billigt ihre Bemühungen zur Abwehr dieser Gefahr.
3n Paris fleht man „Kriegsgefahren"
Die Pariser Presse ist erklärlicherweise am aufgeregtesten und am unsachlichsten. Im „Matin" versucht man es mit den billigen Zusicherungen des Beistandes, „wenn sich Deutschland und Oesterreich gut schicken". „Für Deutschland und Oesterreich sei es von wesentlichem Interesse, sorgfältig alles zu vermeiden, was nach einem Mitteleuropa unter deutscher Hegemonie aussehe. Im „Echo de Paris" untersucht man die Möglichkeit der Ergreifung von Maßnahmen gegen die österreichische und deutsche Initiative. Das richtige Mittel hätte nach diesem Blatt darin bestanden, auf Grund des Artikels 11 wegen Kriegsgefahr die dringliche, d. h. sofortige Einberufung des Völkerbundsrates zu verlangen. Briand habe aber etwas derartiges nicht zu unternehmen gewagt. Auch der Außenpolitiker des Pariser „Journal" ist skeptisch und meint, die Methode, die Angelegenheit vor den Völkerbundsrat zu bringen, könne dazu führen, ein Verfahren zur Revision der Verträge vor dem Völkerbünde anhängig zu machen.
„Viel Uebertreibung und llnausrichtigleit"
Wie künstlich diese hysterische Aufregung in Frankreich gemacht ist, wird durch eine Auslassung des Warschauer sozialistischen „Robotnik" gekennzeichnet, der unterstreicht, daß in dem Lärm um das Wiener Abkommen viel Uebertreibung und Unaufrichtigkeit sei. .
Selbst die erbittertsten Feinde des Anschlusses seien sich darüber klar, daß ein engeres Zusammenwirken von Deutsch land und Oesterreich unvermeidlich sei. Polen habe jeden falls keinen Grund, sich vor den Folgen einer engeren öfter reichisch-deutschen Zusammenarbeit zu fürchten.
Die Gestaltung der inneren Verhältnisse Deutschlandwürde sich zu Gunsten der Anhänger des Friedens und der europäischen Verständigung ändern.
Weitere fachliche Zurüllhaltung in England
Die Londoner ernst zu nehmende Tagespresse bemühl sich weiter, in der Frage des deutsch-österreichischen Zollabkommens eine sachliche Haltung einzunehmen. „News Chro- nicle" unterstreicht seine bereits bekanntgegebene Auffassung, daß der Vorschlag, wenn er geschickt behandelt werde, zur Grundlage und zum Beginn einer Reihe sehr zweckmäßiger Handelsverträge gemacht werden könne, die zu einer Herabsetzung der europäischen Tarife führen würden. In einem Leitartikel der „Times" wird u. a. erklärt: Alle Welt sei sich einig darüber, daß die ganze wirtschaftliche Entwicklung Europas durch die zahlreichen Tarifmauern gehemmt wird, ebenso darüber, daß die Industrien Oesterreichs durch seine Zerstückelung in eine unmögliche Lage gebracht worden sind. Die vorgeschlagene Zollunion würde eine der viel zu zahlreichen Tarifmauern niederlegen und der österreichischen Industrie einen weiteren Markt eröffnen. Das Blatt wirft dabei die Frage auf, ob nicht größere Vorteile erreicht werden könnten durch eine Vereinbarung allgemeineren Charakters. Das Arbeiterblatt „Daily Herold" ist verärgert darüber, daß Deutschland und Oesterreich die Anregung des britischen Außenministers „scharf" zurückgewiesen hätten. Es sei „nahezu sicher", daß England und Frankreich beantragen würden, die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Ratssession zu setzen.
«er-Missles stellt die Zahlungen ein
Canberra. 27. März.
Der Premierminister des australischen Bundes, Scul- lin, verlas im Abgeordnetenhaus ein Telegramm des Premierministers von Reu-Südwales, Lang, in dem dieser mit- teilt, die Regierung von Reu-S vales beabsichtige, weder die am 1. April fälligen Zinsen an die Bank von West- minster in Höhe von insgesamt 5 Millionen Pfund Sterling noch irgendwelche anderen später in London fälligen Zinsen zu bezahlen.
Sie Berwaltungsreform Uebergang der Steuerverwaltung Braunschweigs an das Reich.
Braunschweig, 27. März.
3m Landtag wurde die Vorlage betreffend Aeberkra- gung von Geschäften der Landessteuerverwaltung auf die Reichsfinanzbehörde angenommen. Somit gehen Veranlagung, Erhebung und Beitreibung der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und der Hauszinssteuer auf das Reich über.
Das «echt tun Eupen-Malmedy
Berlin, 27. März.
Zu der Erklärung des belgischen Außenministers Hy- mans, die belgische Regierung beabsichtige nicht, eine Erörterung über die Grenze Belgiens und sein nationales Territorium zuzulassen, schreibt die Germania: Es ist schon oft und in vielen Ländern das Wort „niemals" gefallen, und doch hat sich häufig genug dies „niemals", wenn das moralische Recht mit ihm in Widerspruch stand, nicht durchhalten lassen. Wir erkennen gern die Grenze Belgiens und seinen territorialen Besitzstand an, soweit sie zu Recht bestehen.
Aber Deutschland, dem von feiten der früheren Gegner bei jeder Gelegenheit peinlichste Jnnehalkung der Verträge zur Pflicht gemacht wird, hat keinerlei Anlaß, Belgien die loyale Ausführung des Artikels 34 des verfailler Vertrages, die das Geschick Eupen-Malmedys in die Hand der Bewohner legt, und die gerade die Voraussetzung für den Saran- tiepakt von Locarno ist, zu erlassen. Darüber wird man sich auch einmal in Brüssel, unter Herrn hymans oder einem Nachfolger, gerade unter dem Gesichtspunkt einer ehrlichen Friedens- und Verständigungspolitik, klar werden müssen.
Generäle tragen einen Maler zu Grabe.
Axel Gallen-Kaklela, Finnlands größter Maler und eine der markantesten Figuren aus dem finnischen Freiheitskriege 1918 (er war Adjutant General Mannerheims), wird von vier Generälen zu Grabe getragen. Unser Bild zeigt: die Generäle Malmberg (mit Stahlhelm), Oestermann, Oefch und E^vo bnm Tragen des Sarges.
Aus der Heimat.
Aus dem Gerichtssaal.
In der gestrigen Strassitzvng an dem hiesigen Amtsgericht standen sieben Sachen zur Verhandlung. Als erstes war der Schreiner und Melker E angeklagt, weil er ein dem Arbeiter S von hier gehöriges Fahrrad gestohlen und dann verkauft hatte. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Angeklagte gestand auch die Tat ein, bat aber um mildernde Umstände, da er die Tat aus Not begangen habe und er das Geld unbedingt zu seinem Unterhalt benötigt hätte, weil er ar» beitslos war. Strafschärfer.d fiel jedoch bei dem Urteil ins Gewicht, daß der Angeklagte wegen ähnlicher Straftaten schon mehrfach vorbestraft war. Das Gericht erteilte ihm nun für seine jetzige Straftat eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft.
Als zweiter hatte sich der Milchhändler R. von hier zu verantworten. Er war wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung angeklagt. Seiner Aussage nach war er angeblich nur einem anderen Händler, der sich in Notwehr befunden haben sollte, zur Hilfe geeilt. Jedoch sagten aber alle Zeugen dahin aus, daß das sich nicht so verhielt. Vielmehr hatte R dem anderen Händler, der einer hiesigen Geflügelfarmbesitzerin Enten unter Eigentumsvorbehalt verkauft hatte und Bezahlung dafür noch nicht erlangt hatte, helfen sollen, die Enten aus der Farm herauszuholen. Da sich aber der Sohn der Besitzerin hiergegen verwehrte, drang R. in die Farm ein, würgte und schlug hier den Jungen. Erst als mehrere Nachbaren diesem zu Hilfe eilten, ließ er von ihm ab. Der Junge mußte sich in ärztliche Behandlung begeben Für diese Taten erhielt nun R. eine Geldstrafe von 50.— RM.
Dann hatte gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft der Malermeister A. von hier Ei spruch erhoben. Er sollte zur Jagd ausgerüstet ohne Befugnis oder Erlaubnis im Staatswald angetroffen worden sein. In der vorigen Verhandlung halte ein Zeuge bereits eidlich die Anklage bestätigt. Zur besseren Aufklärung wurde jedoch ein Augenscheintermin beschlossen. Der Angeklagte A. ließ es jedoch nicht dazu kommen, sondern hatte vorgezogen zum heutigen Termin nicht zu erscheinen. Sein Einspruch wurde verworfen. Er erhielt eine Geldstrafe von 10.— RM.
Ferner wurde der Altwarenhändler St. wegen nicht ordnungsmäßiger Buchführung verurteilt.
Als fünfter war der Führer eines Kraftwagens aus Fulda beschuldigt, ohne Führerschein und mit zu hoher Fahrtgeschwindigkeit gefahren zu sein. Er erhielt daher eine Geldstrafe von 40.— RM.
Als sechster hatte sich wegen Beleidigung ein gewisser Th. auS Petersberg zu verantworten. Das Gericht erkannte bei ihm auf eine Geldstrafe von 15.— Mark, da er reumütig um Verzeihung bat.
Als letzte Sache stand eine Privatklage an. Eine hiesige Frau sollte eine andere beleidigt haben. Trotz allerlei Ausflüchte wurde die Angeklagte zu 15.— RM. Geldstrafe verurteilt.
* Verkauf von Flaschenbier in Gaststätten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird durch einen Runderlaß des Ministers deS Innern an die Polizeibehörden festgestellt, daß der Verkauf von Flaschenbier in Gaststätten außerhalb der allgemeinen Verkaufszeiten, d. h. nach 7 Uhr abends, und an den Sonntagen außerhalb der etwa freig-gebenen Z it nur zum Genuß auf der Stelle, nicht aber „über die Straße» zulässig ist. Der Verkauf von Bier in offenen Gefäßen, in Kannen oder verschließbaren Flaschen, die der Käufer milbringt, ist dagegen statthaft.
Hersfeld. Die Schalterdienst stunden beim hiesigen Postamt werden vom 1. April d Js. an auf die Zeit von 8—13 und 15—18 Uhr festgesetzt.
Hersfeld. („D i e 8 Z w i l l i n g e« Schwank von ^mpekoven und Mathern) Der unverwüstliche harmlos lustige Schwank wird von dem Ensemble: Mitteldeutsche Bühne der Landestheater bei Bühnenvolksbundes gespielt. Die Inszenierung leitet Intendant Gustav BartelmuS. Die Bombenrolle bei Jakob Johannes Knäblein spielt Willy Moll, dessen Wiege in Bonn am Rhein stand. Die prächtige Tante Leotine wird von Frau Goltz verkörpert. Da auch alle anderen Rollen wie immer bei diesen Bühnen bestens besetzt sind, kann es dem zugkräftigen Stück an Erfolg nicht fehlen. Die Aufführung, die heute Abend in der Turnhalle stattfindet, dürfte ein volles Haus finden.
HerSfeld. (Wie wird das Wetter?) DaS Hochdruckgebiet liegt z. Zt. mit seinem Kern über Mitteleuropa. Dabei herrscht meist heiteres, trocknes Wetter mit starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Ueber Nordskandinavien liegt ein kräftiger Tiesdruckwirbel, der sich nach Südosten bewegen wird, wobei seine Ausläufer auch bei uns eine vorübergehende leichte Störung des heiteren Wetters hervor- rufen können. Der überwiegende Einfluß des hohen Drucks hält aber an. — Vorhersage bis SamStag Abend: Vorübergehend stärker bewölkt, sonst meist heiter und trocken, höher ansteigende Tagestemperaturen.
Kassel. In der Nacht zum Donnerstag wurde auf der Eisenbahnstrecke Kassel—Hann.-Münden zwischen den Bahnhöfen Jhringhausen—Kragenhos eine männliche Leiche mit abgerissenem Kopf aufgefunden. Aus den Pelsonalpapieren konnte festgestellt werden, daß es sich um einen 20jährigen Kraftwagenführer handelt. Wie hinterlassene Briefe erkennen lassen, liegt Selbstmord vor. Die Leiche ist durch die Staatsanwaltschaft freigegeben worden.
Kassel. Einer Hausbewohnerin in der Waisenhausstraße fiel beim Reinemachen ein eingerahmteS Bild vom Fensterbrett herab auf die Straße und traf dabei eine vorbeigehende Schülerin direkt auf den Kopf. Die Getroffene brach mit einer klaffenden Wunde bewußtlos zusammen.
Bischofeheim (Rhön). Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der Straße zwischen Erbach und Breitboch. Der Schmiedemeister Jgnaz Thomas lief neben seiner Fuhre Holz und zog auf der abschüssigen Straße die Bremse etwas an. Im selben Augenblick kam der Landwirt GeorgFuchsberger auS Frankenwinheim in schnellem Tempo auf seinem Fahrrads die Straße herab. Er fuhr aus Thomas auf. Beide stürzten; Thomas trug einen Schädelbruch davon und Fuchsberger brach das Genick. Der Verletzte wurde inS Krankenhaus gebracht.
Göttingeu. Bei dem Göttinger Juwelier Schlott- hauber auf der Weender Straße wurde im Laufe der Donnerstag nacht eingebrochen. Die Diebe drangen durch ein benachbartes Grundstück in den Garten des HauseS ein und erbrachen dann die Hintere Tür. Obwohl in dem Laden ein Hund zur Bewachung war, haben die Diebe dann die Schränke aufgemacht und Brillianten und goldene Uhren im Werte von 5000 Mark gestohlen. Sie brachen dann in dem benachbarten Laden der Firma Vollensen ein. Auch dort wurden alle möglichen Schränke erbrochen. Hier fielen ihnen etwa 100 Mark Wechselgeld in die Hände.
Schwerer llnlaD lu einer Reichswehrkaserue
Lübeck, 26. März. Bei einem Besuch der Untertertia des Johanneums unter Führung ihres Lehrers in der Kaserne des 2. Bataillons des Jnfanteriereg iments Nr. 6 ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. In der Waffenmeisterei der Maschinengewehrkompagnie entlud sich, als der Waffen- meifter den Schülern Erläuterungen an einem Maschinengewehr gab, aus bisher noch nicht geklärten Gründen plötzlich ein im Lauf steckender scharfer Schuß. Das Geschoß traf einen Schüler in die Hand, einen zweiten in den linken Oberschenkel. Die Verwundung des letzteren ist lebensgefährlich. Das Standortkommando Lübeck hat eine Untersuchung des Unglücksfalls eingeleitet. Der Waffenmeister erlitt infolge des Zwifchenfalls einen Nervenzufammenbruch.
Welche Frau kann mir raten? Ich habe zwei Kinder von 4 und 6 Jahren. Mein Mann muß sehr schwer arbeiten. Bevor er in die Arbeit geht, wünscht er stets ein Kaffeegetränk, das besonders kräftig sein soll. Gern möchte ich es ihm geben, aber bei diesen schlechten Zeiten kann ich doch nicht jeden Tag so teuren Kaffee kaufen. WaS soll ich da tun? — Hierzu kann nur gesagt werden, daß eS gar nicht auf teuren Kaffee ankommt, sondern daß aus jedem Bohnenkaffee, Malzkaffee, Kornkaffee oder Getreidekaffee ein kräftiges, herzhaftes und sehr wohlschmeckendes Getränk durch Beigabe der guten Kaffeewürze „Mühlen Frank» bereitet werden kann. Die Kosten für das tägliche Kaffeegetränk werden dadurch sehr verringert, denn „Mühlen Frank» würzt, kräftigt und verbilligt jedes Kaffeegetränk.