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Reisfelder Kreisbla«

Amtlicher Hnzeiger für den Kreis Reisfeld

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Nr. 68 (Erstes Blatt)

Sonnabend, den 21. März 1931

81. Jahrgang

Reichstag billigt Wehretat

Panzerschiffe werden gebaut Der Finanzminister gegen neue Steuern

Oberschlesien-Geschren an der Saar

Durch den 10. Erinnerungstag an den deutschen Abstimmungssieg in Oberschlesien sind uns all die Machen­schaften bis zu, während und nach der oberschlesischen Ab­stimmung ins Gedächtnis zurückgerufen worden. Trotz der überwiegenden deutschen Stimmenmehrheit nahm die inter­alliierte Kommission eine Teilung Oberschlesiens vor, wo­durch nicht nur unter Mißachtung des Abstimmungswillens der Bevölkerung eine eng zusammenhängende Wirtschafts­einheit auseinandergerissen, sondern die Zertrümmerung dieses oberschlesischen Wirtschaftsgebietes so durchgeführt wurde, daß fast 90 Prozent aller Wirtschaftswerte den Polen in den Schoß fielen.

An diese Vorgänge und an dieses brutale Unrecht wird man erinnert, wenn man seit Monaten die französischen Bemühungen beobachtet, die Bevölkerung an der Saar politisch zu beeinflussen. Auf allen Staatsmännerkonferen­zen und auf allen internationalen Tagungen werden schöne und starke Worte für Völkerfrieden, Verständigung und Gerechtigkeit gesprochen. Deutschland hat aber immer wie­der erfahren müssen, daß zwischen Worten und Taten eine tiefe Kluft liegt. Der Grundsatz der Gleichberechtigung ist in der internationalen Politik und der Völkerbundspolitik bisher Deutschland gegenüber nicht zur Anwendung gekom­men. Und wenn wir die Vorgänge und die Verhältnisse an der Saar Punkt für Punkt verfolgen, dann kann einen die große Verzweiflung packen. Von Versöhnung, von Frieden kann hier keine Rede sein. Um die Saar wird der Kamps von französischer Seite mit allen und leider auch mit den verwerflichsten Mitteln weitergeführt.

Es ist ein nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst der saarlgndijchen Lehrerschaft, daß sie in der Stunde er­höhter Gefahr erneut öffentlich mit einer Kundgebung her- vorgetreten ist, um die französische Schulpropa- g a n d a ipi Saargebiet so aufzuzeigen, wie sie wirklich ist Es gibt leider an der Saar wie an der Spree und darüber hinaus im ganzen Deutschen Reich sehr viele deutsche Volks­genossen, die nicht glauben wollen, wie furchtbar ernst uni zermürbend der Kampf um die deutsche Saarjugend wieder entbrannt ist. In dem zersetzenden Kampf deutscher Partei­leidenschaften geht dieses Ringen um die deutsche Seele, um die deutsche Zukunft des Saargebiets fast spurlos verloren.

Seit Jahr und Tag wütet die französische Schulpolitik wieder in den Bergmannsdörfern, zerrüttet deutsche Fami­lien, zerreißt deutsche Herzen, vergiftet deutsche Kinderseelen. Aber leider ist eigentlich über alle diese Vorgänge viel zu wenig bekantgeworden. Man weiß nicht recht, weshalt man im Saargebiet selbst vielfach zu sehr mit der Bekannt­gabe von Einzelfällen gezögert hat. Die Saarregierung hat seinerzeit dem Völkerbund gegenüber die Verpflichtung über­nommen, jeglichen Druck auf die Soarbevöikerung in der Frage der französischen Schulwerbung zu unterbinden Wenn sie diese Verpflichtung ehrlich und mit gutem Willen hätte erfüllen wollen, dann wäre es ihr ein leichtes, ach dem Wege ihrer Schulabteilung, auf dem Wege über bit Schuloerwaltung oder durch ihre allgemeinen Verwaltungs­organe festzustellen, ob sich die französische Grubenverwal- tung, ob sich die französischen Schulen im Saargebiet korrekt und loyal verhalten. Denn wenn die Saarregierung es ermöglicht hat, auf dem Wege über ihre Schulabteilung, dir mit deutschen Beamten besetzt ist, Verfügungen herauszu- geben, die sich gegen die deutschen Interessen richten, dann wäre es ihr auch möglich, Maßnahmen zur Durchführung zu bringen, die die deutschen Interessen sichern, wie es im Saarstatut ausdrücklich vorgesehen ist. Wenn es ihr aber bisher angeblich nicht möglich war, Uebergriffe der franzö­sischen Schulpropaganda festzustellen, dann gibt es dafür nur die eine Erklärung, daß sie und ihre Schulabteilung diese Feststellungen nicht treffen wollten.

Das ist ein schwerer Vorwurf gegen die Saarregierung und gegen die Schuloerwaltung. Sie mögen sich rechtferti­gen, wenn sie es mit ehrlicher Ueberzeugung glauben unter- nehmen zu können angesichts der schwerwiegenden Anklagen, die gegen Saarregierung und Grubenverwaltung von der saarländischen Lehrerschaft erhoben worden sind. Wir sind überzeugt und dafür bürgt das Verhalten der saarländi- schen Lehrerschaft in dem zwölfjährigen Abwehrkampf an der Saar, daß es nicht bei der Kundgebung der Worte bleiben wird, sondern daß jeder einzelne Lehrer und jede einzelne Lehrerorganisation den Ruf an die Pflicht und die Mahnung an das Gewissen aufnehmen und bis zum end­lichen Siege durchkämpfen werden.

Mit Genugtuung darf festgestellt werden, daß die Der- treter der meisten politischen Parteien und der Kirchen sich in diese von der saarländischen Lehrerschaft ausgestellte Abwehrfront freiwillig eingereiht haben. Jetzt darf fein Tag vergehen, an welchem nicht immer wieder die Forde­rung erhoben wird: Hände weg von der saardeutschen Schule, gebt die Herzen und Gewisien der saarländischen Jugend frei! Diese Forderung erscheint um so dringlicher, als gewisse Vorgänge im Saargebiet verschiedentlich Ueber­einstimmungen zeigen mit jenen Bestrebungen in Ober­schlesien, die aus Gründenwirtschaftlicher Zusammen­gehörigkeit" zu einer politischen Entscheidung bedenklichsten Ausmaßes führten.

Schwerer Laadfriedeusbruch

57 Nationalsozialisten und 27 Kommunisten verhaftet.

Als Donnerstag nacht etwa 25 S.A.- der NSDAP. von heyrothsberge auf der Königsborner Chaussee nach Magde- bürg zurückkehrten, wurden sie von etwa 60 Kommunisten die sich rechts und links des Weges aufgestellt hatten, über- fallen und beschossen. Die Polizei hatte aber von dem Vor­haben der Kommunisten Kenntnis erhalten und war halt an der Stelle des Ueberfalls. Die Kommunisten flohen übet die Felder.

Von den Nationalsozialisten wurden sechs so schwer ver­letzt, daß sie in das Altstädtische Krankenhaus nach Magde­burg eingeliefert werden mußten. Zwei der Verletzten haben Schußwunden, die übrigen Hieb- und Stichverletzungen. Die Polizei sperrte dann die Eingänge zum östlichen Magdeburx ab, um die geflüchteten Kommunisten abzufassen. 27 Kom­munisten wurden festgenommen und werden sich wegen schweren Landfriedensbruches zu verantworten haben. Be den Festgenommenen wurden ein Dolch und drei große Messer festgestellt.

In der Nacht fielen in der Nähe der Kolonie der Zeche Nordstern im Stadtteil Horst-Emscher mehrere Schüsse. Eine ' Polizeistreife ging den Schüssen nach und geriet dabei aus f mehrere Männer, die von einer anderen Gruppe von Män­nern verfolgt wurden. Von dieser Gruppe wurden u. a Hornsignale abgegeben. Beim Erscheinen der Streife ver­schwanden die Verfolger in den benachbarten Häusern. Da« sofort benachrichtigte Ueberfallkommando sperrte die gesamte j Gegend ab. und die Wohnungen wurden durchsucht.

Ueberraschenderweise wurden in einer Wohnung 16 und in einer anderen 41 Personen vorgefunden, die der NSDAP angehören. Desgleichen förderte die Durchsuchung eine Un­menge von Zaunlatten, Spa^erstöcken sowie eine große Menge eijengtjülllti ou^föZ^.

Inzwischen war von einem Invaliden der Polizei an­gezeigt worden, daß er in der in Frage kommenden Nacht an derselben Stelle von etwa acht bis zehn Männern mit Sem RufHände hoch!" überfallen worden sei. Sämtliche 57 Personen wurden sofort verhaftet und unter dem Ver­dacht des Landfriedensbruchs dem Polizeiamt in Buer zu­geführt, wo eine eingehende Vernehmung erfolgte.

3mmerfort Blutlämpse

Nach einer auf dem Dell-Platz in Duisburg abgehal- ienen Kundgebung der KPD. stießen die sich zerstreuenden Teilnehmer auf eine Gruppe Radfahrer, Angehörige der NSDAP., die zum Wanheimer Ort fuhr. Die Nationalso­zialisten wurden von einer großen Menge angegriffen. Die letzten der Radier wurden von ihren Rädern gerissen, worauf zwei der angegriffenen Leute etwa sechs Schüsse auf die Menge abgaben. Verletzt wurden eine angeblich unbeteiligte Person durch einen Unterschenkelschuh; einer der Radfahrer trug einen Stich in den Rücken davon. Beide Verletzten mußten dem Krankenhaus zugeführt werden, doch sind die Verletzungen nicht ernster Natur. Unmittelbar nach dem Zusammenstoß wurden drei der Beteiligten, zwei National­sozialisten und ein Kommunist, festgenommen.

Der 22 Jahre alte Bergmann Hugo Ostendorf wurde auf einer Straße in Sterkrade verletzt aufgefunden. Er hatte an einer nationalsozialistischen Versammlung teil- genommen und ist auf dem Heimwege von mehreren Kom­munisten überfallen worden. Während feine Begleiter ent­fliehen konnten, wurde Ostendorf derart mißhandelt, daß er bewußtlos liegenblieb. Die Täter sind unerkannt ent­kommen.

Im Anschluß an eine in Heldrungen von der Polize aus Sicherheitsgründen geschlossene nationalsozialistische Versammlung kam es auf der Straße zwischen Versamm­lungsteilnehmern, auswärtigen Kommunisten und S.-A- Leuten zu schweren Schlägereien, bei denen auch geschossen wurde. Zwei Nationalsozialisten erhielten Streifschüsse, ein weiterer einen Steckschuß; neun S.-A.-Leute wurden durch Hiebe mit Stöcken und anderen Gegenständen mehr oder weniger erheblich verletzt. Auch mehrere Kommunisten er­hielten Hieb- und Stichwunden '' "

Wieder Polizeibeamte verletzt

Kommunisten versuchen Ruhestörungen.

Berlin, 21. März.

Trotz des Verbotes des Polizeipräsidenten haben die Kommunisten versucht, an verschiedenen Stellen der Stadt Umzüge zu veranstalten. Dabei ist es zu einigen kleineren Zusammenstößen mit den ihren gewöhnlichen Straßendienst tuenden Polizeibeamten gekommen, die durch Autostreifen und stärkere Patrouillen an besonders belebten Stellen unter­stützt worden sind.

In den späten Abendstunden mußte die Polizei an meh­reren Stellen der Stadt gegen Demonstranten Vorgehen, die immer wieder versuchten, in Trupps Umzüge durch die Straßen zu veranstalten. Stärkere Zugbildungen wurden in der Gegend des Nollendorfplatzes und in der Hauptstraße in Schöneberg unter Anwendung des Polizeiknüppels zerstreut. Bei diesen Zusammenstößen sind fünf Polizeibeamte verlebt worden, darunter einer durch einen Messerstich erheblich. Insgesamt wurden 18 Personen festgenommen.

Hermann Müller t

Berlin, 21. März.

Reichskanzler a. D. Hermann Müllerist am Zrett«A, 22.45 Uhr seinem Leiden erlegen.

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Hermann Müller-Franken wurde am am 18. Mai 1876 in Manheim geboren. Er besuchte die Volksschule, das Gym­nasium, Realgymnasium, war nach einer kaufmännischen Lehre Handlungsgehilfe in Frankfurt a. M. und Breslau und seit 1898 Redakteur derGörlitzer Volkszeitung". Im Jahre 1906 wurde Müller Mitglied des Vorstandes der SPD. und ab 1919 dessen Vorsitzender. Ab Juni 1919 Minister für Auswärtige Angelegenheiten. Als solcher hatte er zusammen mit dem damaligen Reichsminister Dr. Bell für Deutschland den Versailler Friedensvertrag zu unterzeichnen. Er war vom März bis Juni 1920 und vom Juni 1928 bis zum März 1930 Reichskanzler. 1903/06 Stadtverordneter in Görlitz, 1916/18 Mitglied des Reichstages, November und Dezember 1918 Mitglied des Vollzugsrates, dann des Zentralrates der Deutschen Republik und Mitglied der Verfassunggebenden Nationalversammlung bis zum Eintritt in die Regierung. Vorsitzender des Reichshaushaltes der Nationalversammlung. Seit 1920 vertrat er den Wahlkreis 26 (Franken) im Reichs­tag.

Reichstags-Auszug macht Schule

Die Nationalsozialisten verlassen die Bremische Bürgerschaft.

Bremen, 21. März.

Die letzte Sitzung der Bremischen Bürgerschaft mußte bekanntlich aufgehoben werden, als es zu schweren Zusam­menstößen zwischen Nationalsozialisten und Soziakremokra- ^n Um, auszuarten drohten. In der gestrigen Sitzung sollten nunmehr die Zwischenfälle iu;A verschiedene Erklärungen überbrückt werden. Der National sozialist Brandt weigerte sich jedoch, seine Aeußerung, die SPD. fei eine Landesoerräterpartei, zurückzunehmen, obwohl der nationalsozialistische Bürgerschaftspräsident und der Fraktionsführer der NSDAP., der Reichstagsabaeoichnete Thiele, sich mehrfach darum bemüht hatten. Daraufhin legte der Nationalsozialist Bernhard sein Amt als Präsident der Bremischen Bürgerschaft nieder und verließ mit der Fraktion der Nationalsozialisten unter lebhaften Zurufen der Linken den Saal. Die Sitzung wurde daraufhin von dem Vize­präsidenten, dem Sozialdemokraten Osterloh, weiteraeführt. Wann sich die Nationalsozialisten wieder an den Arbeiten der Bürgerschaft beteiligen werden, steht noch dahin.

Die Deutscheuhetze in Prag

Die tschechische Regierung bedauert. . .

Prag, 21. März.

Das tschechische Außenministerium sprach dem deutschen Geschäftsträger sein Bedauern über den jüngsten Anschlag gegen das deutsche Gesandtschaftsgebäude aus und stellte so­fortige Untersuchung des Vorfalls und Verfolgung der Täter in Aussicht Die Gesandtschaft steht unter dauernder poli- zeilicher Bewachung. Der Anschlag scheint übrigens nur von wenigen Personen ausgeführt zu sein.

Solen unter Anklage

Haag, 21. März.

Der Präsident des Ständigen Internationalen Gerichts- Hofes hat eine außerordentliche Sitzung des Gerichtshofes anberaumt die am 14. April beginnen wird. In dieser Sitzung wird sich der Gerichtshof mit dem deutsch-polnischen Streitfall wegen der deutschen Minderheitsschulen in Ost- Oberschlesien befassen. Die Regierungen Deutschlands und Polens sind davon in Kenntnis gesetzt worden, daß der Ge­richtshof bereit sei, die Schriftsätze beider Parteien in Emp­fang zu nehmen, sowie die mündlichen Darlegungen der beiderseitigen Prozeßvertreter anzuhören. Beide Regierun­gen haben geantwortet, daß sie dieser Aufforderung ent­sprechen werden. Es wird damit gerechnet, daß die öffent­lichen Plädoyers am 15. April ihren Anfang nehmen wer­den.

Deutschlands Hoffnung

Sachsens Ministerpräsident an Oberschlesien.

Dresden, 21. März.

Zur 10jährigen Wiederkehr der Volksabstimmung in Oberschlesien hat die sächsische Regierung folgendes Tele­gramm an den preußischen Ministerpräsidenten gerichtet:

Mit den übrigen deutschen Stämmen gedenkt Sachse» dankbar der Oberschlesier, die von zehn Jahren ihrem deut­schen Vaterlande die Treue gehalten haben. Hat auch eil Gewaltspruch dem Siege über Terror und Uebermacht voller Erfolg versagt, so gibt doch das deutsche Volk die Hoffnunr nicht auf, daß das Unrecht gutgemacht wird, daß man Stat ten, alter deutscher Kultur von ihm losrih. (gez.) Schieck Ministerpräsident.