Einzelbild herunterladen
 

HtzrsfelöerTageblatt

ÄWwolet M» ttuftxrfHy p«MM» 15 Pfennig, m Rtflommfl« 50 Pfennig. (Srunbschrtst Korpue). Bei Wlr-erholuagen wird ein entsprechender prei». Nachtat gewährt. Kür die Schrtstlettung verant- »»mich: Kranz Zunk in Hereselö. Kernsprecher Nr.

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

MenaMcher Dezageprete: durch Mt p»* bmanijo «eichs-Mark, anefchlleßllch vestellaelb, fL Amsel» 1.20 Relche-Mark bel freier Zustellung, für ßdhol« 1*00 Rrlchs-Mark. druck and Verlag von Ludwig Zanke Vuchöruckeret in fjmfelä, Mitglied des VdZV.

Nr. SS

Mittwoch, den 18. März 1931

81. Jahrgang

Schule und Politik

Minister Grimme machte im Preußischen Landtag grundsätzliche Ausführungen über dieses Thema

lOZahrevergewaltigtes Oberschlesien

Von Landesrat Fr. E h r h a r d t, M. d. R.

Zehn Jahre sind am 20. März nach der oberschlesischen Volksabstimmung verflossen. Das deutsch gebliebene Ober­schlesien wünscht, daß der Bevölkerung von ganz Deutschland die Kämpfe um Oberschlesien ins Gedächtnis zurückgerufen werden. Kein Freudentag ist es, den wir begehen, sondern ein Volkstrauertag!

Um was ging es denn? Niemals hat in der Vorkriegs­zeit jemand daran geglaubt, daß Oberschlesien von Deutsch­land losgetrennt werden könnte. Während vieler Jahr­hunderte war das oberschlesische Land mit Deutschland und Preußen verbunden. Die gesamte Wirtschaft und die vor­handene Kultur wurde von Deutschen geschaffen. Wir wissen heute ganz genau, mit welchen Unehrlichkeiten gearbeitet wurde, um die Staatszugehörigkeit des oberschlesischen Lan­des in Zweifel ziehen zu können.

Die ursprüngliche Absicht unserer Feinde wurde nach den großen Protestaktionen in Oberschlesien nicht durchgefllhrt, sondern es wurde eine Volksabstimmung vorgesehen. Sie sollte ganz unparteiisch vorgenommen wer­den. Dazu wurde eine interalliierte Kommission, bestehend aus einem Franzosen, einem Engländer und einem Italiener, nach Oberschlesien geschickt. Natürlich hatte ein Franzose das Kommando. Diese interalliierte Kommission mit ihrer Be­satzung von etwa 20 000 Mann trägt nicht zuletzt die Schuld daran, daß Oberschlesien in so grausamer Weise geteilt wurde. Insbesondere förderte der französische General Le Rond die polnischen Interessen. Er ist dafür verantwortlich, daß die Deutschen mißhandelt, erschlagen und von Haus und Hoj verdrängt VULÜLN. ^ U '^ -^ ;

Mehr als ein Jahr mußte der Abstimmungskampf gegen die Polen unter Führung von Korfanty und gegen die inter­alliierte Kommission geführt werden. Drei b l u t i g e A u f- st ä n d e erlebte Oberschlesien. Der erste Aufstand im No­vember und Dezember 1918 wurde von den Deutschen nieder­geschlagen. Der zweite Aufstand der Polen brach im August 1920 aus. Er war eine erste Mobilmachung, Franzosen wurden mehrfach unter den polnischen Aufständischen ange­troffen. Unter solchen Voraussetzungen mußte auf der deut­schen Seite der Kampf geführt werden.

Am 20. März 1920 fand die Volksabstimmung statt. Wir denken heute an jene Begeisterung, die alle Ober- schlesier aus dem Reich nach^ Oberschlesien führte, um eine Entscheidung für Deutschland zu erreichen. Zahlreiche,Extra­züge mit vielen Fahnen sind damals nach Oberschlesien ge­fahren. In dem OberschlesienfilmLand unterm Kreuz" sind diese Vorgänge festgehalten worden. An jene Zeit, in der Mut, Entschlossenheit und Opferwilligkeit dazu gehörte, um den Kampf um deutsches Land zu führen, wollen wir uns am 20. März erinnern.

Trotz Gewalttaten schlimmster Art wurden mehr als 60 Prozent der Stimmen für das Verbleiben bei Deutschland abgegeben. Die Polen sahen ihre Bestre­bungen gefährdet. Der englische Oberst Percival und der italienische General de Marinis widersetzten sich den pol­nischen Zielen. Korfanty hat selbst in seinem Blatt, der Polonia", geschildert, wie er die interalliierte Kommission bespitzeln ließ. Und als die Gefahr weiter wuchs, entschloß sich Korfanty zum dritten polnischen Auf st and im Mai 1921. Oberschlesien sollte im Sturm genommen werden. Im Mai und Juni 1921 haben in Oberschlesien schwere Kämpfe stattgefunden. Am Annaberg, dem heiligen Berg Oberschlesiens, ist mehrere Wochen gesümpft worden. Die Toten werden auf ungefähr 2000 geschätzt. Die oberschlesische Erde wurde noch einmal mit Blut getränkt im Kampfe um die Deutscherhaltung der Heimat. Unserer Toten wollen wir nach zehn Jahren am Abstimmungstagc gedenken.

Die Westmächte haben im Weltkriege und später immer wieder behauptet, sie wollten das freie Selbstbestimmungs­recht der Völker in Europa und der ganzen Welt verwirk­lichen. Die Mehrheit der oberschlesischen Bevölkerung hatte sich am Abstimmungstagc für das Verbleiben bei Deutsch­land entschieden. Wäre der Abstimmungskampf wirklich' frei gewesen, wären die Deutschen geschützt worden, dann hätten sich bestimmt 75 bis 80 Prozent des oberschlesischen Volkes für Deutschland entschieden. Das hätten die interalliierten Mächte beachten müssen. Man wollte aber Deutschland schädigen und ein großes Polen schaffen. Nicht die Freiheit und die Gerechtigkeit sollten verwirklicht werden, wie man es der Welt vorgelogen hatte, sondern Haß und Rache sollten sich auswirken.

Die Entscheidung in Genf wurde von einer Kommission getroffen, in der ein Chinese und ein Japaner saßen. So wurde das Ansehen der weißen Rasse mit Füßen getreten. Braucht man sich zu wundern, wenn die farbigen Erdteile keinen Respekt mehr vor dem weißen Mann haben? Die Entscheidung über Oberschlesien durch den Völkerbund war eine Komödie. Hinter den Kulissen setzten die Franzosen ihre Ziele durch. Oberschlesien wurde geteilt. Es wurde keine Rücksicht genommen auf die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Die Zerreißung des oberschlesi chen Landes zlaicht einer Operation, bei der man einem Menschen

Arme und Beine abnimmt. Die Zerstückelung hat zu einem schweren wirtschaftlichen Niedergang des oberschlesischen Landes geführt.

Die Vertriebenen und Verdrängten, die von Haus und Hof verjagt wurden, auf denen zahlreiche frühere Geschlechter saßen, die nun ohne Existenz sind sie klagen am zehnjährigen Gedenktage der Abstimmung in Oberschlesien jene an. aus deren M a ch t w i l l e n hin das oberschlesische Land zerschnit­ten wurde. Mehr als eine Million Menschen kamen an Polen und die Tschechoslowakei. Wir wissen, wie unsere Brüder und Schwestern jenseits der Grenze gequält und gepeinigt werden. Alle zugesagten Rechte werden mißachtet Die deutschen Schulen werden unterdrückt, mit Tricks und Kniffen oder mit Terror unmöglich gemacht. Am Abstim- mungsgedenktage gilt unseren deutschen Brüdern und Schwe­stern jenseits der Grenze unser Gruß Wir hoffen auf die Stunde, wo die Unterdrückung ein Ende nimmt.

Unsere deutsche Ostgrenze ist unnatürlich und verstüm­melt. Sie ist so gezogen, daß ständig weiteres deutsches Land in Gefahr ist. Uns bleibt die schwere Aufgabe, unser ober- schlesisches Land wieder wirtschaftlich lebensfähig zu machen Die wenigsten Deutschen wissen, was in Oberschlesien und im deutschen Osten geschehen ist Wer kann im Reich besser aufklären als die Söhne und Töchter des oberschlesischen Landes! Bei jeder Gelegenheit muß auf die Gefahr in Oberschlesien und im gesamten deutschen Osten hingewiesen werden.

Wir sind geschlagen und mißhandelt worden unser Wille ist nicht zu brechen. Im Trommelfeuer und im Rattern der Maschinengewehre im Feindesland erlebten viele deutsche Krieger, was der Begriff Vaterland besagt Im Schmerz wächst die Liebe Das leidende Oberichlesien emvsin? . det glühesLe LiLb-zum ovur,cyen Väterkände Im blutigen Kampfe schwören wir. alle Kräfte einzusetzen. damit ganz Oberschlesien deutsch bleibe. Heute, . am Gedenktage der deutschen Abstimmung schwören wir aufs neue dem deut­schen Vaterland ewige Treue.

Srieiii über die Sanierung

2Hif Posaunenblasen wird man die Mauern der Repara­tionen nicht umwerfen."

Berlin, 18. März.

Auf der Obermeistertagung des Berliner und Märki­schen Handwerks sprach Reichskanzler Dr. B r ü n i n g. Unter dem Hinweis auf die mannigfachen, dem Reichstag zur Zeit vorliegenden Aufgaben betonte Dr. Brüning die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Verabschiedung aller vor­liegenden Gesetze, damit die Unsicherheit, die seit langer Zeit über dem deutschen Volke geschwebt habe, wieder be­seitigt werde In der Vergangenheit sei beim Wiederauf­bau wohl zunächst mit Vorsicht zu Werke gegangen wor­den, doch wenn man bei diesem vorsichtigen Tempo geblie­ben wäre, so würde es heute keine Reichsregierung geben, die fast jeden Tag unpopuläre Beschlüsse auf sich zu neh­men habe. Man habe Gesetze gemacht, die während der Hochkonjunktur eine finanzielle Grundlage gehabt hätten, die aber bei dem Verschwinden dieser Hochkonjunktur in sich selbst zusammengebrochen wären.

Für Deutschland komme es nun darauf an. als erstes aller Länder feine politische und wirtschaftliche Stabilität wiederzuerobern. Es komme darauf an, Menschenunmög- liches zu leisten, um als erstes Land aus dieser Krise her- auszukommen. Deshalb sei es auch erstes Erfordernis der Stunde, die Finanzen in Reich, Ländern und Kommunen in Ordnung zu bringen. Es sei Aufgabe, aus den Fehlern der vergangenen Jahre zu lernen. Selbstverständlich könne Deutschland die Reparationen unter keinen Umständen auf die Dauer vertragen. Wenn man aber eine Revision wolle, dann müsse man auch den Wut haben, das eigene Haus in Ordnung zu bringen, um stark zu sein. Mit Posaunenblasen werde man nicht die Mauern der Reparationen umwerfen. Es komme vielmehr darauf an, eine Politik zu machen, die offen und ehrlich in jeder Beziehung sei.

Wenn sich das deutsche Volk immer über feinen Zu­stand klar gewesen wäre, und wenn alle Regierungen von der Revolution an den Mut gehabt hätten, die Bücher auf- zulegen und zu zeigen, was Deutschland überhaupt noch hatte, dann wäre die ganze Frage anders gelagert.

Die jetzigen Rotmaßnahmen könnten aber auf die Dauer keinen gesunden Erfolg bringen; wenn gleichzeitig die Last der Reparationen so bleibe, wie sie heute sei. In dieser Hinsicht sei es aber auch notwendig, die Illusion zu zer­schlagen, daß immer nur der Staat der letzte Retter sei. wenn wir diese Methode immer weiter treiben würden, dann würden wir den letzten Rest eigenen Selbstvertrauens im deutschen Volke vollkommen ausrotten. Vertrauen auf sich selbst und Selbsthilfe, das seien immer die entscheiden­den Momente gewesen. Und ein Volk, das sich immer selbst zu helfen wisse, könne niemals zu Grunde gehen.

Polens Senat ratifiziert die deutsch-polnischen Verträge. Warschau, 18. März.

Mit überwiegender Mehrheit nahm der Senat die Haa- ger Verträge, das deutsch-polnische Liquidationsabkommen und den deutsch-polnischen Handelsvertrag an.

Die volttische Erziehung der Jugend

Berlin, 17. März.

Der Preußische Landtag nahm am Dienstag die Be­ratung des Haushalts wieder auf. Das Haus berät in zwei­ter Lesung den

Haushalt des Kultusministeriums.

Zunächst nehmen die Berichterstatter über die Ausschußbe­ratungen das Wort. Der Hauptausschuß empfiehlt über 30 Anträge zur Annahme. Die Anträge fordern u. a., daß in den Schulen die Kenntnis der deutschen Grenzmarken stärker als bisher vermittelt wird, Entlastung der leistungs­schwachen Schulverbände zum 1. April 1931, Einleitung der Maßnahmen zur Einführung eines neunten Volksschuljahres, Mittel zum Ausbau der Schulgesundheitspflege an staat­lichen Schulen, besondere Förderung der deutschen Schulen in dem gemischtsprachigen Gebiet. Zum Abschnitt Kunst werden die bekannten Theater-Anträge vorgelegt, die vor allem verlangen, daß die Staatsoper am Platz der Republik beim Abschluß der Spielzeit 1931 geschlossen werde, und daß auch die Staatliche Schauspielschule zum nächsten möglichen Termin aufgehoben werde. Außerdem sind mit der Be­ratung zahlreiche Große Anfragen und Einzelanträge der Parteien verbunden.

Kultusminister Dr. Grimme

beantwortet zunächst die Große Anfrage der Deutschen Volks­parte! über die Abhaltung von Reichsgründungsfeiern in den preußischen Schule, die besonders auch auf den Zwischen- fall in Frankfurt a. O. Bezug nimmt. Der Minister meint, man habe aus diesem Anlaß versucht, die Regierung eines Mangels an vaterländischer Gesinnung zu verdächtigen. Ich habe selbst, so erklärte der Minister, mit anderen Mitglie­dern der Preußenregierung an der Reichsgründungsfeier im Reichstag teilgenommen. Das preußische Staatsmini­sterium hatte beschlossen, sich an den Feiern der Reichsregie­rung anläßlich der Reichsgründung zu beteiligen und am 18. Januar öffentliche Gebäude beflaggen zu lassen. Sollte diese Anordnung irgendeinen Sinn haben, dann lag bereits in dieser Kundgebung, daß selbstverständlich in der ein­zelnen Schule in irgendeiner Art des Reichsgründungstages zu gedenken war. Es steht außerhalb aller parteipolitischen Diskussion, daß die Reichsgründung ein in der Geschichte unseres Volkes bedeutsames Ereignis war.

Ein selbstbewußter Staat, der weiß, daß er nicht nur von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft lebt, wird deshalb keine Sorge um seinen Bestand haben, wenn er auch den Kräften der Tradition und der Leistung der Vergangenheit Respekt erweist.

Es konnte daher an der Einstellung des Unterrichtsministers zu dem Gedenken des 18. Januars auch an den Schulen ein Zweifel nicht aufkommen. Von einem Gegensatz zwi­schen Reichsregierung und Preußenregierung in dieser Frage könne gar keine Rede sein. Zu der deutschnationalen Großen Anfrage über die politische Betätigung derSchü- l e r erklärt der Minister, die Frage, ob Politik in die Schule gehöre oder nicht, lasse sich nicht einfach mit einem Ja oder Nein beantworten. Da zwischen Schulleben und dem übrigen Leben keine Brandmauer gezogen sei, sei die Politik einfach mitten in der Schule drin. Heute viel mehr als früher sei die Schule gegenüber der Jugend nur eine formende Kraft neben Elternhaus, Presse, Bünden, Ka­meradschaft. Straße usw. und sicherlich seien die letzteren von nachhaltigerem Eindruck auf den werdenden jungen Menschen. Die Politik habe in der Schule überall da ein Daseinsrecht, wo sie zum Mittel der politischen Urteilsbil- dung benutzt werde. Es handle sich um politische Bildung, nicht aber um politische Beeinflussung Er, der Minister, stehe zu dem Erlaß des früheren Ministers Boelitz, wo­nach das Verbot parteipolitischer Beeinflussung der Schüler im Unterricht den Lehrer nicht hindern solle, dann, wenn es die Zwecke des Unterrichts erfordern, auch politische Pro­bleme mit den Schülern zu besprechen, daß der Lehrer aber den Schülern die verschiedenen Seiten des Problems un­parteiisch vorführen müsse und die Schüler mit allen beacht­lichen Antworten und Lösungen bekanntmachen solle, nicht nur mit feinem eigenen Werturteil. Der Minister fährt fort:

Ich glaube, mit der politischen Erziehung der Jugend wären wir ein großes Stück weiter, wenn ihr schon durch den Schulunterricht der Blick für die einfache Tatsache ge­öffnet würde, daß politische Ziele nicht schon erreichbar sind durch bloßen jugendlichen Elan, durch Gefühlsimpulse und durch einen revolutionären Willensentschluß, sondern allein durch die von einer starken Begeisterung ständig wieder neu genährte Bereitschaft, dem Gegner durch den Einsatz der gesamten Person, zu der nun einmal auch ein klarer Kopf gehört. Schritt für Schritt Terrain abzugewinnen.

Gelingt es der Lehrerschaft, das natürliche Bedürfnis der Jugend, sich in ihrem Wachstumsprozeß auch die Welt der Politik zu assimilieren, auszuwerten, dann hat die Schule nicht nur eine staatspolitische Tat getan, sondern auch ein sittliches Fundament für den künftigen politischen Kampf gelegt; denn eine so erzogene Jugend wird es nicht mehr als einen Verrat am Freunde empfinden, wenn si» auch dem Gegner gegenüber Gerechtigkeit zu üben bereit ist.

An die Rede des Ministers schloß sich eine rege Aus­sprache.