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Hersfel-erTageblatt

Hersfelder Kreisbla«

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

M»naMchnvtzng»prrl»: durch Mt P»ft bmct*1J0 Reich»-Mark, ausschließlich Vestellgtlt, für fimfdd 1.20 Keichs-Mark bei freier zustellung, für Hbbol« 1.00 Reichsmark.» druck und Verlag vv« LuLwlg Zank, Vochüruckeret in Hersfelö, Mitglied des VVZV.

Nr. 64

Dienstag, den 17. Mär; 1931

81. Jahrgang

Noch kein Zollfrieden in Europa

Inkraftsetzung der Senf er Handelskonvention -efShrdet Deutschlands Lage ist sehr schwieria

Montag-Vesprechung der Reichs- Regierung

Jnnerpolitische Auswirkung des Hamburger Attentats.

Berlin, 17. März.

Am Montag beschäftigte sich das Reichskabinett mit der Wiener Reife, über die der Reichsaußenminister ein­gehend Bericht erstattete. Dagegen sind die Fragen der Ratifizierung des Genfer Handelsabkommens und des Russengeschäftes noch nicht behandelt worden. In politischen Kreisen weist man darauf hin, daß es sich bei dem vom Reichstag angenomenen Antrag zum Genfer Abkommen ja nur um eine Ermächtigung für das Kabinett handelt, wobei es der Regierung überlasten bleibt, wenn sie davon Gebrauch macht. Die Frage der russischen Aufträge wird voraussicht­lich erst Ende der Woche entschieden werden, da bisher noch nicht alle Vorfragen geklärt sind. Eine Schwierigkeit be­steht offenbar darin, daß die Länder bisher einer Beteili­gung an der Bürgschaft nicht zustimmen zu können glaubten. Es wird also wohl mit ihnen noch weiter hierüber verhandelt werden.

In der Wandelhalle des Reichstages unterhielt man sich naturgemäß auch lebhaft über den Hamburger An­schlag. Ein Berliner Abendblatt hatte an den Reichsinnen­minister die Frage gerichtet, was er angesichts der Zuspitzung des Kampfes zwischen den radikalen Parteien zu tun ge­denke.

Von unterrichteter Seite verlautet, daß der Reicksinnen- miniffer gar nicht in der Lage ist, entscheidende Schritte zu unternehmen, da die Polizeifrage eine Angelegenheit der Länder ist.

Im Reichstag liegt ein Gesetz vor, das strengere Bestim­mungen gegen unbefugtes Waffentragen usw. enthält. Es handelt sich dabei aber nur barunn bg£,p^ schon bestehende Verordnn,^ m-dre Fornt eines Gesetzes umgegossen wird. M politischen Kreisen erwartet man eine Verordnung des Reichsinnenministers, die gewisse Verschärfungen des Ver- sammlungs- und Presserechtes enthält. Sie dürfe aber erst nach der Beendigung der Reichstagsverhandlungen, also im April, erscheinen. Zweifellos wird der Hamburger An­schlag auch in der Besprechung mit den Innenministern der größeren Länder behandelt werden, die auf Mittwoch ver­schoben wurde.

D^e Fmanzschwierigkeiten Preußens

Es find über 100 Millionen zu decken.

Berlin, 17. März.

Bei der Beratung über den Haushalt der allgemeinen Finanzverwaltung im Hauptausschuß des Preußischen Land­tages machte Finanzminister Höpker-Aschoff beach-

.ud)te Finanzminister H ö p k e r - A s ch o ff beach­tenswerte Ausführungen über die Finanzlage Preußen«. Der Minister bezeichnete die Lage als sehr ernst. Für den

1. April 1931 ergebe sich ein

ungedeckter Anleihehaushalt von 96,9 Millionen.

Dieser Betrag und der Fehlbetrag im Haushalt kennzeichne­ten die Lage. Ultimoschwierigkeiten seien jedoch nicht zu be­fürchten. Infolge der Wenigerüberweifungen vom Reich werde sich der Haushaltplan gegenüber dem Voranschlag um weitere 30 Millionen verschlechtern. Es werde versucht, das Etatdefizit durch Abstriche zu mindern. Der Minister schilderte im weiteren Verlauf seiner Rode die schwierige Finanzlage der Gemeinden und forderte, daß die Erspar- Maßnahmen in den Gemeinden bis zum Letzten ausgeschöpft werden. Zur Beheb- g der akuten Not in den Gemeinden würden 1931 75 N anen Mark zur Verfügung stehen.

erung erung

Wenn ein Mehrbeda eintreten sollte, werde man ver­suchen müssen, den K ütmeg zu beschreiten. Die Staats­regierung werde aber unter keinen Umständen Gemeinden zusammenbrechen last: -. Die nächsten Wochen würden zeigen, ob die in den letzten Tagen beobachtete Best anhaltend sei. Voraussetzung einer anhaltenden Best _ sei die ordnungsmäßige Verabschiedung der öffentlichen Haushalte und eine politische Beruhigung und Entspannung.

Dar Rublandgeschöft

Fortsetzung der Besprechung Brünings mit den Wirk- fdjaftlern. ^^ 17 März.

Der Reichskanzler hat am Montag die aus Rußland zurückgekehrten Wirtschaftssachverständigen zur Fortführung der in der vergangenen Woche begonnenen Besprechungen erneut empfangen. Außer dem Reichskanzler nahmen an den Besprechungen teil Reichsfinanzminister Dietrich, Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald, Staatssekre­tär im Reichswirtschaftsministerium Trendelen bürg. Reichsbankpräsident Dr. Luther und von der preußischen Staatsregierung Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o s s und Handelsminister Dr. Schreiber. Nach einer Presse­meldung soll die bisher genannte Auftragssumme von 300 Millionen Mark nur als unterste Grenze für die Zusätzlichen Russenaufträge gelten. Die Russen haben angeblich durch­blicken lassen, daß bei günstiger Erledigung ihrer ^lnanzie- rungswünsche dieser Betrag wesentlich erhöht werden kann.

Schiffsexplosion bei Neu- Fundland

Filmexpedition treibt auf Packeis.

20 Personen sind umgekommen.

St. Johns (Neufundland), 17. März.

Aus More Island, einer Insel an der nordöstlichen Neu- sundlandküste, wird gemeldet, daß der RobbenfängerVi- fing mit dem Filmdirektor Varrck Frissell und emer Be­satzung von etpa 150 Mann an Bord durch eine Eirplosion zerstört wurde. Am Sonnabend wurde die Detonation auf dem Meere vernommen.

Nach weiteren Meldungen ist ein bisher nicht identifi­ziertes Schiff, wahrscheinlich der Robbenfänger Bifing, bis auf die Wasserlinie niedergebrannt. Die Ueberllebenden befinden sich auf Packeis, mit dem sie seewärts treiben. Zwei Schlepper wurden zur Rettung entsandt.

Bei der Reederei-Firma Bowring Brohlers, der der RobbenfängerVinking" gehört, ist die Nachricht ein gelau­fen, daß bei der Explosion des Schiffes 20 Personen umge- ; kommen sind. Die Explosion ereignete sich am Sonntag , abend, acht Meilen östlich von More Island. Die Ueber- lebenden der Besatzung erreichen die Küste zu Fuß über die Eisschollen.

Um die Eenser handeslonoention

Beginn der Wirtschaftskonferenz des Völkerbundes.

Au neut jui

ck der Wicischaftskonferenz des Völkerbundes, die er-

, fammengekreten ist und die, ebenso wie die Novem­berkonferenz, einen ausgesprochen europäischen Charakter trägt die 23 Teilnehmer vertreten ausschließlich euro- päische Staaten; sechs außereuropäische Staaten haben Be­obachter entsandt hat sich schon in der Eröffnungssitzung ergeben, daß die Inkraftsetzung der Genfer Handelskonven­tion vom 24. März 1930 nach wie vor großen Schwierig- , feiten begegnet.

Der Präsident C o l i j n, der in seiner Eröffnungsan­sprache das etwaige Scheitern der Handelskonvention als ; eine schwere Gefahr für die Gestaltung der Wirtschaftsbe­ziehungen zwischen den Staaten bezeichnete, stellte durch direkte Anfragen bei den elf Staaten, die bereits ratifiziert haben, fest, daß keiner dieser Staaten die Inkraftsetzung der Konvention für möglich hält, solange die Ratifikation anderer Staaten noch ausstehe.

Der deutsche Vertreter, Rlinisterialdirektor Posse, teilte mit, daß das Abkommen von den gesetzgebenden Kör­perschaften angenommen sei, und daß die Reichsregierung wahrscheinlich noch im Laufe der Woche die Ratifikations­urkunde hinterlegen werde. Ueber die Bedingungen der Inkraftsetzung habe die Reichsregierung noch keinen end­gültigen Beschluß gefaßt, jedoch könne er schon heule erklä­ren, daß Deutschland die Inkraftsetzung der Konvention von dem Beitritt Englands und Frankreichs abhängig macht.

Der österreichische Vertreter Pflüg! erklärte, daß die österreichische Regierung die Ratifikation belm Parlament erst beantragen könne, wenn die Handelsbeziehungen Oester­reichs mit den Nachbarstaaten, vor allem mit der Tschecho­slowakei und Jugoslawien, neu geregelt seien. Der Vertreter Frankreichs, Elbel, konnte noch keine bestimmten Angaben über das Datum der Ratifizierung durch Frankreich machen; er teilte mit, daß der Senat das Abkommen ange­nommen habe und daß die Kammer voraussichtlich in kurzer Zeit ebenfalls ihre Zustimmung geben würde.

Die Konferenz wird jetzt zu entscheiden haben, was ge­schehen soll, nachdem die Staaten, die ratifiziert haben, sich dagegen ausgesprochen haben, die Konvention zunächst unter sich in Kraft zu setzen. Es liegen verschiedene Vermittlungs- oorschläge vor, über die augenblicklich diskutiert wird.

Anfang einer wirklichen Abrüstung?

Der Eindruck der Rede Grandis in Berlin.

Berlin, 17. März.

Die Rede des italienischen Außenministers Grandi wird in hiesigen Berliner politischen Kreisen als ein sehr wich­tiges staatspolitisches Dokument gewertet. Man sieht in den Ausführungen Grandis eine Prognose für die weitere Ent­wicklung der Abrüstungsfrage.

Besondere Beachtung wird dem Hinweis gegeben, daß die Flottenvereinbarungen in Rom den Anfang einer wirklichen Abrüstung dar stellen, und daß sie nur die Fragen der Seeabrüstung, nicht jedoch die der Land- und Luftabrüstung behandeln. Für besonders wert­voll hält man ferner den Hinweis, daß Grandi die Verpflich­tung aller zur Abrüstung betont und das Prinzip der euro- väischen Gleichheit und Gleichberechtigung unterstrichen hat.

Drohmsen gegen die Reichsbahn

Berlin, 17. März.

Die preußischen, bayerischen und badischen Polizei­behörden haben sich in den letzten Wochen mit einem fern sationellen Erpressungsversuch beschäftigt, als dessen Opfer Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Dorpmüller, ausersehen war. Generaldirektor Dorpmüller hat wie ein Berliner Montagsblatt erfahren haben will, in schneller Folge eine Reihe von Drohbriefen erhalten, in denen unbekannte Erpresser die schwersten Attentate an- kündigten, falls ihnen nicht ein Barbetrag von 100 000 Rm. ausgehändigt würde.

Die Briefe an Generaldirektor Dorpmüller sind zum Teil in Baden, zum Teil in Bayern aufgegeben worden. Die Erpresser haben genaue Angaben darüber gemacht, welche Eisenbahnbrücken sie zu sprengen beabsichtigten, unb besaßen sogar die Kühnheit. Vorschriften über die Aushändi­gung des Geldes zu machen. 3n einer bayerischen Großstadt sollte die Deutsche Reichsbahn das Geld deponieren.

Die Deutsche Reichsbahngesellschaft setzte, nachdem der­artige Briefe überhand nahmen, die Berliner Polizei in Kenntnis, und ein Sonderdezernat wurde mit den Ermitt­lungen beauftragt. Besonders intensiv war die Zusammen­arbeit mit der Münchener Kriminalpolizei, da Spuren daraus Hinwiesen daß die Verbrecher ihren Sitz in Bayern hatten. An eine Stelle, die von den Erpressern angegeben war wurde ein Paket mit ungültigen Geldscheinen gelegt, und die Verbrecher haben das Paket auch abgeholt, ohne daß man ihrer habhaft werden konnte. Als die Erpresser um

»nitö-llwi iahen richt-r-.-- i" ^E ^syEew rm yorpmuuci I und gaben einen neuen Ort an. wo das Geld deponiert wer- * Den sollte. Ein zweites Mal sind sie jedoch nicht mehr er-

/schienen.

Müllers Befinden besorgniserregend

Berlin, 17. März.

3m Lau

trat im Be

Im Laufe des späten Montagnachmittaas und abends Befinden des früheren Reichskanzlers Müller, der am Sonnabend operiert wurde, eine Verschlimmerung ein. Insbesondere machte sich im Laufe des Nachmittags eine starke Schwäche bemerkbar. Die Aerzte sehen den Zu­stand des Kranken als sehr ernst an.

Weltgliinbiger Amerika

Washington, 17. März.

Nach einer Mitteilung des Handelsdepartements erreich­ten die Anleihen der vereinigten Staaten an fremde Län­der im Jahre 1930 einen Gesamtbetrag von 862 200 000 Dol­lar i md übertrafen die Ausländsanleihen Großbritanniens trotz deren Verbreitung in Südamerika noch um mehr als 300 3 Ullioneu Dollar.

Sie Frage des Sdjnloufbans

Berlin, 17. März.

ner neuen Konferenz über die Fragen des Schul aufbaues n nd des Berechtigungswesens hatte das Reichs minister lum des Innern die Lehrer- und Lehrer.nnenver bänbe aT chulgattungen eingeladen: höhere Schule. Mit telscbule Bolk^ 'schule. Berufs- und Fachschulwesen.

Di/ Störst^ er der Verbände wurden durch Ministerial- hiroftnr hr von den Absichten des ReichsmiNiste rium,^ mit Segug auf -mh-Mch-r- <Mtaltun| des sioä di- Seremfadjung imi> medmäBig«.

'chtigungswesens unterrichtet. über du der'unL? Ä ' des Reichsministeriums des Innen bestehende mÄX 'r Unterrichtsverwaltungen der Lan der bereits 'erhandelt hat. Es ist ein Ausschuf einapsek d^ ^ ^.^ ' der Vereinheitlichung bearbeitet

\ ten die von den Verbanden ge loU und für dessen ArbSi besonderem Wert sein würden äußerten Anregungen dow hxh(>r(ir Scbule unt

'r und Studenten, deren Be Hochschule durch solche edjtfK , merufe hinweist, kann nui gabung sie auf mehr praktischc .sf ^unq des Berechtigung» durch eine zweckmäßigere AuM ' ^reinbarung der Landei wesens vorgebeugt werden. ®$U ^hl Über Volksschule unt aber eine ..mittlere ReifeDie ton Donr ber Volksichul. entsprechenden Aufbau, wie über . ö ben Abschluß aus zugänglichen Fachschulen ebenso. u^

einer Mittelschule oder die der Unter). 7^2 Lm Abschluß Lehranstalt erworben werden kann, steh ibunasqänge untei sie wird die Gleichwertigkeit dieser Bu tn®n dem Gesichtspunkt der Berufs-reife an erst en ^mtitic

Die Vertreter der Organisationen sprsch. beitlickuna be« für die Notwendigkeit einer stärkeren Verein bsminifteriun deutschen Schulwesens aus. Auch die vom Rei». ^reinbarunc des Innern entwickelten Grundzüge einer » raftifd) qe- über die mittlere Reife, durch die den mehr , se5 «e richteten Begabungen der Weg in die Mittels aeöffnei rufslebens auch über Volksschule und Fachschule v werden soll, fand grundsätzliche Zustimmung.