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Arsfel-erTageblätt

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Nr. 63 Montag, den 16. Märr 1931 81 Jahrgang

Reichs Handwerks Woche

Reichskanzler Dr. »rüning eröffnete die Woche des deutschen Handwerks mit einer großangelegten Rede

Schafft billige Wohnungen!

Aus Kreisen der Bauwirtschaft wird uns geschriebene Zu den wichtigsten Programmpunkten, die sich die Regie­rung über den Sommer gestellt hat, gehört bekanntlich die Herstellung möglichst billiger und möglichst kleiner Woh­nungen. Leider ist vorläufig noch nicht zu ersehen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Im preußischen Landtage hat soeben der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald darauf hingewiesen, daß für das Jahr 1931 mit besonders kom­plizierten Verhältnissen im Baugewerbe zu rechnen sei, da Länder und Gemeinden bei ihrer finanziellen Notlage öffentliche Bauten nicht mehr in dem früheren Umfange auszuführen vermöchten, und der Minister Hirtsiefer hat es sogar als wahrscheinlich bezeichnet, daß in Preußen das amtliche Wohnungsbauprogramm um 52 Prozent gekürzt werden müsse. Das ist eine Entwicklung, die lebhaft beun­ruhigen muß. Schon im vergangenen Jahr hat bekanntlich im Rahmen der allgemeinen Wirtschaftskrise der Rückgang der Bautätigkeit um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Jahre 1929 betragen. Die Zahl der beschäftigungslosen Bau­facharbeiter, die (in Tausenden) um die Mitte des Jahres 1930 etwa 225 betragen hatte, stieg zu Ende September auf 241, Oktober auf 285, November auf 360, zur Jahres­wende auf 498 und zum 15. Januar auf 534. Es entspricht dem, wenn die Gewerkschaften des Baugewerbes zu Jahres­ende nicht mehr als 33,2 Prozent voll beschäftigte Mitglieder verzeichnen. Wie sich diese Entwicklung fortsetzen wird wenn die Aufträge der öffentlichen Hand, die schon im Jahre 1930 spärlicher erfolgten, in der Bauperiode 1931 .wd weiter gedrosselt werden, läßt sich unschwer voraussetzew

Was muß geschehen, wenn die Absichten der Regierung >fl4W^" ,ur »tiMMwemuiette -Bevölkerung durch Herstellung billiger kleiner Wohnungen wirklich gesorgt werden soll? Wohl noch nie war diese Frage so brennent wie gerade jetzt, da sich zum ersten Mal nach langer Zeit eine leise Belebung der Wirtschaft zeigt, wie sie beson­ders in dem Sinken fast aller führenden Devisen unter die Goldparität mit der Mark und in der erhöhten Bereit­willigkeit des Auslandes, Geld nach Deutschland zu legen, zum Ausdruck kommt. Soll die Konjunktur-Belebung, die sich hier anzeigt, wirklich zur Auswirkung gelangen, so darf ihr die Entwicklung auf dem Baumarkte nicht entgegen­stehen, sondern die Belebung muß, was erfahrungsgemäß immer geschieht, gerade vom Baumarkt in erster Linie ausgehen. Eine solche Belebung des Baumarktes und eine Wiedereinstellung der arbeitslosen Bauarbeiter wird sich um jo eher erwirken lassen, wenn in der Lohnpolitik auch der Bauarbeiter jene Gesichtspunkte Berücksichtigung finden, die bei der Einleitung der Preis- und Lohnjenkungs- aktion der Regierung aufgestellt worden sind, um die Pro­duktionskosten herabzudrücken. Beim Wohnungsbau machen die Löhne etwa 4050 Prozent der Gesamtkosten aus. Schon im November 1930 hat der Reichsarbeitsminister, als er in seiner Kölner Rede die Preis- und Lohnsenkungspo- litik der Regierung verteidigte, folgende bemerkenswerten Aeußerungen getan:Uebersetzt find vor allem die Löhne in den Gruppen, die für den geschwächten Jnlandsmarkt ar­beiten. Hier lassen sich sogar Ausbeutungserscheinungen der einen Gruppe durch die andere feststellen. Es müssen also die auseinander geratenen Lohnverhältnisse wieder auf­einander abgestimmt werden. Aus der Wirtschaftskrise muh uns die Senkung der Gestehungskosten und des Preisstan­des. der besonders für Fertigerzeugnisse überhöht ist, hin­ausführen. Weniger denn je ist eine starre Lohnpolitik am Platze" Der Minister hat hierbei in erster Linie an die Bauwirtschaft gedacht, in der unter dem Einflüsse einer be­sonders übersteigerten Sonderkonjunktur die Löhne stark überhöht worden sind. Wäre die Entwicklung der Löhne im Baugewerbe normal gewesen, so müßte beispielsweise ihr Verhältnis zu den Löhnen der Bergarbeiter und Metall­arbeiter. daß heißt das Verhältnis der drei höher qualifi­zierten Arbeitergruppen, wenigstens ungefähr gleichgeblis- ben fein. Das ist indessen durchaus nicht der Fall.

Die Löhne der Bauarbeiter sind 27,5 Prozent über die der anderen Gruppen emporgeklettert und halten sich noch immer auf dieser Höhe. Daraus erklärt sich, daß trotz ge­sunkener Baustoffpreise der Baukostenindex noch immer auf 167 steht, während der für industrielle Fertigwaren nur 150 beträgt. Es erscheint daher auch fraglich, ob man in der Bauwirtschaft mit der üblichen Senkung der Tarifsätze um 68 Prozent wird auskommen können, wenn die Re­gierung das bauwirtschaftliche Ziel des Sommers, nämlich die Herstellung billigerKleinwohnugen wirklich erreichen will Die Verbilligung des Bauens ist auch aus dem Grunde eine volkswirtschaftliche Notwendig­keit, weil damit nicht nur auf die Mietpreispolitik eingewirkt werden kann, sondern mit der Belebung des Baumarktes der Beschäftigungsgrad in zahlreichen handwerklichen Betrie­ben wesentlich gesteigert wird. Die ganze Wohnungsfrage und damit die Frage der Zwangsbewirtschaftung des Wohn- raums wird vorwärtsgetrieben, wenn durch eine Verbilligung des Bauens der private Bauunternehmer angeregt wird, sich rn den Wohnungsbau in volkswirtschaftlich gesunder Form wieder stärker emzuschalten.

Brüning über das Handwerk

Die Reichs-Handwerks-Woche, die unter dem Protekto­rat des Reichspräsidenten von Hindenburg steht und vom Reichsverband des Deutschen Handwerks und dem Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag in der Zeit vom 15. bis 22. März zür Durchführung gebracht wird, wurde am Samstag im Gebäude des Reichswirtschaftsrats durch eine Ansprache des Reichskanzlers Dr. Brüning eröffnet. Er stellte einleitend fest, daß die politischen, wirt­schaftlichen und technischen Umwälzungen der letzten Ver­gangenheit das Handwerk vor neue Aufgaben gestellt hät­ten. Die neuzeitlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der maschinellen Produktion, der Umstellung des Geschmacks der Käuferschichten usw ließen den Kamps des Handwerks in der gegenwärtigen Krisenzeit der Wirtschaft besonders schwer zutage treten. Trotzdem brauche das Handwerk nicht in müder Resignation verzagen. Schon einmal habe das deutsche Handwerk bei der völligen Umgestaltung der Wirt­schaft durch Fabrik und Eisenbahn im 19. Jahrhundert und durch die rasche Industrialisierung Deutschlands eine , schwere Krise durchgemacht. Weder die sprunghafte kap::a- ' listische Entwicklung in der Vor- und Nachkriegszeit noch / die dem Handwerk besonders abträglichen Bedingungen der Kriegs- und Jnflationsjahre hätten es in seinem Bestände i zurückdämmen können.

Staat und Wirtschaft seien auf die Erhaltung einer breiten Mittelschicht und deshalb auf die Erhaltung eines ' kräftigen Handwerksstandes angewiesen, da er für eine ge- s fünde soziale Schichtung unseres Volkes unentbehrlich sei.

Der gewerbliche Mittelstand helfe Gegensätze Überdrücken, ; die sonst zwischen Großkapital und Arbeiterschaft in weit ' stärkerem Maße

ster sei in seiner Person der ausgleichende Mittlerzwi - schen Kapital und Arbeit. Denn noch immer be­stünden zwischen Gesellen und Meister, der selbst aus dem , Gesellenstande hervorging, Beziehungen,, die dem Arbeits- ! Verhältnis einen persönlichen Stempel aufdrückten. Auch heute biete das Handwerk noch Aufstiegmöglichkeiten, indem es dem Strebsamen dazu verhelfe, zur Selbständigkeit zu gelangen. Dazu komme, daß das Handwerk über die Deckung des eigenen wirtschaftlichen Bedürfnisses hinaus in der Heranbildung des gewerblichen Nachwuchses eine sich erst in der Zukunft auswirkende Arbeit leiste, die der Gesamtheit, insbesondere auch der Industrie, zugute komme Rund % Millionen Jugendlicher erhielten im Handwerk die berufliche Ausbildung, die ihnen später die Lebensgrundlage geben solle. .

Neben diese Aufgaben" trete die soziale Mission des Handwerks, die in dem Zeitalter der Maschine mehr denn je eine ganz besondere Bedeutung habe. Ihr Kern liege in dem seelischen Verhältnis des handwerksmäßig schaffenden Menschen zu seiner Arbeit. Trotz weitgehender Mechani­sierung der Betriebe, trotz Arbeitsteilung in den Werkstätten gäben auch noch heute zwei Merkmale dem Handwerk das charakteristische Gepräge:

Das grundsätzliche Ueberwiegen der menschlichen über die mechanische Arbeit und die allseitige Beherrschung des Arbeitsgebiets durch die im Betrieb beschäftigten Menschen

Keine Zeit habe diese kulturelle, soziale und volks­wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks eindringlicher vor 2lugen geführt als die Gegenwart.

Denn nicht materielle Dinge allein beeinflußten den Gang des Wirtschaftslebens, sondern in hohem Maße auch geistige Strömungen, wie es in verdienstvoller Weise vom Handwerk geschehe.

Wieder wie im vorigen Jahrhundert klopfe die Not an die ' Türen der Handwerksstätten, die diesmal allerdings eine Not des ganzen Volkes sei. Die Regierung sei bestrebt, alles, was an ihr liege, zu tun, um dieser Not zu steuern. Aber alle staatliche Förderung könne immer nur Beihilfe sein, um die stärkeren und wertvolleren Kräfte, die ein Berufsstand aus sich selbst entfalte, anzuspornen. Die Bestrebungen des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, das Seine zur Milderung der Nöte des Augenblicks im Handwerk beizu- tragen, finde die wärmste Anerkennung der Reichsregierung.

Wenn das Handwerk die Forderung der Zeit erkenne, wenn es in allen seinen Teilen bemüht sei, das Verhältnis zwischen ihm und seinen Auftraggebern zu kräftigen, dann erwerbe es sich ein verdienst um die Gesundung der wirt­schaftlichen Lage. Zu diesem Bestreben wünsche die Reichs- regierung und die preußische Regierung dem Reichsverband reiche Erfolge.

Nach dem Reichskanzler sprach der Präsident des Deut­schen Handwerks- und Gewerbekammertages Magdeburg, Ernst Pflugmacher.

Die Handwerlsvettreter deim Reichspräsidenten

Aus Anlaß der Eröffnung der Reichs-Handwerks-Woche empfing Samstag mittag der Reichspräsident eine Ab­ordnung des deutschen Handwerks, um von ihnen einen Bericht über Ziele und Zweck der Handwerkswoche und über die wirtschaftliche Lage im deutschen Handwerk ent- gegenzunehmen. Der Reichspräsident gab seinem beson­deren Interesse für das deutsche Handwerk warmen Aus­druck und wünschte der Reichs-Handwerks-Woche besten Erfolg.

Stahlhelmkundgebung für das Volks­begehren

Berlin, 16. März.

Der Landesverband Großberlin des Stahlhelm veram staltete eine Kundgebung für das Volksbegehren auf Auß lösung des Preußischen Landtages. Es sprachen der Beauß tragte für das Volksbegehren in Berlin, Major von Soden- stern, der Führer des Landesverbandes Großberlin, Major von Stephani und der Bundeskanzler des Stahlhelms, Ma­jor Wagner. Die Redner setzten sich lebhaft für das Volks­begehren ein, das eine Notwendigkeit sei zur Beseitigung der sozialdemokratischen Vorherrschaft in Preußen. Am Schluß der Kundgebung wurde darauf hingewiesen, daß am 22. März ein Werbeaufmarsch des Stahlhelm für das Volksbe­gehren im Lustgarten stattfinden werde.

Dingeldey spricht in München

München, 16. März.

Hier sprach der Parteivorsitzender der Deutschen Volks­partei, Reichstagsabgeordneter Dingeldey, überDie Arbeit der Deutschen Volkspartei in der Reichspolitik". Er führte u. a. aus: An unserem heutigen Elend sind nicht nur Doung-Plan und Weltwirtschaftskrise schuld, sondern das System eines entarteten Parlamentarismus, der sich seit der Weimarer Verfassung weiter entwickelt habe unter Mithilfe aller Parteien. Die Abkehr von diesem entarteten Parla­mentarismus müsse heute unser innerpolitisches Ziel sein. Der internationale Sozialismus fei eine schwere Gefahr für das deutsche Volk. Der Sozialismus im nationalen Gewände bedeute eine noch schwerere Gefahr, wenn sein Führer nicht den Weg finde, einmal klar und deutlich auszusprechen, wie zur Teilung unseres Volkes denkt. In den letzten zehn Jahren hätten wir das System eines dil- letantisch geführten Wohlfahrtsstaates geübt. Auch hiervon müßten wir mit allen Mitteln loskommen.

Auch wirtschafts- und finanzpolitisch gesehen, stünden wir vor einer Gefahr; weniger sei die Gefahr eines weiteren Anschwellens der Erwerbslosenziffern gegeben, als vielmehr die Gefahr des Versiegens der Steuerquellen. Gegenüber solchen Schwierigkeiten könne die Reichsregierung nur den Weg erhöhter Sparsamkeit beschreiten. Die Deutsche Volks­partei unterstütze die Regierung Brüning, als die derzeit ein­zig sichtbare Form zur Abkehr von dem bisherigen System. Sie erklärt aber, daß sie von dem Reichskanzler erwarte, daß er alle, politischen Machlgelüsten entsprungenen Ver­suche der Sozialdemokratie, ihn von seinem Wege abzudrän- gen, ablehne. In dem Augenblick, in dem es sich zeigen werde, daß der Reichskanzler dem sozialistischen Gedanken weiche, gefährde er das in seiner Arbeit von vielen Monaten mühsam geschaffene Vertrauen.

Das Unrecht an Oberschlesien

Kundgebungen im ganzen Reich.

Berlin, 16. März.

Die zehnjährige Wiederkehr des oberschlesischen Abstim- Mungstages hat in K a r l s r u h e ihren Niederschlag in einer großen Kundgebung für Ober- und Niederschlesien ge­funden. Die Veranstaltung gipfelte in einem Vortrag des Landrates Dr. Urbaneck, Beuchen, überRecht und Gewalt in der oberschlesischen Abstimmung".

Die Abstimmungsgedenkfeier des Frankfurter Schlefier-Vereins gestaltete sich zu einem großen Treugelöb- nis für die deutschen Brüder in Oberschlesien und jenseits der Grenze. In der Dortmunder Feier hielt Oberbürger­meister Karschny, Ratibor, einen Vortrag, in dem er die furchtbaren Schäden aufzeigte, die durch Zerreißung des oberschlesischen Jndustriebezirkes und durch die unhaltbare Grenzziehung ganz Deutschland in den letzten zehn Jahren zugefügt worden sind. Die vereinigten Verbände heimat- treuer Oberschlesier hätten den Kampf gegen dieses Unrecht ausgenommen und erwarteten, daß sie in ihm von dem ge­samten deutschen Volke unterstützt würden. Bei der Ober­schlesiengedenkfeier in B i e l e s e l d gab Dr. Kretzschmar, Ra­tibor, ein erschütterndes Bild von den> i und Leiden der Deutschen im abgetretenen Gebiet und Zahlen über die Verarmung und den Verfall des einst so blühenden deutschen Industrielandes Oberschlesien. Zur Kundgebung in S t e t -

t i n waren der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien, Dr. Lukaschek, Generalfeldmarschall von Mackensen und die pro­minentesten Vertreter der Stettiner Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden erschienen. Oberpräsident Dr. Lukaschek zeichnete die Verhältnisse in Oberschlesien vor und nach der Abstimmung auf und wies auf den Heldenmut der Oberschle­sier hin, die trotz allen Terrors dem Vaterlands die Treue bewahrt hätten." In Mannheim erinnerte der obersckle- sische Landrat Dr. Urbanek an die Abstimmung in Oberschle­sien, die nicht mit lautem Jubel, sondern nur in ernsten Ge­denken der Nöte gefeiert werden dürfe, die durch die Los- reißung von Polnisch-Oberschlesien über das ganze Oberschle- fische Gebiet gekommen sei.

In allen Kundgebungen wurden Entschließungen gefaßt, in denen schärfster Einspruch gegen den Raub Oberschlesiens erhoben und die Reichsregierung aufgetordert wird, mit al­len ihr zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, daß Oberschlesien ungeteilt an Deutschland zurückgegeben werd«.