Hersfel-erTageblatt
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Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfeld
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Nr. 50
Mittwoch, den 11. Mär; 1031
81. Jahrgang
Nachspiel zum Polenterror
Der Fall Hohenbirken vor Gericht — Die polnische Polizei weift von nichts
Der Hokenknopsbeweis
Vor kurzem hat der französische Kriegsminister Ma- ginot die Kriegsschuldfrage und das Abrüstungsproblem in einer Weise behandelt, die eine deutsche Zurückweisung zwingend erforderlich machte. Roch bevor diese deutsche Antwort erfolgte, hat der frühere französische Staatspräsident Millerand es für notwendig gehalten, sich zu der gleichen Frage zu äußern. Er tat das in einer Form, die die ganze französische Besorgnis über die Folgen einer Zerreißung der Versailler Kriegsschuldlüge verrät. Millerand sagte nicht mehr und nicht weniger, als daß mit der Erschütterung der Kriegsschuldthese des Versailler Artikels 231 der Versailler Vertrag einen tödlichen Stoß erleiden müßte. Denn er erklärte wörtlich: „Deutschlands Unschuld erklären, hieße nichts anderes, als das Eingeständnis eines furchtbaren Justizirrtums in den Jahren 1918 und 1919, als die Verträge Deutschland die Kolonien und gewisse Gebietsteile abnah- men und ihm die Abrüstung und die Reparationsverpflich- tung auferlegten."
Der deutsche Wehrminister Dr. Groener hat am Montag im Haushaltsausschuß des Reichstages Herrn Maginot eine Antwort erteilt, die keinen Zweifel darüber läßt, daß Deutschland die französische Abrüst. igsthese auf das entschiedenste zurückweist. „Wir haben das Recht auf denselben Grad von Sicherheit, den die anderen Staaten für sich Damit beruft sich Deutschland aus Versailler Diktats, die die Entwaff-
in Anspruch nehmen.
jene Bestimmungen des Bersailler Diktats, die die Entwaffnung Deutschlands als Vorleistung für die allgemeine Abrüstung festlegen. Dieses Junctim zwischen deutscher Entwaffnung und allgemeiner Abrüstung versucht Frankreich zu erschüttern. Deshalb wird immer wieder die Kriegsfchirldfragc in die öffentliche C^cierung geworfen, obwohl selbst in Frankreich mehr und mehr sich die Erkenntnis durchsetzt, daß eines schönen Tages d eser Hauptpfeiler des Versailler Diktatgebäudes in sich Zusammenstürzen wird. Millerands Hetzrede ist hierfür der beste Beweis Er beschwört geradezu die Franzosen und ihre Alliierten, an diesen Artikel 231 nicht rühren zu lassen. Deshalb verbindet er mit seiner Erklärung eine bedenkliche und vielsagende Drohung, die nämlich, daß „die Revision der Verträge den Krieg bedeute." Mit dieser Erklärung steht er im Widerspruch zu Briand, der Deutschland ein Revisionsrecht aus Artikel 19 des Völkerbundsstatuts zu-
billigte.
tUnb dieses Reoisionsverlangen wird und muß gestellt werden. Minister Groener hat in seiner Montag-Rede hervorgehoben, daß die Versailler These von der Alleinschuld Deutschlands längst von der internationalen historischen Wissenschaft widerlegt sei. Auf wie schwachen Füßen fliese These aufgebaut wurde, beweist u. a. eine Veröffentlichung der „Liberty" aus der Feder eines New Porter Publizisten namens Sidney Sutherland. Neben einer Reihe längst bewiesener Unwahrheiten über deutsche Sabotageakte hat er folgende überraschende Entdeckung gemacht, die Deutschlands Kriegsschuld klar unter Beweis stellen soll: Sutherland hat herausbekommen, daß Deut chland lange vor Ausbruch des Krieges an den Uniformhosen der deutschen Soldaten — Reserveknöpfe für die Ho enträger annähen ließ! Wer aber, so fragt dieser scharfsinnige Amerikaner. braucht Reserveknöpfe für eine Uniform, wenn er
iform, wenn er nicht alsbald einen Krieg änzetteln will? In Deutschland wird man über diese „Enthüllung" erschüttert sein — vor Lachen Also die Reservehosenknöpfe der deutschen Armee erbringen den Beweis für Deutschlands Kriegsschuld! Wir glauben nicht, daß Herr Sutherland in seiner engeren Heimat mit dieser „Enthüllung" ernst genommen wird: daß er aber in einer liter arisch an sich hochstehenden amerika-
nischen.Zeitschrift mit solchem Fastnachtsscherz unterkommen konnte, das beweist uns, wie notwendig es ist, daß wir mehr noch als bisher uns gegen die Aufrechterhaltung der Kriegsschuldlüge zur Wehr setzen müssen.
Der Deutsche Reichstag hat am Montag bei der Beratung des Reichswehretats und der Besprechung der Auslassungen des französischen Kriegsministers wieder einmal eine erfreuliche Einmütigkeit bewiesen und sowohl die unwahren Behauptungen Maginots über die Stärke der deut- schen Reichswehr wie auch seine Erklärungen über das Ab- rustungsproblem entschieden und einhellig zurückgewrejen. Mit besonderer Genugtuung darf dabei hervorgehoben werden, daß auch die Sozialdemokratie sich in diese Ein- Heitsfront zur Zurückweisung des französischen Angriffs auf die Reichswehr eingereiht hat. Selbst von kommuni- ticher Seite wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, daß der französische Militarismus der gefähr- lichste Friedensgegner sei. Dieses einmütige Zusammen- stehen des deutschen Volkes in der Verteidigung seiner Wehrmacht sollte dem Ausland zum Bewußtsein bringen, daß ein Spekulieren auf die Uneinig Fit des deutschen Val- kes in wehrpolitischen Fragen einen Rechenfehler bedeutet, der sich verderblich auswirken muß wenn er in der 'Vorbereitung der Abrüstungskonferenz >cht rechtzeitig berichtigt wird Die falsche Kriegsschuli - >se und der Versuch der Schaffung wehrpolitisch nicht gb hberechtigter S.aalen muß zwangsläufig dazu führen, daß das deutsche Volk sich von jenen Abrüstungsbestimmungen des Ver atller Vertrages lossagt, die von der Gegenseite schon fast ein Jahr-
zehnt bewußt gröblich verletzt w rden sind.
Japan zum Flottenpalt
Bedenken über Frankreichs U-Boot-Ionnage.
London, 10. März
; Antwort Japans auf die Mitteilung über das zifch-italienifche Flottenabkommen dürfte nach einer Meldung aus Tokio die vorbehaltlose Billigung des Abkommens enthalten. Es verlautet aber, daß Japan seiner Zustimmungserklärung eine Anzahl Zusätze angefügt habe, die den Charakter von Wünschen haben.
Wie man zu wissen glaubt, wird die Aufmerksamkeit in diesen Zusätzen auf die Frankreich zugeteilte große Tonnage der Unterseeboote und alten Einheiten der Kriegsflotte sowie auf die Frage der Haupkkampfschiffe gelenkt. Man fürchtet, daß eine neue Ratifikation des Vertrages in seiner abgeänderten Form erforderlich werden wird, was als unerwünscht angesehen wird, und daß die Hoffnung auf Abschaffung der Hauptkampfschiffe in der Konferenz im Jahre 1936 in Frage gestellt sei.
Man vermutet, daß diese Zusätze zu dem Abkommen dazu bestimmt sind, bei der nächstjährigen Genfer Ab- . rüstungskonferenz in Erwägung gezogen zu werden.
Die SchreSensnacht von hohenbirken
Das gerichtliche Nachspiel.
Kattowitz, 11. März.
Das Burggericht in Rybnik beschäftigt sich gegenwär- ! tig mit den Gewalttaten, dF sich in der Nacht vom 19. zum . 20. November vorigen Jahres in dem unweit Ratibor gelegenen hohenbirken abspielten. hohenbirken und Golaffo- witz sind die Höhepunkte vet» Terrors, ver vor oea Wahlen zum Sejm und Senat im Oktober und November vorigen Jahres die deutsche Minderheit einschüchtern sollte. Die Vorgänge, die sich in jener Nacht in hohenbirken abspielten, waren von einer derartigen Brutalität, daß sich der Präsident der Gemischten Kommission Calonder, auf ein Ersuchen des Deutschen Volksbundes persönlich nach dem schwer heimgesuchten Dorf begab.
Aus dem Tatbestand, mit dem sich das Gericht zu beschäftigen hat, ist hervorzuheben, daß die Wohnungseinrich- . tungen von nicht weniger als sieben deutschen Familien durch | die Aufständischen vollständig vernichtet worden sind. Zwei Leute wurden derart mißhandelt, daß sie noch heute unter den Nachwirkungen schwer zu leiden haben. Die anderen mißhandelten Deutschen konnten sich dem Schlimmsten durch die Flucht entziehen. Die polnischen Aufständischen schössen in jener Schreckensnacht rücksichtslos in eine Reihe von Wohnungen hinein. Auch bei einer Frau, die im Wochenbett lag. wurden die Fenster durchschossen. Die von auswärts nach Hohenbirken gekommene Horde wütete von 9.30 Uhr abends bis 1.30 Uhr nachts. Die Polizei erklärte, von all den Schüssen und'Hilferufen nichts gehört zu haben? Besonders schlimm gepeinigt wurde die Familie des deutschen Vertrauensmannes, den die Aufständischen nach Zerstörung der Lichtleitung aus dem Bett zerrten und die Treppe hin- unterschleiften, um ihn bis zur Bewußtlosigkeit zu verprügeln. s
Präsident Calonder und die ihn begleitenden Herren waren von den Eindrücken in Hohenbirken tief erschüttert.
Unter den Angeklagten befindet sich auch der Polizei- kommandant von Hohenbirken, K o n c z a , sowie der polnische Schulleiter S ch y m a n s k i. Die Angeklagten bestreiten jede Schuld und versuchen, ihr Alibi nachzuweisen. Der Polizeikommandant Koncza erklärt, daß ihm nichts von Gewaltakten der Hohenbirkener Aufstän- dischen bekannt sei. Die Aufständischen hätten seinerzeit einen Umzug in Hohenbirken Veranstalter. der sehr ruhig verlaufen sei. Nach diesem Umzüge habd ein Teil der Umzugsteilnehmer, darunter auch er eine Gastwirtschaft aufgesucht und hätte dort bis 12 Uhr nachts gesessen, während die Gewaltakte angeblich in der Zeit von J411 bis 1412 Uhr verübt worden seien. Koncza gibt eine ausführliche Schilderung über die deutsche Minderheit in Hohenbirken ab, die nach seiner Ansicht eine starke Propaganda betrieben habe, die die polnische Bevölkerung in Aufregung habe bringen müssen. Außerdem sei die polnische Bevölkerung von Hohenbirken auch durch reichsdeutsche Hitlerleute an der Grenze wiederholt provoziert worden. Der Angeklagte Schymanski äußert sich in gleichem Sinne. Verheerend habe nach seiner Ansicht die Rede des Reichsministers Treviranus gewirkt.
Polen und Ukrainer
Warschau, 11. März.
Wie die christlich-demokratische „Rzeczpospolita" melbet. haben in der letzten Woche polnisch-ukrainische Einigungs- verhandlunaen zwischen führenden Vertretern der ukrainischen Sejmfraktion und zwei Mitgliedern des Präsidiums des Regierungsblocks stattgefunden. Diese Verhandlungen sollen aber daran gescheitert sein, daß die polnischen Vertreter vorerst eine ukrainische Loyalitätserklärung und die Zurückziehung der beim Völkerbund ein gebrachten Beschwerden wegen der sogenannten Befriedung Ostgaliziens gefordert hätten.
Eine Milliarde Defizit im Reichshaushalt
Reichsfinanzminister Dr. Dietrich über politische Gegen- wartsfragen.
Augsburg, 11. März.
Reichsfinanzminister Dr. Dietrich sagte hier u. a.: Das Reich werde am Ende des laufenden Etatjahres mit einem Defizit von rund einer Milliarde abschließen, was auf das gewaltige Wachsen der Ausgaben für die Arbeitslosenunterstützung und auf das ständige Sinken der Reichseinnahmen auf allen Gebieten zurückzuführen sei. Bedenklich seien die schwebenden Schulden, da der Mangel eines Geldmarktes eine ständige Sorge darstelle, ob das Reich auch die schwebenden Schulden prolongieren könne. Der tiefste Grund dafür, daß man den Gemeinden Bürger- und Biersteuern usw. aufgezwungen habe, sei darin zu suchen, daß diese Steuern der Gesamtbevölkerung der Gemeinden zeigen sollten, welch große Gefahr bestehe. Der Minister erwähnte auch die Re- parationsfrage und erklärte, die Reichsregierung werde sich durch keinen innerpolitischen Druck zu Torheiten verleiten lassen und so handeln, wie sie es für zweckmäßig halte. Die Dinge würden sich zwangsläufig entwickeln.
Loppeloorlage für Drille
Berlin, 11. März.
Da sich in der bisherigen Behandlung des Osthilfege- setzgebungswerkes in einigen Punkten wesentlich divergierende Auffassungen bei der Reichsregierung und dem Reichsrat ergeben haben, hat sich die Reichsregierung, wie wir aus unterrichteten Kreisen erfahren, entschließen müssen, eine Doppelvorlage an den Reichstag zu machen.
_ Zunächst ergaben sich zweierlei Meinungen über die Frage der Ausdehnung der Vorlage auch auf die Provinz S ch l e s w i g - Ho l st e i n mit den oldenburgischen Landes- teilen. Das Entfchuldungsvolumen war berechnet worden auf Grund der jetzigen Ausdehnung. Die Reichsregierung behält sich vor, sobald die Mittel zur Verfügung stehen, die Ermächtigung auch auf Schleswig-Holstein auszudehnen. In der Frage des Jndustrie-Bankgefetzes hatte die Reichsregierung gebeten, die Zahl der Aufsichtsratsmit- glieder auf 29 zu beschränken Im Reichsratsplenum ist die alte Fassung von 33 Mitgliedern aber eingefügt worden, davon 2 Mitglieder der Industrie und 2 der Preußenkasse. Auch in diesem Falle hat die Reichsregierung eine Doppel- vorlage für notwendig gehalten, weil sie das Gremium ohnehin schon für zu schwerfällig hält. Schließlich hat noch die Erweiterung des Geschäftsbereichs der neuen Industrie- Bank divergierende Auffassungen ergeben. Die Reichsregie- rung wünscht keine Beschränkung des Aufgabenkreises für die Bank.
3n unterrichteten Steilen hofft man, daß am Donnerstag die erste Lesung der Osthilfevorlage im Reichstag statt- finden kann. Die vereinigten Ost- und Haushaltsausschüsse sollen sich dann 3 bis 4 Tage mit der Vorlage beschäftigen. Etwa am 25. oder 26. März wird die ganze Vorlage im Reichstag voraussichtlich verabschiedet werdev können.
Die Haltung der Reichslandlnmbes
Entscheidung des Bundesvorstands. — Erschwerung bei
- -«EM;«L-
Stellung Schiele».
Berlin, 11. März.
Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat den Bericht des geschäftsführenden Präsidenten, Graf von Kalck- reuth, entgegengenommen und billigt die Haltung und Maßnahmen, die das Präsidium in Auswirkung der Kampfbeschlüsse vom diesjährigen Reichs-Landbundtag ergriffen hat.
Ausdrücklich erklärt auch der Bundesvorstand die seitdem bekanntgewordenen Agrarvorlagen einschließlich bei Osthilfe für unzureichend, insbesondere wegen Nichtberück- sichtigung der Forderungen auf dem Gebiete der allgemeinen Lastensenkung und der innerwirtschaftlichen Maßnahmen, sowie des Fehlens jeder Garantie für sofortige und ungeschmälerte Durchführung der Zollmaßnahmen. Den innerhalb und außerhalb der Reichsregierung verstärkt zutage getretenen landwirtschaftsfeindlichen Kräften gilt nach wie vor schärfster Kampf.
Eine Einwirkung auf die Parteien in den gegenwärtigen rein politischen Entscheidungen lehnt der Bundesvorstand ab. Die Verantwortung für die augenblickliche Lage und die weitere Entwicklung der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete liegt ausschließlich beim Reichskabinett und den Parteien.
Die in Areguipa (Südperu) gebildete Junta unter Führung Ocampos hat beschlossen, zurückzutreten, um die Einigung zur Befriedung des ganzen Landes nicht zu verhindern. Darauf haben Oberst Jimenez und die übrigen Mitglieder der Junta in Lima den Entschluß gefaßt, sich mit der Ernennung Ocampos zum provisorischen Präsidenten einverstanden zu erklären.