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Henderson will dem Schiedgerichtsab- Kommen zustimmen

London, 10. März.

Der Staatssekretär des Auswärtigen, Henderson legte dem Unterhaus eine Entschließung vor, die unter ge wissen Vorbehalten die Aufnahme der Kapitel 1, 2, 3 und 4 des Generalabkommens für die friedliche Lösung der inter­nationalen Streitfragen enthielt.

Zur Begründung der Entschließung erklärte er, er be­trachte die Annahme des Grundsatzes zwangsweiser Schieds- gerichtsbarkeit als einen wesentlichen Teil der Norbereitunx zu dem Erfolg der nächsten Abrüstungskonferenz, deren Er­gebnisse die Zukunft Europas und der ganzen Welt in her­vorragendem Maße bestimmen würden. Wenn die Natio­nen die Gewißheit hätten, daß die Regierungen aufrichtig be­absichtigen, ihre Streitigkeiten untereinander nicht mehr durch Krieg zu regeln, sondern durch friedliche Mittel, sc würden sie den endgültigen Verzicht auf den Krieg mii größerer Zuversicht erwarten. Acht Regierungen,' darunter Spanien, Belgien und Schweden, hätten bereits das General­abkommen angenommen, und sechs davon ohne jeden Vor­behalt.

Die Entschließung Hendersons wurde mit 231 gegen 13$ Stimmen angenommen.

Verwaltungsratssitzung der BJZ.

Basel, 10. März.

An der Montag-Sitzung des Verwaltungsrates der BJZ nahmen von deutscher Seite Reichsbankpräsident Dr, Luther, Generaldirektor Reusch und Bankier Melchior teil. Es bestand Einstimmigkeit darüber, daß die Wiedererschlie» ßung der Anlagemärkte erforderlich ist, um die Umwandlung des kurzfristigen in langfristiges Kapital zu erleichtern und das Kapital von den Märkten, an denen es nicht verwendet wird, nach solchen hinzuleiten, wo es für wünschenswerte wirtschaftliche Zwecke benötigt wird. Um die Bereitwillig­keit zu betonen, derartige Kapitalbewegungen zu fördern, wurde der Präsident des Verwaltungsrates ermächtigt, Schuldverschreibungen der gerade jetzt in Bafel gegründeten Internationalen Bodenkreditbank zu zeichnen.

In der Frage der Unantastbarkeit bzw. Exterritorialität der BJZ. zur Aufbewahrung überlassenen Dritten gehören­den Golddepots wurde die Prüfung der Rechtsverhältnisse fortgesetzt, und zwar auf Grund der Bestimmungen des Haa> ger Abkommens. Der Verwaltungsrat hat auch von den in gewissen Ländern hinsichtlich der Währungsstabilisierung be­absichtigten Maßnahmen Kenntnis genommen und beschlos­sen, der Bank von Litauen statt der vorher bewilligten 200 Aktien auf deren Ansuchen 500 Aktien der BJZ. zuzuteilen, nachdem die erforderlichen gesetzlichen Bestimmungen für die rechtsgültige Einlösbarkeit ihrer Währung seitens Litauen getroffen worden find.

Schließlich hat der Verwaltungsrat die üblichen bank­mäßigen Berichte entgegengenommen, aus denen sich u. a. ergibt, daß sich am 28. Februar die Einlagen auf 1861 Milli­onen Schweizer Franken gegen 1708 Millionen am 31. Ja­nuar belaufen haben. — Die nächste Sitzung des Verwal- lungsrats der BJZ. wird am 2. April am Sitz der Bank in Basel stattfinden.

MOzebung gegen Lovoktionsausrug

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In einer stark besuchten Notkundgebung der Bauern­schaft des Grenzkreises Baurnholder (Restkreis St. Wendel) wandte sich Reichstagsabgeordneter H e p p (Landvolk) scharf gegen den Auszug der Nationalsozialisten aus dem Reichs­tag. Die Landwirtschaft habe die Folgen dieses Schrittes zu tragen. In einer einstimmig angenommenen Entschlie­ßung wird u. a. verlangt: Umgehender Beginn des Eisen­bahnbaues Kufel—TürUsmühle, Anhörung der landwirt­schaftlichen Vertreter bei der Berteilung der Saargrenz- und Westfondsgelder, Verhandlungen mit Frankreich mit 2em Ziele, den kleinen Grenzverkehr wiedereinzuführen.

Der ehemalige provisorische Präsident von Peru, Oberst Sanchez Cerro, hat sich an Bord des Dampfers begeben, der ihn nach Europa bringen wird. 2000 Personen gaben ihm bis zum Hafen das Geleit. Cerro erklärte, daß er zur nächsten Wahlkampagne wieder nach Peru zurückkehren werde.

Urteil im Menfchewilen-Vroreß

Moskau, 10. März.

Der Oberste Gerichtshof in Moskau verurteilte im Pro­zeß gegen das Unionbüro der Menschewiken nach 25stündi- ger Beratung die Angeklagten Gromau, Scher, Suchanoff, Ginsburg, Jakubowikfch, Petunin und Findjenalaiwfki zu je 10 Jahren Freiheitsstrafe und die übrigen sieben Angekla- ten zu Freiheitsstrafen von 5 bis 8 Jahren.

Friede« oder verschärfter Kampf

Pake! über die Vereinbarung des Vizekönigs mit Gandhi.

Bombay, 9. März

Vallabhai Patel, der auf dem allindischen Kongreß Ende März in Karachi den Vorsitz führen wird, erläuterte in einer großen Versammlung in Bombay die Vereinbarung zwischen dem Vizekönig und'Gandhi.

Er sagte, wenn die in Indien einzuberufende Konferenz am Runden Tisch nicht zu einer Vereinbarung über die indischen Angelegenheiten gelangen sollte, dann werde die Welt einen noch größeren Kampf in Indien erleben als vorher. Der Kongreß habe die Bewegung des bürgerlichen Ungehorsams eingestellt, weil ehren­volle Bedingungen angeboten wurden. Es habe auf keiner Seite eine Kapitulation gegeben.

Der Redner fügte hinzu, der Kongreß werde hervorragende Männer zur Konferenz schicken, die eine genaue Kenntnis der Verhältnisse hätten. Der Kongreß sei für eine Ver­fassung auf bundesstaatlicher Grundlage. Es sei nötig, daß . man sich mit den indischen Fürsten einige.

160 Todesopfer in Mazedonien

1000 Häuser, Brücken nnd Eisenbahnlinien zerstört.

Budapest, 10. März

Wie der „Pester Lloyd" aus Belgrad erfährt, hat die Erdbebenkatastrophe, die in der Nacht zum Sonntag Ma­zedonien heimsuchte, nach den bisherigen Feststellungen mehr als 160 Todesopfer gefordert und rund 1000 Häuser zer­stört. Der Hauptherd des Bebens befindet sich etwa 500 Ki­lometer südlich und südwestlich von Belgrad. In dem ganzen Gebiet des Wärdarbanals und besonders in der Gegend nächst der griechischen Grenze wurden die Ortschaften schwer heimgesucht. Die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten soll f über 500 betragen. Auch zahlreiche Verschüttungen sind vor- gekommen. Die telegraphischen und telefonischen Verbindun­gen mit den heimgesuchten Gebieten sind unterbrochen. Au­ßerhalb der Eisenbahnbrücke bei Skoplje (llesküb), die über den Wardarfluß führt, find zahlreiche Eisenbahnlinien so stark beschädigt, daß der Verkehr unterbrochen ist. Das Rote Kreuz in Skoplje hat eine große Hilfsaktion eingeleitet und auch in Belgrad wurden öffentliche Sammlungen für die Erdbebengeschädigten in die Wege geleitet.

Erdbeden auch in Japan

Die Seismograxhen des Naturwissenschaftlichen Vereins im Geodütischen-Jnstitut der Technischen Hochschule in Karlsruhe registrierten Montag früh erneut ein heftiges Erdbeben. Die Welle der ersten Phase erreichte um

5.34 Uhr. Gegen 6.30 Uhr kam der Apparat wieder zur Ruhe. Die Entfernung beträgt etwa 9600 Kilometer. — Nach einer von der Erdbebenwarte Hohenheim in Karls­ruhe eingetroffenen Meldung ist das Beben auch dort regi­striert worden. Wahrscheinlich liegt der Herd im nördlichen Japan.

Schume Schneestürme in U.S. A.

New gort, 9. März. Schneestürme und starker Frost richteten im mittleren Westen und Südwesten der Vereinig­ten Staaten, so in Illinois und Louisiana, besonders an den Baumwollpflanzungen beträchtlichen Schaden an. Auch an der nördlichen atlantischen Küste sind durch schweren Sturm und Springfluten Schäden in Höhe von mehreren Millionen verursacht worden. Die Wellen erreichten eine solche Stärke, dah eine kleinere Insel in der Nähe von New Port in zwei Stücke gerissen wurde. In einiaen Straßen der unteren

Der Amtsantritt des Gesandten von Moltke in Warschau. Im alten Warschauer Königsschloß empfing der polniM AaaE äsident Professor Mo cicki den neuen deutschen G - ianbtp-i non Moltke zur Antnttsaudlenz. Unser Bud zelgr. Gesandter von (vordere Reihe 4. von rechts) beim Antrittsbesuch im Warschauer Königsschloß beim polnischen Staatspräsidenten.

Stadt verstopften sich die Abzugskanäle, so daß die Straßen unter Wasser stehen. In New Hork wurden sieben Personen getötet. Aus Chicago, wo die Schneestürme inzwischen nach­gelassen haben, werden 14 Tote gemeldet. Die Verbindung zwischen Chicago und den Nachbarortschaften ist unterbro­chen. — Infolge des Sturmes trafen die Atlantik-Dampfer in New Port mit Verspätungen ein.

Die Wirbeisturmkatastrophe auf Mauritius

London, 9. März. Ein Reuter-Telegramm aus Port Louis (Mauritius) gibt den ersten ausführlichen Bericht über den Wirbelsturm, der die Insel heimgesucht hat. Das Unwetter brach am Donnerstagnachmittag los, und der Wind nahm schließlich eine Stärke von 120 Stundenkilo­metern an Alle auf seinem Wege befindlichen Häuser, Bäume und Zuckerrohrpflanzungen wurden zerstört. Die elektrische Kraftstation in Port Louis wurde außer Betrieb gesetzt, und die Stadt war abends in Dunkel gehüllt. Zwei Dampfer im Hafen rissen sich von ihren Ankern los und strandeten. Glücklicherweise sind die Verluste an Menschen­leben verhältnismäßig gering. Nach den bisherigen Be­richten haben zehn Personen den Tod gefunden; dafür sind aber Tausende infolge der Zerstörung ihrer Hütten obdach­los geworden. Nach einer kurzen Unterbrechung begann der Sturm am Sonnabend von neuem. Palmen wurden ent- wurzelt und über weite Strecken davongeschleudert. Der Telephon- und Telegraphenverkehr sowie der Eisenbahn­verkehr auf der ganzen Insel sind unterbrochen.

Bon gestern bis Heute

40-Stunden-Woche bei der 3. G. Aorbemnbu,.rie.

Wie von der Direktion der I. G. Farbenfabrik in Grep- pin mitgeteilt wird, hat die Werksleitung bereits in einem Teil der Betriebe eine Verkürzung der Arbeitszeit auf vierzig Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich durchgeführt. Hier­durch ist es möglich, eine ganze Anzahl von Arbeitslosen in den Produktionsprozeß wieder einzureihen.

Aussperrung in der bayerischen Metallindustrie.

Nachdem für die bayerische Großstadt-Metallindustrie ein Schiedsspruch gefällt worden ist, der unter anderem einen sechsprozentigen Lohnabbau vorsieht, ist in den Be­trieben des Verbandes „Bayerischer Metallindustrieller" eine Bekanntmachung angeschlagen worden, in der es heißt, daß der Verband einstimmig die Aussperrung beschlossen habe. Die Aussperrung trifft rund 40 000 Arbeiter und Ar- beiterinnen.

Der Mann

der das Lächeln verlernt hat

Roman von Gert Rothberg

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

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Zu diesem Manne, der nur Arbeit und seinen eisernen Willen kannte. Der zudem niemals verzeihen würde, daß Annemarie von Wendsbrück sich unter falschen Angaben in sein Haus geschlichen hatte.

Annemarie zitterte dauernd vor einer Entdeckung. Und so kam es, daß sie elend und blaß aussah.

Kent nahm aber keine Notiz von dem jungen Gehilfen seines treuen Korsel. Er schiey den Kopf mit anderen Dingen voll zu habe«.

Am dritten Tage seines Aufenthaltes wollte er nach Roing-Kastel hinüber. Es mochte gut zwei Stunden Fahrt sein, und er nahm eines der hier üblichen Gefährte. Der Kutscher, den Salberry ihm gab, war ein jüngerer, ge­wandter Mensch mit kohlschwarzen, feurigen Augen. Er hatte tags zuvor einige Zeilen Kents hinübergebracht nach Roing-Kastel, und die Antwort Ellinors, daß sie sich außerordentlich über diesen bevorstehenden Besuch freue, war umgehend eingetroffen. Sie schrieb noch kurz, daß er doch den Sekretär mitbringen sollte, Da es vieles nieder­zuschreiben gäbe; es sei allerlei Neues anzuschaffen, und ein Prozeß mit einem Fremden, der sich an der Grenze Roing-Kastels angesiedelt habe, sei unvermeidlich. Der Mann sei im Unrecht. Er würde schon selbst sehen.

Kent runzelte die Stirn beim Lesen dieser Zeilen.

Ein abgekartetes Spiel? Wollte Ellinor Shetland ihn möglichst lange in Roing-Kastel festhalten?

Korsel und Annemarie fuhren dann mit. Kurz vor dem sich weit ausdehnenden Landsitz wurde der Weg so schlecht, daß Kent es vorzog, das Stück bis Roing-Kastel zu Fuß zu gehen. Und er winkte auch Korsel, der seiner­seits Annemarie ein Zeichen gab. Und so schritten die

beiden dann ein Stück hinter Kent her, der jetzt doch inter­essiert hinsah, wie die vielen Arbeiter rechts und links des Weges ihrer Arbeit nachgingen.

Mitten unter ihnen waren die Aufseher, ohne die mochte es gewiß nicht gehen; aber Kent fand doch, daß manche sehr rohe Gesichter hatten, was ab und zu auf Uebergriffe schließen ließ, und daher mochten auch die gelegentlichen Unruhen stammen.

Sonst schienen die Schwarzen hier friedlich und gut­mütig, ja sogar fleißig zu sein. Nun, war er einmal hier, wollte er mit Miß Shetland und ihrem Verwalter ein ernstes Wort über die Aufseher und manches andere, was Salberry ihm anvertraut hatte, sprechen.

Eine Gruppe seltener, hoher, ganz dicht gewachsener Sträucher nahm die Dahinschreitenden auf.

Annemarie betrachtete diese seltsamen Sträucher; da zuckte sie zusammen. Zwischen den Blättern blinkte es silbern auf. Und ein Paar feurige Augen blitzten dicht darüber.

Ohne recht zu wissen, was sie tat, lief sie vorwärts, an Kents rechte Seite, breitete die Arme aus. Da krachte auch schon ein Schuß.

Lautlos sank Annemarie zu Boden.

Kent stand regungslos da. Ueber die Felder jagte ein Mensch. Kent riß das kurze Gewehr von der Schulter, zielte, traf. Drüben stürzte der Fliehende kurz vor den dort arbeitenden Schwarzen in die Knie.

Kent warf das Gewehr weg, kniete neben dem kleinen Gehilfen nieder. Aus dessen Schulter sickerte Blut.

„Holen Sie Wasser, Korsel, dort, im Tümpel. Oben ist es sauber."

Korsel streckte angstvoll die Hände aus, sah, daß er nichts mehr aufhalten konnte, und ging mit zitternden Knien zum Tümpel, während der Kutscher über das Feld jagte, um zu sehen, was für ein Verbrecher das war, der auf Kent geschossen hatte. Denn natürlich hatte die Kugel nur Mister Kent gegolten. Wer sollte denn ein Interesse an dessen kleinem Gehilfen haben?

Kent riß die Jacke des jungen Menschen auf, wollte nach der Wunde sehen — und zuckte im nächsten Augenblick zurück.

Ein hauchdünnes Spitzenhemd über einer jungen, knospenden Brust.

Tommy Fitzmaurice war ein Mädchen!

Kent erhob sich, blickte finster auf Korsel, der eben mit dem Wasser kam.

„Korsel, Aufklärung! Wußten Sie, daß Tommy Fitz­maurice ein Mädchen ist?"

„Seit kurzem erst, Mister Kent."

„So, Korsel, Sie unterstützen also solche Sachen?"

„Ich — ich —, ach — Mister — Kent —, ich!"

„Zum Buchstabieren ist keine Zeit, Korsel. Mir scheint, dieser kleine, seltsame Tommy wollte mir das Leben retten."

„Ja, sicher!"

Mister Korsel sagte es und klammerte sich an einen Strohhalm der Hoffnung, daß diese Sache jetzt doch noch halbwegs glimpflich ablaufen könnte.

Kent nahm dem alten Herrn das Wasser ab.

„Geben Sie mir ein sauberes Tuch — oder hier, ich habe selbst eins."

Kent zog ein weißseidenes Tuch hervor, taüchte es in das kühle Wasser und legte es auf die Wunde. Dann nahm er die kleine, leichte Gestalt einfach auf seine Arme und ging zurück zum Wagen.

Der Kutscher kam eben von der Verfolgung zurück.

„Fahr' wieder nach Hause", sagte Kent und hielt Anne­marie vorsichtig in seinen Armen.

Kent besann sich.

„Wer war der Kerl?"

„Ein Angestellter Miß Sethlands. Er hat Mister Kent an der Schulter verwunden sollen; dann sollte Mister Kent nach Roing-Kastel gebracht werden. Der erbärmliche Kerl heulte vor Schmerzen und verriet seine Herrin. Die ande­ren haben es auch alle mitgehört. Sie sind ja auf sein Ge­schrei alle zusammengelaufen." (Fortsetzung folgt.)