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Htrsfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den kreis HersfelS

Nr. 56 (Erster Blich Gonnabenb, den T. Mär; 1931 81. Jahrgang

MenaMch« vr-agspret,: durch Mt Post bt*egt*1.W Relchs-Mart, aaoschlltßllch BtfttüatÜ, für Hrrofrl- 1.20 Re-chs-Mark bet freter Zustellung, für PbhvI« 1.00 Retchs-Mark. druck und Verlag von Ludwig Zank, Vuchbruckeret tu herofelb, Mltglieb 6 t« VVZV.

Maschine gegen Mensch

Fortschreitende Mechanisierung macht immer mehr menschliche Arbeit-Kraft überflüssig

Ein Beispiel bietet der Ruhrbergbau

Minister Schiele und der Loearno- Vertrag

Der Briefwechsel Freylagh-LoringhovenSchieleWesiarp.

Berlin, 7. März.

Der deutschnationale Abgeordnete von Freytagh-Loring- Hoven hatte vor kurzem gegen den Reichsernährungsminister Schiele den Vorwurf erhoben, daß Dr. Schiele in der Lo- earno-Politik des Jahres 1925ein doppeltes Spiel" getrie­ben habe. Zu dieser Unterstellung veröffentlicht jetzt

Reichsminisler Schiele eine ausführliche Erklärung, der ein ausführliches Schreiben des Grafen Westarp beige­geben ist. In diesem Schreiben stellt Graf W e st a r p ledig­lich die Angaben des Abgeordneten Freitag-Loringhoven über den Verlauf einer Zusammenkunft des früheren engli­schen Botschafters in Berlin, Lord d'Abernon, mit Minister Schiele und anderen politischen Persönlichkeiten im Jahre 1925 richtig. An dieses Schreiben knüpft Reichsminister Schiele die Erklärung, daß sich aus der Feststellung des Gra­fen Westarps und anderer deutscher Teilnehmer an der Zu­sammenkunft mit Lord d'Wernon ergebe, daß der englische Botschafter nicht seine, des Ministers, deutschnationale Freunde für Locarno gewinnen, sondern von ihnen die deut­schen Bedenken gegen Locarno hören wollte.

Zweck der Zusammenkunft sei gewesen, eine letzte, nach­drückliche Aktion zur Ablehnung der Unterzeichnung des Lo- carnoabkommens und somit des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund ins Werk zu fetzen. Aber durch Austritt der Deutschnationalen aus der Regierung fei dies unmöglich ge- macht worden.

Der Minister führt in dem Schreiben weiter aus, daß er auch heute noch der Ansicht sei, daß es ein schwerer Fehler war, vorzeitig die Hand vom Pfluge zu ziehen und durch Selbstausschaltung der nationalen Re,.-^.. Hell Weg Nr eine maßgebende Meufflüffung der deutschen Politik durch die Linke freizugeben. Darin begründe sich die Parallele, die er in seiner Reichstagsrede vom 26. Februar Mischen dem Verhalten der Deutschnationalen im Oktober 1925 und ihrem jetzigen Ausscheiden aus dem parlamentarischen Kampf um die Rettung der deutschen Landwirtschaft gezogen habe. Als einer der verantwortlichen Sachverwalter insbesondere der Landwirtschaft fühle er sich darum verpflichtet, heute noch einmal vor der deutschen Oeffentlickkeit seine warnende Stimme zu erheben. Für die vevorstehenden schicksalhaften Entscheidungen bis zur letzten Möglichkeit zu sümpfen, halte er für seine Pflich,t gegenüber Staat und Volk und insbe­sondere gegenüber der vom Versinken bedrohten Landwirt­schaft. Wer in diesem Kampf beiseite stehe, der werde ein­mal nicht nach seinen Worten und Gesten, sondern nach sei­nem Tun und Unterlassen gerichtet werden.

Wo tagt die Abrüstungskonferenz?

Genf, Lannes und Bacelona bewerben sich.

Genf, 7. März.

Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an die R«> gierungen ein Zirkularschreiben gerichtet, worin er um Am gaben über die voraussichtliche Zusammensetzung der Dele­gationen für die Abrüstungskonferenz im Februar 1932 bit­tet. Bekanntlich soll der Völkerbundsrat auf seiner Tagung im Mai den Ort für die Konferenz endgültig festsetzen. Vor­läufig ist G e n f in Aussicht genommen, jedoch haben gerade in den letzten Tagen wieder andere Städte, z. B. Cannes und Barcelona, den Antrag gestellt, daß die Konferenz dort abgehalten werde. Um einen Ueberblick Wer die räum­lichen Anforderungen zu erhalten, hat nun der Generalsekre­tär die Regierungen aufgefordert, ihm bis zum 15. April die annähernde Zahl und den Rang ihrer Hauptdelegierten und Stellvertreter sowie die Zahl der Sachverständigen, des tech­nischen Personals und der Pressevertreter mitzuteilen, unter gleichzeitiger Angabe, wieviele Wohnungen, Arbeitsräume usw. benötigt werden.

Kolonialstaatssekretär für Zwangsarbeit

Eine Prügelei als Antwort.

Paris, 7. März.

In den Wairdelgängen der Kammer kam es gestern nachmittag zu einem Zusammenstoß zwischen dem sozialisti­schen Abgeordneten M a s s o n und dem Unterstcmtssekretär im Kolonialministerium, Diagne, bei einer Diskussion über die Zwangsarbeit in den Kolonien. Diagne, der selbst aus den Kolonien stammt, verteidigte die Zwangsarbeit und ließ dabei eine den Direktor des Genfer Arbeitsamtes, Albert Thomas, herabwürdigende Aeußerung fallen, worüber es zu einer Schlägerei zwischen ihm und dem Abgeordneten kam. Saaldiener mußten im Verein mit einigen Abgeordneten eingreifen, um dem Zwischenfall ein Ende zu machen.

Konservative erfolge

London, 7. März.

Die Wahlen zum Londoner Grafschaftsrat hatten folgen­des Ergebnis: Konservative 83, Arbeiterpartei 35, Liberale 6 Sitze. Die konservativen waren bisher mit 77, die Ar- beiterparteiter mit 42 und die Liberalen mit 5 Mandaten vertreten.

Die Tragödie der Bergarbeiter

Zusammenbruch der Knappschaftsversicherung.

Im Sozialpolitischen Reichstagsausschuß wurde über die Sanierung der Knappschaftsversicherung beraten. Ministe­rialdirektor Dr. G r i e s e r vom Reichsarbeitsministerium berichtete ausführlich über die Lage der Arbeiterpensions- kasse im Bergbau. Die Kasse hat 1931 für die Invaliden und Hinterbliebenen im Bergbau 195 Millionen aufzubrin- gen. Der Beitrag beträgt gegenwärtig 8,5 Prozent des Sohnes. Da 1 Prozent des Lohnes heute nur noch 12 bis 15 Millionen erbringt, entsteht

1931 ein Fehlbetrag von 85 Millionen. Das Verhältnis zwischen den Mitgliedern der Kasse und den Leistungs- empfüngern wird der Zahl nach immer ungünstiger. Im Jahre 1930 ging die Mitgliederzahl um 140 000 auf 588 000 infolge des Abbaues der Belegschaft zurück, im Ruhr­bergbau um 84 000 auf 283 000. Vor dem Kriege war die Zahl der Mitglieder dauernd im Steigen.

Die Ruhr fördert heute ebensoviel Kohle wie im Jahre 1913. Dabei war im Jahre 1913 die Belegschaft um mehr als 100 000 ^Hann stärker.

Das Gleichmaß der Förderung wurde dadurch aufrechter­halten, daß die Tagesleistung eines Bergman­nes von 1000 a u f 1500 Kilogramm, zum Teil infolge Mechanisierung der Gruben, in die Höhe getrieben wurde. Im Gegensatz zur sinkenden Mitglie­derzahl steigt die Zahl der Leistungsempfänger. Am 1 Ok­tober 1930 kamen schon auf 24 Mitglieder zehn Pensions- einheiten. Dieses Mißverhältnis ist, wie der Regierungs- vertreter erklärte,

- das Vvrfpirt zu der TL«^., ote später einmal aarst " die allgemeine Jnvalidenversich :ung erleben wird.

In vielen Verhandlungen mit dem Bergarbeitern wurden alle Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Leistungsfähig­keit der Arbeiterpensionskasse geprüft. Der Bergbau verträgt noch weniger als die Wirtschaft im allgemeinen eine Er­höhung des Gesamtbeitruges zur Sozialversicherung.

Der Fehlbetrag von 85 Millionen würde die Erhöhung des Beitrages von 8,5 auf 14,5 Prozent des Lohnes notwendig machen.

Die Bergarbeiterverbände faßten zeitweilig zur Deckung des Fehlbetrages die Einführung eines sogenannten Förderzinses i*s Auge. Der Vorschlag ist, wenn nicht überhaupt, so doch für den Augenblick, verfehlt. Der Förderzins wäre nichts als eine Umsatzsteuer auf Kohle. Unter Umständen würde die Invalidenversicherung sich bereit finden, der Arbeiter pensio^kasse eine Beihilfe von 12 bis 18 Millionen zu ge­währen, entweder durch Ermäßigung des Beitrages des Bergarbeiters zur Invalidenversicherung oder durch Ueber­nahme eines Teiles der Pensionslaften. Die Invalidenver­sicherung macht aber ihre Beihilfe davon abhängig, daß sie selbst im Verhältnis zur Angestelltenversicherung entsprechend entlastet wird. Die Aussprache wurde noch nicht abge- schlössen.

Sindenborg über Lodelschwingh

Berlin, 6. März

Der Reichspräsident hat den ihm aus Anlaß der 100 Wiederkehr des Geburtstages Friedrich von Bodelschwinghs von der Gemeinde Bethel übermittelten Gruß mit einem Telegramm beantwortet, in dem er u. a. sagt:Mögen die Werke der Liebe und Barmherzigkeit, die der verstorbene große Volksfreund und Seelsorger Friedrich von Bodel- schwingh in christlicher Fürsorge für alle Mühseligen und Be- ladenen geschaffen und fest im Willen und unermüdlich im Dienen lange Jahre hindurch geleitet hat, auch in der Zu­kunft mit Erfolg weiter wirken und ein sichtbares Zeugnis dafür sein, daß der Brudergeist christlicher Hilfsbereitschaft auch in der gegenwärtigen Notzeit wach ist."

Der Reichsminister des Innern Dr. Wirth und Reichs- arbeitsminister Dr. Stegerwald haben aus Anlaß des 100. Geburtstages des Pastors Friedrich von Bodelschwingh an dessen Sohn in Bethel bei Bielefeld Telegramme ge­richtet, in denen das reine, uneigennützige Leben Bo­delschwinghs im Dienste an den unter inneren und äußeren Nöten leidenden Menschen und sein erfolgreicher Wille zur helfenden Tat als Symbol reinster Nächstenliebe hervorge­hoben werden.

Lauiwollvarleitag

Weimar, 6. März.

Die Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei hält ihren diesjährigen Reichsparteitag am 14. März in Weimar ab. Der Parteitag besteht aus den Mitgliedern des Reichstags und der Landesparlamente sowie je zwei Ver­tretern aus den Wahlkreisen und ist eine geschlossene Veran­staltung. r

Am Sonntag, den 15. März, findet dann aus Einladung des Thüringer Landbundes eine große öffeniliche Kund­gebung statt, auf der Landbundspräsident Graf Kalckreuth, der Abg Hepp und die meisten anderen Reichstagsabgeord- neten der Partei sprechen. Den Höhepunkt der Kundgebung bildet ein Aufmarsch aller Teilnehmer auf dem Marktplatz.

Die Wiener Berhandlnasen

Befriedigendes Ergebnis des deutschen Besuches.

Berlin, 7. März.

Die Wiener Reise des Reichsaußenministers Dr. Cur- tius ist nach Ansicht unterrichteter politischer Kreise außer­ordentlich befriedigend verlaufen. Die Aufnahme, die die deutschen Gäste in Wien gefunden hatten, war trotz der zunächst bestehenden Verstimmung wegen des Ausblei­bens des Reichskanzler Dr. Brüning herzlich.

Die Besprechungen, die zwischen den deutschen Be­suchern und den österreichischen Regierungsstellen geführt wurden, dienten neben der Erörterung aller beide Staaten berührenden politischen Fragen in erster Linie wirtschaft­lichen Aufgaben und ergaben eine weitgehende Ueberein­stimmung der beiderseitigen Ansichten. Die Unterhaltungen, die im Sinne der bereits auf der Genfer Europa-Tagung im Januar angedeuteten regionalen wirtschaftlichen Ver­ständigung geführt wurden, ergaben, daß Deutschland und Oesterreich durch eine Ungleichung der Wirtschaftssysteme beider Länder eine spätere Ungleichung an die Systeme anderer Länder vorbereiten wollen. Man kam weiter dahin überein, das beide Länder auf der kommenden Pan-Europa- Tagung im April in gemeinschaftlichem Vorgehen diese An­sichten vertreten werden.

Abrüstung ist moralische Pflicht"

Rom, 7. März.

SheHttrfremtdfc-^tfjr in-ckr^MsPrechUNg Der ita­lienisch-französischen Flottenverständigung fort. U. a. er­innert Popolo d ' Italia " an die Jsolierungsoersuche, die noch zu Beginn der vorigen Woche von Frankreich gegen Italien unternommen worden seien, um dann zu erklären, daß

die Abrüstung eine moralische und rechtliche Verpflich­tung sei, ein Wechsel, der eingelöst werden müsse.

Das jetzige Kompromiß mit der Herabsetzung der beiden Flottenbauprogramme entspreche daher durchaus den Richt­linien der italienischen Politik, die in der Abrüstung die wesentliche Voraussetzung für die Sicherheit sehe. Die S t a m p a" weist auf die finanzpolitische Bedeutung der Flottenverständigung hin und erklärt, daß Italien mit einer Einsparung von etwa 300 Millionen Lire jährlich rechnen könne.

Weltbekriedmg in mehrere» Alle»

Amerika an der allgemeinen Landabrüstung interessiert.

Washington, 7. März.

Staatssekretär Stimson erklärte zum Flottenpakt, daß diese Lösung des Flottenproblems keineswegs Amerikas Interesse an einer allgemeinen Abrüstung zum Abschluß bringe. Man dürfe, erklärte Stimson, die Frage einer kon­kreten Beteiligung Amerikas an europäischen Detailfragen über Stärke und Ausrüstung der Landheere nicht mit dem großen Ziel der Weltbefriedung verwechseln, an dem Ame­rika mit allen Kräften mitzuarbeiten nach wie vor bereit sei. Die amerikanische Regierung glaube nicht, daß dieses Ziel durch einen einmaligen Akt erreicht werden könne, sondern sei überzeugt daß verschiedene Akte dazu notwendig seien. Die Flotteneinigung belebe das Vertrauen des amerikani­schen Volkes in den ehrlichen Willen anderer Staaten, alles zu tun, was immer zur weiteren allgemeinen Abrüstung möglich fei.

Amerika habe zwar nur ein unbedeutendes Landheer und ziehe es vor, nicht den Vorsitz bei der Genfer Konferenz zu übernehmen, es werde aber jetzt, wo der Kongreß alle dringenden innerpolitischen Aufgaben erfüllt Habe, dem all­gemeinen Abrüstungsproblem seine wohlwollendste Aufmerk­samkeit zuwenden.

Minister Grimme über Staats- and Kunst-Pflege

Berlin, 7. März.

Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages beriet am Freitag den AbschnittKunst" im Kultushaushalt.

Kultusminister Dr. Grimme führte u. a. aus, die Arbeit der Dichterakademie werde neu geordnet bei einer Reform der Gesamtarbeit der Akademie der Künste, die in Angriff genommen sei. Zu der Sonderfrage, ob der Dich­terakademie ein vermehrter Einfluß auf den Schulunterricht einzuräumen sei, erklärte er u. a., er freue sich, daß bereit- vereinzelt Künstlern Gelegenheit gegeben wurde, zur Jugend selbst zu sprechen, um persönliche Fühlung zu gewinnen. Die Mitbestimmung bei der Auswahl der geistigen Kost, etwa die Gestaltung der deutschen Lesebücher, sei aber im wesent­lichen eine pädagogische Aufgabe. Die aus kunstverständi­gen Schulmännern zusammengesetzte Prüfungskommission habe bisher gute Arbeit geleistet. Es sei erwägenswert, bei der Beurteilung von Lesebüchern den oder jenen Küstler mit zu beteiligen.