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Hersfel-erTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü

MsnatNchrr Beangeprete: d«rch Me pell fangen 1.50 Ketchs-Mark, ausschließlich BeReUgeld, ftse Krr-srlü 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für sibdola 1.00 Keichs-Mark. s druck und Verlag von fudwig Zanks Vuchöruckerei in Hersfelb, Mitglied des VdZV.

Nr. 54

Donnerstag, den 5. März 1931

81. Jahrgang

Der französisch-belgische Block

Hymans über MilitSrabKommen und RheinpaktVerteidigungsstellung" gegen Deutschland

Der Siliert der Flottenabtommens

' Paris, 4. März

Journal" veröffentlicht eine Statistik der vermut­lichen Ziffern des französisch-italienischen Flottenabkom- mens. Frankreich würde 83 000 Tonnen Unterseeboote, Ita­lien 52 000 Tonnen erhalten. Hilfsschiffe: Frankreich 155 00C Tonnen, Italien 112 000 Tonnen. Torpedobootszerstörer: Frankreich 72 000 Tonnen, Italien 25 000 Tonnen. Torpe­dobote: Frankreich 38 000 Tonnen, Italien 44 000 Tonnen. 10 000 Tonnen-Kreuzer: Frankreich 70 000 Tonnen, Italien 70 000 Tonnen. Nicht mitgezählt sind hierbei fünf alte fran­zösische geschützte Kreuzer. In der Kategorie der Schlacht­schiffe zählen mit sechs französische Dreadnoughts von 133 000 Tonnen und vier italienische Großkampfschiffe von 86 500 Tonnen. Für die genannten Kategorien ergibt sich also eine Tonnageüberlegenheit Frankreichs von 140 000 Tonnen. Frankreich könne, so sagtJournal", also zum min­desten damit rechnen, daß es bis zum Jahre 1936 einen Spielraum von 130 000 Tonnen bewahre, der sich -aus Schiffen zusammensetzen würde, die mindestens den jetzt im Dienst befindlichen gleichen, sie aber an Wert noch über­treffen würden. Das Flottenabkommen Frankreich-Italien würde, wenn die angeführten Ziffern der Wirklichkeit ent­sprächen, für Frankreich ausgesprochen günstig sein.

»Hutes Vorzeichen für Abrüstungskonferenz"

Premierminister MacDonald sandte an den französischen Ministerpräsidenten und an Mussolini ein Telegramm, mo= rin er u. a sagt: Ich bin der Ansicht, daß das Ergebnis dieser langwierigen Verhandlungen ein gutes Vorzeichen für die Regelung der Probleme ist, denen die allgemeine Abrüstungskonferenz 1932 gegenüberstehen wird.

s Im Faschifnichen Großen Rat .rstürtM Grandi einen ausführlichen Bericht über das neue Flottenabkommen. Nachdem Mussolini auf die wesentlichen Bestimmungen und die Bedeutung des Abkommens hingewiesen hatte, nahm der Große Rat eine Tagesordnung an, in der fest­gestellt wird,daß die Bestimmungen des italienisch-fran­zösisch - britischen Flottenabtommens unter allen Gesichts­punkten befriedigend sind."

Brimds KllMmertriumph

Paris, 5. März.

In der französischen Morgenpresse wird der überragende außenpolitische Erfolg Briands durch den Abschluß des eng­lisch-französisch-italienischen Flottenabtommens durchweg tark hervorgehoben.

DerM a t i n" unterstreicht die Bedeutung der italie- lisch-französischen Annäherung, wie sie durch den Flotten- oaft angebahnt sei.Q u o t i d i e n" sagt, Briand wisse, daß ;r im Dienste des Friedens, für den er mit unerschütter­lichem Mut alle Tage einen neuen Stein herangeschafft habe, auch Frankreich und Europa diene.E r e Nou - ve! le" bezeichnet die Politik Frankreichs als edelmütig.

Direkte Mstungsbelchräntungen

Ein zweifaches System ist ungerecht und gefährlich".

London, 4. März

Manchester Guardian" bemerkt in einemBudget- Abrüstung" überschriebenen Leitartikel, der nun in Auszü­gen vorliegende Bericht der Sachverständigen über die Mög­lichkeiten einer Beschränkung der Rüstungen durch Rationa­lisierung der Ausgaben scheineein mustergültiges Do­kument" zu sein. Natürlich blieben noch viele Schwierig­keiten. Durch die Friedensverträge seien Deutschland und die anderen besiegten Länderdirekter Beschränkung" un­terworfen worden, während die Mehrzahl der auf der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz vertretenen Mächte für sich die Methode der Budget-Beschränkung vorgezogen hätten. Was dem einen recht sei, sei dem anderen billig. Wenn direkte Beschränkung wirklich wirksamer sei als die Budget-Kontrolle, so sollte sie allgemein gemacht werden. Wenn die Budgetbeschränkung aber die bessere Methode sei, so sollte sie auch bei den besiegten Rationen angewandt wer­den. Ein zweifaches System sei nicht nur ungerecht, sondern auch gefährlich; denn es erzeuge Verdacht und Furcht und zerstöre damit seinen Zweck.

Europatagmg in Baris Zusammentritt des Organisationsausschusses.

Genf, 4. März.

Der von dem Studienkomitee für die Europäische Union eingesetzte Organisationsausschuß, der die Fragen der Orga­nisation der Arbeitsmethoden und der Verfassung zu prüfen hat, tritt am 24. März in Paris zusammen.

In diesem Ausschuß sind zwölf Staaten, darunter auch Deutschland, vertreten. Die Bedeutung der Arbeiten dieses Komitees, die teilweise politischen Charakter tragen, geht daraus hervor, daß an der Tagung in Paris mehrere aktive Außenminister, darunter Henderson (Groß-Britannien), Munch (Dänemark) und Piskope (Finnland) teilnehmen.

Die Front der Weltmächte

hymans über die belgisch-französische Politik.

Brüssel, 5. März.

In der Kammer machte Außenminister Hymans ein: gehende Darlegungen über den gegenwärtigen internatio­nalen Status Belgiens.

Belgien habe die Ueberzeugung gehabt und habe sie noch, daß die Entente zwischen Frankreich und England die festeste Grundlage des europäischen Friedens sei.

Deshalb habe sich Belgien an diese beiden Länder gewandt und sich bemüht, durch Verhandlungen, die sich unmittelbar an dem Abschluß des Friedens anschlossen von ihrer Seite neue Garantien zu erhalten. Die Verhandlungen mit Frank­reich, so fuhr Hymans fort, führten zum Ziel. Am 7. Sep­tember 1920 kam zwischen dem französischen und belgischen Generalstab ein Abkommen zustande, das die beiden Regie­rungen genehmigten. Der Minister bemerkte zu diesen No­ten: In gewissen Kreisen, selbst in Belgien, selbst in be­freundeten Ländern, hat man das Abkommen so hingestellt, als ob es eine Beschränkung unserer Unabhängigkeit zur Folge habe und als ob es dem Lande Lasten, Ausgaben und eine bestimmte Politik auferlege.

Das Abkommen von 1920 enthält nur militärische De- fensivmaßnahmen, die von den Führern der beiden Ar­meen im Hinblick auf die Eventualität einer gemeinsa­men Aktion der beiden Staaten zur Abwehr eines An­griffes seitens Deutschlands auf eines der beiden Länder festgelegt wurden.

Das Abkommen achtet die Selbständigkeit jedes Staates. Die beiden Staaten werden jeder nach den Umständen zu entscheiden haben, ob, Anlaß yr Zusammenarbeit vorliegt oder nicht. Es ist falsch und unsinnig, sich vorzustellen, daß das Abkommen kriegerische und imperialistische Kombinatio­nen erfülle. Es ist falsch und unsinnig, es als eine Allianz hinzustellen, die unsere Politik unter die Botmäßigkeit der französischen Politik bringt. Das Abkommen von 1920 ist kein Allianzvertrag.

Es verpflichtet die beiden Regierungen nicht zum ge­meinsamen Handeln; aber es setzt ihren gemeinsamen Willen voraus im Falle eines nichtprovozierten An­griffs seitens Deutschlands, eines Angriffs gegen Bel­gien oder Frankreich, der als solcher erkannt ist, ge­meinsam Widerstand zu leisten.

Man hat in Belgien darin eine Garantie der Sicherheit und des Friedens erblickt. Ueber das Verhältnis des Militär­abkommens zum Locarnopakt erklärte Hymans, wie er fest­stellte, im Einvernehmen mit der französischen Regierung: Unsere Garantie- und Unterstützungsverpflichtungen sind be­stimmt durch die Verträge von Locarno, die übrigens Eng­land dieselben Verpflichtungen wie Belgien und Frankreich auferlegen. Das französisch-belgische Militärabkommen be­zog sich auf einen einzigen Fall, einen nichtprovozierten deutschen Angriff auf Belgien oder Frankreich. Dieser Fall ist einer von denjenigen, die der Rheinpakt ausdrücklich vor- sieht.

Aber der Rheinpakt erstreckt die Garantie, die gegen­seitige Hilfeleistung auch auf den Fall der Verletzung der Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrags, die sich auf die entmilitarisierte Rheinlandzone bezieht.

Der Rheinpakt ist präziser, formeller, feierlicher als das französisch-belgische Abkommen, das kein Vertrag im eigent­lichen Sinne des Wortes ist. Er deckt sich mit ihm und er­weitert es und er, gibt Belgien und Frankreich das Recht, im Hinblick auf eine Verletzung durch Deutschland die zur Abwehr der Gefahr geeigneten militärischen Maßnahmen vorzubereiten und es zu vereinbaren. Hymans erklärte zum Schluß, vor einigen Monaten habe man kriegerische Rufe und Appelle an die Gewalt vernommen. Neuerdings hätten die Vertreter der Großmächte in Genf ihren Friedenswillen betont, aber man müsse immer mit einem plötzlichen Er­wachen nationalistischer Leidenschaften rechnen. Man müsse alles hoffen, aber alles oorausfehen. Deshalb fei es die Pflicht eines um feine Zukunft besorgten Landes, die not­wendigen Maßnahmen zu treffen, um den Schutz feiner Grenzen zu sichern und jeder Versuchung zu begegnen, sich seiner zu bedienen und es zu vergewaltigen. Es werde die Waffen nur ergreifen, um feinen Boden und seine Unab­hängigkeit zu schützen und um die Pflichten, die ihm sein Statut diktiert, zu erfüllen.

Frachtaerhandluagea mit Holland

Köln, 5. März.

Wie aus Amsterdam verlautet, dürfte am 1. Juli für Gemüsefrachten und Kartoffeltransporte im Eisenbahnver­kehr zwischen Holland und Deutschland ein neuer direkter Gütertarif in Kraft treten. Der neue Tarif soll gegenüber dem bestehenden den Vorzug haben, daß in Zukunft in jedem Einzelfalle nur die billigsten Tarife auf den möglichst kurzen Abständen zwischen zwei Eisenbahnstationen in Rechnung ge­bracht werden. Der neue Tarif soll auch nicht nur, wie es bisher der Fall war, für ganze Waggonladungen, sondern auch für kleiner» Frachten in Betracht kommen.

Bildtelegramm von den Wiener Verhandlungen.

Unser Bild zeigt Die Eröffnung der deutsch-österreichischen Wirtschaftsverhandlungen im Wiener Außenministerium. Bon links nach rechts Staatssekretär Pünder, Reichsaußen­minister Curtius Vizekanzler und Außenminister Schober.

DeutscheHöKerungen

Curtius über Reparationen und Abrüstung

Wien, 5. März.

In der deutschen Gesandtschaft fand ein Presseempfang statt, bei dem Reichsminister des Auswärtigen Dr. Curtiue Erklärungen abgab. Dr. Curtius führte u. a. aus: Mein ^LHuch in Wien, ist hs^ Sensation. Deutsche und österrei­chische Minister treffen sich zu periodischem Gedankenaus­tausch in Berlin, Wien und an dritten Orten wie z. B. in Genf.

Ich habe auch während meines jetzigen Aufenthaltes Gelegenheit gehabt, mit den führenden österreichischen Staatsmännern die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage vom Gesichtspunkt unseres gemeinsamen Interesses zu erörtern. Dabei habe ich, wie es nicht anders erwartete, eine völlige Uebereinstimmung unserer Anschauungen fest­stellen können. Ziel und Methode der österreichischen Politik decken sich mit denen der Politik des Deutschen Reiches, alles, was in unseren Kräften steht zur Förderung und Sicherung eines Friedens der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung beizukragen und die Wohlfahrt unserer Völker in aufrichti­ger Zusammenarbeit mit den anderen Völkern zu entwickeln. Die Belastung des deutschen Volkes wird ins Unermeßliche gesteigert dadurch, daß uns der Versailler Vertrag noch fort­laufend ungeheure Leistungen auferlegt. Ich habe vor kur­zem die Wirtschaftswidrigkeit dieser einseitigen Kapitalent­ziehungen dargetan

Auch darauf habe ich aufmerksam gemacht, daß die Re- parationsfrage nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten gelöst werden kann. Niemand vermag heute zu sagen, wie sich die Lösung gestalten wird.

Auf jeden Fall wird sie im Rahmen der Verträge und der Kooperation liegen, und auf keinen Fall darf Deutschland sittlicher und sozialer Lebensstandard noch weiter gefährdet werden. Wenn ich darauf hingewiesen habe, daß das wirt­schaftliche Problem im Vordergrund der deutschen Politik steht, so ergibt sich daraus von selbst, daß diese Politik nur auf Erhaltung und Sicherung des Friedens gerichtet ist.

Dies bedeutet als Ausgangspunkt unserer Politik um so mehr, als Deutschland große Forderungen an die Zu­kunft zu stellen hat. Wir haben sehr wohl begründete Ansprüche und werden nicht erlahmen, diese mit zäher Geduld und unerschrockenem Mute zu vertreten, bis uns ihre Befriedigung sicher ist.

Wir werden aber dieses Ringen um unsere Zukunft nur mit friedlichen Mitteln austragen. Eine Möglichkeit, unsere In­teressen mit Ernst und Nachdruck zu vertreten, bietet uns der Völkerbund. Ich muß zwar feststellen, daß der Völkerbund oft genug die Erwartungen nicht erfüllt hat. die in ihn ge­setzt wurden-, ich will aber auf der anderen Seite auch mit Befriedigung anerkennen, daß es dem Völkerbund wieder­holt gelungen ist, ausgleichend zu wirken. Sein wahrer Wert wird sich erst erweisen, wenn es ihm gelingt, die ihm übertragenen großen Aufgaben zu lösen. Als solche betrachte ich jetzt vor allem die Durchführung der Abrüstung und eine loyale Regelung der Minderheitenfrage.

Wir erwarten von der allgemeinen Abrüstungskonfe­renz, daß sie der überspannten militärischen Bereitschaft zahlreicher Länder ihren bedrohlichen Eyarakter nimmt und das gleiche Recht aller Völker auf Sicherheit nicht nur anerkennl, sondern auch verwirklicht.

Dieses gleiche Recht auf Sicherheit ist für uns aber nicht ein relativer, sondern ein absoluter Begriff. Wir protestieren vor allem gegen die Hereinziehung der f a l s ch e n Kriegs- s ch u l d t h e s e in die Zusammenhänge der Abrüstungs- frage. Auch die Haltung der deutschen Regierung in der Minderheitenfrage, die sich völlig in der Uebereinstimmung mit der Ueberzeugung des deutschen Volkes befindet, erklärt sich aus unserer grundsätzlichen Friedenspolitik