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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis hersfelü

Nr. 52

Dienstag, den 3. März 1931

81. Jahrgang

Freiheit für Deutschlands Wirtschaft

Dr. Luther fordert gemeinsamer Handeln aller starken Kapitalkräste zur Rettung «er DSIKer

Zollermächtigung!

Soeben hat das Reichskabinett ein Zollermächtigungs­gesetz beschlossen, das sich auf den gesamten Komplex des Zolltarifs erstrecken soll. Dieses Gesetz schließt gewisser­maßen den Ring der Maßnahmen, die von der Regierung als notwendig angesehen werden, um der deutschen Wirt­schaft den Weg aus dem Konjunkturtiefstand ins Freie zu öffnen. Daß man dabei sich nicht einseitig auf die Agrar- zölle festlegt, ist begreiflich, da für die Wiederbelebung der deurschen Wirtschaft das deutsche Zollsystem den jeweiligen Verhältnissen auf dem Weltmarkt angepaßt werden muß. Wenn wir überhaupt aus unserem jetzigen wirtschaftlichen Elend herauskommen wollen, erscheint das nur möglich auf dem Wege systematischer Steigerung unserer Fertigwarenausfuhr. Unter dem schweren Drucke nicht nur der Reparationslasten, sondern auch der privat­wirtschaftlichen Auslandsschulden kann die deutsche Wirt­schaft ihre Stabilität, den normalen Ausgleich ihrer Zah­lungsbilanz nur dann sichern, wenn fk Exportüberschüsse entsprechenden Ausmaßes zu erzielen vermag.

Erscheint eine solche Entwicklung überhaupt möglich angesichts der Tatsache, daß die Weltkrise auch den deutschen Export nicht verschont hat? Denn im Jahre 1930 haben wir erstmalig nach einer Reihe von Aufstiegsjahren wieder einen Exportrückgang erleben müssen. Aber dieser hat sich in relativ so engen Grenzen gehalten zumal bei Berück­sichtigung der Preisminderung, daß gerade die im Kri- senjahr 1930 bewiesene Widerstandsfähigkeit des deutschen Exports uns besondere Hoffnungen für die Zukunft gestattet. Im ersten Halbjahr 1930 ist der ameri- ^-U-Prozem, Dagegen der deutsche Export um nur 3 Prozent zurückgegangen. Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unserer Fertigwarenausfuhr wird es fein, in welchem Maße der Selbstkostenabbau der» deutschen Güter­erzeugung gelingt. Die Senkung des deutschen Gestehungs- kosten-Nioeaus verändert unser Verhältnis zum Auslande sehr wesentlich, verschafft uns einen erheblichen Vorsprung vor der fremden Konkurrenz. Professor" Dr. Dessauer- Frankfurt hat einmal dargelegt, das Land, das zuerst die Preissenkung durchführe und somit zuerst an das Ende der Krise gelange, werde auf dem Weltmärkte die sicherst« Chance haben. Auch der Reichsbankpräsident Dr. Luther hat in seiner vielbeachteten Ansprache vor dem Hauptaus- schuß des Reichsverbandes der deutschen Industrie die gleichen Gedankengänge entwickelt.

Im Hinblick auf die fortschreitende Technisierung der Welt und den damit verbundenen Bedarf an deutschen Pro- duktidnsmitteln, in Anbetracht der Hebung der Lebenshal- tungsansprüche in aller Welt, die die Nachfrage nach quali­fizierten deutschen Gebrauchs- und Luxuswaren fördert, dürfen wir hoffen, daß es uns gelingen wird, den Export­überschuß zu einer normalen Dauererscheinung unseres Wirtschaftslebens zu machen und dabei einen wesentlichen Baustein zum Wiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft zu schaffen. Viele Wege, die ins Freie führen, sind uns leider durch unsere politische Ohnmacht verbaut. Dieser steht offen, und wenn wir ihn entschlossen gehen, wenn es uns gelingt, unsere Gläubigerländer mit deutschen Fertig­waren geradezu zu überschwemmen, dann wäre auch die Revision des Aoung - bzw. des Versailler Vertrages wohl in greifbare Nähe gerückt.

Wie sehr eine solche Entwicklung, die für die gesamte deutsche Wirtschaft eine entscheidende Wendung bedeuten würde, im Rahmen der Möglichkeit, ja, der Wahrscheinlich­keit, liegt, ergibt sich u. a. auch aus der Tatsache, daß fast unsere gesamten Industrien in ihrer Rentabilität und ihrem ganzen Bestehen normalerweise durchaus auf den Export angewiesen sind. Soweit man bei der Nachkriegswirtschaft von einem Normalzustände überhaupt sprechen kann, sind wir einem solchen zweifellos in der Periode 1927/28 am nächsten gewesen. Zu jener Zeit ergab sich für die Aus­fuhrabhängigkeit wichtigster Gruppen der deutschen Fertig- industrie folgende Rangordnung: Mufikinstrumentenbau mit 75 Prozent der Erzeugung ausfuhrabhängig, Spiel- warenindustrie mit 60 Prozent, Glasindustrie mit über 50 Prozent, Feinkeramik und Werkzeugindustrie mit je 50 Pro­zent, Metallwarenindustrie, Eisen- und Stahlwarenindustrie mit je 40 Prozent, Feinmechanik, Optik, Seidenindustrie mit je 33% Prozent, chemische Industrie und Kali-Bergbau mit 30 Prozent, Maschinen- und Fahrzeugbau, Großeisenindu- strie und Papierindustrie mit je 25 Prozent, Elektrotechnik, Leder- und Lederwarenindustrie, sowie Kautschukwaren- industrie mit je 20 Prozent. Seitdem ist der Ausfuhranteil am Absatz der tatsächlichen Erzeugung beträchtlich gestiegen, nicht nur infolge des Rückganges im Jnlandsgeschätz, son­dern auf Grund der starken Expansion des deutschen Aus­landsabsatzes. Wie sehr sich das in einzelnen Branchen auswirkt, zeigt das Beispiel der Bereifungsindustrie, m deren Gesamtabsatz der Exportanteil von 1928 auf 1929 von 9,5 auf 15,1 Prozent gestiegen ist. Aehnliche Entwicklungen sind auch noch bei vielen anderen Industriezweigen fest­zustellen. Es besteht also kein Zweifel, daß wir in einer systematischen, durch eine kluge Handelspolitik unterstützten Steigerung unserer Fertigwarenausfuhr eines der wesent­lichsten Mittel zur Verbesserung unserer Lage vor uns taten.

Forderungen Luthers

Die Wirtschafts- und Währungslage Deutschlands.

Leipzig, 2. März.

Auf dem großen Eröffnungsbankett der Leipziger Messe hielt Reichsbankpräsident Dr. Luther einen eingehenden Vortrag über die Gesamtlage der deutschen Volks- und Geld­wirtschaft. Er hob dabei hervor, daß der Besuch der Messe auf ihn die größten Eindrücke von Deutschlands Schaffens­kraft gemacht hätte.

Diese Eindrücke bestätigten erneut seine Ueberzeugung, daß das deutsche Volk durch alle Schwierigkeiten hin­durch, den Weg zur gesunden Entwicklung der ihm innewohnenden Kräfte finden würde.

Er kam dann auf den Verkauf der Reichsbankvorzugsaktien an ein internationales Bankenkonsortium mit französischer Beteiligung zu sprechen. Verschiedentlich, vor allem in Frankreich, habe man versucht, an diese an sich geringfügige Angelegenheit politische Folgerungen zu knüpfen. In Deutsch­land selbst habe man diese Angelegenheit wieder in Zusam­menhang mit derPumpwirtschaft des Reiches" gebracht. I Gegenüber dieser und anderer Kritik betonte Dr. Luther, / daß es notwendig sei,

sich vor Augen zu halten, was das Reich seit einem Jahre in der Ordnung seiner Finanzen geleistet habe, obwohl heute % der Bevölkerung ein erwerbsloses Viertel miternähren müßtan.

Der Reichsbankpräsident kam dann auf die ebenfalls in letzter Zeit mehrfach in die Diskussion geworfenen Wäh- rungsexperimente zu sprechen und erklärte mit Entschieden­heit, daß die Machtmittel der.Reichsban :zg^ eiwr Jlchwmm vurchaus genügend seien. Nur eine Gefahr könne drohen, daß nämlich zum Schutze der Währung Maß­nahmen ergriffen werden müßten, die das Wirtschaftselend und die allgemeine Not noch vergrößerten. Weiter kam Dr Luther auf das Reparationsproblem zu sprechen und hob hervor, daß die marktwirtschaftliche Ordnung der Dinge der Menschheit außerordentliche Fortschritte gebracht habe.

Daraus erkläre sich die immer mehr auch international sich durchsetzende Erkenntnis, daß die Reparations­leistungen den marktwirtschaftlichen Organismus der Welt immer mehr untergraben.

Deutschland brauche billiges Kapital, um die Ausfuhr zu steigern und die produktiven Kräfte der Landwirtschaft voll zu entfalten. Die immer stärkere Absperrung des Auslandes gegen die deutsche Einfuhr habe automatisch eine Verminde­rung auch der deutschen Einfuhr zur Folge. Daraus er­kläre sich der mehr und mehr zutage tretende Rückgang des allgemeinen Warenverbrauchs, und damit die Zunahme der wirtschaftlichen Depression Beim Abschluß des Doung- Planes habe der Kreditgedanke eine entscheidende Rolle ge­spielt. Man habe damit gerechnet, daß durch das Hinein­strömen billigen Geldes nach Deutschland die Reparations­zahlungen erleichtert würden, bis echte Produktionsüberschüsse zur Verfügung stünden Die tatsächliche Entwicklung habe dieser Hoffnung in gar keiner weise entsprochen.

Was notwendig sei, sei gemeinsames handeln aller star­ken Kapitalkräste der Welt zur Rettung der Völker, zur Rettung der Kulturwelt.

Voraussetzung sei dabei der Verzicht auf die Verbindung poli­tischer oder politikähnlicher Forderungen mit der Kapital- gewährung. Der Ioung-Plan weise der Bank für inter­nationalen Zahlungsausgleich eine führende Rolle bei der Erfüllung* dieser Aufgabe zu.

Schacht und die Reparationen

Stockholm, 3. März.

Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht machte hier Pressevertretern gegenüber Ausführungen über die ge- ; genwürtige Lage der Reparationspolitik. Dr. Schacht sprach die Ansicht aus, daß Deutschland seine Schulden bezahlen könne, wenn man ihm das Recht gebe, zu arbeiten.

Wenn Deutschland die Möglichkeit habe, Geld zu ver­dienen, könne und werde es auch zahlen.

An eine Herabsetzung der Kriegsschulden dächten im Augen­blick nur die Idealisten, deren Einfluß nicht groß sei. Auf die Frage, was geschehen werde, wenn Deutschland nicht bezahlen könne, erklärte Dr. Schacht, es werde dann zum Bankrott gezwungen sein, aber er hoffe, daß das Ausland Bedenken tragen würde, es zu dieser Eventualität kommen zu lassen.

Er glaube, daß Deutschland niemals von sich aus eine Bankrotterklärung abgeben werde.

Dr. Schacht sprach auch über die deutsch-französischen Be­ziehungen und erklärte, daß an einen Revanchekrieg kein vernünftiger Mensch in Deutschland denkt. Deutschland, so erklärte Dr. Schacht, lebe zu 20 Prozent von Salz und Brot und zu 80 Prozent von Hoffnungen. Dr. Schacht trat dafür ein daß Deutschland wenigstens einen Teil seiner Ko­lonien zurückerhalte wodurch sowohl ihm als auch der übri­gen Welt genützt wäre. Er betonte schließlich, daß der Doung-Plan nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt verpflichte, die Opfer bringen müsse, um die internationalen Wirtschaftsschwierigkeiten zu überwinden. Er hoffe, daß Deutschland dahin gelangen werde, daß es keine neue An- Mte mehr aufzunehmen brauche.

Der Volkstrouertag in Berlin. *

Anläßlich öes Volkstrauertages fand im Reichstag eine Ge­denkfeier statt, an der auch der Reichspräsident teilnahm. Nach der Feier ichritt er vor dem Reichstagsgebäude dir Front der aufgestellten Ehrenkompagnie ab.

Die Rrannschwriger Wahlen

Bürgerliche und sozialdemokratische Verluste.

_ ____ Braunschweig. 3. Mxxz,

Nachdem die Ergebnisse aus den einzelnen Bezirken über die Kommunalwahlen vorliegen, ergeben sich auf der Linken und Rechten folgende Stimmenverschiebungen: Im ganzen Freistaat Braunschweig wurden abgegeben für die Sozialdemokraten 113 210 (gegen 126 972 bei der Reichs- tagswahl 1930), Nationalsozialisten 84 611 (83 398), Som- munisten 26 232 (21 317) Stimmen, für die bürgerlichen Listen 61 157 (84 400). Das bedeutet einen Stimmenrück- gang für die bürgerlichen Parteien um rund 20%, für die Sozialdemokraten um rund 10%, einen Stimmengewinn für die Kommunisten von rund 20% und für die National­sozialisten von etwa 2%.

Keine Schlußfolgerungen auf das Reich möglich.

Braunschweig, 3. März.

Von den 13 braunschweigischen Landstädten haben eine nationalsozialistische Mehrheit erhalten neun Städte, und zwar Bad Harzburg, Blankenburg, Gandersheim, Helm- stedt, Holzminden, Königslutter, Schöppenstedt, Seesen unb Wolfenbüttel. In Stadtoldendorf ist das Verhältnis gleich zu gleich. In Schöningen stehen sieben Bürgerlichen acht Sozialdemokraten und Kommunisten gegenüber und in Escherhausen und Hasselfelde ist das Verhältnis fünf Linke zu vier Rechten. Von den sechs Kreistagen haben drei eine bürgerliche Mehrheit erhalten, und zwar Braunschweig, Helmstedt und Wolfenbüttel, eine Linksmehrheit ergibt sich in den Kreistagen von Blankenburg, Gandersheim und Holz­minden. - -

BerfaKnnasantrag der Bolkspartei höheres Wahlalter Wehr Wacht dem Reichspräsidentel

Berlin, 3. März.

Die Deutsche Volkspartei hat im Reichstag einen Ge setzentwurf zur Abänderung der Reichsverfassung ein'ge bracht. Danach soll das Wahlalter von 20 auf 25 Jahr, heraufgesetzt werden.

Der Artikel 24 soll folgende Fassung erhalten:Dei Reichstag wird vom Reichspräsidenten berufen und ge- schloffen. Die Berufung muß alljährlich, und zwar spätesten' auf den ersten Witkwoch des November, nach dem Sitz bei Reichsregierung erfolgen."

Schließlich soll folgender Artikel 51a eingeschaltet wer den:Der Reichspräsident ist zugleich Oberhaupt des Lan des Preußen. Ihm stehen in preußischen Angelegenheiter die Rechte zu, die sich durch sinngemäße Anwendung dei Vorschriften der Artikel 24, 25, 44, 46, 49, 53. 55, 70, 71 bis 74 auf das Land Preußen ergeben.

Das Nähere regelt ein preußisches Landesgesetz. Komm ein solches Landesgesetz nicht innerhalb dreier Monate nach dem Inkrafttreten dieses Artikels zustande, so erfolgt di« Regelung durch Reichsgesetz."

Theater-Brand in Mexiko

14 Tote und 20 Schwerverletzte als Opfer.

Mexiko, 3. März.

Ein Brand, der in der Nacht ;um Wontag um Witter- nacht in einem uralten Theatergebäude ausbrach, das jetzt als Variete benutzt wird, bat 14 Personen das Leben ge­kostet, während in der furchtbaren Panik, die unter den Zu­schauern entstand, 20 Personen schwer verletzt wurden. Der Brand ist dadurch entstanden, daß der Theatervorhana mit einem schadhaften elektrischen Leitungsdraht in Kontakt ge- riet und sich entzündete.