Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

yersfelöerTageblatt

*mta«Mttet Mt ttafrafttgt PetttzeSe 15 Pfennig, fitRtßammflt 50 Pfennig- (Grunöschrtst Korpus). Bei wkSerholungrn wir- ein entsprechenörr Preis­nachlaß muvShrt. Alle ölt Schrlstleitung »tränt- «pmtch: -ranz $unf in fjtrsftlö. Zernfprecher Nr.

Hersfelöer Kreisblatt [^£äe

ltlicker Rnxeiaer für den Kreis kersfeld | Zank, Lo^druckrrri in fittsftiö, ÜlitglFeö öt« vdZV.

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

druckerrt In fittsftlö, HUtglftö 6« VVZV.

Nr. 45

Montag, den 23. Februar 1931

81. Jahrgang

Ein unruhiger Sonntag

Kommunistische und nationalsozialistische Ausschreitungen Reichswehr zur Unterstützung der Polizei

12 Thesen zur Revisionspolitil

In der nächsten Ausgabe derEuropäischen Gespräche" veröffentlicht Staatssekretär 3. D. Frhr. von Rheinbaben folgende 12 Thesen mit dort abgedruckter eingehender Be­gründung, die eine Darstellung des Wesentlichen und Grund­sätzlichen im schwelenden Feuer zwischen Deutschland und Polen wiedergeben, und zwar in einer Form, die wirksamer und einprägsamer sein soll als vieles andere, was im Tages­kampf und Parteienstreit über die entscheidende deutsche Zukunftsaufgabe im Osten bisher bekanntgeworden ist. Woran dem Verfasser vor allem liegt, ist der Wunsch, die Notwendigkeit einer deutschen, durch Initiative, Zähig­keit und Systematik ausgezeichneten Gegenwirkung zu erhärten und für das unverrückbar vor uns liegende Ziel der Revision ein größeres Maß von Klarheit und" Wahrheit mitschaffen zu helfen, als es bisher zu Deutschlands schwerem Nachteil vorhanden ist.

1.Deutschland und das Deutschtum sind im Osten durch die Grenzziehung von Versailles und Genf um Jahrhunderte zurückgeworfen Kein konsolidiertes Deutschland wird sich jemals mit den heutigen' Grenzen abfinden. Ohne Grenzrevision kommt auch niemals die Z u - st i m m u n g Deutschlands zu einer politischen euro­päischen Organisation in Frage."

2.Die systematische Verdrängung von über 8 0 0 0 0 0 Deutschen aus den geraubten Gebieten seit 1919 ist eine nicht zu oergessmde brutale Ausnutzung der zeitweisen Schwäche des Reiches."

3.Die deutsche Politik handelte richtig, wenn sie in den abgelaufenen Jahren trotz der starken tatsächlichen und ge­fühlsmäßigen Widerstände den Versuch machte, zu einem

.wdus Lioend^mtt' Boten M romnMi. Dieser Versuch war allerdings unter den Deutschland zugemuteten Opfern über­haupt nur dann zu verantworten, wenn die Forderung auf Revision nicht nur innerlich vorhanden war, sondern auch deutlich international zum Ausdruck gebracht wurde."

4.Die preußische Minderheitenschutzpolitik hat sich als richtig erwiesen. Sie sollte auf die Reichsgesetzgebung aus­gedehnt werden. Die Voraussetzung für die Aufrechterhal­tung solcher Gesetze ist rücksichtsloses Vorgehen gegen den schon bisher festgestellten polnischen Versuch, die gewonne­nen Rechte und Freiheiten zur Hetze gegen das Deutschtum auszunutzen."

5.Die polnische Außenpolitik handelte von ihrem Standpunkt aus klug, wenn sie sich als Vorposten der euro­päischen Zivilisation gegen den Bolschewismus und als be­geistertes, friedensfreundliches Mitglied des Völkerbundes einkleidete Das Ziel, das Deutschtum in den geraubten Gebieten völlig zu vernichten und Danzig zu polonisieren, bleibt unverändert."

6.Deutscher Minderheitenschutz d die Revision der Ostgrenzen können in Genf nicht nebeneinander vertreten werden."

7.Die Berechtigung der deutschen Grenzrevisionsforde- rung leitet sich sowohl aus dem natürlichenKampf gegen Versailles" und den Imponderabilien des historischen Rin­gensDeutschtum gegen Polentum" her wie aus dem elementaren Wunsch jedes großen Volkes, in einem zusammenhängenden souveränen Staat zu leben. Die Grenz- revision ist also mindestens ebensosehr ein inneres wie ein äußeres Problem. Eine Sanierung des Ostens ist auf die Dauer ohne Grenzrevision undenkbar."

8.Die systematische Verletzung des im Minderheiten- schutzvertrage vom 28. Juni 1919 Polen auferlegten Ser- oitutes sowie der gegen 1919 erheblich veränderte Stand der internationalen Erforschung der Kriegs- Ursachen ergeben auch formalrechtliche Gründe für die deutsche Forderung auf Grenzrevision."

9.Die Anzahl der Menschen deutschen Volkstums, die weiterhin in dem für eine Grenzrevision in Betracht kom­menden Territorium leben, ist für die deutsche Revisions- forderung nicht wesentlich. Trotzdem muß selbstverständlich aus höchsten Gründen zur Erhaltung deutschen Volkstums. deutscher Sprache und Kultur der Minder­heitenschutz eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Außenpolitik sein."

10.Nicht nur Polen, sondern auch die Zeit ar­beitet gegen Deutschland. Wenn wir noch lange warten, wird Danzig dem polnischen Druck erliegen und Polen durch innere Methoden (Verwaltung, Agrarreform, Steuern, Justiz, Polizei) das Deutschtum bis auf kärgliche Reste vernichten. Das Jahr 19 3 7 bedeutet das Ende der Wirksamkeit der Genfer Konven­tion über Oberschlesien. Es muß also auch aus diesem Grunde dort vorher eine neue internationale Regelung erwirkt werden."

11.Eine Revision der Ostgrenzen wird niemals in direkten Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen möglich sein. Sie muß im Rahmen einer neuen internationalen Aktion gefordert werden, deren Zeitpunkt von der Entwicklung abhängt."

12.In der internationalen Entwicklung unserer Epoche ist eine starke Tendenz vorhanden, Wirtschaft- und Finanz­fragen, Rüstungs- und Grenzfragen unter der zusammen­fassenden FormelOrganisation des europäischen Friedens"

SLbMgchtes," .

Herr Tardieu hat unrecht, wenn er jede Revisionseines" Vertrages mit Krieg und Revolution gleichsetzt. Versperrt man so der Entwicklung diefriedlichen Mittel", dann kann man sich nicht wundern, wenn jedenfalls das deutsche Volk nicht länger an die Heil- und Wunderkraft des Völkerbundes oder irgendwelcher Friedensmanifeste zu glauben vermag. Deutschland muß endlich ein Mindestmaß nationalen Lebens- raumes und nationaler Lebensbedingungen erhalten, damit es sich endgültig und freiwillig mit der Niederlage von 1918 ab,zufinden vermag. Zu diesem Mindestmaß gehört eine andere Ostgrenze.

Sturm auf die Strahenvahn.

Köln, 23. Februar.

Etwa 240 S. A. - Leute der Nationalsozialistischen Partei unternahmen gestern vormittag einen Propaganda- marsch durch Köln-Suelz-Klettenberg. Auf dem Rückmarsch wollten einige Teilnehmer die Durchfahrt eines Straßen­bahnwagens verhindern. Der Straßenbahnfahrer wollte trotzdem weiterfahren. Da schlug ein S.A.Mann die Scheibe des Vorderperrons ein. Der Täter wurde zur Feststellung der Personalien der Polizeiwache vorgeführt. Am Römer- turm sollten die Personalien von einigen S.A.-Leuten festge­stellt werden, die verbotswidrig nationalsozialistische Unifor­men trugen. Die mit der Feststellung beauftragten Polizei­beamten wurden von den Rationalsozialisien umzingelt und tätilch angegriffen. Die sofort eingesetzte Bereitschaft der Schutzpolizei mußte erst von ihren Gummiknüppeln Ge­brauch machen, um die Beamten zu befreien. Die Ruhe ' wurde in kurzer Zeit wieder hergeftellt.

Die Kommunisten gehen zum Angriff über.

Eosel, 23. Februar.

Ein nationalsozialistischer Demonstrationszug von etwa 200 Mann wurde am Rathaus von etwa 50 Kommunisten Überfällen. Ein Arbeiter wurden durch einen Messer- stich schwer verletzt, mehrere andere Personen, dar- i unter einige Frauen, erlitten leichtere Verletzungen.

Das Reichsbanner marschiert auf

hörsing spricht in Berlin.

Berlin, 23. Februar.

Das Reichsbanner veranstaltete aus Anlaß des siebenten Grünüungstages der Organisation am Sonntag hier, wie im ganzen Reich eine Kundgebung. Zu dem Aufmarsch, der im Lustgarten gegenüber dem Schloß statt- fand, war der Führer des Reichsbanners, Hörsing, er- schienen. Die neugebildete Schutzformation (Schufo), die 1 nach den letzten Reichstagswahlen als Gegengewicht gegen / die nationalsozialistischen Sturmabteilungen gebildet worden ist, marschierte zum ersten Male in der Oeffentlichkeit auf. Der Lustgarten war, da mit Störungsversuchen gerechnet werden mußte, schon gegen 2 Uhr oonderPolizeiab- geriegelt worden. Gegen 3 Uhr war der Aufmarsch der uniformierten Abteilungen, die sich auf vier verschiedenen I Plätzen Berlins gesammelt hatten, um mit Fahnen und 1 Musik den Marsch nach dem Lustgarten anzutreten, beendet.

Der erste Vorsitzende des Reichsbanners, Oberpräsident a. D. H ö r s i n g, teilte in seiner Ansprache mit, daß bereits thu uuu Mitglieder im Laufe' der letzten Monate aus den Reihen des Reichsbanners herausgezogen und einer besonde­ren Ausbildung für die sogenannten Schutzformationen un­terworfen seien. Es handele sich nicht um Soldaten- j p i e l e r e i, sondern um eine Notwehr- und A b - weh'rhandlung. Ein Bürgerkriegserfolg der innerpo- litischen Gegner sei von heute ab unmöglich. Das Reichs- banner stehe bereit, jedem Ruf der legalen Staatsgewalt'zu folgen als Helfer der legalen Machtmittel des Staates. Seit Monaten werde er gedrängt, dem Reichsbanner auch ein po­litisches Programm zu geben. Nach wie vor lehne er dies strikt ab. Hörsing richtete dann an alle verantwortungsbe­wußten Republikaner die Bitte: Laßt uns nicht in Stich. Versorgt uns mit geistiger Munition. Gebt uns die große Parole zur Rettung des deutschen Volkes und organisiert die geistige Erneuerung der Republik. Gebt uns konstruk­tive Ziele. Mit einem dreifachenFrei Heil" auf das deutsche Volk und die deutsche Republik schloß Hörsing seine Rede, die von den Teilnehmern der Kundgebung begeistert ausgenommen wurde.

An verschiedenen Stellen versuchten k 0 m m u n i st i - sche Störtrupps unter Absingung der Internationale gegen den Lustgarten vorzustoßen. Die Polizei ging mehrfach mit dem Gummiknüppel vor und gab auch Schreckschüsse ab. In Neu-Kölln wurde nachts ein angeblicherRadioverein" ausgehoben und 68 Kommunisten festgenommen, weil sie Störungen der Reichsbannerveran­staltung berieten.

*

Politische Zusammenstöße in Stuttgart und Braunschweig.

Stuttgart, 23. Februar.

In der Nacht zum Sonntag kam es in der Gegend der Weißenburgstraße zwischen Nationalsozialisten und Reichs­bannerleuten zu größeren tätlichen Auseinander­setzungen, wobei es auf beiden Seiten Verletzungen aab.

Wolfenbüttel, 23. Februar.

Trotz des Verbotes politischer Demonstrationen hatten sich am Sonntag etwa 1000 Kommunisten aus Hanno­ver, Lehrte und Peine hier eingefunden. Die Polizei ver­suchte, die auf Lastkraftwagen Ankommenden abzudrängen. Dabei wurde sie mit Steinen beworfen, wodurch ein Be­amter verletzt wurde. Die Polizei ging darauf mit Gummiknüppeln und den Gewehrkolben vor, wobei achtPersonenVerletzungen erlitten. Zwölf Polizeibeamte waren von den Kommunisten eingeschlossen worden. Zwecks ihrer Befreiung war ein Truppenkommando in einiger Entfernung vom Schauplatz bereitgestellt worden, das aber nicht in Tätigkeit zu treten brauchte, da die Konunu- nisten, die das Anrücken bemerkt hatten, alsbald die Flucht ergriffen. Eine Anzahl Demonstranten wurde festgenommen.

Zwei unruhige Tage und Rächte.

Braunschweig, 23. Februar.

Bei dem Werbeumzug, den die N a t i 0 n a l so z i a l i - sten gestern nachmittag anläßlich ihres Gautages veran- 1 stalteten, kam es, wie bereits am Vortage und während der Nacht, zu mehreren Zusammenstößen, die ein Einschreiten der Polizei erforderlich machten. Eine Anzahl von Personen wurden verletzt, anscheinend mehr leichter Art. Ein Schwer­verletzter wurde ins Krankenhaus gebracht.

Auf dem Gaukongreß erklärte Hitler, der Kampf um die Seele des deutschen Volkes werde weiter gehen, bis eines Tages der Sieg errungen fei.

Hindenburg appelliert an die Deutschnationalen

Gesetzgeberische Mitarbeit gefordert.

Berlin, 23. Februar.

Auf eine an den Reichspräsidenten gerichtete dringende Bitte um durchgreifende Hilfe für die Landwirtschaft im Osten hat der Reichspräsident dem deutschnationalen Reichs­tagsabgeordneten Wege folgende Antwort erteilt:

Von Ihrem Schreiben vom 18. Februar habe ich mit vollem Verständnis für die im Landvolk der Grenzmark herrschende sorgenvolle und ernste Stimmung Kenntnis ge­nommen.

Ich verfolge die Lage der deutschen Landwirtschaft mit besonderem Interesse und begleite alle brauchbaren Vor­schläge zur Besserung der Rot namentlich im Osten mit täti­ger Mitarbeit. Durch die in den letzten Tagen vom Reichs­kabinett verabschiedeten Gesetzentwürfe soll dem Osten durch weitere vor der Verabschiedung stehende Maßnahmen der deutschen Landwirtschaft insgesamt eine durchgreifende und alsbaldige Hilfe gebracht werden. An meiner Mitwirkung hierbei hat es bisher nicht gefehlt und wird auch künftig nicht fehlen.

Leider muß ich aber zur Zeit Ihre und Ihrer Fraktions- kollegen praktische Mitarbeit bei der Gesetzgebung der Reiches vermissen.

Ich muß daher Ihren Appell an mich damst erwidern, daß ich an Sie und Ihre Parteifreunde den dringenden Ruf richte, bei den bevorstehenden, für die deutsche Landwirtschaft lebenswichtigen gesetzgeberischen Arbeiten nicht abseits zu stehen, sondern tatkräftig mitzuhelfen."

Dr. Wirth mahnt zur Vernunft

Breslau, 23. Februar.

Reichsinnenminister Dr. Wirth sprach gestern auf einer Kundgebung des Zentrums über die Weltwirtschafts­krise. Auf die deutschen Verhältnisse eingehend, erklärte der Minister, daß unsere finanzielle Lage zwar schwer, aber nicht so sei, daß heute von einer neuen Katastrophe gesprochen werden könne. Der Minister kritisierte dann scharf den Auszug der Rechten aus dem Reichstage. Er wies auf die Welle des Radikalismus hin, die durch das Volk geh«. Der Kapitalismus in seiner heutigen Form sei Gegenstand der Krise. Die auf Grund des Ausganges der Wahlen vom 14. September Deutschland entzogenen zwei Milliarden Aus­landsgelder würden nur bei einer vernünftigen Wirtschafts­politik zurückkehren. Vertrauen zu der Arbeit der Regieung fei notwendig. Das Erbe einer neuen Katastrophe würde nicht der Nationalsozialismus, sondern der Kommunismus antreten.

Das Mittelmeerflotten-Problem

London, 23. Februar.

Der diplomatische Korrespondent desObserver" bezeich­net die von Paris ausgehenden Meldungen, nach denen man eine Lösung des Mittelmeerflottenproblems bereits ge­funden habe, als verfrüht.

x Wieder Unruhen in Bombay.

Bombay. 23. Februar.

Während eines Demonstrationszuges indischer Nationa­listen durch die Hauptverkehrsstraße der Stadt hat die Polizei, die mit einem großen Aufgebot mit Mannschaften zur Stelle war, 400 Teilnehmer verhaftet.