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Htrsfel-erTageblätt

Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Rersfdd

Nr. 41 Mittwoch, den 18. Februar 1931 81. Jahrgang

Verschärfte Krise in Madrid

Sanchez Guerra scheiterte an den Republikanern König Alfons Thron ist stark gefährdet

Am eine Krone

Ueber Nacht ist Spanien in den Vordergrund der euro­päischen Politik getreten. Zur Ruhe ist das Land schon seit Jahr und Tag nicht mehr gekommen. Als König Alfons vor nunmehr fast acht Jahren die Verfassung aufhob und Primo de Rivera zum Diktator bestellte, da konnte zunächst unter den Machtmitteln dieser Diktatur äußerlich die Ruhe verbürgt werden. Aber wie überall Gewalt und Druck Gegendruck und Auflehnung erzeugen, so auch in Spanien. Das spanische Volk hat sich mit der Diktaturherrschaft Primo de Riveras niemals abgefunden. Das System wurde ab­gelehnt in den Kreisen der Granden wie in denen der Intel­lektuellen und der Arbeiterschaft. Es war ein Trugschluß des Königs, wenn er geglaubt yaben sollte, daß er diese so er­zwungene Ruhe zu einer natürlichen gestalten könnte. Es ist oft gesagt worden, daß der König mit Primo de Rivera selten übereingestimmt habe, daß er sich aber selbst in der Hand des spanischen Diktators befunden hätte.

Als nach rund siebenjähriger Herrschaft Primo de Rivera zurücktrat, geschah es mit einer öffentlichen Erklä­rung, daß der König beabsichtige, durch den Nachfolger des ersten Diktators dieses System zu liquidieren und es in ver­fassungsmäßige Zustände zurückzuführen. Zum Liquidator wurde damals General Berenguer berufen, ohne daß aber dieser Personenwechsel die immer stärker zutage tretende unterirdische Gärung zu dämpfen vermochte. Der Diktatoren­wechsel erregte nur neue Mißstimmung gegen den König und die Monarchie überhaupt, da man die wichtigsten staats­bürgerlichen Rechte des Volkes durch sie zu werke berück- Migt in der die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustande erfolgen sollte, stand seltnem im Mittelpunkt des politischen Kampfes, wobei ulle Gegner der Monarchie durch den Ruf nach einer oerfassunggebenden Nationalversammlung ihrem Ziel näher zu kommen hofften.

Nach den Aufständen in Jaca und Madrid im Dezember, Die die Entschlossenheit der Republikaner zeigten, setzte Lerenguer, nachdem sehr viel kostbare Zeit verloren war, endlich einen Zeitpunkt für die Wahlen einfacher, nicht- verfassunggebender Cortes fest, stieß aber sofort auf den Boykott fast aller links von den Konservativen stehenden Politiker und Gruppen. Auch die Ende Januar ausge­sprochene Drohung mit der Fortsetzung der Diktatur machte keinen Eindruck auf die Opposition.

Am 1. März sollte das Parlament zusammentreten, und zwar auf Grund der Bestimmungen, die vor der Diktatur bestanden hatten. Das Land aber forderte die Berufung einer verfassunggebenden Nationalversammlung mit dem Recht, auch über das Schicksal der Monarchie zu entscheiden. Vorübergehend schien noch eine Lösung auf Grund eines Lermittlungsoorschlages der Liberalen möglich, nämlich die Tortes einzuberufen mit der Aufgabe, die Wahl der Natio­nalversammlung zu beschließen. Aber die politische Entwick- ung in Spanien treibt wie eine Flut vorwärts. Der Vor- chlag wurde abgelehnt, und der König sah sich gezwungen, Die Wahlen abzusetzen und den Versuch zu unternehmen, -ine Regierung zu bilden, die Vorschläge im Sinne des Volkswillens auszuarbeiten hätte.

Für den König ist es gewiß nicht leicht, den Mann zu ünden, der stark und einflußreich genug ist, um das Volk zu besänftigen und gleichzeitig die Monarchie zu sichern. Der König hat den linkskonservativen Politiker Sanchez Guerra mit der Bildung des neuen Kabinetts beauf- iragt, der nach einer längeren Unterredung mit dem König erklärte, daß er die ernste Absicht habe,die beste Regie­rung zu bilden, die unter den gegenwärtigen Umständen möglich ist, um den Weg für ein verfassungsmäßiges Par­lament vorzubereiten." Wenn der König auf Guerra zu- rückgriff, um seinem Lande Ruhe und seiner Dynastie Sicher­heit zu geben, dann ist das das beste Kennzeichen dafür, daß Die Entscheidungsstunde für die spanische Monarchie geschla­gen hat. Es scheint fast, als habe Guerra dem König keinen Zweifel darüber gelassen, daß ein Bürgerkrieg nur zu ver­meiden sein wird, wenn er selbst die Austragung der Frage Monarchie oder Republik?" vorbehaltlos zuläßt. Guerra hat bekanntlich vor rund einem Jahre an jenem Putsch mitgewirkt, der die gewaltsame Niederwerfung der Diktatur zum Ziele hatte. Der Versuch scheiterte, und Guerra wurde zehn Monate auf einem Kriegsschiff gefangengehalten, bis ein Generalsgericht seinen Freispruch herbeiführte.

Guerra hat nach knapp zweimal 24stündigen Bemü­hungen auf die Kabinettsbildung verzichtet und dem König vorgeschlagen, den noch weiter links stehenden Reformistenführer A l v a r e z zu betrauen. Dieser . wird zweifellos versuchen, mit den republikanischen und sozialisti­schen Gruppen zu einer Einigung zu kommen. Von beiden liegt aber die schon oben erwähnte Erklärung vor, daß sie sich an eine Regierung nur beteiligen, sofern der König sich bis zur endgültigen Klärung der Verfassungsreform außer Landes begibt. Die Lage hat sich dadurch noch weiter zugespitzt, um so "mehr, als sich offenbar jetzt innerhalb der Armee die in o n a r ch i st i s ch e n E l e m e n t e anschicken, durch einen Staats st reich die Pläne der Linken zu ver­eiteln. Alles sieht danach aus, als stünde Spanien vor neuen ernsten Ereignissen.

Sanchez Guerra gescheitert

Absage der Linken. Undurchsichtige Lage.

Madrid, 18. Februar.

Die spanische Krise hat bisher noch keine Lösung ge­funden. Sanchez Guerra hat auf die Kabinettsbildung ver­zichtet und dem König empfohlen, Melquiades Alvarez mit der Regierungsbildung zu betrauen.

Der Verzicht Guerras ist zweifellos auf die Ableh­nung der politischen Gefangenen, an der neuen Regierung mitzuwirken, zurückzuführen. Guerra hatte sich selbst in das Zentralgefängnis begeben, wo er in einer Unter­redung mit dem rechtsrepublikanischen Führer Alcala Za- mora und mehreren Sozialisten diese aufforderte, an einet von ihm zu bildenden Regierung -teilzunehmen. Als er das Gefängnis verließ, bekundete Sanchez Guerra großen Unwillen. Er erklärte, daß die politischen Gefangenen ihre Mitarbeit in der neuen Regierung verweigert hätten.

Zu dem verzicht Guerras soll auch beigetragen haben, daß Alvarez für seine Beteiligung am Kabinett Bedingun­gen aufstellte, die den weiteren Verhandlungen große Schwierigkeiten bereiteten. Er wollte sich nämlich nur be- teiligen, wenn Romanones und Garcia prieto nicht in die l Regierung mit ausgenommen würden.

Alba lehnt ab

Räch dem Petit Parisien erklärte Santiago Alba, er habe das Angebot Sanchez Guerras, der ihm ein Ministe­rium, das er sich wählen könne, angeboten habe, ausge- ! schlagen, weil er weiter in politischer Zurückgezogenheit leben wolle. Die Krise, so habe Alba erklärt, werde lange dauern, aber friedlich gelöst werden.

4 Die Rolle Rsmg Airstts

Die Agentur Fabra teilt mit, sie habe für das hier um- laufende Gerücht, wonach Sanchez Guerra vor Annahme des Auftrags, das neue Kabinett zu bilden, dem König die Bedingung gestellt Habs, daß er Spanien für einige Zeit verlassen möge, keine Bestätigung erlangen können. Im übrigen ^beschäftigt sich die Oeffentlichkeit in zunehmendem Maße mit der Stellung, die der König von Spanien in der jetzigen Krise eingenommen hat.

Man geht davon aus, daß König Alfons die Forderung Sanchez Guerras, seine Funktionen während der Tage der s Konstituante ruhen zu lassen, angenommen habe. Diese Forderung Sanchez Guerras gegenüber dem König wäre noch dadurch besonders peinlich, wenn es zutrifft. was in der Presse behauptet wird, daß der König die Verpflichtung übernommen habe, in einem zu veröffentlichenden Dokument die von ihm gebilligten Bedingungen bekanntzugeben. So unwahrscheinlich es auch klingt, der König soll alles ange­nommen haben.

Wenn die verfassunggebende Versammlung das Verhal­ten des Königs als gerechtfertigt anerkennt, sollen sich seine Gegner verpflichtet haben, ihm alle seine Rechte zurückzu- geben und sich ihm gegenüber als loyale Untertanen zu betrachten.

Zunehmende Beunruhigung. Militärrevolte in Lordova

Generalstreik droht. Unkontrollierbare Gerüchte.

Madrid, 18. Februar.

In der politischen Lage war bis gestern abend keine Klä­rung eingetreten. Die Folge ist, daß sich allerlei unkontrob lierbare Gerüchte überstürzen. So verlautet z. B. in polilk scheu Kreisen, daß der Belagerungszustand prokla- miert und eine neue Militärdiktatur eingesetzt werd» General S a r o wird als der genannt, der die Macht über­nehmen wird. Aus anderen Kreisen wiederum heißt es, war stehe unmittelbar vor der Ausrufung des Generalstreiks. D« Erregung ist ungeheuer groß. Tatsache ist, daß am RachmiK tag die Pressezensur wieder hergestellt worden ist unk daß auch eine Kontrolle über alle, Telefongespräche eingeführj worden ist.

Die angekündigten außerordentlichen Maßnahmen sind durch die Drohung eines Generalstreikes hervorgerufen wori den, der heute ausbrechen soll. Man erwartet, daß der Be­lagerungszustand verkündet wird. Was das neue Ministe rium anbetrifft, soll es sich aus den meisten Mitgliedern der zurückgetretenen Kabinetts zusammensetzen und General B e renguer wieder zum Ministerpräsidenten haben. Andern­falls würde eine neue Diktatur errichtet werden, deren Füh­rung General Saro übernehmen soll. In Madrid wird auch von einem Mllitäraufstand in Cordova gesprochen. Bis­her weiß man aber noch nicht, gegen wen Dieser Aufstand gerichtet ist. Truppentransporte nach Cordova sollen vor­bereitet werden. Die einzige offizielle Tatsache ist vorläufig die Wiederherstellung der Zensur.

Madrid Dementiert

Mocharchistischcs Konzentrationskabinett?

Madrid, 18. Februar.

Das Gerücht von der bevorstehenden Einsetzung einer neuen Militärdiktatur wurde abends um 20 Uhr formell dementiert. Wie verlautet, sind Bestrebungen im Gange, ein sogenanntes Kabinett der monarchistischen Konzentration zu bilben, jedoch war nichts Genau««- über die Persönlichkeit zu erfahren, die mit diesem Auftrag« betraut werden soll.

Staatspräsident Svinhufvud.

Zum finnländischen Präsidenten wurde Ministerpräsident Svinhufvud gewählt.

Das Agrarprogramm vor dem --- ReichsKabinett

Berlin, 18. Februar.

Das Reichskabinett erledigte gestern unter dem Vor­sitz des Reichskanzlers laufende Angelegenheiten und verab­schiedete auch den Entwurf eines zweiten Gesetzes über die Mündelsicherheit von Wertpapieren und Forde­rungen.

Das Reichskabinett nahm dann den Vortrag des Reichs­ministers für Ernährung und Landwirtsachft über das künf­tige Agrarprogramm entgegen, wie es in ausführ­lichen Besprechungen mit den berufenen Vertreter der Land­wirtschaft aufgestellt worden ist. An den Vortrag schloß sich eine eingehende Generaldiskussion an. Die Beratungen sol­len in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.

Englands Finanzkrise

Steuererhöhungen. Wachsende Arbeitslosigkeit.

London, 18. Februar.

In einer Versammlung der Unterhausfraktion der Ar­beiterpartei erregte S n o w d e n Auffehen, als er erklärte, daß Budget werde voraussichtlich einen Fehlbetrag von etwa 50 Millionen Pfund Sterling aufweifen. Er beabsichtige nicht, sich für eine Senkung der Löhne oder der Arbeitslosenunter­stützungen einzusetzen. Angesichts der schweren Finanzkrise werde man unter Umständen eine Steuererböhung vorney- men müssen, um das Vudaet ins Gleichgewicht zu bringen, er hoffe jedoch, daß es nicht notwendig fein werde, die di- reffen Steuern zu erhöhen. Die Arbeiter würden unter Um­ständen vorläufig auf Pläne einer sozialen Entwicklung ver­zichten. Augenblicklich bestehe keine Aussicht auf eine sofor­tige Besserung der Lage. Die Zahl der Arbeitslosen werde wahrscheinlich eher zunehmen als abnehmen.

WerK-.und Waffenspionage

Sieben sensationelle Verhaftungen.

Prag, 18. Februar.

Die Blätter berichten über die sensationalle Verhaftung von sieben Personen, die sich der Industrie- und Waffen- Spionage bei der Brünner Waffenfabrik schuldig gemacht haben sollen. Das Haupt der Spionageaktion soll der Wiener Journalist S o u d e ck sein, dem es gelang, in die Lieferungen von Korrespondenzen der Waffenfabrik Einblick zu gewinnen. Im Zusammenhang mit einer Untersuchung wegen Entwen­dung von Herstellüngsgeheimnissen einer Präger Firma (Gasschutzmittel) sollen der Präger Fabrikant Havlicek und sein Portier verhaftet worden sein.

Psadsinderprozeh in Posen

Posen, 18. Februar.

Am 20. Februar beginnt in Posen vor dem Avpella- tionsgericht als Berufsinstanz der sogenannte Pfadfinder- prozeg gegen Dr. Burchardt, Mielke und Preuß Der erste Termin hat am 1. Mai 1930 unter Aussckstuß der Oef ent- lichkeit in Bromberg stattgefunden. Dr. Burchardt wurde damals zu einem Jahr Gefängnis, M'elke und P^^ ^u je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten Burchardt und Mielke haben bereits zehn Wochen Unter- suchungchaft hinter sich.