hersfelöerTageblatt
kersfelöer Kreisblatt FRetZ^Ctji^^
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Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Hersfelö i JunEs Bu*6tu<ftetl In IjtTsfelö, nHtglUö 6t« vdAvi |
Nr. 23 Mttlwoch, den 28. Januar 1931 81. Jahrgang
HyUiiiDWkir Mt deMHflt petitzeNr 15 Pfennig, MlttHamndtt 50 Pfennig. (Srun-fchrist Korpus). Bd MrS«cho!nng-m wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ♦ Für die Schristleitang verant» wsivlch: Kranz Zank in l-ersfeld. ♦ Fernsprecher Nr.
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Rechtskabinett in Frankreich
Leva! hat ein sich aus die Rechtsparteien stützendes Kabinett Briand — Maginot—Tardieu gebildet
Die Regierung Laval
Mit Briand, Tardieu und Maginot.
Paris, 28. Januar.
Die Bemühungen Lavals zur Bildung eines Kabinetts haben in der zweiten Morgenstunde des Dienstag zu einem Erfolg geführt. Trotz des Beschlusses der Radikalen Partei, sich an keinem Kabinett zu beteiligen, dem auch Mitglieder der Marin-Gruppe angehören, hat Laval sein Kabinett ge- bildet, das sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen- setzt. Ministerpräsident und Innenminister L a v a l, Justizminister Leon Berard, Außenminister Briand, Kriegsminister Maginot, Marineminister Jumont, Luflmini- ster Dumesnil, Finanzminister § l a n d i n, Budgetminister Pietri, Kultusminister Mario Roustan, Minister für öffent- liche Arbeiten Deligne, Ackerbauminister Tardieu, Handelsminister Rollin, Posiminister Guernier, Arbeitsminister Landry, Kolonialminister Reynaud, Hygieneminister Blai- sot. Minister für die Handelsmarine de Chappedelaine. Pen sionsminister Champetier de Ribes.
Insgesamt umfaßt das Kabinett 30 Minister und Unterstaatssekretäre, von denen 5 Senatoren und 25 Abgeordnete sind Die fünf Senatoren, die dem Kabinett angehören, verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: ein unabhängiger Senator, nämlich Laval; drei radikalk Senatoren, nämlich Charles Dumont, Mario Roustan und Jossot; ein Senator der Republikanischen Vereinigung: Leon Verard.
Die 25 Abgeordneten, die dem Kavinett angehören, verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt:
sechs Linksrepublikaner: Tardieu, Flandin, Rollin, Dignac, Pietri und Petsche;
fünf Abgeordnete der Rad i k a l e n Linken: Deligne, de Chappedelame, Guernier, Landry und Gaston Gerard;
.vier Mitglieder der demokratischen und sozialen Aktion: Maginot, Paul Reynaud, Francois Poncet und Frey;
drei Mitglieder der sozialen und radikalen Linken (Fraktion Franklin-Vouillon): Richö, Cathala und Morinaud;
zwei Sozial-Republikaner: Briand und Po- maret;
zwei Mitglieder der Republikanisch-Demokratischen Vereinigung: Fould und Blaisot;
ein Katholischer Demokrat: Champetier de Ribes;
zwei Parteilose: Dumesnil und Foulon.
Ein Rechtskabinett
Wenn man sich diese Liste genau ansieht, kommt man zu der Feststellung, daß sie im wesentlichen eine Neuauflage der Kabinettsliste Tardieus ist. Es sind lediglich jene Persönlichkeiten nicht wieder ins Kabinett berufen worden, die in irgendeine Beziehung zum Oustric- Skandal gebracht werden. Es handelt sich also um ein starl rechtsorientiertes Kabinett, in welchem Tardieu mit der Po- incare- und Marin-Gruppe einen beherrschenden Einfluß ausüben werden. Es wird erklärt, daß selbst Painleve feine Mitarbeit in dem Kabinett Laval ablehnte, weil es ihm zu stark rechtsgerichtet erscheint. Der ständige Widersacher Brian.-s, Franklin-Bouillon, der noch vor dem Sturz Tardieus die scharfe Attacke gegen Briand ritt, wäre um ein haar Kultusminister in dem neuen Kabinett geworden, wenn Briand davon nicht seine Mitarbeit abhängig gemacht hätte.
Absage der Radikalen
Laval war zweifellos bestrebt, eine Zusammenarbeit mit der Radikalen Partei zu ermöglichen. Diese hat aber in ihrer entscheidenden Sitzung nach zum Teil sehr erregter Aussprache beschlossen, sich an die Beschlüsse des Parteikongresses von Grenoble zu halten, die jede Zusammenarbeit mit den Rechtsfraktionen der Kammer verbieten. Mehrere Redner sollen in der Aussprache gebeten haben, sich die Entscheidung reiflich zu überlegen, denn wenn die Radikalen die Beteiligung an der Regierung ablehnten, würde die Schaffung einer republikanischen Konzentration stark gefährdet werden. Eine andere Gruppe, zu der Caillaux und Chautemps gehören, ist dagegen nicht nur für die strikte Jnnehaltung der Kongreßbeschlüsse von Grenoble eingetreten, sondern versuchte, einen Beschluß herbeizuführen, alle Mitglieder aus der Partei aus- zuschließen die sich bereit finden sollten, mit Vertretern der Marin-Gruppe in der Regierung zusammenzuarbeiten. Schließlich wurde eine Tagesordnung fast einstimmig angenommen die erneut eine Zusammenarbeit mit der Marin- Gruppe ablehnt, wenn andererseits auch hervorgehoben wird, daß Laval loyal bemüht gewesen sei, eine gemäßigte Regierung zustande zu bringen.
In der französischen Presse wird ziemlich allgemein angenommen, daß die Stellungnahme der Radikalen erneut zwei feindliche Lager in der Kammer aufnchtet, die sich bis aufs Messer bekämpfen werden. Das Kabinett wird also um seine Position ständig zu kämpfen haben.
Die Radikalen dürften zwar kaum die rechtzeitige Verabschiedung des Budgets zu verhindern suchen, in allen anderen Entscheidungen aber stets in KampfstMWA W ^.m
stehen. Zweifellos spricht hierbei auch Wahltaktik mit, nachdem sich ergeben hat, daß ihnen die Sozialisten stark auf den Fersen sind. Wie groß die Mehrheit sein wird, auf die sich das Kabinett Laval stützen kann, ist vorerst noch nicht zu übersehen. Je nachdem, ob sich auf dem linken Flügel der Mittelparteien Absplitterungen vollziehen werden, dürfte die Mehrheit für das neue Ministerium etwa 30 bis 50 Stimmen betragen, sofern nicht einzelne Abgeordnete bei entsprechenden Fragen Rücksicht auf die ländlichen Verhältnisse ihrer Wahlkreise nehmen müssen.
Lavals erste MinisterprSstdentschast
Senator Laval ist jetzt zum ersten Male Ministerpräsident. Er ist der Sohn eines Fleischers und hat sich das Studium nur dadurch ermöglicht, daß er nebenher Stunden gab. Er ist jetzt 47 Jahre alt und war 1914 als sozialistischer Abgeordneter eines Pariser Vorortes in die Kammer eingetreten. 1919 bei den Wahlen des nationalen Blocks wurde er nicht wieder gewählt. Jahrelang hörte man nichts von ihm, bis er 1924 wieder in die Kammer eintrat, aber dieses Mal nicht mehr als Mitglied der Sozialistischen Partei, sondern ohne Parteizugehörigkeit. 1925=26 gehörte er den Kabinetten Painleve und Briand als Justizminister an. 1927 wurde er zum Senator gewählt. Im letzten Kabinett Tardieu zeichnete er sich als Arbeitsminister dadurch aus, daß er die j Sozialversicherung gegen starke Widerstände zur Verabschie- • dung bringen konnte. Laval gilt als ein Schüler von Briand, i der ihm besondere persönliche Sympathie entgegenbringt.
Freitag Regierungserklärung Lavals
Paris, 28. Januar.
Die neue Regierung Laval ist gestern nachmittag im Außenministerium zu ihrem ersten Kabinettsrat zufammen- getreten.
Aus dem amtlichen Kommunique über den Kabinettsrar geht hervor, daß sich die Minister fast ausschließlich mit der Vorbereitung der Regierungserklärung beschäftigt haben, deren endgültiger Wortlaut in späteren Kabinettsberatungen festgelegt werden soll. Nach einer Erklärung, die Laval am Schluß des Kabinettsrats abgab, wird sich die neue Regierung am Freitag nachmittag der Kammer und dem Senat vorstellen.
In den Wandelgängen des Senats, die sehr belebt waren, ist die verhältnismäßig schnelle Lösung der Krise mit sichtlicher Genugtuung begrüßt worden. Nach allgemeiner Ueberzeugung hätte eine Verlängerung der Krise mitten in der Budgetberatung und anderen wichtigen Debatten den Interessen des Landes sehr geschadet. Die Weigerung der Radikalen, sich an der Regierung zu beteiligen, wurde verschieden beurteilt. Dagegen wurde allgemein dem Geschick und der Zähigkeit des neuen Ministerpräsidenten Anerkennung gezollt, so daß man annehmen darf, daß das neue Kabinett auf keinen großen Widerstand in dem Senat stoßen wird.
Polen leugnet die Brest-Folter»
Warschau, 28. Januar
Ministerpräsident Slawe! besprach im Sejm die Haltung der Regierung in der Frage der Gefangensetzung mehrerer ehemaliger Abgeordneter in Brest. Er wies auf die Lage des Landes hin, das im vergangenen Jahr der Schauplatz einer staatsfeindlichen Agitation gewesen sei, die einerseits das Vertrauen zu Polen im Auslande zu untergraben und andererseits Wirren, die zu einem blutigen Konflikt führen konnten, heroorzurufen suchte.
Brest als starke Reaktion seitens der Regierung, sei das einzige Mittel gewesen, um dieses Treiben zu ersticken.
Slawek erklärte, daß er die Frage der Einkerkerung der ehemaligen Abgeordneten prüfe und stellte fest, daß die Disziplin in Brest streng gewesen, die Gefängnisordnung aber in keiner Weise verletzt worden sei. Es sei keineMiß- Handlung vorgekommen! Er sprach schließlich die Ansicht aus, daß die Regierung in Zukunft nicht gezwungen sein werde, zu Gewaltmaßnahmen zu greifen. Andererseits werde die Regierung auch in Zukunft der Methode treu bleiben, dem Staate durch wenig kostspielige Mittel Aufstände zu ersparen. Um 4.30 Uhr morgens kam es schließlich zur Abstimmung. Der nationaldemokratische Antrag wurde mit 232 Stimmen des Regierungsblocks gegen 150 Stimmen der Opposition abgelehnt. Der ehemalige Brester Gefangene Dubais machte hierauf einige Zwischen- rufe, worauf er vom Marschall ausgeschlossen wurde. Die Sozialisten verließen hieraus zum Zeichen des Protestes den Saal.
Flieger Lundberg, der Retter Mobiles f.
Stockholm, 28. Januar.
Hauptmann Einar Lundberg, der Retter Nobiles, der gestern nachmittag mit feinem Flugzeug über dem Exerzierplatz von Malmslätt abstürzte und dabei schwer verletzt wurde, ist gegen Abend seinen Verletzungen erlegen. Er hat nur ein Alter von 34 Jahren erreicht.
PolMe Einkehr?
Warschau, 28. Januar.
Im „Kurjer Warszawski" erklärte der bekannte polnische Publizist und ehemalige Senator Kuskowski, daß Deutschland in Genf alles erreicht hätte, was es tatsächlich gewünscht habe. Zaleski habe den Prozeß trotz großer Genialität verloren. Er habe eben eine ungewöhnlich schwierige Situation vor sich gehabt, die man dialektisch allein nicht habe meistern können. Das erste moralische politische Ergebnis sei die Tatsache, daß sich D e u t s ch l a n d als erfolgreicher Verteidiger der deutschen Minderheit Oberschlesiens erwiesen habe. Hierdurch sei ein verhängnisvoller Präzedenzfall geschaffen worden. Die deutsche Minderheit werde jetzt der Auffassung sein, daß die Protektion Berlins nicht wertlos sei.
Der sozialistische „R o b o t n i k" stellt fest, daß das sogenannte Duell Zaleski-Curtius mit einer schweren politischen Schlappe und empfindlichen moralischen Demütigung Polens geendet habe. Das Ansehen der Republik und ihre innerpolitischen Verhältnisse seien Gegenstand öffentlicher Aussprache und öffentlicher Verurteilung gewesen. Das Blatt verlangt die sofortige Einberufung des auswärtigen Sejmausschusses, um dem Land die Tatsache klarzumachen, daß das gegenwärtige System in der inneren Politik die Komplizierung der Außenpolitik nach sich ziehe.
Preußischer Landtag
Berlin, 27. Januar.
Präsident Barte ls eröffnet die erste Sitzung nach der Weihnachtspause mir einem Nachruf für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten Herold, der dem Preußischen Landtag 41 Jahre lang ununterbrochen angehört hat und der auch Alterspräsident der verfassungsgebenden preußischen Nationalversammlung gewesen ist.
Abg. H a a k e (Nat.-Soz.) erklärt sodann, der Preußische Landtag entspreche in seiner Zusammensetzung nicht dem politischen Willen der Bevölkerung.
Abg. W o j t k o w s k r (Komm.) verlangt die sofortige Beratung eines gegen die Polizei gerichteten Antrags, Abg. Steuer (Dn.) die sofortige Beratung eines Antrags, der sich mit den Verhällnissen bei der Kasseler Polizei beschäftigt. Diese Forderungen und ein weiterer Tagesordnungswunsch des Abg. S o b o t t k a (Komm.) scheitern an dem Widerspruch der Sozialdemokraten.
Die ersten acht Punkte der Tagesordnung müssen von der Tagesordnung abgesetzt werden, weil die National- sozialisten Wortmeldungen eingereicht haben.
Ohne Aussprache werden dann das Ausführungsgesetz zur Bereinigung der Grundbücher dem Rechtsausschuß, die Vorlage über den Elbinger Kraffohlkanal und das Diätengesetz für die Staatsratsmitglieder dem Hauptausschuß überwiesen.
Der II ran trag der Regierungsparteien, wonach die Wahlzeit der Mitglieder der Landwirtschaftskammern um weitere fechs Monate verlängert werden soll, wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Es folgt die gemeinsame erste Beratung der Novellen zum Grundvermögenssteuer- gesetz, zur Hauszinssteuerverordnung und zur Gewerbesteuer für 1931.
Mit diesen Novellen will die Staatsregierung den Bestimmungen Rechnung tragen, die in der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 über die Realsteuern enthalten sind. Die Grundvermögenssteuer wird um ein Jahr verlängert. Die Steuerbefreiung für die nach dem 31 3. 1924 fertiggestellten Wohnungsneubauten wird von fünf auf acht Jahre verlängert. Im neunten und zehn- ten Jahr soll nur die Hälfte der Steuer erhoben werden. Die Hauszinssteuer wird den Vorschriften der Notverordnung entsprechend geändert unter Anwendung der Ausnahmebestimmung, wonach nur die Hälfte der Wohnungsbaumittel dem Staate zuzufließen braucht. Die Gewerbesteuer wird gleichfalls den Vorschriften der Notverordnung angepaßt. Die Anrechnung des Gewerbeverlustes der beiden Jahre, die dem der Veranlagung für 1931 zugrunde liegenden Kalender- oder Wirtschaftsjahr voraufgegangen sind, soll nach der Novelle zulässig sein.
Die Novellen wurden mit den dazu vorliegenden Aende- /•ungsanträgen dem Hauptausschuß überwiesen. Die Ver- •jrbnung über die Beamtengehaltskürzung mi mit dem dazu von den Kommunisten eingebrachten Au^.bungsan- trag dem Hauptausschuß überwiesen.
Kauzlerbesprechungen
Berlin, 28. Januar.
Reichskanzler Dr. Brüning hatte eine Besprechung mit Vertretern der Sozialdemokratischen Partei, in der die von den Sozialdemokraten beantragte Staffelung bei der Kür- t:mg der Beamtengehälter erörtert wurde. Die Bes echun- »tn mit den übrigen Parteivertretern finden jetzt laufend