HersfelöeEageblatt
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hersfel-er Kreisblatt
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Nr. 16
Dienstag, den 20. Januar 1931
81. Jahrgang
Krifenstimmung in Genf
Vor der Debatte über die Abrüstungskonferenz — Die Minderheitenfragen als Belastungsprobe
Lee Bölterdund am Wendepunkt
Vor etwa 8 Tagen veröffentlichte ein bekanntes Wiener Blatt eine „Berliner Information", daß man in Berliner politischen Kreisen ernsthaft mit einer Regierungskrise, mindestens mit dem Rücktritt Dr. Curtius' rechne, falls ein von deutschnationaler Seite im Reichstag eingegangener Antrag angenommen werden sollte, der den Austritt Deutschlands aus dein Völkerbund verlangt. Diese Information war in doppelter Hinsicht falsch. Erstens trat an dem fraglichen Tage der Reichstag, wie behauptet wurde, gar nicht zusammen, zum anderen lag keinerlei Anlaß vor, von einem etwa eingehenden Antrag in dem angedeuteten Sinne eine Regierungskrise oder gar eine Auflösung des Reichstages zu erwarten. Trotzdem kennzeichnete diese Meldung in gewissem Umfange die Stimmung, die in bestimmten politischen Kreisen des In- und Auslandes herrscht, soweit es sich um die Frage: Deutschland und der Völkerbund, handelt. Dr. Curtius hat während seines Weihnachtsurlaubs in den Kreisen volksparteilicher Parlamentarier darauf hingewiesen, daß Deutschlands Stellung diesmal in Genf außerordentlich schwierig sein werde. Er ist aber mit der festen Absicht zur Völkerbundsratstagung gegangen, sich hier mit aller Energie für die deutschen Forderungen einzusetzen.
Es überrascht in Deutschland keineswegs, daß der polnische Außenminister, bevor er nach Genf reiste, mit Briand Rücksprache nahm, um, wie man annehmen darf, sich der französischen Unterstützung bei der Austragung des deutschpolnischen Konflikts zu versichern. Weniger bekannt sind die polnischen Bemühungen in Rom, Deutschland während der jetzigen Völkerbundstagung Und darüber hinaus in der europäischen Politik zu isolieren und einzukreisen. Nach einer Meldung der „Chicago Tribune" ist vor kurzem hiJJiflm eine ^üln- suche G e ^e Immission unter Führung eines polnischen Obersten eingetroffen, um „auf der Basis der engen italienisch-polnischen Freundschaft gemeinsame Sicherungen des europäischen Friedens zu besprechen". Man hat Näheres über diese polnische Geheimmission nicht erfahren, doch verlautet, daß Polen sich bemüht, in Rom den Eindruck zu erwecken, als ob die deutschen Minder- Heitsbeschwerden in Genf der Auftakt einer Grenz- revisionspolitik auch für Tirol anzusehen seien. Weiter wird behauptet, daß die polnische Geheimmission in Rom gewisse außenpolitische Vorschläge von prinzipieller Bedeutung gemacht habe, die sich einmal auf die Frage eines gemeinsamen Kampfes gegen den russischen Bolschewismus, zum anderen auf die Frage des Beitritts Polens zur Kleinen Entente beziehen sollen.
Wie gesagt, solche und ähnliche Gerüchte sind im Umlauf. Sie sind zunächst schwer nachzuprüfen. Andererseits muß man die Entwicklung der außenpolitischen Fragen heranziehen, um vergleichen zu können, ob in der einen oder anderen Frage sich Merkmale zeigen, die als Bestätigung dieser Gerüchte dienen könnten. In der Montagssitzung der nichtöffentlichen Beratungen des Völkerbundsrates gab es insofern eine Ueberraschung, als der Rat trotz der deutschen Beanstandung in der Besetzung des Völkerbundssekretariats Vorschläge des Sekretariats annahm, die deutlich eine Ignorierung der deutschen Wünsche erkennen lassen. Trotz des überragenden Einflusses Frankreichs und Englands wurden zwei weitere Direktoren dieser beiden Staaten und ferner ein Italiener in das Generalsekretariat gewählr. Die schon immer bestandene deutschfeindliche Front im Generalsekretariat des Völkerbundes hat sich auch hier wieder durchgesetzt.
Wenn man Pessimist ist, könnte man bereits aus diesen kleinen Auftakten Schlüsse ziehen auf den weiteren Verlauf der Tagung, die durch die Vorgänge in der Europa-Konferenz an sich schon eine gewisse Belastung zu tragen hat. Der deutsche Außenminister hat am Montag Gelegenheit genommen, im Zusammenhang mit der Aussprache im Europa- Komitee darauf hinzuweisen, daß die Reparations- b e l a st u n g Deutschlands auch die Verwirklichung des Europa-Gedankens erschweren muß. In Genf und darüber hinaus in diplomatischen Kreisen der verschiedenen Hauptstädte verschließt man sich der Erkenntnis nicht, daß Deutschland gezwungen ist, sich außenpolitisch aktiver zu zeigen, weil es Gefahr läuft, unter dem Druck der Interessen- und Gruppenbildungen in der europäischen Politik vollständig an die Wand gedrückt zu werden. Der Völkerbund steht deshalb vor einer Entscheidung. Wenn sich dieser Druck der Jnteressenbildungen weiterhin auf die Entschlüsse des Völkerbundes auswirkt, wie es schon immer der Fall war, dann kann der Zeitpunkt nicht mehr fern sein, wo Deutschland sich zu der Feststellung veranlaßt sehen muß, daß es keine Möglichkeit sieht, mit dem Völkerbund für die Durchführung jener Ideen einzutreten, die bei der Bildung des Völkerbundes aufgestellt wurden. Es ist vielleicht nicht zuviel gesagt, wenn man feststellt, daß die deutsche Regierung von dem Ausgang der Polenaussprache im Völkerbunds rat es abhängig macht, wie sie sich künftig zum Völkerbund stellt. Die Gerüchte von Rücktrittsabsichten des jetzigen Außenministers Dr. Curtius scheinen deshalb in erster Linie auf solche Erwägungen zurllck- zuführen fein. Versagt der Völkerbund in der Ahndung des Polenterrors, dann wird sich für Deutscl md die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Ueberprüfung seines Verhältnißes zum Völkerbund ergeben,
Bor bedeutiamen Entschridungen
Von unserem Genfer L-Sonderberichterstatter.
* Genf, 20. Januar.
Die erste Sitzung der Ratstagung war ausgefüllt mit dem, was man bei deutschen Parlamenten „Kleine Vorlagen" nennt. Berichte der Ausschüsse über Hygienefragen usw. usw. wurden ohne große Diskussion genehmigt. Lediglich die Ernennung von drei neuen Direktoren des Völkerbundssekretariats war geeignet, einiges politische« Interesse zu erwecken. Die drei Direktoren sind nämlich aus England, Frankreich und Italien genommen, obwohl man oft und feierlich versichert hatte, daß nun wirklich einmal auch die kleinen Nationen für die höheren Posten im Völkerbundssekretariat herangezogen werden sollen. Dr. Curtius wies auf diesen Widerspruch hin, blieb aber mit seinem Einspruch ganz allein. Solche kleinen Züge beleuchten manchmal besser als große Aktionen den Charakter, den der Völkerbund immer noch hat.
Die heutige Dienskagsttzung des völkerbundsrates gilt der Frage der Abrüstungskonferenz. Die Generaldebatte soll öffentlich sein. In geheimer Sitzung will man sich dann über Ort und Zeit der Konferenz unterhalten. Die deutsche Auffassung, daß nicht schon jetzt der Vorsitzende der Abrüstunys- konferenz bestimmt werden sollte, sondern daß man die Wahl der Abrüstungskonferenz selbst überlassen müsse, scheint eine Mehrheit zu finden. Damit wäre — wenigstens vorläufig — die Gefahr, Venesch-zum Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz zu bekommen, abgewendet.
Am Mittwoch sollen auf Wunsch Deutschlands die Polen betreffenden o st o b e r s chen MinLerhei tenbeschwerden und im Zusammenhang damit die Posen und Pommerellen betreffenden Beschwerden gemeinsam behandelt werden. Aaleski erklärte sich damit einverstanden. Politisch gehören alle diese Dinge zusammen wenn auch rein minderheitenrechtlich die Verhältnisse für Oberschlesien etwas anders liegen als für Posen und Pommerellen. Durch die gemeinsame Behandlung wird Gelegenheit gegeben sein, vor dem Völkerbundsrat ein abgerundetes Bild von der polnischen Politik gegen die deutsche Minderheit zu geben.
In der Rachmittagssitzung des Europäischen Studienausschusses am Montag konnte Dr. Curtius noch einmal auf die schwere Sonderbelastung Hinweisen, die Deutschland durch die Reparationszahlungen zu tragen hat.
Dr. Curtius hat diesen Hinweis nun schon zum zweiten Male in Genf gemacht, und man muß ihm dankbar sein, daß er jede Gelegenheit benutzt, um auch auf diese Dinge vor einem internationalen Forum einzugehen.
Das ist Europas Einigkeit
Nur beschränkte Einladung der Türkei und Rußlands.
Genf, 20. Januar.
Die von der europäischen Konferenz eingesetzte Kommission zur Prüfung der Frage, ob Rußland und die Türkei an den Arbeiten der Konferenz beteiligt werden sollen, hielt eine mehrstündige Sitzung ab. Der Kommission gehörten an: Dr. Curtius-Deutschland, Briand-Frankreich, Henderson-England, Grandi-Jtalien, Motta-Schweiz und Titulescu-Rumänien.
Räch einer eingehenden und teilweise sehr lebhaften Debatte hat man sich auf den Vorschlag geeinigt, die beiden Staaten zu den Arbeiten über die wirtschaftlichen Fragen einzuladen. Mit dieser Lösung ist die Kommission der
grundsätzlichen Frage über die generelle Teilnahme Rußlands und der Türkei an der geplanten Europäischen Union aus dem Wege gegangen. Die Frage ist also nach wie vor offen. Der Vorschlag der Sommsision wird nunmehr der Vollversammlung vorgelegt, die zunächst in nichtöffentlicher Sitzung Stellung nimmt.
Von der europäischen Wirtschafts- Konferenz
Die Wirtschaftsdebatte in Genf.
Genf, 20. Januar.
Die europäische Konferenz setzte Montag nachmittag die Aussprache über die Wirtschaftsfragen fort. Der norwegische Außenminister M o h w i n k e l sprach sich im Sinne der Erklärungen von Colijn für eine Herabsetzung der Zölle aus. Er wies auf die bestehende Zollunion zwischen Luxemburg und Belgien hin und die handelspolitische Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten mit Holland und Belgien, um anzudeuten, wie er sich die Gesundung der europäischen Wirtschaft denke. Der beligsche Außenminister H y - m a n s meinte, bei vielen Regierungen sei teilweise die Wahlpolitik schuld, wenn falsche Wege auf wirtschaftlichem Gebiet eingeschlagen würden. Diese Regierungen fühlten sich ver- ! pflichtet, in ihren Maßnahmen auf die Interessen von Son- 1 dergruppen Rücksicht zu nehmen; er wandte sich gegen die Präferenzwünsche der südosteuropäischen Staaten. Diesen Ländern könne am besten durch verbesserte Produktions- und Verkaufsbedingungen geholfen werden.
Der finnische Außenminister P r o c o p e übte scharfe Kritik an der Dumpingpolitik dieser Staaten und behandelte in seinen Ausführungen u. a. die Schaffung einer internationalen Landwirtschaitsbank.
Maginot über die Sicherheitsfrage
Paris, 20. Januar.
Der frühere Kriegsminister Maginot hat sich in einem Interview über die Sicherheitsfrage geäußert. Er stellte zunächst die Forderung auf, daß ein Land wie Frankreich für seine Verteidigung Heer und Flotte in dem Maße ausbauen müßte, in dem seine Mittel an Menschenmaterial und an Geld es ermöglichten. Notwendigerweise werde aber der Augenblick kommen, in dem die Ausgaben für die Landesverteidigung infolge der hohen Kosten und des Ueber- gewichtes des technischen Kriegsmaterials die finanziellen Mittel übersteigen. Frankreich sei im Begriff, diesen Punkt zu erreichen. Von diesem Augenblick an liege die Sicherheit des Landes nicht mehr in dem weiteren Ausbau seiner bewaffneten Streitkräfte, weil dieser durch die zu hohen Kosten behindert werde. Dann müßten die Maßnahmen nationaler Art zum Schutz der Sicherheit durch Maßnahmen internationaler Art ergänzt werden. Alle Bemühungen um die Errichtung des Schiedsgerichtssystems für internationale Konflikte und alle Versuche zu einer loyalen Beschränkung der Rüstungen müssen daher mit Interesse, ja mit Leidenschaft von allen denen unterstützt werden, die um die Zukunft des Landes besorgt seien.
Erdbeben vernichtet drei Städte
Mexico, 20. Januar.
Das letzte Erdbeben in Südamerika zerstörte die kleinen Städte Miahuatlan, San Petra Apostel und Ayoquesco vollkommen.
Bisher wurden 116 Tote geborgen.
Diese Zahl dürfte sich aber erhöhen, da die Rettungsmann- schaflen unter den Trümmern immer noch Leichen finden.
In der Rächt zum Montag wurden in den Staaten
- Oaxaca und Veracruz leichte Erdstöße wahrgenommen.
Reichsgründungsfeier iu Berlin
Im Berliner Sportpalast veranstaltete der Kyff- Häuserbund eine deutsche Weihestunde unter Teilnahme des Reichspräsidenten. Unser Bild zeigt in der Mitte den Reichspräsidenten, liuks Exz. d. Horn, Präsident des Kyff- Häuserbundes, im Vordergrund 2 Kürassiere vom Regt. Garde du Corps.