Brüning in Königsberg
Königsberg, 6. Januar.
Nach seiner Ankunft in Königsberg begaben sich der Reichskanzler und die ihn begleitenden Herren nach dem Oberpräsidium. In der Versammlung bemerkte man die markantesten Köpfe ostpreußischen Geistesleben.dleRektore der Universität und der Handelshochschule, den Bischof von Ermland, Generalsuperintendent D. Gennnch, Vertreter de Wirtschaft, Verwaltung und Presse. Auch der frühere Oberpräsident von Ostpreußen, von Batocki, war erschienen.
Als erster ergriff Oberpräsident Dr. S i e h r das Wort. Der Oberpräsident dankte dem Reichskanzler dafür, daß er durch seine Reise deutlich erkennbar den festem Willen der Reichsregierung und der Staatsregierung unterstreiche, nach der Befreiung der Rheinlande den östlichen Grenzgebieten des Reiches verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen und der durch die Grenzziehung nicht nur verstümmelten, sondern auch vom Reich räumlich völlig abgetrennten Provinz Ostpreußen und ihrem schweren Ringen um die Erhaltung ihrer Wirtschaft und Kultur und damit ihres Deutschtums behilflich zu sein. Der Kanzler werde jetzt Gelegenheit haben von den verschiedensten Seiten her die ganz besonders ernste und schwierige Lage Ostpreußens beleuchtet zu hören. Der Oberpräsident sprach sodann ausführlich über die Note, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Agrarnot unter besonderer Berücksichtigung der durch die Trennung vom Mutterlande bedingten besonderen Lage Ostpreußens. Alle Hufen,! erklärte der Oberpräsident, zielen nur darauf ab, später einmal überflüssig zu werden.
Sie sollen Ostpreußens Wirtschaft stark ur.d sein Kulturniveau hoch erhalten, damit Ostpreußen kraftvoll solange aushalten kann, bis einmal die wirtschaftliche Vernunft » der Welt sich wieder durchseht gegenüber der in Versmlles geschaffenen Unmöglichkeit der Zerschneidung Deutschlands in zwei voneinander getrennte Stücke. Gerade wer eine | wirtschaftliche Zusammenarbeit mit unseren polnischen Nachbarn aus wirtschaftlichen und politischen Gründen wünscht, der wird eine verständige Vereinbarung über die Regelung des Korridorproblems für unumgänglich halten. Die Provinz Ostpreußen jedenfalls wird auf ihr sehnlichstes Verlangen einer Wiederherstellung der gemeinsamen Grenze mit dem übrigen deutschen Vaterlande niemals verzichten können. Dir Ostpreußen wissen, daß in ernsten und kritischen Zeiten Verzagtheit und Uneinigkeit d,e schlechtesten Berater sind, wir wissen, was der ostpreußische Vorposten für Deutschlands Zukunft bedeutet. Wir kennen unsere. Aufgabe, wir kennen unsere Pflicht, wir wollen ehrlich und einmütig bestrebt sein, diese Pflicht gegenüber dem ganzen deutschen Vaterlande zu erfüllen.
Nach dem Oberpräsidenten sprachen Landesfinanzamts- direktor Weidemann, der Präsident des Provinzial- landtages von Berg- Markienen, Landeshauptmann Dr. Bl u n k, Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer, Landwirt- schaftskammerpräsident Dr. h. c. B r a n d e s, der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Königsberg, Litten, und die Präsidenten der Handelskammer und des .Landesarbeitsamtes
Sodann sprach Reichsminister Treviranus. Er führte im wesentlichen aus: Die politische Lage des letzten Jahres t__x „ -:n ..iuim «»s«rt «fcAuf harrt Wart har Notver- uanse, etwas zu mildern. Die Reichsregierung hat die undankbare Aufgabe, die Illusionen zu zerstören, als ob die Finanzkraft des Deutschen Reiches ausreicht, Unterstützungsmittel mit vollen Händen auszuschütten. Die politische Lage hat sich so entwickelt, daß Geld auf dem Auslands- oder Jn- landsmarkt nicht zu haben ist. Nur mit großer Mühe ist es dem Reich gelunaen, 165 Millionen zu erringen, um die dringendste Umschuldungsaktion durchzuführen. Ich weiß nicht, ob man sich in allen Kreisen über den außerordentlichen Notstand klar ist, in dem sich das ganze Reich befindet Wir wollen helfen. auch den Betrieben, die auf der Grenze zwischen krank und sterbenskrank liegen. Ich glaube, daß der Versuch gemacht werden muß, zwischen den Wünschen nach einer generellen Lastensenkung und der Prüfung des Einzelfalles die Möglichkeit zu finden, auch mit den bescheidenen Mitteln, die dem Reich zur Verfügung
______Der Mann_________
der das Lächeln verlernt hat
Roman von Gert Rothberg
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
In einem abgetrennten Raum im berühmten Hotel „Sacher" saßen an einem schönen Juniabend mehrere Ossiziere. Es war bisher recht lustig und auch ziemlich laut zugegangen. Als aber Baron Lodenhauer eine andere Sache aufs Tapet brächte, war man plötzlich leiser geworden. Eine ganz infame Sache war das.
Flüsternd unterhielten sich die Herren, bis Oberleutnant Prinz Liebenstein fragte:
„Ob er heute kommt? Es wäre ein starkes Stück! Aber zuzutrauen ist es dem Kentner schon. Der macht alles möglich."
Oberst Graf von der Staner lachte kurz auf. Es klang ärgerlich — nein, wütend.
„Daß der Mann so vor die Hunde gehen soll, ist einfach furchtbar. Ich könnte heulen oder ihn beim Kragen nehmen und schütteln — oder beides!"
Die Herren schwiegen.
Nach einer Weile meinte der kleine Graf Rittershausen:
„Aber daß man halt von der Beschicht' nie was gemerkt hat?! Viel eher hätt ich glauben können, der Kaltenberg hat was mit der Fürstin. Aber der Kentner? Da steh' ich vor einem Rätsel!"
„Das Schlimmste ist, daß der Fürst hinter die Sache gekommen ist. Der hat sich wenig genug um seine Frau gekümmert. Warum er nun auf einmal den Eifersüchtigen herauskehrt, bleibt Hall auch unerfindlich", sagte Franz Teschener, der Sohn vom Hofmarschall.
„Wenn wenigstens der Erzherzog Heut' kommen möcht'. Er ist doch auch ein enger Freund vom Kentner. Der wird doch alles versuchen, die Angelegenheit wieder ein- zurenken", sagte einer.
stehen, die Provinz in die Möglichkeit zu versetzen, aus ihrer Notlage herauszukommen.
3um Schluß erklärte Reichskanzler Brüning, mit der Erkenntnis der Notlage allein sei es nicht getan. Es habe sich herausgestellt, daß noch ein weiteres notwendig ist, nämlich Fehlerquellen zu entdecken, die bisher immer wieder alle Bemühungen in Ostpreußen und den Ostgebieten illusorisch gemacht hätten.
Der Kanzler fuhr dann fort: Wir wissen, daß eine gewisse Nervosität im Volke von Verlautbarungen jenseits der Grenze in den vergangenen Monaten in Ostpreußen eingetreten ist. Wir sind der Ansicht, daß ein Grund für eine solche Nervosität nicht vorhanden ist, wenn wir gemeinsam — Reichs- und Staalsregierung — alle Kräfte daran sehen, um zunächst einmal wirtschaftlich die eiternde Wunde im $^„ zu schließen. Das andere kommt und muß kommen. Den" "^ ~iM "m» ^erecbtiakeit.
Wir haben manchmal den Eindruck aus Stimmungen aus dem Lande, daß hinter dem Begriff der starken Taten gewisse experimentelle Entschlüsse liegen oder der Wunsch nach ihnen, zunächst einmal alles zu zerschlagen, um eine tabula rasa zu schaffen und dann alles von neuem wieder aufzubauen. Meine Herren, gegen diese Stimmung muß ich mich mit aller Schärfe wenden. Es gibt nur eines für uns, klar zu sehen, frei von Illusionen zu sein und uns auf die Lebensmöglichkeiten zurückzuziehen, die uns zurzeit gegeben sind und mit dem Vorhandensein hauszuhalten.
Um eines bitte ich Sie, sorgen Sie dafür, daß d>e Provinz Ostpreußen ihren ganzen Einfluß, ihre ganze politische Macht frei vom Extremen und Abenteuerlichen Halt. Ich verweise auf die Person des hochverehrten Herrn Reichspräsidenten, der diese Reise mit warmem Herzen verfolgt. Er ist uns ein Muster an Pflichterfüllung auch in der schwersten Zeit und wenn es ihm am wenigsten gedankt wird. Sie können versichert sein, daß Ostpreußen niemals vom Reiche aufgegeben wird.
Tilsit, 7. Januar.
Reichskanzler Dr. Brüning traf hier, aus Königsberg kommend, ein. Bei feiner Ankunft ereignete sich ein Zwischen f a l l, indem eine Abordnung von Erwerbslosen vor dem Bahnhof demonstrierte. Der Reichskanzler wurde am Bahnhof von dem Regierungspräsidenten von Gumbmnen, Dr Rosenkranz, und dem Oberbürgermeister der Stadt, Dr. S a l g e, begrüßt. Im Rathaus gaben der Regierungs« Präsident, der Oberbürgermeister und Handelskammerpräsi- dent Laaser ein Bild von den Nöten der Bevölkerung und der Lage der heimischen Wirtschaft. ,
Hierauf ergriff Reichskanzler Brüning das Wort und betonte, daß es der Reichsregierung darum zu tun sei, vor allem im Zusammenhang mit dem gesamten Plan der Osthilfe die wirtschaftliche Reform durchzuführen. Wenn das bisher noch nicht geschehen sei, trotzdem die Mittel hierzu zur Verfügung ständen, so habe es daran gelegen, daß vielleicht in der gesamten Bevölkerung der Ernst der Stunde noch Nicht voll begriffen worden ist. Die Reichsregierung könne aber auch nicht lediglich mit einer Subventionspolitik weiterkommen. Vielmehr sei für eine erfolgreiche Arbeit in dieser Richtung eine systematische Reformierung der gesamten Wirtschaft und besonders der des Ostens notwendig.
In Jnsterburg erklärte beim Empfang auf dem Rathaus Reichsminister Treviranus, der Zweck der Reife des Reichskanzlers sei, einen unmittelbaren Kontakt mit der Bevölkerung der notleidenden Grenzgebiete herzu- gen Reichsministers Treviranus und legte dar, daß die Bevölkerung der Grenzgebiete durch eine verständige, dem Ernst der Zeit entsprechende Haltung zu wirtschaftlichen und politischen Gegenwartsfragen der Reichsregierung helfen müsse, ihre Aufgabe erfolgreich durchzuführen.
Heute trifft der Reichskanzler mit den Herren seiner Begleitung in Treuburg und darauf in Lyck ein.
150 Todesopfer des Taifun
Manila, 7. Dezember.
Während des schweren Taifuns der im Herzen der Philippinen wütete, find nach den letzten Meldungen mindestens 150 Personen umgekommen. Davon sind 27 ertrunken, als der Dampfer „Lozano" unterging, und etwa 30 an Bord gesunkener Fischerboote. Der Sachschaden beträgt mindestens 1 250 000 Dollar.
„Da gibt's nix mehr einzurenten. Das hat schon zu weite Kreise gezogen", sprach Major Hellenbacher verdrießlich, und trank einen gewaltigen Schluck.
„Pui Teifel! Dös is ja scheißlich. Da steckt der Kerl also in einer elenden Klemme. Wenn man ihm doch helfen könnt'", sagte Graf Schönhausen, und senkte den hübschen, blonden Kopf.
„Wenn man die Sach' hätt' vertuschen wollen, wär's genau so gut gegangen, wie es auch mal woanders geht. Aber hier hat man halt kein Auge zudrücken wollen, und nun haben's dem armen Kerl eben den Strick gedreht. Ich hätt'es...!"
„Servus, meine Herren!"
Ruckartig flogen die Köpfe nach der Richtung der Tür.
Dort stand ein großer, schöner Offizier und blickte mit lachenden Augen auf die Runde der Offiziere.
Dann war es aber auch mit der beinah versteinerten Ruhe zu Ende. Viele Hände streckten sich ihm entgegen. Man machte ihm Platz. Graf Karl Kentner schnallte den Säbel ab. Das Käppi flog in die Ecke, und er setzte sich. Im Nu stand ein Glas Wein vor ihm. Er hob es hoch und sagte: „Es lebe das Leben!"
Hell klirrten die Gläser aneinander.
Dann sagte Kentner gemütlich:
„Ich bitt' um Entschuldigung, daß ich gewagt hab', zu kommen Ich möcht' mich gleich verabschieden. Ich — hab' meinen Abschied eingereicht und fahr' in den nächsten Tagen heim."
Schweigen!
Und jeder dachte: „Also doch!"
Der Oberst stand auf, trat zu Kentner, ging mit ihm zur Seite.
„Und es gab keine andere Möglichkeit, Kentner? Wirklich nicht? Hatten Sie nicht auch einmal an Ihren Obersten gedacht? Vielleicht hätte sich doch noch etwas für Sie tun lassen."
„Gehorsamsten Dank, Herr Oberst. Es — ließ sich nichts mehr tun!"
England "" Frankreichs
Folgen der britisch-französischen Schatzamtsverhandlungen
London, 7. Januar.
Unter dem Eindruck der britisch-französischen Schatzamtsbesprechungen wird anscheinend auf Grund fanzösi- scher Jniative in der englischen Presse das Thema der Young-Plan-Revision behandelt. Die dabei in den einzelnen Blättern zum Ausdruck kommende Uebereinstimmung der Tendenz gegen ein etwaiges deutsches Moratoriumsverlangen läßt kaum einen Zweifel darüber, daß dieser Pressefeldzug von einer bestimmten Stelle aus dirigiert wird.
Ein Leitaufsatz der „Time s" stellt dabei allerdings fest, daß das dauernde Sinken der Preise zweifellos die wirkliche Last der Haager Annuitäten in einem Maße ver- größert habe, wie es die Poung-Plan-Sachverständigen schwerlich hätten voraussehen können. Trotzdem spricht sich das Blatt gegen ein Moratorium aus, das lediglich als letzte Zuflucht vor einem finanziellen Zusammenbruch Deutschlands gedacht gewesen sei.
Die zeitweilige Krisis des vergangenen Sommers ist nach Auffassung des Blattes auf den plötzlichen Mangel an Vertrauen zurückzuführen, der durch das Gerede über vorsätzlichen Zahlungsverzug veranlaßt worden sei. Es handelt sich tatsächlich um eine Krisis des Vertrauens, wie sie nicht nur durch vorzeitige Aufrollung der Moratoriumsfrage hervorgerufen werde, sondern auch durch unverantwortliche politische Aeußerungen der Art, wie sie neulich von Dr. K a a s gemacht worden seien. In wirtschaftlicher Beziehung könne diese Politik nur dazu beitragen, gerade die Krisis herbeizuführen, gegen die ein Moratorium dienen soll.
Auch in der „Financial News" wird die Frage der Young-Plan-Revision in erster Linie unter dem Gesichtspunkt' politischer Erwägungen erörtert. Das Blatt beurteilt die Tributschwierigkeiten Deutschlands vom psychologischen Standpunkt und meint, der Young-Plan sei heute der Sündenbock der deutschen Jugend. Er sei die angebliche Ursache ihrer wirtschaftlichen Schwierigkeiten, er sei verantwortlich für ein zunehmendes Gefühl erlittenen Unrechts und der Unzufriedenheit. Die mögliche Folge dieser Geistesverfassung bilde eher das Wesentliche bei dem Problem als eine schließliche Unfähigkeit Deutschlands, die Reparations- lasten zu tragen. Die wesentliche Frage sei, ob eine solche Gemütsverfassung, die die Heranwachsende Generation einer großen Nation verbittert und ihr politisches Handeln bestimmt, nicht ein so ernstes Uebel für die Welt im allgemeinen sei, daß sie eine Revision der ganzen Reparations- regelung zweckmäßig mache. Wenn Deutschland einen Zahlungsaufschub verlange, würde dadurch die allgemeine Frage der Kriegsschulden wieder aufgerollt werden. Aber die Behandlung dieses Problems würde dann viel schwieriger und die Aussichten würden viel ungünstiger sein, als wenn die Initiative von den Vereinigten Staatfn ausginge. Wenn die amerikanische Meinung dazu veranlaßt werden könnte, entsprechend dem Rat Youngs einer allgemeinen Herabsetzung der Kriegsschulden zuzustimmen, dann würde eine der größten Gefahren für das wirtschaftliche und politische Leben Europas verschwinden.
3m Gegensatz zu diesen Auffassungen erklärte das sozialistische Parlamentsmitglied Norman Angell auf dem von der Völkerbundsvereinigung britischer Universitäten einbe- rufenen Internationalen Kongreß u. a.: Jedem Eingeweih- t von tytti verlangten Summen nicht bezahlen konnte und daß es auck in Zukunft nur in dem Maße werde bezahlen können, in dem die Ausdehnung seines Außenhandels zugelassen und gefördert wird.
Frankreichs Korruptions-Affäre
Paris, 7. Januar. Wie der „Matin" berichtet, hat der mit der Klärung der Oustric-Affäre beauftragte Untersuchungsrichter gegen den radikalen Senator Lederlin Anklage wegen Betruges, Vertrauensmißbrauchs und Vergehens gegen das Gesetz über die Bildung von Handelsgesellschaften erhoben. Es soll sich hierbei um die Lancierung der Holfra-Aktien des Oustric-Unternehmens handeln.
Auf Weisung des Untersuchungsrichters sind zwei in Saint-Germain wohnhafte Pariser Bankiers wegen Unterschlagungen verhaftet worden, die sich auf eine Million Franken belaufen sollen
„Dann will ich Ihnen heute als älterer Kamerad sagen, daß es mir sehr leid tut, Kentner, sehr leid, und daß ich am liebsten heulen möcht', daß gerade Sie dran glauben müssen. Ich hatte Sie immer besonders in mein Herz geschlossen. Morgen früh erwartet Sie also Ihr Oberst, Oberleutnant Kentner!"
„Zu Befehl, Herr Oberst."
Der Oberst berührte den Arm des jungen Offiziers.
„Und — was sagen Sie zum Fürsten Leobstein? Duellgegner! So was! Sieh einer an! Nun, da ist man wehrlos! Er will also absolut die Gerichte mit der Affäre belästigen. Ekelhaft direkt! Aber nicht zu ändern. Was werden Sie tun, lieber Kentner?"
Ein Lächeln zuckte über das schöne, braune Gesicht des anderen.
Die großen, grauen Augen flammten verächtlich.
„Es wird kaum zur Verhandlung kommen."
„Weshalb nicht?"
„Verzeihen, Herr Oberst, wenn ich darüber schweige.'
Etwas ärgerlich nagte der Oberst an der Unterlippe.
Dann zwang er sich ein Lächeln ab und sagte:
„Hoffentlich kein neuer Skandal?!"
„Nein, Herr Oberst. Das heißt: Von meiner Seite aus gewiß nicht."
„Was werden Sie beginnen, Kentner? Sie würdigten mich einmal Ihres Vertrauens. Nun kann ich mir nicht denken —"
Das junge Männ^rgesicht wurde eisenhart. Kentner sagte:
„Daheim wird meines Bleibens kaum sein."
„Ja, aber, um Gottes willen, was dann?"
„Verzeihung, Herr Oberst: die Welt ist groß?"
Der Oberst sah den jungen Menschen außer Fassung an, dann stieß er, noch immer außer sich, hervor:
„Es muß doch etwas mit Ihnen geschehen?"
„Gewiß! Und es wird nicht einmal sonderlich von dem Schicksal anderer gescheiterter Existenzen abweichen", sagte Kentner düster. (Fortsetzung folgt.)