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Hersfel-erTageblatt

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Freitag, den 2. Januar 1031

81. Jahrgang

Hoffnungen und Wünsche für 1931

Reichspräsident und Reichsregierung nehmen das Wort

Neujahrsgedanlen 1931

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Von Reichskanzler Dr. B r ü n i n g.

Das Jahr 1930 werden Millionen und aber Millionen unseres Volkes mit einem gewissen Aufatmen haben scheiden 'sehen; gut, daß wir es hinter uns haben! Denn es war ein schweres Jahr, ein Jahr, das uns viel zu schaffen machte. Die Konjunktur von 1927/28 setzte ihren Abstieg von 1929 bis in das Tal einer tiefen Depression fort und machte Mil­lionen deutscher Volksgenossen erwerbslos. Die Finanzver­hältnisse des Reiches, der Länder und Gemeinden wurden kritisch, Depression und Krisis der Finanzen nährten das Mißtrauen in unserem Volke, ob das Leben und das Wachs­tum unserer Nation mit der gegebenen verfassungsmäßigen x Ordnung der politischen Kräfte am besten gewährleistet seien. Es wurden Bewegungen groß, die über dieses Mißtrauen hinaus die gegenwärtige Ordnung unserer politischen Ver­hältnisse als des Ruins des Staates und der Nation Schul­dige anklagten und sich anheischig machten, Volk, Staat und Kultur aus ihren Grundsätzen, ihrem Blute und ihrer Tatkraft erneuern zu können. Solche Bewegungen waren vorauszusehen Sie zeigen sich stets eim^ Zeit nach einer politischen Neuordnung, weil dann die hinter der Umgestal­tung Zurückgebliebenen sich im Angriff auf sie mit jenen finden, die von ihr enttäuscht sind, weil nicht alle ihre Blü- tenträume reiften. Von außen fanden die innerpolitischen Erregungen Zündstoff an der allgemeinen politischen Unrast in der Welt sowie an der Abneigung der Mächte, in den Fragen der Abrüstung der deutschen Tributverpflichtung so­wie der Souveränitätsoerhältnisse im Osten eine schöpfe- V ... ... '-. W *<tAr k......f ' ' *V , ,

Kultur der Menschheit fördernde Politik zu aktivieren.

Politischer Verstand oder Unverstand sind bei uns wahr­scheinlich noch weniger als bei anderen Völkern das Reser­vat bestimmter sozialer Schichten oder Berufe. Im Gegen­teil finden wir überall beides in hohen Graden. Dasselbe läßt sich auch sagen von der praktisch-politischen Betätigung. So kommt es, daß unser politisches Leben so mannigfaltig ist, daß es darin quirlt und braust, daßimmer etwas los ist", daß es aber auch so schwer ist, eine sachliche, d. h. wirk­liche Politik nach wohlüberlegten Richtlinien auf Jahre oder gar Jahrzehnte berechnet zu betreiben, wie es doch eigent­lich sein muß Dennoch aber hat sich im abgeMfenen Jahre so viel politisches Verständnis äußern und durchsetzen können, daß wir den Finanzen wieder trotz der fortschreiten­den Depression eine festere Grundlage geben konnten. Und was geordnete Finanzen nach den verschiedenen Richtungen hin bedeuten, sollte allgemein bekannt sein. Wir haben so­dann manches tun können, um den Ablauf der Konjunktur zu erleichtern. Die Arbeitslosenversicherung die weit mehr istNlls ihr Name besagt konnte besonders dank der Arbeitnehmerschaft selbst in ihren Leistungen gesi­chert werden.

So stehen wir an der Schwelle zwischen dem alten und dem neuen Jahre wie Männer, die von schwerer, gar nicht

ästhetischer Arbeit kommen und die Spuren davon an sich -tragen, und die wissen, daß sie morgen wieder so heran- ^ gehen müssen, weil das Werk ja noch längst nicht fertig ist, ja, die wissen, daß es überhaupt nie fertig wird, weil Politik eine Seite des Lebens ist und also auch dauert, solange es Leben gibt. Aber wie echte Werkleute, die einmal ein Werk begonnen haben, es freiwillig nicht bei der halben Sache bewenden lassen, so werden auch wir von der Gestaltung unserer Verhältnisse zum Besseren, zu Höhe­rem nicht ablassen, solange Leben und Kraft in uns sitzt. Le­ben und Kraft aber haben wir, das hat uns das Ringen des Volkes im ablaufenden Jahre bewiesen.

Freilich muß die Kraft diszipliniert sein, soll sie aufbauen und nicht zerstören. Das gilt überall von ihr, aber wenn ich an der Schwelle zum neuen Jahre uns allen und mir poli­tisch etwas ganz Tiefes und Großes wünschen darf, dann ist es dieses: möge unser Volk in seiner Gesamt- h e i t, also in allen Schichten, Berufen und Ständen und Lebensaltern zunehmen in der Fähigkeit und Geschicklichkeit, seine großen Anlagen und unerschöpflichen Kräfte richtig zu behandeln und einzusetzen besonders im Politischen möge es also einsehen, daß alle praktische Politik Aufbau ist, daß aber alles Aufbauen nicht darin besteht, daß alles zugleich getan wird, sondern daß ein Stein sich auf den andern fügt/ Dazu gehören Mut, Fleiß, Ausdauer, Geduld, immer erneutes Prüfen und Wägen ohne Haß und Neid (denn sie machen blind) und stetige Arbeit. Und lernen wir Matz halten nicht nur im Politischen selbst, sondern auch in den Forderungen an unsere Politik. Sie kann viel, aber sie kann die Menschen nicht glücklich machen. Jeder wird die in ihm ruhenden Kräfte um so besser zur Wirkung bringen, je mehr er erkennt, wie er damit beitragen kann zum Gelingen in dem großen Geschehen, das wir Politik nennen.

Neujahrsempfänge von * hoher politischer Bedeutung

Reichspräsident und Reichsregierung nehmen das Work.

Berlin, 2. Januar.

Anläßlich des Neujahrstages fanden beim Reichspräsi­dent von Hindenburg gestern die üblichen Empfänge statt. Um 10.45 Uhr zog die Wache mit Musik, vom Bran­denburger Tor kommend, über die Linden und die Wilhelm­straße zum Haus des Reichspräsidenten, an dessen Portal der Reichspräsident die Meldung entgegennahm.

Um 12 Uhr wurde das Diplomatische Korps erwartet.

Der Apostolische Nuntius, Monsignore Orsenigo, überbrachte als Doyen des Diplomatischen Korps dessen Glückwünsche. Der Nuntius sprach u. a. die Hoffnung aus, daß die allgemeine wirtschaftliche Not ein Antrieb werde zu neuen ernstgemeinten Versuchen, um die gegenseitige herz­liche Verständigung unter den Nationen zu erreichen, die allein beste Gewähr bietet für eine gesicherte Freiheit und Ruhe in allen Ländern und einen tatsächlichen und dauern­den Frieden unter den Völkern.

Reichspräsident von Hindenburg erklärte u. a.: Der Ausgleich der harten Interessengegensätze, die allenthalben das politische, wirtschaftliche und soziale Schicksal der Völker bedrohen, kann nicht von den einzelnen Ländern, kann nicht in Vereinzelung vollzogen werden. Zu­sammenarbeit Aller, Zusammenfassung aller positiven Kräfte ; zur Ueberwindung der Krise, zur Beseitigung der Hindernisse i für den Fortschritt der Menschhe i ist die graste Friedensauf- gäbe, an der Deutschland mitzu virken sWWW ist.

Um 12.30 Uhr fand

der Empfang der T ichsregit unq

..*. v?**^^*** x^wtii u<» ü«vluj&pruj ;jviiten^auies stau 2 In Vertretung des beurlaubten Reichskanzlers begrüßte | namens der erschienenen Reichsrstinister und Staatssekretäre < des Reiches

Reichswehrminister Dr. Groener den Reichspräsidenten. Er führte etwa folgendes aus:

Das vergangene Jahr brächte uns die schicksalsschwere Beendigung der Haager Verhandlungen mit den Abmachun­gen über den Neuen Plan. Seither hat sich jedoch in der ge­samten Weltwirtschaftslage eine so tiefgehende Wandlung vollzogen, daß die Reichsregierung vor die ernste Frage ge­stellt ist, ob das deutsche Volk die in dem Neuen Plan vorgesehenen Lasten zu tragen vermag. Die Reichsregie- rung ist sich ihrer Pflicht bewußt, dafür zu sorgen, daß die sittlichen und sozialen Lebensgrundlagen des deutschen Volkes nicht erschüttert werden. Die berechtigten Klagen und Be­schwerden der deutschen Minderheiten haben in unserer Oeffentlichkeit einen starken Widerhall gefunden. Schwer empfindet es das deutsche Volk, daß der Grundsatz der Gleichberechtigung, auf die unser Volk einen selbstver­ständlichen Anspruch hat, noch nicht gewährleistet ist. Noch immer ist die feierlich übernommene Verpflichtung auf Abrüstung durch die anderen Mächte nicht in die Wirklichkeit um gesetzt, und noch immer muß sich Deutschland in seiner Sicherheit bedroht fühlen. Es wird Aufgabe der Reichsregierung fein, in allen diesen Fällen mit allem Nach­druck dafür einzutreten, daß der Grundsatz gleicher Sicherheit für alle Völker, ohne den eine wahre Befriedung unmöglich ist, sich durchsetzt.

Jnnerpolitisch wurden die Arbeiten der Reichsregierung, die in den Notverordnungen des Sommers ihren vorläufigen Abschluß fanden, durch die Neuwahlen zum Reichstag unterbrochen. Nach den Wahlen, deren Ausgang für alle Welt sichtbar den auf dem deutschen Volke lastenden wirtschaftlichen und seelischen Druck zeigte, sind sie mit er­neuter Kraft in Angriff genommen und im letzten Monat des vergangenen Jahres einen kräftigen Schritt weiter geführt worden. Dabei lag naturgemäß das Hauptgewicht auf den ,zur Milderun gderWirtschaftskrise getroffenen Maßnahmen.

Verschiedenheit der Anschauungen und der persönlichen Interessen wird und muß sein; aber es ist nicht nötig, daß diese Verschiedenheit zu einem politischen Kampfe führt, der das deutsche Volk zerreißt und dann in der Zeit der Not und Gefahren zu einem einheitlichen Willen unfähig macht.

Die unvergeßlichen Leistungen Deutschlands im Weltkrieg, die zähe Ueberwindung der großen politischen und wirtschaft­lichen Erschütterungen der Nachkriegszeit, das geduldige Er­tragen fremder Besatzung, die tapfere Abwehr der vielfachen Anschläge auf deutsches Land und andere Ereignisse mehr haben uns sowie der Welt gezeigt, daß trotz allem Gegensätz­lichen bei uns starke und innerlich verbundene Kräfte leben und wirken, die uns zu Gesundung und Aufstieg verhalfen.

Nach der Begrüßung des Diplomatischen Korps empfing der Reichspräsident um 12.50 Uhr den Reichstagspräsidenten L ö b e, der dem Reichsoberhaupt die Glückwünsche des Reichstages überbrachte. Darauf erschien eine Abordnung des Reichsrates, ferner die einzelnen Reichsratsbevollmäch­tigten und Gesandten des Reiches bei den Ländern, der thüringische Reichsratsbevollmächtigte, Minister Dr. M ü nze i. Die Glückwünsche der Wehrmacht überbrachte Reichswehrminister Dr. h. c. Dr.-Jng. e. h. Groener die der Marine Admiral R a e d e r Den Reichspräsidenten such­ten ebenfalls auf der Präsident der Reichsbahngesellschaft, Generaldirektor Dr. D o r v m ü l l e r und Reicksbankvräsi-

dent Dr. Luther. Nach Beendigung der Empfänge er­schien der Reichspräsident auf dem Balkon seines Palais. Eine zahlreiche Menschenmenge brächte dem Reichspräsiden­ten lebhafte Ovationen dar.

3n Berliner politischen Kreisen wird angenehm empfun­den, daß sowohl Reichsregierung als auch der Reichspräsident selbst in den Begrüßungsansprachen zu aktuellen und wichti­gen inner- und außenpolitischen Fragen der Gegenwart Stel­lung genommen haben. Diese programmatischen Aeußerun­gen lassen erkennen, daß Reichsoberhaupt und Reichsregie­rung Wert darauf legen, im Rahmen der Wellpolitik inter­nationaler Befriedung insonderheit den nationalen Be­langen und wirkschafllich-kulkurellen Notwendigkeiten des deutschen Volkes Rechnung zu tragen.

WehrhaftigKeit und

SeLbstbehauptungswMen

Line Rundfunkrede des Reichswehrministers.

Berlin, 2. Januar.

Der Reichswehrminister Dr. Groener sprach auf der Deutschen Welle int Rundfunk über die Geschichte und die Aufgaben der deutschen Wehrmacht. Anlaß zu dieser Rede gab das zehnjährige Bestehen der Reichswehr. Der Minister hob besonders die U e b e r p a r t e i l i ch k e i t der Reichs­wehr hervor und appellierte an die Selbstzucht, die Berufs­freudigkeit und das Staatsbewußtsein des Reichsheeres. Der Minister, der noch auf verschiedene Fragen der Ausbildung und der Wehrorganisation einging, schloß seine Ausführun­gen mit der Feststellung, daß die Landesverteidigung eine Lebensnotwendigkeit der Nation sei. Ohne WehrhaftigkÄt sind selbstbehauptungswillen könne kein großes Staats- wesen bestehen.

Der Reichspräsident an die Wehrmacht

Berlin, 1. Januar.

Zum Jahreswechsel: erläßt der Herr Reichspräsident fol­genden an die Wehrmacht gerichteten Aufruf:

An die Wehrmacht!

Am 1. 1. 1931 besteht die Reichswehr ein Jahrzehnt in der Form, die ihr der Vertrag von Versailles bestimmte. In Zeiten tiefster vaterländischer Not wurde sie unter meinem Amtsvorgänger geschaffen. Trotz aller ihr auf- erlegten Fesseln hat sich die Wehrmacht als Hort des äußeren und inneren Friedens, als eiserne Klammer des Reichs und als feste Stütze des Staats erwiesen. Das ihr zu treuen Händen übergebene Erbe der alten Armee und Marine hat sie gut verwaltet. Ich danke der Wehrmacht für die Arbeit dieses Jahrzehnts und entbiete ihr meine herzlichsten Wünsche zum neuen Jahr. Möge sie weiterhin ihre Ehre darein setzen, in Gehorsam und treuer Pflichterfüllung dem Vakerlande zu dienen.

Berlin, 1. Januar 1931.

Der Reichspräsident gez. von hindenburg.

Der Reichswehrminister gez. Groener.

DMschlapd md die Ratstagung

Meinungen der englischen presse

London, 2. Januar.

Die Londoner Presse: beschäftigt sich eingehend mit dem Verhältnis Deutschlands zum Völkerbund.

Wie der Genfer Korrespondent desDaily Telegraph" berichtet, wird im Völkerbundsfekretariat bestätigt, daß Dr. Curtius beschlossen habe,? auf den Vdrsitz bei der nächsten Ratstagung zu verzichten. Nach dem Bericht dieses Korre­spondenten herrscht in Völkerbündskreisen der Eindruck vor, daß im Falle einer gegen Deutschland gerichteten Entschei­dung in der Minderheitenfrage in Deutschland eine lebhafte Agitation gegen den Völkerbund einsetzen werde. Man werde den Versuch machen, die Reichsregierung zum Aus­tritt aus dem Völkerbund zu bewegen.

In gleichen Sinne berichtet ein bekannter englischer Journalist, der kürzlich in Deutschland war, imNews Chronicle", daß durchaus gemäßigte Deutsche ihn gegen­über von der Möglichkeit, eines Austritts Deutschlands ge­sprochen hätten.

Marschall Joffre zeitweise ohne Bewußtsein.

Paris, 2. Januar.

Der Zustand des Marschalls Joffre wurde am Donners- lag nachmittag von den Aerzten wiederum als unverändert bezeichnet, obwohl der Kranke am Vormittag das Bewußtsein eins Stunde lang verloren hatte, wodurch der Puls ge- schwächt wurde und zeitweise ganz aussetzte. Außerdem ist die Nahrungsaufnahme schwierig geworden.

Nach einem am Neujahrstage von den Aerzten ausge­gebenem Krankheitsberichi schläft der Marschall. Kurz vor der Veröffentlichung des ärztlichen Bulletins hätte sich in den Mittagsstunden die unzutreffende Nachricht verbreitet, daß der Marschall bereits gestorben sei. Sie war auch be­reits ins Ausland weitergeleitet worden.